Reisen Mai/Juni 2012

13.5. Flug mit SilkAir von Chiang Mai nach Singapur. Wir wählten keine Unterkunft in der Stadt, sondern das Changi Village Hotel. Wir verzehrten zwei Hummer aus den nahen Gewässern, ohne Kummer, bei angenehmen Wetter. Die wochenlange Hitze zuvor in Chiang Mai liess uns leiden.

15.5. 23 00 Changi Airport. Demnächst Flug mit Singapore Airlines mit A380 nach Zürich. (angeblich kalt, 3 – 6°C). In einer Tasche schleppten wir Pullover und lange Unterhosen. Bei der Ankunft war es acht Grad. Nachdem wir im Mietwagen sassen, zeigte das Thermometer vier Grad. Als wir in Urtenen Schönbühl ankamen, schneite es kurz.

18.5. Seit dem 16. Mai  waren wir in der nass-kalten Schweiz im Hotelzimmer und in Isabellas Wohnung blockiert. Die Zeit lief uns davon, wie das korkenkauende Grosskind. Alicia verzichtet auf Korken, weil wir getrocknete Mangoschnitze im Gepäck hatten. An Auffahrt, 17.Mai, schneite es in der Schweiz bis in tiefe Lagen. Seit 30 Jahren war es nicht mehr so kalt Mitte Mai. In Bern sank die Temperatur auf minus 0.7 °C. Meine Schultergelenke schmerzten wie in der guten alten Zeit, als ich Südostasien nur als Feriendestination kannte.

Nach einem einzigen, beinahe angenehmen Tag in der Schweiz, trafen wir am 23. Mai in Westhalten Im Cheval Blanc (F, Bild) zum Fête de la cuisine, ein. Sieben Gänge mit entsprechenden Weinen boten beste Abwechslung zum üblichen hinterindischen Papayasalat. Leckereien wie: le marbré de foie gras et mangues, petit kugelhopf aux figues et raisins au sirop – la marinière d’eglefin, tomates fraiches, herbes et purée à l’olive noire – la caille farcie, sauce aux morilles et risotto aux asperges de Gundolsheim.

Der Fluch des Navi: man fährt auf direktem Weg ans Ziel und übersieht die versteckten Schönheiten des Weges.

Am ersten warmen und schönen Tag nach der Landung in Zürich reisten wir vom Elsass nach Bregenz. Drei Länder in einem Tag! Grüner Veltliner und Zweigelt nebst Apfelstrudel versüssten die Ankunft. Morgen geht es weiter ins Kernland Bayerns, an den Achim-See.

Nach viel Kultur, http://www.herrenchiemsee.de/deutsch/n_schloss/index.htm  Heimatabend und Kurkonzert, verliessen wir am 29. Mai Bernau und reisten nach Spittal an der Drau. Am 30. Mai fahren wir ins hoffentlich wärmere Rijeka. – Dreissig Minuten vor erreichen unseres reservierten Hotels machte uns die Polizei einen Strich durch die Rechnung. Die Botschaft in Bangkok stellte ein Visum mit einer einzigen Einreise in die Schweiz aus, trotz verlangter mehrfach Bewilligung – wie üblich. Ich konnte das Kleingedruckte ohne Lupe nicht erkennen. Der korrekte kroatische Polizist verweigerte  die Einreise. Ich warnte Dick vorher, es könnte Probleme an der Grenze geben. Sie meinte: „No Ploblem.“ Der Beamte in Slowenien war sehr freundlich und empfahl uns in Portoroz das Grand Hotel. – Volltreffer! Mein Hotmail Account erlebte einen Hackangriff. MS sperrte  wegen illegaler Aktivitäten den Account kurzerhand. So bin ich seit Tagen ohne Mail, kann nichts empfangen oder senden. Dafür ist es schön und warm in Portoroz. Am 1. Juni wurde eine VOLLMOND Party gefeiert?!  Der Einzige, der an diesem Abend nicht voll war, war der Mond.

Am 3. Juni erreichten wir bei angenehmem Wetter Conegliano, Treviso. Prosecco-City, Carpenè-Malvolti. http://www.carpene-malvolti.com/welcome.php. Die Großfirma produziert kaum den besten Prosecco. Aber er ist bei erschwinglichen Preisen immer angenehm. Meist angenehmer als der Sprudel, der teilweise in Chiang Mai überteuert angeboten wird.

Tags darauf begann die Regenzeit. Auf einem Spaziergang flüchteten wir in den Palazzo Sarcinelli und sahen Bilder der Ausstellung ‚Alfabeti di Luce‘ von Gian Luigi Zanette. Am 5. Juni reisten wir bei strahlender Sonne querfeldein ins Südtirol, nach Rabland, wo wir im empfehlenswerten Rössl nach sechs Jahren wiederum überaus nett empfangen wurden. Nach zwei erstklassigen abendlichen Weinzeiten, darunter Traminer aus Tramin, quällten wir den alten VW über zwei Pässe. Auf dem Flüela gab es für Dick spektakuläre Schneekegel. Von Klosters aus, nach einem Ohr voller Bündnermusik, einigen Gläsern Maienfelder Blauburgunder und genügend Schlaf, genossen wir auf dem Weg nach Stettlen den strömenden Regen. Nach zwei linden Nächten, wir schliefen in der Linde, verzogen wir uns am Sonntag nach Lyssach. Im Raum Bern sah es diese Woche trübe aus mit Hotels. Am Sonntag war, ich nenne es respektlos Wybertschirgge, gleich Frauenlauf. Am Nachmittag mampften wir mit Freunden in Kerzers Spargeln, begleitet von Weisswein vom Château de Praz.

Lyssach ist nur wenige Minuten von Burgdorf, dem Tor zum Emmental, entfernt. Es war fast unvermeidlich, die Gegend nicht zu bereisen. Wir genossen einen milden Vorabend für eine kleine Rundreise. Affoltern, eine Gruppe aus China besichtigte gerade die Schaukäserei, Weier, Sumiswald und Lützelflüh. Seit 1942 steht auf dem Schulhausplatz  Lützelflüh ein Gotthelf-Brunnen mit der Figur „Ueli der Knecht“. Unvergessliche emmentalische Gastfreundschaft erlebten wir danach im benachbarte Rüegsauschachen.

Dick wünschte, dass ich für das Konzert  bei `Dick macht schlank` ein Hemd von Lorenzo Calvino erstehe. Die Nacht der Musik «All’ungherese» am 16. Juni war  einer der Höhepunkte unserer Reise.  Mario Venzago dirigierte das Berner Symphonieorchester. Strauss: Ouvertüre Fledermaus, Doppler: Ungarische Fantasie, Ravel: Tzigane mit der Violonistin Soyoung Yoon eröffneten neue Welten.  Nach dem zweiten Teil mit Berg: Wozzek, Brahms und Liszt unter Mitwirkung von Veronika Pfaffenzeller, Sopran, legten die ungarischen Zigeuner, die Rumänen ‚Taraf de Haidouks‘ los. Ihre Vorväter benutzten offenbar Geigen zum Feuermachen.

Ein letzter kleiner Ausflug führte am 20. Juni nach Bad Bellingen. Zarte Spargelstangen, ein Fläschchen Gutedel und süsse Kirschen verschönten den Mittag. Danach landeten wir wieder in Westhalten. Jeden Abend genossen wir Speziälitäten des Hauses Koehler, begleitet von Flüssigkeiten wie Aloxe Corton und einem zwölf jährigen Pommard. Am Donnerstag schlenderten wir durch Teile der Altstadt in Colmar.  Am Freitag besichtigten wir die Rebhänge der Umgebung.

Darauf reisten wir am Samstag über Bad Bellingen, – Spargeln, Pfifferlinge, Hasenkeule, Spätzle, Chardonnay, Kirschen, – zurück nach Lyssach. Die ungewohnte Kälte im Mai löste in  Armen und Schultern Gelenkschmerzen aus. Die Sonne Sloweniens linderte das Leiden so weit, dass ich kurvige Alpenpässe befahren konnte. Gegenwärtig finde ich am Winterwetter wenig Wohlgefallen, stöhne, freue mich auf die hinterindische Wärme und die flinken, heilenden Finger der alten massierenden Hexe.

Mittlerweile trafen wir am 29. Juni in Singapur ein. Die letzten Tage in der Schweiz brachten einige unnötige Überraschungen. Ich verursachte mittlere Staus, als beim Volkswagen mitten auf einer Kreuzung im Raum Urtenen-Schönbühl, die Benzinpumpe ihre Macht zeigte und streikte. Das koreanische Telefon zu Fr.19.90 wirkte Wunder. Dick war erstaunt, wie flink die Pannenhilfe des TCS – http://www.tcs.ch/ – funktionierte und das Fahrzeug gekonnt aus dem dichten Verkehrssalat abschleppte. Danach schätzte ich Servolenkung und Bremshilfe umso mehr. Herzlichen Dank an alle beteiligten Damen und Herren. Und dem VW bin ich auch nicht böse. Der hätte ja in den Haarnadelkurven am Flüela unsere Naivität voll ausnützen können.

Abends bestellten wir im Restaurant Ubon Hummer mit chinesischer Chilisauce. Dazu gesellte sich ein chilenischer Sauvignon. Nach all den europäischen Weinen voller ausgewogener Nuancen verhielt sich dieser Chilene wie aufdringliches Parfüm einer professionellen Liebesdienstanbieterin. Die zwei Nächte in Changi waren zu knapp bemessen. Singapur ist hektisch. Gleichzeitig beeindruckten Ruhe und Effizienz am Flughafen.

Abgesehen von der ersten kalten Woche verlief die Zeit schneller als die beiden Langstreckenflüge. – Reisen in Europa: Die Schweiz ist teuer. Hotelzimmer kosten bei ähnlicher Ausstattung mehr als das Doppelte als im EU Raum. Eines der angenehmsten, gleichzeitig  preisgünstigsten Häuser, war das Rössl in Rabland. Schönes, angenehmes Zimmer mit eindrucksvoller, reichlicher Halbpension zu 78 Euro pro Person.

Wir bedauern, dass wir wegen der Witterung und anderen ungünstigen Faktoren und Pannen unser Besuchsprogramm einschränken mussten.

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Ich wollt ich wär ein Huhn

Am Ende des Tagewerks legte ich geschwind ein Ei. Danach wälzte ich mich ins Bett. Hüpfen kann ich als Paraplegiker nicht. Es war um Mitternacht, also Geisterstunde. Offenbar hatte ich Besuch von einem besonders bösartigen, unsichtbaren Gast. Ich versuchte, meine Beine so zu lagern, dass sich keine Knochen auf Knochen rieben. Denn das führt zu Dekubitus-Geschwüren, welche schlecht heilen. Beim Zurechtbiegen der Beine knallte es in meinem rechten Oberarm. Eine Riesendetonation mit Feuerwerk – Zerrung.
Diese war besonders schmerzhaft. Ich schrie, volle Lautstärke, geschätzt während einer halben Stunde. In Wirklichkeit waren es einige Sekunden. Meine Helferin räkelte sich bloss wenige Meter entfernt in der Badewanne. Sie hörte mich nicht. Ich hätte ihr Smartphone aktivieren müssen. Nur darauf sind die Sinne heutiger Generationen geschärft, – eine zeitgemässe Abart selektiver neurodegenerativer Krankheiten. Althergebrachte Kommunikationsfähigkeit ist bei jungen Menschen meist nicht mehr vorhanden. Sie verspeisen lauwarmes Zeugs, meist mit einem technischen Gerät, einem Mikrowellengenerator, in der Nähe ihres Nahrungseinwurfs. Diese Menschen könnten mit Infusionen überleben, beispielsweise mit Ovomaltine im Mastdarm.

Der nächste Morgen lächelte mir unfreundlich ins Gesicht. Mein rechter Arm war gelähmt, unbrauchbar. Dick half mir den extrem langen Weg, die wenigen Zentimeter, vom Bett in den Rollstuhl zu überwinden.
„Ich habe zwei Haltegriffe – am Kopf, die Ohren. Oder reiss mich am Sack! Aber bitte, berühre meinen Arm nicht, der ist wie ein Behälter voller stichbereiter Wespen.“
Dann fand ich heraus, dass ich einarmig weder Laptop noch Smartphone benutzen konnte. Irgendwie musste ich mich im Rollstuhl festhalten. Weitere Unfälle durfte ich mir nicht erlauben. Getränke mischen, Dosen öffnen – unmöglich. Dick mixte schmerzmildernde Maracuja-Cocktails.
Ich lernte schnell, einhändig im Haus zu rollen. Kalkulierte zickzack-Kurse wie ein Segelboot, leider ohne Wind, erlaubten beinahe beliebige Ortswechsel. Im Badezimmer bemerkte ich, einarmiges Händewaschen ist leider Illusion. Ich folgerte, die nächsten Tage wäre es wohl unmöglich, mich aufs WC zu setzen. Karge Mahlzeiten mussten entsprechend angepasst werden.
In der Schweiz gibt es problemlos Pflegemöglichkeiten für solche Patienten und Situationen. Meine Unfallversicherung hätte die hohen Kosten, ungefähr 1‘500 Fr. pro Pflegetag, diskussionslos vergütet. In Chiang Mai haben sogar private Krankenhäuser keine Spezialmatratzen für Paraplegiker. Ich hätte sie, die Matratze, mitbringen müssen. Meine angepasste, verpisste Unterlage wurde durch geistige Armleuchter, meist nicht eingeladene Besucher, zerstört.

Erlebten sie bereits die Annehmlichkeiten von Luxus-Wohlfühloasen? Da gibt es weder Wasserknappheit, noch Stromausfälle. Notstromgeneratoren und Ersatzpumpen sind genau so vorhanden, wie Heerscharen von Technikern, Köchen, Servicepersonal und freundlich assistierenden Managern, geschult und trainiert für sämtliche denkbaren Ereignisse wie Weltuntergang. Für diese Berufsgattung, wandelnde Kleiderständer von Armani, Boss, an solchen Orten kein Problem. „Madame, darf ich ihnen auf Kosten des Hauses ein Glas Champagne anbieten?“

Meine Oase hat Ersatzteile. Ganze Pumpen und Generatoren fehlen, weil es keine Service-Techniker gibt. Der beste Generator müsste regelmässig benutzt und gewartet werden. Ohne elektrischen Strom, fliesst kein Wasser, denn die Pumpe streikt.

Ich klärte meine irdischen Heerscharen, bestehend aus drei Personen, auf:
„Am späteren Nachmittag am Samstag muss ich unbedingt aufs WC. Der Kot steht bereits am Pegelmesser, dem Halszäpfchen. Da gibt es im Garten keine Wasserspiele oder Experimente mit Elektrizität. Wenn ihr euch unbedingt umbringen müsst, benutzt Seile. Nach mehreren überaus schmerzhaften Tagen, möchte ich mich in aller Ruhe reinigen und duschen.“

Die Sklaven waren mit dem Entfernen von Ästen im Garten beschäftigt, während ich langsam genüsslich meinen Darm entleerte. Ein halber Baum krachte gezielt auf einen Wasseranschluss ausserhalb des Hauses und entfernte durch einen einzigen Schlag eine ganze Batterie von weiteren Anschlüssen. Wasserspiele, Springbrunnen. Dick musste die Wasserpumpe ausschalten. Ich sass sauber eingeseift, die Haare lagerten in biologischem Aktiv-Schaum, auf dem WC und wartete gespannt auf einige Tropfen Wasser.
Irgend ein möchtegern Farb-Spezialist bekleckerte die Wasserleitung mit möglichst viel Anstrich. Andernfalls wäre das Anleimen eines provisorischen Verschlusses in Minuten erfolgt.
Wohlgeseift, Low, gackernd.

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