Ehrenmitglied der globalen Wegwerfgesellschaft

Als Spital Patient im Entwicklungsland wurde ich Mitglied der extremen Umweltverschmutzer. Täglich liefere ich indirekt zwischen 5 bis 8 Plastiksäcken mit Wegwerf-Artikeln aller Arten. Das beginnt ganz bescheiden bei den Medikamenten. Die Hersteller Packungen werden von der Apotheke in Plastiksäcklein mit ein bis zwei Pillen abgefüllt, beschriftet und an die verschiedenen Stationen verteilt. Eine diplomierte Pflegerin öffnet die Verpackungen und gibt die Pillen in einen 30 ml Kunststoff-Becher. Je nach Verordnung erhalten die Patienten täglich bis zu drei Becher.
Mahlzeiten werden auf einem Kunststoff-Tablett serviert. Der Teller kommt nicht direkt mit dem Kunststoff in Kontakt, sondern liegt auf einer Papierunterlage. Das Besteck, eine Serviette und zwei Zahnstocher sind in einer Papierhülle versteckt. Möglicherweise findet sich eine Beschreibung des Essens mit Kalorienangaben. Butter, Konfitüre und Margarine sind einzeln verpackt, ebenso Salz, Pfeffer und Ketchup. Die Messer sind nicht scharf genug zum Schneiden von Fleisch oder für einen Selbstmord. Zum Streichen von Butter sind sie zu gross.

Pro Monat liefere ich zusätzlich 45 Wegwerf-Spritzen mit Nadeln. Dazu gibt es 120 Spezial-Heftpflaster. 30 Mal wird die Bettwäsche gewechselt. Nicht vergessen sollte ich Salben, Kochsalzlösung, Desinfektionsmittel, 60 bis 90 Urinkatheter und sechzig Pampers.

Neugeborene und Kleinkinder können noch keine Urteile über Wegwerfwindeln abgeben. Sie lallen lächelnd höchstens: „Mama… Gagi“.
In meinem Bildungsweg fehlten Kindergarten und Wegwerfwindeln. Möglicherweise aus Glaubensgründen wurde mir bisher der Zutritt ins Nirvana, Nibbana, verwehrt. Stattdessen wurde ich im hohen Alter Pampers-Tester, denn Hierzulande heißen alle Windeln Pampers.
Die Erfinderin von Wegwerf-Windeln war Marion Donovan anno 1949. Sie konnte ihre ersten Windeln nicht vermarkten. 1956 ärgerte sich Direktor und Chemiker Victor Mills von Procter & Gamble beim Wechseln herkömmlicher Windeln bei seinem Grosskind. Er und sein Team arbeiteten an einer Wegwerfwindel, die 1961 auf den Markt kam. 10 Jahre später wurden die Sicherheitsnadeln durch Klebeband ersetzt. Ab 1986 nahm ein Geliermittel mehr Flüssigkeit auf. Gleichzeitig konnten 50 % Material eingespart werden. Seit 2018 werden hautfreundliche Windeln produziert, ohne Chlorbleichmittel, Duftstoffe und 26 weitere Allergene.
Bisher hatte ich keine Möglichkeit die Pampers mit den Produkten aus Thailand zu vergleichen.
Ich bemerkte, dass die Pflegerinnen den richtigen Umgang mit Wegwerfwindeln nie eingehend gelernt haben. Auf der Bauchseite haben die Windeln eine Zielvorrichtung. Die Windel-Größen S,M,L, sollte auf den Bauchnabel gerichtet sein, oder der Nabel sei seitlich verschoben.

Links und rechts der Größenangabe sind Streifen mit Nummern. Sofern die Windel richtig sitzt, werden die Kleber beispielsweise auf beiden Seiten auf 1,5 angebracht. Im Extremfall könnte der Kleber rechts auf die Windelgröße, links auf die Nummer 3,5 zu liegen kommen. Diese Methode wird nur bei Sopran-Flatulenzern empfohlen.
Ich bedauere außerordentlich, dass ich im hohen Alter zum Umweltsünder stilisiert wurde. Kehricht- oder Müllverbrennungsanlagen gibt es in Chiang Mai noch nicht. Die einzigen Verbrennungsanlagen sind die Krematorien. Sie geben Rauch ab, wie Zigarren — ohne Filter!

Einen Elefanten erwürgen, Fortsetzung

Dick kann den Kindern kaum ideale Entwicklungsmöglichkeiten bieten, weil die Frust abreagierenden Mitbewohner, hirnlosen Verwandten und verantwortungslosen Eltern ein Terror-Regime entfalten.
Die Urgroßmutter schlägt jetzt vorwiegend auf das Büblein ein. Der Knabe lernt schlagen schneller als sprechen und prügelt auf alles ein, inbegriffen den Hund.
Die Mutter der Zwillinge arbeitet offenbar irgendwo in Chiang Mai. Vielleicht verkauft die Vollschlanke ölfreie Fett-Massagen in der Wohlfuehl-Industrie. Wo sie lebt, wissen wir nicht.
Letzte Woche holte sie ihr Töchterlein vom Kinderhort ab und erklärte den Leuten, sie sei die Mutter. Sie könne für den Unterhalt ihrer Tochter bezahlen. Die Angestellten des Hortes waren dumm genug, die Fette mit dem Mädchen laufen zu lassen. Sie dachten nicht daran, dass da irgendwo im Haus noch ein Brüderchen sei. Es regnete aus Kübeln, als der Fettfleck das Mädchen, ohne Schirm oder Regenschutz, mit sich zerrte. Die Kleine blieb über Nacht weg.
Am nächsten Tag gab es für mich erst nach 9 Uhr Abendessen, denn Dick brachte das Mädchen mit 39,5 Grad Celsius ins Spital. Die Schreckschraube schmiss das kranke Kind einfach in unseren Garten. Nur der Aufmerksamkeit des Hundes ist es zu verdanken, dass das fiebernde Kind nicht im Regen liegen musste.
Sind solche Menschen praktizierende Buddhisten? Sind sie nicht eher ganz primitive Geister- und Götzen-anbeter?
Welcher geistig unterbelichtete Volltrottel gab der Frau die Adresse des Hortes?
Es ist verständlich, wenn sich Mütter nach ihren Kindern sehnen. Wie es um die geistige Verfassung des verfressenen Wesens steht, zeigt: sie interessierte sich nicht für ihren Sohn. Die Art der Entsorgung des Mädchens war wenig feinfühlig.

Am Tag darauf brachte Dick die schlagende Urgroßmutter ins Krankenhaus.
Lieber von Stephen Hawkingschen grauen oder schwarzen Löchern umgeben, als von Arschlöchern, wie es mir demnächst blühen könnte. Denn diese Unterkünfte liegen in Sichtweite meines Hauses. Das war ein Grund, uns nach Satun mit milden Temperaturen, sauberer Luft und frischem Wasser abzusetzen.

Fortsetzung: Harte Zeiten fuer Weicheier

Freude bereitete mir mein Zustand nicht. Aber ich konnte  Ziele setzen. Die Finger mussten biegsam  werden. Die Arme sollten stark genug sein, um im Rollstuhl zu sitzen. Das linke Bein wies Kontraktionen auf. Mit einem Sarong und einer Wasserflasche bauten Dick und ich eine automatische Zugmaschine.
Mit Dicks Hilfe versuchte ich die Finger zu bewegen, denn  ich wollte wieder im Rollstuhl sitzen. Der, wie Buddha immerzu lächelnde Chef der Rehabilitationsklinik, sandte darauf abwechselnd zwei Damen, um die Arme und Hände zu trainieren.  Dieser Herr Doktor wirkte als Reizfigur auf mich. Seine Fratze war einer Türe der Volkswagen-Generation  meiner Kindheit ähnlich und flüsterte: „Kick mich! “

Der Übermut wich einem Tiefdruckgebiet, als ich endlich im Rollstuhl saß und bemerkte, dass ich mich wie ein Tetraplegiker bewegte.
In Panik informierte ich telefonisch die Versicherung. Ich kannte behinderte Einheimische, denn ich arbeitete vor 20 Jahren als Freiwilliger in einem Behindertenzentrum in Chiang Mai. Junge Rollstuhlfahrer konnten mit viel Glück eine Arbeit als Losverkäufer ergattern. Die Anderen waren den Launen  und der Willkuer  Angehöriger ausgeliefert.
DWW
Ich fragte mich vor wenigen Monaten, Bekannte erwähnten es, ob man mir in der Schweiz wirklich besser helfen könnte. Die Faktoren Zufälle und Zuverlässigkeit spielen eine große Rolle. In Chiang Mai bin ich auf Dick angewiesen. Sollte sie aus irgendwelchen Gründen ausfallen, sitze ich mit meinen Wunden hilflos in der Tinte.

Meistens liege ich im Bangkok Hospital, selten gepeinigt von frischen Pflegehelferinnen aus dem Dschungel. Dabei achte ich darauf, dass keine neuen Druck-Geschwüre entstehen. Der Sensemann streikt und lässt sich nicht sehen.

Bilder von Druck-Geschwüren googeln Sie unter den Stichworten:
Decubitus, Dekubitus

Harte Zeiten für ein Weichei

Wie ein grünes Schlänglein im hohen Gras unbemerkt im Garten, schlich sich mein Leiden in den Körper. Als ich die Finger nicht mehr im üblichen Rahmen bewegen konnte, gab ich das Tippen für meine Beiträge in Hinterindien auf.
Noch im August 2018 mischte ich Getränke an der Bar. Danach konnte ich weder Flaschen, noch Dosen öffnen. Als mich die Grosskinder besuchten, bereitete ich mühsam Hörnli, Pasta, zu. Mit meinen Gästen aus dem Kanton Wallis besuchte ich zum letzten mal ein Restaurant in Chiang Mai. Zur knusprigen Peking Ente musste ich gegen Ende der Mahlzeit den Rotwein mit einem Trinkhalm aus dem Glase saugen.

Meine Hände und Arme wurden zusehends schwächer. Es war nicht mehr möglich, mich mit einem kraftvollen Schwung vom Rollstuhl aufs WC zu setzen. Bei einer misslungenen Übung riss ich mir den Hintern auf. Die Blutspuren wiesen deutlich darauf hin.
Die Ärztin empfahl, für die Transfers Hilfe anzufordern. Mein bescheidener Stolz fiel der Vernunft zum Opfer. Anfänglich setzte dank Zinksalbe eine Besserung ein. Auf ärztlichen Rat benutzte Dick mit Silber beschichtete Pflaster, die man 3 Tage auf der Wunde lassen konnte. Wenn Silber, dann im Geldbeutel und nicht am Hintern, dort ist es nämlich am Arsch.
Im Januar folgte der Spitaleintritt mit Operationen. Im Bett fühlte ich danach ein gewaltiges Rauschen in Armen und Händen. Meine Finger streckten sich unnatürlich. Ich konnte gar nichts unternehmen wie: essen, trinken, Zeitungen oder Bücher lesen, Fernsehprogramme schauen, Nase popeln, waschen, Zähne putzen, sitzen, Smartfones fingern oder mich drehen. So lag ich mehrere lange Wochen untätig. Tränen liefen mir unfreiwillig ins Gesicht. Dick umsorgte mich.
Sie sagte: „Wenn Du die Krankheit nicht annimmst und Freude zeigst, kannst du nicht gesund werden.“ Schöne Aussichten.

Anstatt schimpfen einen Elefanten erwürgen

Ein unübersehbarer Fettfleck machte sich vor etwa einem Jahr unter dem Pomelo Baum bemerkbar. Das Fett bewegte sich. Es war eine 18-jährige Frau, die pro Lebensjahr etwa 10 Kilogramm zulegte. Ich neige zum Übertreiben, aber 99,9 Kilogramm waren es bestimmt, bei einer Körpergröße von etwa 160 Zentimetern. Vor Kurzem war sie noch schwerer. Doch sie brachte Zwillinge, ein Mädchen und einen Buben, zur Welt.
Der Samenspender war ein junger Mann mit mehr Pimmel-Masse als Hirn. Ich kannte ihn schon, als er im Hinterland von Nakhon Thai noch Treibstoff aus Autos klaute und in gestohlene Motorräder abfüllte. Der war so blöd, dass er sogar Diesel nicht verschmähte. Er und seine drei Brüder hatten mit vier verschiedenen Vätern kein einfaches Leben. Die Herren waren alle verheiratet, hatten Kinder und kümmerten sich nicht um ihre weiteren Söhne . Eines der neugeborenen Babys wurde von der Mutter im Spital einfach liegen gelassen, als sie weg rannte. So etwas Exotisches wie Mutterliebe kannten die Knaben nie. Die Schule war ihr Schlafzimmer.
Das triebhafte Verhalten der liebestollen Alten war der dauernden Suche nach neuen Lustgrottenkitzlern gwidmet. Unter Fachleuten war sie als „Zauberflöte Hinterindiens“ bekannt.
War es ein Wunder, dass der Tagedieb und Taugenichts eine hirnamputierte Mollige aus der hügeligen Umgebung von Phrae schwängerte?
Aus dem Liebestraum wurde ein Albtraum, als der Fettfleck vor einiger Zeit weg lief. Der Jüngling war mit zwei kleinen Kindern komplett überfordert. Er brachte den Knaben nach Phrae zu Großeltern.
Das Mädchen sollte zur Großmutter nach Chiang Mai. Die weinende Kleine landete schlussendlich verängstigt in PhonPhat, wo sie ihren Bruder vermisste. Sie war so hungrig, dass sie aus dem Hundenapf das Fleisch von den Knochen klaubte. Hündchen, kein Chihuahua, sonden ein ausgewachsener Schäfer, mochte das drollige Menschenkind.

Die guten Geister verließen die Urgroßmutter bereits Richtung Jenseits. Gedankenbefreit schlägt sie mit einem Stock auf die Unterschenkel des Mädchens ein, damit es schneller läuft, wenn sie ruft.
Der Großvater in Praeh nahm den jährigen Knaben aufs Moped und sie fuhren los. Nicht lange. Der Großvater starb bei einem Verkehrsunfall, das Bübchen überlebte. Demnächst wird es in Phon-Phat sein Schwesterchen wiedersehen.

Publiziert am 6. September. Happy End:
Bereits am 7. September traf das Büblein seine Schwester in Phon Phat.

Micropore Windows

Jetzt ist mir endlich ein Licht aufgegangen. Ich schrieb früher: „Low erzählt Geschichten aus Südostasien.“
Das ist wahr geworden. Ich tippe nicht mehr. Ich erzähle mühsam. Wenn über dem Zimmer die Bohrhämmer die Wände erzittern lassen, versteht mein Fingerphone chinesisch.
Sofern sie meine Berichte aus dem Krankenhaus gelesen haben, werden sie sich sicher Gedanken gemacht haben, der arme Kerl ist in einem drittklassigen Krankenhaus abgestiegen. Dies entspricht nicht den Tatsachen.

Das Krankenhaus wurde vor fünf Jahren eröffnet. Es ist vielleicht nicht das beste, aber wohl das teuerste Krankenhaus in Chiang Mai.
Die Katarakt-Operation kostete zweieinhalb mal so viel, wie in der eigentlich teuren Schweiz. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 80’000 Baht. Die eigentlichen Kosten übertrafen 160’000 Baht.
„Deine Sehschwäche ist die Ursache falscher Ernährung,“ erklärte ein aufgeklärter Mensch. „Anstelle von Wachteleiern solltest du Straußeneier fressen. Das erspart jegliche Seh-Prothesen.“

Mit der Ärztin und der Chirurgin bin ich außerordentlich zufrieden. Ein besonderer Glücksfall ist, dass sich Dick nicht vom sinkenden Dampfer schweigend verabschiedete, sondern sich um mich kümmert. Wer sonst würde Tee und Speisen zubereiten? Danach füttert sie gekonnt das Raubtier.
Dies sollten doch die Pflegerinnen übernehmen, denken sie. Nicht hierzulande. Diese Arbeiten übernimmt die Familie. Die uniformierten Pflegerinnen verpflegen sich und schlucken meine Ricola und Toblerone. Bei seltenem Hustenreiz ist die Dose leer.

Wenn die Herren immer noch mit Bohrmaschinen arbeiten, zeigt das nur, dass vor 5 Jahren zu viel Zement verarbeitet wurde. Die Patientenzimmer müssen alle paar Wochen renoviert werden. Ähnlich patiniert sehen nach kürzester Zeit auch Mietwohnungen aus. Die Farbschichten sind mittlerweile fast dicker, als die Wände selbst. Hoffentlich warten Thais ihre Flugzeuge nicht wie ihre Gebäude.

Eine Fensterscheibe hatte einen Riss in einer Ecke. Die Aussicht ist wenig spektakulär: etwas Kies, damit das Regenwasser abfließen kann. Weiter oben gedeiht Grünzeug, darüber ist je nach Wetter blauer bis grauer Himmel.
Der Riss wurde repariert. Fachgerecht, wie in einem kranken Haus üblich, benutzten die Spezialisten Micropore-tape von 3M (Scotch).
Negativ für ein Krankenzimmer würde ich die Fungus-spuren in der Ecke beurteilen. Fungus fanden wir auch im Badezimmer, in der Kochnische und nicht auszuschließen, in der Klimaanlage.
Gibt es eine App für die allgemeine Anwendung von Micropore, speziell für Fenster, Micropore Windows?
In mir schlummert eine geniale Idee, etwas für sparsame Schotten. Mit Hilfe von 3M Klebern ließen sich verschmutzte Pampers einfach umkehren und wiederverwenden. Auslöser meines Tatendranges war die Mitteilung der Versicherung, dass Pampers, Windeln, nicht bezahlt würden.

Dachschäden sind ordentliche Funktionsstörungen und nie ganz auszuschließen

Zu Beginn der Geschichte überspringe ich den Schädel. Es war Ende der 50er Jahre, als in Bern der leitende Professor seinen Assistenten erklärte, bei jedem Krankenhaus-Eintritt müsse eine Rektaluntersuchung durchgeführt werden.
Ein Mann mit Wespenstich wurde eingeliefert.
Der gehorsame Doktor befragte den Patienten, zog Gummihandschuhe an und untersuchte den Darmausgang. Ein kranker Freund erzählte mir die Geschichte und meinte trocken:
„Der Herr Doktor wollte offenbar die Tiefenwirkung des Stichs erforschen.“

Im Lande bettelnder Elefanten und schwerreicher Mönche sind die Bräuche nicht so streng. Patienten erzählen dem Arzt ihre Leiden und erhalten ohne weitere Untersuchungen ein Pfund bunte Pillen.
„Je größer und farbiger die Menge der Pillen ist, desto qualifizierter ist der Arzt,“ weissagte bereits Lord Buddha.

Nur selten berührten mich Mediziner. Einige Tage nach erfolgter Einlieferung besuchte eine neugierige Neurologin mein Zimmer. Sie verhörte mich, wie ein Kriminalkommissar einen Schurken befragt. Sie sprach mit hoher Bitrate einige Stichworte, von welchen ich auswählen durfte, ob sie utreffend seien. Sie lag mit ihrem Fragenkatalog vollständig daneben. Sie benutzte weder Gummihammer, noch machte sie Sensibilitätstests. Dann erklärte sie der assistierenden Pflegerin, sie könne mir nichts glauben. Offenbar hätte ich einen Dachschaden, eine Altersdemenz. Nachher vergaß sie mich wahrscheinlich.

Das Gehirn als modernes Werkzeug einzusetzen, lernen die Menschen hierzulande nicht. Wozu denn wurden Taschenrechner und Smartphones erfunden?
Mowgli war bei mir im Spital-Zimmer. Wir verspürten Hunger. Im Krankenhaus gibt es ein amerikanisches Kaffee. Ich bat den jungen Erwachsenen, im Geschäft eine Portion Garnelen mit Reis zu bestellen. Auf dem Weg vom fünften in den ersten Stock, vergaß der Tölpel, was ich ihm auftrug. Er kam mit einer Schüssel Tom yam goong, Garnelensuppe, zurück.
Seit 2012 lernte der Knabe nichts mehr in der Schule. Die Lehrer versicherten, Mowgli sei einer der Besten, damit wir Schulgeld bezahlten.
Betriebssysteme, Englisch, ohmsches Gesetz, Pythagoras gingen vergessen. Ich zog die Notbremse und zahlte nicht mehr.

Die Pflegerinnen sind stark geschminkte, aber bescheidene Intelligenzbestien. In einer Distanz von etwa vier Metern vom Bett, sind die Schalter der Klimaanlage montiert. Die Frauen vergassen auf dem langen Fußmarsch meinen Wunsch, die Klimaanlage auszuschalten. Peinlich ist es für mich, wenn ich keinen Klingel- Knopf habe. Einen Knopf, um im Bedarfsfall Hilfe anzufordern. In sechs Monaten musste ich sechs mal das Spital anrufen, mit der Bitte um eine Klingel.
Die tägliche Körperpflege weist Schönheitsfehler auf. Nur in Ausnahmefällen wird alles gewaschen. Üblich sind zwischen 50 und 70 Prozent, wobei die Ohren nicht zum Körper gehören. Dies führte zum Wachstum von Ohrenschmalz-Kristallen.
Die Haut mehrerer Pflegerinnen leidet unter den Fett- und Puder-Schichten. Wenig appetitliche Pickel und Pusteln sprießen.
Sie tragen Mundschutz und Latexhandschuhe. Bevor sie die Patienten berühren, fahren sie mit den Fingern durch ihr Haar, betasten Schränke, Mobiliar und kratzen an beißenden Hautunreinheiten.
Die jungen Frauen stammen oft aus bescheidenen bis ärmlichen Familien. Sie kennen weder Badezimmer noch Kühlschränke aus eigener Erfahrung. Als ich um einen Löffel zum Verspeisen des Bananenküchleins bat, öffnete eine Pflegerin den Kühlschrank.
Unter den Frauen gibt es langsame und schnelle, grobe und feine und fleißige und faule.

Dazu ein alpenländisches Gedicht aus dem letzten Jahrhundert:
Bim Ässe ine lige
Bim Trinke hingere lige
Bim Schaffe zrugg schtah,
Un en Angere zueche la

Einer Freundin, die mich besuchen wollte, wurde von den Stars der chinesisch-siamesischen Gauklertruppe erklärt:
„Der Löwe ist nach Hause gegangen worden,“ wobei Loewe die Kurzform von Low und Loeli ist.