Thailands verheissungsvolle, bahnbrechende Zukunft

Ein heisses Land in einer heissen Zeit. Da ist es nie zu spät für Bierpreis und allgemeine Alkohol-Steuer-Erhöhungen.
Die Regierung investiert viel und benötigt Geld. Der Schutz der Monarchie, inbegriffen der Bevölkerung, wird intensiviert mit U-Booten, Helikoptern, Flugzeugen und Panzern. Schiffe mit Lenkwaffen könnten feindliche Einheiten in Entfernungen von über zweihundert Kilometern beschiessen. Die lückenlose Überwachung des Internets benötigt viel geschultes Personal und modernste Technik.
Zitronen gibt es kaum genug zum Quetschen. Da hält man sich besser an die Leute. Saurer, sogar vitaminreicher Saft hilft wenig. Billionen Baht sind besser.
Eine Idee war, die Gebühren für Abfälle um das Elffache zu erhöhen. Ich befürchte leider, dass dann der Kehricht wieder in Nachbars Garten, im Dschungel, in Flüssen und Seen landet oder mühsam von den Meeresstränden gesammelt wird. Jede Nacht beleuchten dann – wie einst – Millionen Feuerchen mit stinkendem Qualm Hütten, Palmen und Tempel.
Vor ungefähr zehn Jahren wurde der Kehricht, trotz bezahlter Gebühren, im Dorf plötzlich nicht mehr abgeholt. Die Lastkraftwagen reisten damals von Chiang Mai ins Gebiet von Lampang. Sie schmissen den stinkenden Müll in den Dschungel. Das funktionierte, bis sie von wütenden Einheimischen mit Schrotflinten begrüsst wurden.

Weiter denkt man an eine progressive Zuckersteuer in Getränken, mit dem richtigen Argument, Zucker sei ungesund. Suppen, Gemüse und andere Speisen dürfen weiter abgabefrei gezuckert werden. Warum nicht eine generelle Zuckersteuer erheben? Sie wäre bei höheren Erträgen weit weniger personalintensiv.

Die Zeitungen, Bangkok Post und Khaosod, sehen die Aktionen aus ihren Blickwinkeln:
Die Konsumenten zahlen für die Sünden der Regierung (1)
Ist diese Regierung kaputt und schöpft einen neuen „Sündensteuer“-Plan, damit angeblich sündige Konsumenten mehr bezahlen? Ich besprach diese Spekulation mit einem Freund. Am Samstag werden neue Verbrauchsteuersätze wirksam und Preiserhöhungen auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee stehen bevor. Die Verbraucher sind gezwungen, die Last von immer teurerem Bier, Wein, Schnaps und Zigaretten zu tragen.
Laut Forbes Thailand Magazin gibt es erhebliche Erhöhungen der Lizenzgebühren. Beispielsweise wird die Alkohol-Herstellungsgebühr von 5.000 Baht auf 300.000 Baht pro Jahr angehoben.
Ein Produzent, der 30 Millionen Flaschen im Jahr abfüllt, zahlt umgerechnet auf die Flasche 0.01 Baht. Ganz anders trifft es die Detailhändler. Für den Einzelhandel wird die Lizenzgebühr von 2.000 Baht auf 50.000 Baht erhöht. Wenn der Umsatz bloss 10‘000 Flaschen beträgt, ergibt das pro Flasche fünf Baht, die vom Gewinn verlorengehen … oder der Kunde bezahlt.

Nach kurzem Schnuppern in den Preislisten bemerkte ich, dass wiederum beim echten Wein am kräftigsten abgesahnt wird. Daraus ergibt sich, dass nicht hochprozentige destillierte und gebrannte Wasser, sondern natürlich fermentierte Traubensäfte die aggressivsten Feinde von Hirn und Leber der hochsensiblen Bevölkerung Hinterindiens sind.
Billigst “Weine“, gepanscht im Grossraum Bangkok, aus importiertem Traubenkonzentrat, lokalem Ethanol und Wasser, gelten als einheimische Erzeugnisse.

Werte Geldbeschaffer: Sofern ihr wirklich unerschöpfliche Mengen Geld benötigt, verdoppelt endlich die Treibstoff-Preise. Vielleicht würden dann einige Dieselbesitzer ihre ungewarteten Stinker nicht nur währen der Nacht abstellen, sondern die Luftbelastung mit Schadstoffen könnte mindestens in Chiang Mai, eventuell sogar landesweit, verringert werden.

Die Staatsbahnen planen mit Unterstützung von Japan, 2023 die 193 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Strecke von Bangkok (Don Mueang, Suvarnabhumi, U-Tapao) nach Rayong in Betrieb zu nehmen. Der Grundpreis sollte zwanzig Baht plus 1.80 Baht pro Kilometer betragen. (2)
Die Japaner möchten ebenfalls eine schnelle Strecke von Bangkok nach Chiang Mai errichten.
Gleichzeitig wird in Zusammenarbeit mit China an der Strecke von Nong Khai nach Bangkok gearbeitet.

(2) http://www.bangkokpost.com/news/general/1317747/rapid-rail-link-to-rayong-set-for-2023
(1) http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1323951/consumers-made-to-pay-for-government-sins

Gewicht aus Hinterindien

Telefonbücher sind gewaltige Verzeichnisse. Sie waren es zumindest in Europa. Wir trennen uns in diesen Tagen vom letzten Telefonbuch in Thailand. Es ist acht Jahre alt. Wir gaben letzten Monat unseren Telefonanschluss auf. Seit Jahren bezahlten wir Gebühren. Leistungen wie Verzeichnisse, gab es keine mehr. Für Anrufe benutzen wir nur noch die drahtlosen Geräte.
Anfänglich benötigte ich den Telefon-Anschluss fürs Modem zum Internet. In Chiang Mai waren Telefon-Nummern absolute Mangelware. Weil ein Wahrsager einer Freundin der gehobenen Klasse verkündete, ihre Nummer sei schlecht für ihr Karma, durfte ich erben! Doch kurz darauf gehörten solche Verbindungen zur Vergangenheit. Modems waren out und wurden gegen schnellere Router getauscht.
Telefonbücher in Thailand lesen war speziell, weil die Nummern nach Vornamen, umgekehrt polnisch – kompliziert wie alte HP-Rechner, sortiert sind. Was helfen Vornamen, wenn nur die Rufnamen wie Moo, Nok, Lek oder Dick bekannt sind?

Mowgli leidet zur Zeit als alternder Teenager an Masern. Die hoch ansteckende Infektionskrankheit betrifft vor allem Kinder. Es können zusätzlich lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auftreten. Darum bat ich den Jungen regelmässig die Temperatur zu messen. Mowgli kümmerte sich nicht um Komplikationen. Er war zum Messen schlicht zu faul. Im zarten Kindesalter machte ich sehr schlechte Erfahrungen.

Ich war keine zehn Jahre alt, als wir unseren ersten Telefon-Wandapparat erhielten. Er war etwas hoch montiert. Mit einem Schemel unter den Füssen konnte ich 064 246 88 wählen. Das war der Anschluss meiner Grosseltern.
Ich erholte mich von den Masern. Als letztes Kind erwischte es meine Schwester. Unsere Eltern gingen trotzdem abends in den Ausgang. Ich wusste nicht, wohin. Möglicherweise in die Stadt Bern in eine Kneipe oder ein Kino.
Das kleine Mädchen fieberte, hatte grosse Schmerzen und begann zu schreien. Stundenlang. Ich sass hilflos an ihrem Bett. Wir hatten ein Kilogramm schweres Telefonverzeichnis. Kein Mensch zeigte mir, wie man es benutzt. Die Alten lasen täglich Zeitungen und illustrierte Hefte. Nur für das Telefonverzeichnis fehlte das Interesse. Die hätten weder Feuerwehr noch Polizei rasch aufbieten können. Mit den notwendigen Instruktionen hätte ich einen Arzt oder ein Spital anrufen können. So wartete ich ungeduldig auf die Rückkehr der Eltern.
Meine Schwester erwischte es gewaltig – Hirnentzündung. Gedächtnis und Erinnerungsvermögen sind gut, besser als das meiner Nachbarn im Dorf. Aber die Beherrschung der Sprache, von Armen und Beinen, wurde erheblich gestört. Sie erholte sich nie mehr und leidet noch heute an den Folgen. Ich bedaure es ausserordentlich. Mowglis stumpfsinniges Verhalten kickte mich erneut in den überempfindlichen Hintern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Masern

Gericht aus Hinterindien. – Das andere Curry Rezept

Mit meinen Gelenkschmerzen kann ich nicht stundenlang frische, zähe Wurzeln zerstampfen. Deshalb ist es ein einfaches Gericht. Noch einfacher geht es nur, wenn man sich zur nächsten Garküche oder in eine Kneipe schleppt, Geld auf einen schmierigen Tisch legt, hungrig und durstig hervorwürgt: „Gäng, Khao, Beer – khrap!“ Welche Art Gäng aufgetischt wird, wissen sie nicht.
In meinem Falle kämen noch die Transfers ins Fahrzeug dazu. Der Einstieg erfordert, sofern ich es in einer Sekunde schaffen würde, nahezu die Leistung von einer Pferdestärke. Sehe ich aus wie ein Pferd? Deshalb ziehe ich unsere Küche mit bescheidenen Vorräten vor. Das Rezept für drei Personen lautet:
Man nehme einen viertel Liter ungezuckerten Orangensaft. Dann wird eine bio-logische Banane in dünnen Scheiben hineingesäbelt. Pazifisten dürfen Küchenmesser verwenden. Eine feingeschnittene Tomate hinzugeben. Zwei Esslöffel mit Waugh’s Curry Pulver einrühren. Wer indische Currymischungen hat, benutzt diese. Indische Mischungen gibt es seit diesem Jahr in unserer Gegend nicht mehr. Wer sind die Hintermänner? Sind es eher unauffällige Typen der Mafia – oder die uniformierten, namenlosen Helden der Volksbefreiungsarmee?
Zusätzlich gab ich frisch gemahlenen Pfeffer, weiss und dunkel, bei. Küchenkräuter von frisch bis zu getrocknete Mischungen können die Tunke ergänzen. Ganz wichtig ist, eine viertel Zehe frisch gepressten Knoblauch einrühren. Militanten Knoblauchisten empfehle ich, bloss eine halbe Zehe zu verwenden. Sonst wird das empfindliche Bananen-Orangen, Schlauchapfel-Apfelsinen, Aroma, gestört.
Die delikate Mixtur auf kleinem Feuer brodeln lassen, bis die Bananenstücklein zerkocht sind. Währenddessen, drei bis vier Tranchen Schweinelende, ungefähr 15 mm stark, in eine beschichtete Bratpfanne geben. Einige Tropfen Olivenöl beifügen. Das Fleisch beidseitig mit wenig Paprikapulver bestäuben, salzen, würzen mit Oregano und Rosmarin und warten. Paprika benutze ich zur Farbgebung.
In Lan Na Land könnte anstelle von Schweinefleisch Elefantenfilet verwendet werden – grösseres Kochgeschirr erforderlich. Sofern Elefant verwendet wird, ist das Gericht Halal und könnte in europäischen Asylunterkünften angeboten werden.

Sobald sich die Banane langsam in der Curry Tunke auflöst, Pasta-Wasser kochen. Pro 100 Gramm Pasta einen Liter Wasser verwenden. 50 Gramm Nudeln pro Person genügen, sofern es nicht Radfahrer sind. Radfahrer verspeisen ein Kilogramm – gemäss der nach oben offenen Pastafarier-Skala!
Zwecks reichlicher Saucen-Aufnahme empfehle ich „Le Eliche“ Nummer 56. Während die Pasta kocht, Lenden Stücke gut anbraten. In der Sauce kurz ziehen lassen.
Zum eher süsslichen Curry passt ein trockener Schaumwein. Wir leerten eine Flasche Trilogy. Bessere Brause, Gosset beispielsweise, gibt es, aber nicht in Chiang Mai.

https://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-CurryInternationale/story/18814744

Gedicht aus Hinterindien

Gedicht aus Hinterindien
Gestohlen wie immer von Max Mumenthaler

Der Low ist los, der Low ist frei,
die ehernen Bande riß er entzwei.
Alles rennet, rettet, flüchtet
selbst die Polizei verzichtet
ihn zu fangen und zu büßen
während er auf leisen Füßen
eintritt durch die offne Tür
in das stolze Amtshaus vier.

Schöne Träume unterbrechend
hat der Felis Leo rächend
hier gewütet und vermessen
ringsum alles aufgefressen:
Zeitabsitzer, Bleistiftspitzer,
Gratistelephonbenützer, Taxenschinder, Stempelheber,
Tintenfisch und Markenkleber*!

Keiner in der Stadt bedauernd
und vor dem Massaker schauernd
hat nach dem Gewehr gegriffen
und der Bürgerwehr gepfiffen.
Niemand hat das Tier erschossen
und man hat es sehr genossen,
als es keck und immer dreister,
auch noch fraß den Bürgermeister.

Es gibt für jeden leeren Platz
im Amtshaus ohne Müh‘ Ersatz.
Erst als der wilde Niegenug
die Zähne in die Putzfrau schlug
da raffte man sich endlich auf
und unterbrach den Amoklauf.
Denn geht die Putzfrau mit den Winden,
so läßt sich keine neue finden.

* Im Volksmund übliche Bezeichnung der Bürokratie Hinterindiens

Geklaut aus
Nebelspalter: Das Humor- und Satire-Magazin
Band (Jahr): 91 (1965) Heft 48

So frei wie 1965 ist der Low nicht mehr.
Mumenthaler ahnte es.
Löwen gibt es in Hinterindien nur noch in Flaschen.
Uniformierte Bürokraten in Amtshäusern um so mehr.

Ausgang am frühen Abend

Eine Banküberweisung wartete. Nach sechs unlesbaren Formularen erstellte ich zu Hause nach einem Glas Maracuja mit viel Wachholder ein lesbares Blatt. Waren es die Vitamine oder der Alkohol? Es war eine Sternstunde angewandter Chemie, weil sich zu dem Zeitpunkt sämtliche Planeten am richtigen Ort befanden. In Satun beispielsweise wäre das gemischte Getränk nutzlos gewesen. Das ist mein Leben. Deines auch. Wahrsager, Kaffeesatzleserinnen und geldgierige Zigeunerinnen würden Dich gerne persönlich überzeugen – von der Allmacht des Glaubens an Scheissdreck. Die dürfte nach meinen neuesten Erkenntnissen weltweit proportional ähnlich verbreitet sein.

Wir fahren nicht zu Big C. Die Wartezeit in der Bank dürfte annähernd eine Stunde betragen. In Promenada müsste der Andrang weit geringer sein. Promenada ist ein überdimensioniertes Einkaufszentrum. Etwa dreissig Prozent der Ladenfläche fanden keine Mieter. Promenada lernte ich zwangsmässig kennen, denn die Chiang Mai Immigration befindet sich dort. Ich entdeckte ein kleines italienisches Restaurant. Die Köche kochen Spaghetti al dente – unglaublich! Nur meine Bolognese schmeckt mir besser. Die Cocktail Bar arbeitet nach Rezepten. Die Weine sind gut und preiswert. Die Bedienung ist vorbildlich.

Nach Fahrplan hätten wir um fünf in der Promenada ankommen sollen. Wegen des Gedränges auf der Strasse 108 wurde es halb sechs. Das Bankgeschäft wurde innerhalb fünf Minuten erledigt. Danach marschierten wir frohen Mutes nach Italien.
Die Cocktails mit der Vorspeise schmeckten. Der Hauptgang mit einer Flasche Primitivo aus Salento war bereits zuviel für uns alten Leute. Das stetige Befeuchten der Gurgel benötigte viel Zeit. Wir kauften in der Kneipe Gorgonzola und Würste. Danach suchten wir den Lift. Es war kurz nach neun Uhr. Die Lifte waren bereits ausser Betrieb! Promenada ist echte Provinz. Saufen vor fünf Uhr ist amtlich verboten. Nach neun musst du Treppen benutzen – ideal für den Rollstuhl.

Ein herbeigerufener Wachmann wies einen besonderen Weg. Wir fanden unseren Wagen und die exquisiten Würste landeten Minuten später ungestresst im Kühlschrank.

Süssholz

Als Kind mochte ich Reisen in die Stadt Bern. Sie fanden statt, wenn wir drei Sprösslinge Schuhe benötigten. Für diese Exkursionen benutzten wir erst das legendäre blaue Bähnli (1), nach einigen Wohnungswechseln das Tram.
Schuhgeschäfte waren interessant. Da gab es Maschinen, mit welchen man die in neuen Schuhen steckenden Füsse, betrachten konnte. Wenn man genau hinsah, konnte man mit den wissenschaftlich als gefährlich klassierten Strahlenschleudern, auf kleinen Bildschirmen sogar Knöchelchen ausmachen. Diese Maschinen waren offenbar spottbillig, denn kein Geschäft verzichtete darauf.
Mein Grossvater besass eine unvergessliche Anleitung, wie man sich mit leeren Zigarrenkisten Röntgengeräte bauen konnte. (2) Erst holten sich unsere Vorfahren beim Rauchen Lungenkrebs. Anschliessend betrachteten sie ihre Leiden mit selbstgebauten Aggregaten.

Der krönende Abschluss der Stadtbesuche waren jedoch nicht die neuen Schuhe, sondern die Ballone, welche an uns Kinder verteilt wurden. Mancher Flugkörper verabschiedete sich schnell Richtung Himmel. Andere platzten beim unvorsichtigen Kraulen der empfindlichen Gummihaut.
Noch heute, fern der alten Heimat im exotischen Thailand, fühle ich gerne sanfte, ballonförmige Rundungen, besonders in der Nacht. Sie erkennen sofort, wie an sich harmlose Schuhkäufe im zarten Kindesalter, meinen Charakter verdarben.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=Xqzlm4mr-uA
(2) http://cox-radiology.org/sites/cox-radiology.org/content/e1653/e1541/e2052/e2061/e2067/addon2068/roentgentechnik-studentenkurs_ger.pdf

Treibholz

Bedaure, ich liess regelmässige Leser sitzen. Der Grund war ein erneuter Angriff meines Erzfeindes auf die Kontrolle meiner Hände und Finger. Ich konnte kaum Mails lesen. Ein kleines Teufelchen in der Finger-Steuerung liess mich Mails und Nachrichten löschen, bevor ich sie gelesen hatte. Mühsam gelang es mir, die meisten Texte zu retten. Vor einigen Jahren war ich ahnungslos, dass es solche Viren ebenfalls gibt.
Aus einer relativ aktiven Person, wurde ein mühsamer, fast passiver Lebenspartner. Das einzige, zu was der alte, stinkende Fleischhaufen noch taugt, ist reine Umweltverschmutzung. Dies beelendet mich wenig, denn parasitäre Lebensformen sind unter der Bevölkerung weit verbreitet.
Getränke führe ich zweihändig zum Mund. Letzthin in der Kneipe mampfte ich Finger-Food. Ich scheute mich, wegen unnütz lautem Geklapper Gabel und Messer zu benutzen.
Erinnerungen wurden wach. Ich dachte an das Buch: Lady Chatterley’s Lover, Lady Chatterleys Liebhaber. (1)
Dick ist glücklicherweise wirklich beschäftigt. Sie bedient alte Kundinnen im Salon. Sie repariert und lackiert unter meiner Regie, alles – von Elektronik bis zu aufwändigen Restaurationen. (3) Todesfälle und gesellschaftliche Einladungen gibt es zu Hauf. So ist sie oft von acht Uhr morgens bis um Mitternacht unterwegs. Mittagessen gibt es im Dorf, von frisch gezuckerten Nudeln bis zu Klebreis.
Selbst kleinste Besorgungen benötigen viel Zeit. Sie benötigte einen ganzen Tag, um ihre Versicherung zu bewegen, endlich eine Gutschrift für eine bevorstehende Operation auszustellen. Die amtliche Organisation, die ihr im Falle einer Krebsbehandlung problemlos 350‘000 Baht vorgaukelte, wurde pingelig und bezahlt für einen kleinen Eingriff nicht einmal eine Jahresprämie. Das erlebte sie doch schon mit AIA, vier Krankenhausaufenthalte – keine Leistungen! Aber für den Prämienbezug waren die Angestellten stets pünktlich zur Stelle.

Vor zwanzig Jahren war ich stolzer Kapitän meines Lebensschiffes und bestimmte den Kurs. Mittlerweile wurde ich zum vergammelnden, langsam absaufenden Stück Treibholz. Dessen Weg wird von andern Mächten bestimmt. Ich wurde zum passiven Zuschauer. Schaffe ich den Weg noch einmal nach Satun? Zur Zeit eher nicht.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Lady_Chatterley
(2) vergleiche Mai 2013, https://hinterindien.files.wordpress.com/2013/05/root2.jpg
(3) Arbeit von Dicks Sohn Dei, 2013, lackiert August 2017