PALMEN, GÖTTER UND BLAUFICHTEN

Die Hände und Finger sind fremdgesteuert. Sie erlauben es nicht, meine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Deshalb greife ich auf eine alte Episode aus meinem unveröffentlichten „Bestseller Plattfuss“ zurück.

Blutrot leuchtete der tropische Abendhimmel über einer bewaldeten Kuppe. Höher wurde er blau, dann dunkel. Dazu rauschten die sich überschlagenden und brechenden Wellen in einem ewigen Rhythmus. Eine angenehme Brise säuselte oben in den Palmwedeln.
Eine der Palmen wuchs nicht wie die Andern einer Säule gleich in den Himmel. Mühsam trug sie die Krone im Wind. Der Stamm war einer Exponentialkurve ähnlich. Es war ein aussergewöhnlicher Baum. Vor dem Stamm lagen drei ovale Steine im Gras.
Ein langhaariges, schlankes Mädchen im Sarong Kebaya näherte sich. Es trug eine Schale mit Blumen und Weihrauch. Es stellte die Blumen an den Stamm der Palme, entzündete den Weihrauch und erzählte mir, im Baum wohne ein Gott.

Ein paar Jahre später besuchte ich den Ort wieder. Nicht nur den Menschen gefiel der Platz. Wie ich hörte, hatte sich mittlerweile auch im Nachbarbaum ein Gott niedergelassen. Allerdings konnte ich bloss die Spuren menschlicher Opfergaben erkennen:
Frische Blumen, abgebrannter Weihrauch, eine kleine Laterne mit einem Kerzenstummel. Einer der Steine war mit Silberbronze bemalt. Über der Wurzel der Palme des ersten Gottes war ein Vorhang angebracht. Sogar himmlische Wesen haben ein bescheidenes, unverbrieftes Recht auf Privatsphäre.
Gegen Spitzhacke und Bulldozer kämpfen möglicherweise selbst Götter vergebens, erfuhr ich bei meinem letzten Besuch. Die Palmen sollten einem riesigen Hotelkomplex mit Helikopter-Landeplatz auf dem Dach weichen. So frisst das Kapital die Poesie.

Für die Menschen des Nordens sind Palmen Symbole für Sonne und südliche Wärme. In den Tropen sind es andere Bäume, von denen geträumt wird, weil es sie nur in der unerreichbaren Ferne gibt.
Apfelbäume, mit ihren zarten Blüten und den farbigen, runden Früchten, die entweder aus Amerika, Australien, China oder Europa importiert werden. Tannenbäume, wie sie in geheimnisvollen Märchen und alten, meist englischen Weihnachtserzählungen vorkommen.

Wir durften unser eigenes Häuschen Ende Oktober beziehen. Sogleich pflanzte ich Krokuszwiebeln, um die ersten Frühlingsboten im sonst schmucklosen Garten erblühen zu sehen.
Im Dezember dachte meine Frau jeden Tag mehr an ihren Traumbaum, eine Blautanne. Als es die Finanzen erlaubten, beschlossen wir, den Traum zu verwirklichen. Wir suchten eine Gärtnerei auf und gedachten die Blautanne zugleich als Weihnachtsbaum zu benutzen. Der Boden war noch nicht gefroren. Nebel hing düster herum. Laub lag am Boden. Ein kalter, unfreundlicher Wind und ein wortkarger Gärtner begleiteten uns.
„Die Blautanne sei eigentlich eine Blaufichte,“ erklärte er. Wir besichtigten die anwesenden Fichten. Die einen waren zu gross, zu klein, nicht schön im Wuchs oder zu teuer. Wir konnten uns nicht entscheiden.
An einem unscheinbaren, blattlosen Astgerippe erspähte meine Begleiterin einen Zettel.
„Pfirsiche – grosse rote, gelbfleischige, saftige und voll¬aromatische Früchte,“ versprach er.
„Kann man Tannzapfen essen?“ fragten wir uns. Anstelle des Tannenbaumes trugen wir, total verfressen, einen Pfirsichbaum nach Hause.

Frohe Weihnacht aus Satun, damals aus Penang, Malaysia und Herrenschwanden,
Low

Islamic Vinegar of Melacca und andere Versprecher unterbelichteter Verbrecher

dscn2686-2 Im Garten der „Roten Tomate“ in Cenang erfanden die Perlen des Prosecco in meinem Kopf den Islamic Vinegar. Leicht vernebelt dachte ich beschwingt an längst zurückliegende Reisen in Malaysia.
Trinkwasser, einst automatisch Teil jeder Mahlzeit in Asien, gibt es meist nur noch auf Verlangen gegen Verrechnung.
Hausschlarpen, eine sanfte, bequeme Fussbekleidung und Bademäntel suchen Gäste in den Schränken vergeblich. Sogar Kleiderbügel verschwanden teilweise. Sie werden neu im Reich der Mitte massenhaft missbraucht, um Peking-Enten aufzuhängen.
Einst enthielten Snacks neben aromatischen Gewürzen, das für Weisse notwendige Salz. Heute enthalten die bunten Beutel mindestens vier Prozent Zucker. Salz ist nur noch im Milligramm Bereich vorhanden.
Malaysia führte eine neue Gästebesteuerung, die Salinan Pelanggan, eine Kurtaxe ein. Sie wird pro Nacht erhoben und ist von der Qualität der Betriebe abhängig. Die Luft ist in fünf Sterne Häusern teurer, als für preisgünstige Betten in mit reichlich exotischem Ungeziefer garnierten Unterkünften.

Landesübliche Preiskontrollen führen zu fragwürdigen Resultaten. Neulich erhielt ich ein praktisch fleischloses Club-Sandwich. Die einsame Gewürz-Gurke, eine genaue Beschreibung des belegte Brotes finden fachkundige Esser im Speisenverzeichnis des Lokals, war abwesend – eventuell mit unverheirateter Gefährtin im Urlaub.

Eine Meisterleistung Orwellscher Überwachungkunst ist die Bespitzelung des Alkohol- und Tabak-Verbrauches der Bewohner und ausländischer Gäste auf den Inseln Langkawi, Labuan und Tioman. Der Genuss alkoholischer Getränke ist für Mohammedaner verboten. Trotzdem werden Bier, Schnaps und Wein an die Gläubigen abgegeben.
Die eigentlich engmaschigen Vorschriften sind wenig durchdacht. Im Monat dürfen Kunden fünf Flaschen erwerben. Der Alkoholgehalt, ob 13.5 oder 40 Prozent ist Nebensache. Es weiss offenbar ebenfalls niemand, dass es Flaschen mit 75 Zentiliter, einem Liter, oder Magnumflaschen mit 1,5 Litern Inhalt gibt. Beim Bier ist der Erwerb auf 72 Dosen beschränkt. In den Hotels wird der Konsum von Bier, Schnaps und Wein noch nicht mit Einträgen in den Gästedateien bewirtschaftet.

Die verwaltungstechnischen Massnahmen wirken sich nicht unbedingt verkaufsfördernd aus. Einige Geschäfte haben bereits existenzielle Probleme.
Im benachbarten Satun führten die neuen Vorschriften Malaysias zu empfindlichen Einkommensverlusten der Grenzbeamten. Der Fluss schwarz importierter Ware verringerte sich augenblicklich. Die einst beliebten Zusatzeinkommen der Beamten wurde vom Wind der Andamanensee verweht. Die Schaffung neuer Vertriebskanäle benötigt Zeit.
Gesundheitsminister Minister Datuk Seri Dr. S. Subramaniam erhöhte die gesetzliche Alterslimite für Erwerb und Konsum gesundheitsgefährdender Stoffe von 18 auf 21 Jahre. Ab 1.Januar 2017 müssen Spirituosen Warnhinweise wie Zigaretten enthalten. Die Flaschengrösse wird auf 0.7 Liter standardisiert. Dagegen wird mit Formol behandeltes Gemüse, Fisch und Fleisch selten oder nie kontrolliert.

Reise und Preise im südlichen Grenzverkehr

Neben kulinarischen Beweggründen reisten wir für medizinisch technische Hilfsmittel aus Dänemark nach Malaysia. Die Dinger sind im Nachbarland 65 Prozent günstiger. Bei 24‘000 Baht rentiert sich das nicht nur für Schmalspur Geizhälse.
Eine erste Überraschung erlebten wir an der Fähre in Thammalang, Satun. Der Ringgit ist zwanzig Prozent weniger wert. Der Preisaufschlag in Thailand von 300 auf 350 Baht ist happig und rein rechnerisch nicht gerechtfertigt.
Weil gegenwärtig nur wenige Personen reisen, verwendet Andaman Ferry Venture, Langkawi, kleinere, wesentlich langsamere Schiffe. Für mehr Meereindrücke darf man für den Mehrwert länger an Bord bleiben!
Ein neues Terminal der Einwanderungskontrolle ist in Betrieb. Von dieser Einrichtung profitiert eine illegale Taxi Mafia, die unkundige Reisende aufs Ärgste schröpft.

Die eigentlich zollfreie Insel Lankawi, ein ehemaliges Paradies für Alkoholiker, führte neue Regeln betreffend Schnaps und Wein-verkäufe ein. Malaysias Staatschef benötigt Geld. Der Selbstbedienungsladen korrupter Beamter läuft total selbstschmierend. Leider sind sämtliche Kassen leer. Dies in einem Land mit Bodenschätzen wie Öl-, Zinn-, und Gold. Deshalb entsandte man staatliche Beamte in eindrucksvollen Uniformen in jede Schnaps-Handlung auf Langkawi. Entweder zückt der Käufer seinen Pass, denn die Einkäufe werden registriert, oder es gibt nichts. Die Vielfalt des Angebots schrumpfte in den Geschäften um mindestens dreissig Prozent. Wir waren oft die einzigen Interessenten, die sich um Gestelle mit zehnjährigen Weissweinen herum drückten. Teure, untrinkbare Flüssigkeiten mit intensivem Korkgestank gibt es in Satun ebenfalls.

Die internationalen Hotels leiden gegenwärtig unter dem Druck der günstigst Pauschalreisenden aus China. Reiche Angebote am Frühstücksbuffet und beim beinahe unglaublichen Steamboat- oder Barbeque-Service mussten dank diesen speziellen Naturfreunden gnadenlos reduziert werden. Mehrere Fruchtsäfte am Morgen, frische Croissants, eine breite Brot- und Käse-Auswahl, fielen dem rigorosem Spardruck zum Opfer.
Sogar das einst grosszügige Angebot der Badezimmer, wie Gläser und Frottierwäsche, fielen überbordenden Selbstbedienungswünschen in- und ausländischer Gäste zum Opfer.
Glücklicherweise gibt es noch viele Kleinbetriebe. Sie verrechnen nur erbrachte Leistungen, die durchaus höchste Qualität erreichen können. Sie werden leider durch staatliche flankierende Massnahmen in engste Schranken verwiesen

Wo vor wenigen Jahren noch gebildete Kundschaft die Werke gut ausgebildeter Angestellter und Kochkünstler zu schätzen wusste, beherrscht heute eine rüpelhafte, gedanken- und respekt-lose schnelllebige Fliessbandgesellschaft ohne jegliche Manieren und Moral mit ihren Smartphones die Szenen. Solche Eigenschaften zeichnen ebenfalls die Führungsebenen der betreffenden Länder aus.
Wenn diese Tagediebe eines Tages alle in den Himmel dürfen, kann ich auf das Sterben noch lange verzichten — oder ich schmore lieber in der Hölle.​

Ein Geopark in Satun

Die UNESCO führte 1998 ein Netzwerk nationaler Geoparks ein. Einhundertelf Geoparks existieren in zweiunddreissig Ländern. Nur drei davon liegen in Südostasien, wie der Batur Geopark im Nordosten von Bali, Indonesien, der Langkawi Geopark im Staat Kedah in Malaysia und der Dong Van Geopark in der Ha Giang Provinz im Norden Vietnams.

Die treibende Kraft hinter dem ehrgeizigen Projekt in der Provinz Satun ist Narongrit Thongprue. Er ist der Chef der Administration in Thung Wa, eines eher unbedeutenden Unterdistrikts.
Der Einfall keimte seit dem Jahre 2008, als ein fossiler Fund in der Höhle von Tham le Stegodon gemacht wurde. Ein Einheimischer entdeckte einen komisch geformten Stein. Experten fanden heraus, dass es sich um den Kiefer und zwei Zähne eines Stegodons, Alter ca. 1.8 Millionen Jahre, handeln musste.
Stegodone sind eine ausgestorbene Gattung der Rüsseltiere, Proboscidea, die zur Familie der Stegodonten gehört. Der Name bezieht sich auf die ausgeprägten Grate auf den Backenzähnen, den Molaren der Tiere. (1)
Der begeisterte Mann errichtete eine Sammlung mit der erwähnten Versteinerung und den zusätzlichen dreihundert Funden aus der Höhle.

Die endgültige Idee für einen Geopark erhielt Narongrit vom Department of Mineral Resources. In der ganzen Provinz entdeckte man weitere Fossilien, die zum Teil auf 500 Millionen Jahre geschätzt wurden.

Der gesamte Park soll später 72 Orte in vier Distrikten umfassen, nämlich Thung Wa, Langu, Manang and Muang. Die erste Gruppe ist Karst Gebiet. (2)
Die zweite Abteilung umfasst die Fossilien von Thung Wa und Langu. Sie stammen aus dem Paläozoikum und sind zwischen 542 bis 251 Millionen Jahre alt. (3)
Die dritte Gruppe umfasst die Inseln von Tarutao, Lipe, Khai und Hin Ngam. Das sind die touristischen Zentren der Provinz Satun.
Narongrit fördert die Zusammenarbeit der Gemeinden, und schuf einen drei Jahres Plan mit einem Budget von einer Milliarde Baht.
In der ersten Phase soll ein Museum für 40 Millionen Baht in Thung Wa auf einem Gelände von 25 Rai erstellt werden. Als Direktor des Global Geopark Büros, arbeitete Narongrit ein Projekt mit der Rajamangala University für Technology, Srivijaya, aus: Wir produzieren Gebäck und Schokolade in den Formen von Fossilien wie Nautiliden oder Ammoniten. (4,5) Wir eröffnen ein Restaurant mit Speisen, die nach Fossilien benannt sind. Das ist wahrhaft neuzeitliche hinterindische Wissensvermittlung. Die Bildung geht durch den Magen direkt ins Hirn.

Disneyland und Legoland werden sich vor der Konkurrenz aus Satun in acht nehmen müssen!

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Stegodon
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Karst
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4ozoikum
(4) http://www.spektrum.de/lexikon/geographie/nautiliden/5401
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Ammoniten
Die Höhle von Tham ist wirklich sehenswert. Bild:
(t) http://www.bangkokpost.com/print/739308/
(V) https://www.youtube.com/watch?v=1u4RiitWFvI
Der Beitrag wurde auf Anregung eines Lesers aus Hua Hin verfasst. Bei groben Fehlern bitte ich die Geologen aus Bern um Nachsicht. Korrekturhinweise nehme ich gerne dankend entgegen.
Meine persönliche Sammlung von Versteinerungen stammte vom Belpberg. (*) Sie wurde bei meinem Spitaleintritt 1957 stillschweigend geräumt! Das war der Beginn des langen Weges vom steinreichen Knaben zum beinahe besitzlosen Farang in Hinterindien.
(*) https://epub.ub.uni-muenchen.de/12743/1/zitteliana_2011_51_07.pdf

Irrungen und Verwirrungen

Als wir von Satun in den Norden aufbrachen, war ich auf etliche Überraschungen vorbereitet. Der Garten war verwahrlost. Im grossen Teich war der reiche Pflanzenteppich weg. Niemand kümmerte sich darum. Zusätzlich leckte das Mauerwerk. Der Rambutan Baum hatte keine Früchte. Die Blätter waren vergilbt. Die unerträgliche Hitze forderte ihren Tribut. Andere Früchte als Kokos, Bananen und Pomelo gab es dieses Jahr offenbar nicht.
In den letzten Wochen lagen in der Nähe des Sitzplatzes am Morgen runde Kugeln am Boden. Dick klagte, all die Früchte seien von Eichhörnchen und Vögeln angefressen. „Was ist es denn?“
„Saowaros.“
„Gönnen wir unseren Haustieren das Vergnügen“, sagte ich. Ein fetter Wels von siebzig Zentimetern Länge, landete nach der Besichtigung des Gartens und des Fallobstes in verschiedenen Kochtöpfen.
Danach fielen täglich unversehrte Beeren auf den Boden. Bisher kochte Dick davon bereits sechs Liter unverdünnten Sirup. Alle waren schneller als ich, beim Geniessen der Früchte. Überfluss an Passionsfrucht erlebte ich noch nie. Die Ernte geht weiter!

Es ist Ende September. Eigentlich wäre die Zeit reif, um in den Süden zu reisen.
Dick hatte eine zuverlässige Frau als Pflegehelferin. Die letzten drei Wochen musste Dick auf diese Hilfe verzichten. Die Frau reiste nach Indonesien und Singapur. Dicks Pflege-Dienst begann um sieben Uhr, wenn Mowgli zu Schule ging. Dann blieb sie weg, oft bis gegen Mitternacht.
Die Aufsichtspersonen aus der Familie, ausser Mowgli, taugten nichts. Wiederholt sah ich unsere Patientin mit einem Besen als Krücke im Garten herum irren, sofern wir unfähigen Trotteln vertrauten. Die Damen und Herren konnten oder wollten sich die Möglichkeit eines gefährlichen Sturzes nicht vorstellen. Dabei kracht die Frau fast jede Woche auf den Boden des Hauses, wenn sie in Eile ist. Sie ist immer in Eile. Sie mag keine Sekunde warten. Gegen diese senile Fallsucht könnte man uneinsichtige Personen höchstens auf dem Boden festschnallen. buddha-s
Ich versuchte, Dick wenigstens in unserem Haus zu helfen und kochte Abendessen für uns und ebenfalls für die Kranke. Trotz den Problemen mit den Armen wusch ich Teller und Besteck. Nur Gläser berührte ich bloss zum Trinken. Deren Abwasch ist zu delikat ohne Gefühl und Feinmotorik.
Eigentlich sollte Dicks Helferin zurück sein. Aber sie beschloss, bis Ende Oktober in Indonesien oder Malaysia zu bleiben. Das bedeutet, Dick kann gegenwärtig nicht weg. Wenn es kalt wird, beim ersten Schmerz, muss ich verreisen. Vielleicht könnte mir Mowgli helfen. Wir könnten Malaysia bereisen. Für ernsthafte Probleme müsste ich Instruktionen mit Telefonnummern vorbereiten.

Von Waren-Tempeln, Schummeln und Krachern – zum Nationalfeiertag der Confoederatio Helvetica

Vor ungefähr drei Wochen gewann Dick am Thai TV ein Smartphone im Wert von 23‘900 Baht. Der Haken: Das Gerät musste auf Termin in Bangkok abgeholt werden. Sie konnte nicht weg. Sie spielte Arzt, Pflegepersonal, Köchin und Waschfrau. Ein Sohn trat die Reise an, ausgerüstet mit Vollmachten und Dokumenten. Die Organisatoren verschoben den Abholtermin plötzlich um eine Woche. In diesen sieben Tagen verlor das Gerät an Wert. Er erhielt nicht das angekündigte Telefon, sondern ein preisgünstigeres Modell für 17‘000 Baht, wie er ermittelte. Die grosszügigen Spender kassierten zudem fünf Prozent Abgaben!
Für den ersten Preis, zwei Baht Thai-Gold, Baht als Gewichtseinheit zu ungefähr 15 Gramm, verlangten sie vom Preisempfänger zehn Prozent Gebühren.

Telefone dienen hervorragend zur Übermittlung von Nachrichten. Das Problem ist, es werden vor allem Lügen breit gestreut. Auf echte, vertrauenswürdige Informationen wird verzichtet. Es gilt die Regel, je grösser die Lüge, desto hektischer die Verbreitungsrate.
Ein Attentäter in Hinterindien meldete, die Schokoladen der Firma XY enthielten Schweine-Öl! Die Firma erlitt grausame Umsatzeinbrüche, weil die Produkte dadurch nicht mehr Halal waren. Den beinahe finalen Kick erhielt das Unternehmen, als sogar eine von Allah gesegnete Landesregierung die Lügen prüfungslos übernahm.

Vor zwei Wochen zelebrierten Bank- und Staatsangestellte ein langes Wochenende, während dessen echte Arbeiter für bescheidenen Lohn ausgebeutet wurden. Da waren Samstag, Sonntag, den Montag überbrückte man grosszügig, denn am Dienstag war Asalaha Bucha und am Tag darauf war man durch den Buddhist Lent am Arbeiten verhindert.
An Wochenenden besuche ich keine Einkaufszentren. Das sind die neuen Tempel des Landes, in welchen gläubige Eingeborene, sie glauben an die All-Macht des Baht, ihre Opfer bringen.
Am Montag benötigte ich Bargeld. Es gab keine Ausrede. Ich musste den Einkaufstempel besuchen. Eine Grossbank Thailands stattet ihre Bankkarten aus Sicherheitsgründen nicht nur mit Magnetstreifen, sondern neu mit Chips aus. Weil sämtliche Geldautomaten der Konkurrenz Karten mit Chips nicht lesen können, kann ich Geld nur mit Maschinen der betreffenden Bank abheben.
Sämtliche Parkplätze waren besetzt. Die Thai besuchten bloss Imbissbuden und Fresslokale. Bankgeschäfte und Einkäufe liessen sich problemlos erledigen.
Als ich die Moneten in der Tasche hatte, benötigten wir Lebensmittel. Was sah mein Glasauge, respektive das Auge durch mein Brillen-Glas im Regal? Mexikanische Nacho Barbeque Chips „EL SABOR“. Als ich bemerkte, das Zeug stammt aus Griechenland, der Mais aus Frankreich und Italien, verfeinert mit viel gesundem Glutamat und sogar Silizium-Dioxyd, wollte ich verzichten. Dick ermunterte mich, trotzdem eine Tüte Cracker zu behändigen. Sie sagte überzeugend, Silizium ist auch in Smartphones enthalten.
Sämtliche importierte Güter haben einen Kleber. Er erklärt auf Thai die Eigenschaften der Produkte. Prozentrechnen ist schwer. Vergleichen sie die Angaben für Kohlenhydrat. BBQ

Dienstag und Mittwoch wurde wieder in den Waren-Tempeln gehuldigt. Freie Parkplätze dagegen gab es bei den Gelbröcken genügend. Noch am Freitag und Samstag zeigten viele Autos in Chiang Mai Nummernschilder aus Bangkok. Das ist gelebte Spiritualität mit Alkoholverbot!

Gestern erhielt Dick auf ihrem Smartphone Filme. Sie zeigten, dass Cracker einer Firma aus Malaysia Plastik enthält und deshalb brennbar sind. Der Hersteller sollte offenbar aus dem umkämpften Markt ausgeschaltet werden, denn sämtliche Cracker aus Weizenmehl mit einer Spur Öl oder Margarine, brennen in trockenem Zustand. Feuchtnasse Zigaretten mit oder ohne Warnung, lassen sich dagegen nur schlecht anzünden.

Wie wir feststellten, brennt sogar gekochter Reis. Dick erhielt von einem namhaften Kosmetik-Hersteller als teures Werbegeschenk Chromstalpfannen aus Korea.
Die Ware wurde an eine Freundin gesandt. Dieser Frau gefielen die hervorragend verarbeiteten, polierten Töpfe. Ohne weitere Nachfrage benutzte sie das fremde Eigentum.
Als wir von Satun zurückkamen, rückte die „Freundin“ einen Teil der Pfannen heraus.
Darunter war ein Dampfkochtopf, der es erlaubte, Speisen wie Dumplings, Dim Sum, zu garen. Der Einsatz des Topfes fehlte. Dick besuchte die feine Dame erneut.
Diese kam ins Stottern und erklärte ohne zu erröten, beim Dämpfen sei ihr Reis leider angebrannt!!! Sie übergab Dick den Einsatz mit verkohltem Reis. Es dauerte drei Tage, um den Kohlenstoff restlos zu entfernen. Dick hat einen Topf mehr und eine Freundin weniger.

http://www.freemalaysiatoday.com/category/nation/2016/07/30/hup-seng-defends-ping-pong-crackers-against-video-claim/

Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit

Wie war es vor dem Jahr 1796 in Hinterindien? Ein Schreibtisch-Korrespondent berichtete:

Seite 281 und folgende (1)

Von allen bisher angeführten Ländern unterschied sich nach Poivre’s Erzählung wenigstens noch vor einem Menschenalter das Ländchen Cancar, das auf den Charten Ponthiamas genannt wird, und zwischen Siam und Cambodia liegt.
Vor etwa funfzig Jahren, sagt der eben genannte reisende Philosoph, liess sich ein Chinesischer Kaufmann Kiang-tse mit einem kleinen Häuflein von Landsleuten in Ponthiamas nieder, und vermochte die benachbarten Fürsten dahin, dass sie ihn beschützten, oder wenigstens in Ruhe liessen, bis er seine Niederlassung mit Gräben umzogen, und mit Wällen gegen einen plötzlichen Angriff gesichert hatte. Er theilte jedem Fleissigen, der sich zu ihm, und den seinigen gesellen wollte, Ländereyen aus, ohne sich das Eigenthum vorzubehalten, oder Abgaben zu fordern. Zugleich gab er denen, die ihm angehörten, das Beyspiel der Arbeitsamkeit und Sparsamkeit, und öffnete den Hafen von Ponthiamas allen Nationen ohne Unterschied, ohne Zoll zu verlangen, oder den Handel einzuschränken, oder Erpressungen auszuüben. Diese Weisheit und Milde machten sein kleines Gebiet bald zu einem Zufluchtsort von Unglücklichen aus allen Reichen in Hinterindien. In kurzer Zeit wurden von den aus allen Gegenden zuströmenden Menschen die dicken Wälder, mit welchen man umgeben war, niedergehauen. Die fetten Thäler wurden von Dornen und anderem Unkraut, welches sie bedeckte, gereinigt. Man zog Canäle, säete und pflanzte Reis, und andere nützliche Pflanzen, und Gewächse; und machte das Ländchen Ponthiamas zum Fruchtboden eines grossen Theils von Hinterindien, aus welchem die Malayen, die Siamer, und Cochinchinesen in Zeiten der Noth Reis und andere Nothwendigkeiten des Lebens hohlen.
– Dies Betragen des Kiang-tse, in dessen Fussstapfen sein Sohn getreten seyn soll, ist so idealisch, so sehr über die Denk- und Sinnesart aller südlichen, und östlichen Asiaten erhaben, dass ich nicht umhin kann, es noch viel mehr verschönert zu halten, als die Gemählde, welche derselbige Schriftsteller von China und Cochinchina geliefert hat. Das Wahre, was bey den Nachrichten von Ponthiamas zum Grund liegt, besteht vermuthlich darin: dass der Chinesische Kaufmann das verödete Ponthiamas mit Hülfe seiner Landsleute in kurzer Zeit nach Chinesischer Art anbaute, und eine nicht geringe Zahl von Flüchtlingen aus den benachbarten Gegenden herbeylockte, über welche er sanfter regierte, als die Tyrannen, welchen sie entronnen waren: und zwar auch deswegen sanfter regierte, weil er sonst fürchten musste, dass seine Unterthanen ihre ehemaligen Oberherren herbeirufen, und dem kleinen, wenig befestigten Reiche ein Ende machen möchten. In jedem Fall ist es ein tröstender Gedanke, dass es in Hinterindien wenigstens einen kleinen Fleck gibt, wo glückliche Menschen wohnen. Auch ist das Ländchen Ponthiamas ein erfreuliches Beyspiel: wie leicht die Wildnisse in Hinterindien in blühende Paradiese umgeschaffen werden könnten, wenn sie von fleissigen Menschen besetzt, und von gerechten, oder nur leidlichen Regenten beherrscht würden.

Anmerkung: Ponthiamas war, ist Hà Tiên in Vietnam.

Die Arbeit von Pierre Poivre wurde 1768 in Yverdon ohne Nennung des Autors veröffentlicht. Poivre ist einer der weniger bekannten Reisenden und Entdecker. Er war Missionar in China, Cochinchina und Macau, später Verwalter von Mauritius und Réunion und Mitglied des Ordens vom heiligen Geist, Ordre du Saint-Esprit.
1745 reiste er als Mitglied der Französischen Ostindienkompanie nach Indien. Poivre wurde in einer Seeschlacht gegen die Briten verwundet. Eine Kanonenkugel zertrümmerte sein Handgelenk. Ein Teil seines rechten Arms wurde amputiert. (2)
Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit, übersetzte den Text aus dem Französischen, ohne Angst vor tropischen Krankheiten oder verirrten feindlichen Geschossen. (3)
Die Reiseberichte von Pierre Poivre
p poivre
(1) https://books.google.co.th/books?id=WWFgAAAAcAAJ
(2) http://www.pierre-poivre.fr/doc-67-8-mois-c
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Meiners