Exkursion nach Kuah – Langkawi, Malaysia

Die Preise für die Schifffahrt ab Thammalang, Satun, werden stetig angehoben. Gleichzeitig wurden die Boote älter, kleiner und langsamer. Dafür ist der kaum boomende Tourismus verantwortlich! Weil sechzig Personen an Bord unterwegs nach Langkawi waren, wurde die Insel regelrecht überflutet. Vor drei Jahren waren jeweils hunderte Passagiere an Bord. Kleinkinder schrien, käkalisierten die Sitze und verbesserten allgemein das Bordklima.
Heutige Gäste aus China in Langkawi benutzen mehrheitlich den Luftverkehr. In der guten alten Zeit erkannte ich Chinesinnen an den Schlitzaugen und dem ungeübten Befingern neu erworbener Smartphones. Heute dagegen zeigen die knappen Spitzenhöschen den schnellsten Weg in das Reich der Mitte. Vor einem Jahrhundert wurden solch edle Gewebe in der (M)Ostschweiz von Spezialisten für reiche Europäer produziert. Es waren Roben – nicht nur Reizwäsche.
Das wirtschaftliche Handeln auf Langkawi kehrte zur alten Beschaulichkeit zurück. Die schnapspolizeilichen Ermittlungsbeamten wurden aus den Alkoholverkaufsstellen abberufen. Wenn wir vor einem Jahr einen sauren Apfelsaft zu umgerechnet 50 Baht bestellten, gab es einen mit Reisepass versehenen Eintrag im ewigen Sündenregister. Dabei entsprach der Alkoholpegel im Getränk ungefähr einem Wein-Essig. Der Mos(ch)t war nicht trocken, wie beispielsweise ein Ramseier in der Schweiz mit einer erotisierenden Restsäure. Dieser Apfelwein verzauberte in meinen Erinnerungen weisse Sauce mit Fleischkügeli zu Leckerbissen.
Wir kamen am Ende der malaysischen Feiertage des chinesischen Frühlingsfestes in Kuah an. Gäste warteten stundenlang auf Sitzplätze in trendigen Chinarestaurants. Wenn sie endlich einen freien Tisch fanden, warteten sie geraume Zeit auf meist ausverkauften Speisen. Seit einer Woche gab es keine Nudeln mehr im Rootian Restaurant. Die Küchenbrigaden arbeiteten auf dem Zahnfleisch. Der Kampf um exklusive China-Nahrung begann in milder Form bereits gegen Mittag. Europäische, Indische und Koreanische Lokale boten freie Tische und Sitzplätze an.

Die vergebliche Suche nach Glück

Das Tao, das sich mit Worten beschreiben lässt, ist nicht das wahre Tao.“
– LAO TSE: : TAO TE KING, Dàodéjīng, 道德經.

Ein besonderer Markt lockte, der chinesische Frühlingsfest-Markt. Dort wurde neben viel Plunder echtes Glück angeboten. Ein altehrwürdiger Chinese, war er echt – oder wie in Kung-Fu Filmen auf alt geschminkt – erklärte:
„Wenn Du Glück suchst, musst Du erst wissen, was Dein Glück ausmacht. Viele Menschen sagen Glück — und meinen Reichtum, materielle Güter, dazu möglichst viel Geld. Glück transportierst Du nicht im Geldbeutel, sondern im Herzen. Die Meisten suchen ein Leben lang nach den falschen Dingen.“

Der Mann war schmerzhaft Weise. Auch ich unterlag im jugendlichen Alter trügerischen Vorstellungen und Werten — bis ich eines schönen Tages abgeschossen wurde und ausgezockt hatte. Ich durfte mich relativ schnell von meinen Sammlungen materieller Güter wie Bilder, Bücher, Briefmarken, Schallplatten, Sparkonten und Wein, verabschieden. Nicht einmal die alten Freunde blieben mir erhalten.

Das bunte Treiben auf dem exotischen Markt gefiel mir. Kalligrafien und Scherenschnitte schaukelten im Wind. Bilder, gerahmt und ungeschlagrahmt, gab es mit sämtlichen denkbaren Motiven. Künstliche Seidenteppiche, wohl geeignet für sogenannte Teppichetagen, wurden in verschiedenen Preislagen angeboten. Edelsteine, Halbedelsteine und Pflastersteine wurden gehandelt. In Garküchen brodelten und brutzelten Speisen. Um Grillstände roch es teilweise penetrant nach verbranntem Öl. Nur das gut verborgene Glück fand ich nicht.

Eine uralte, dennoch zierliche Dame sprach mich an. War sie die Frau des Kung-Fu Kämpfers?
„Suchen sie etwas? Darf es eine hübsche Begleiterin fürs Frühlingsfest sein?“
Auf Tritte in den Hintern, selbst wenn sie von Lotos-Füssen stammten oder aus einem unerschöpflichen Plappermund, verzichtete ich freiwillig. (1)(2)
„Ich suche das Glück!“
„Das wird schwierig,“ antwortete sie. Sie wies mir den Weg zu einem Marktstand in der näheren Umgebung.
„Diese Leute verkaufen einen speziellen Wachs. Er wird von seltenen Bienen in Neumondnächten aus Pusteblumen gewonnen. Der Wachs ist teuer. Er wird in Gold aufgewogen, ein sicherer Weg zum Glück. Sie bringen den Wachs dann auf das Schiff der Tao-Mönche im Fluss. (3) Die erstellen eine Urkunde. Das Papier bestätigt mit Siegel und Unterschrift, Sie erwarben eine Option auf Glück, was immer es sein mag.“

Mittlerweile wurde es heiss auf dem Markt. Es wurde so warm, dass ich auch jetzt, während des Schreibens, etwas trinken musste. Später fand ich den Bienen-Wachs-Stand und ergatterte ein schönes Stück Wachs. Oben war er bereits angeschmolzen. Unten sah er aus wie steinharter, eiskalter Granit.
In der Ferne sah ich die malerischen Dschunken auf dem Fluss. Dort mussten die Taoisten sein. Der Fluss lag rechts. Als ich endlich dort war, trennte mich eine unüberwindbare Mauer vom Wasser. Ich folgte der Mauer. Irgendwo musste es einen Durchgang geben. Durch die Hitze bedingt, tropfte der Wachs. Der Klumpen wurde spürbar leichter. Anstatt den Weg zum Fluss zu finden, gelangte ich wieder in den unteren Teil des Marktes.

Ich beglückte den ganzen Markt mit meinen Wachstropfen der sehr speziellen Bienen. Für die Mönche blieb nichts mehr übrig. Doch für diese Brüder ist Enthaltsamkeit Ehrensache. Anstelle von Wachs-Kerzen gibt es in Tempeln nun LED-Leuchten. Die Bezeichnung Wachs-Kerzen ist eine Lüge. Sie wachsen nicht, sie brennen – wie unsere Leben, ob weiss, gelb oder rot – kürzer.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Lotosfu%C3%9F
(2) https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=6tk0QsdsOcU
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus

Thailands verheissungsvolle, bahnbrechende Zukunft

Ein heisses Land in einer heissen Zeit. Da ist es nie zu spät für Bierpreis und allgemeine Alkohol-Steuer-Erhöhungen.
Die Regierung investiert viel und benötigt Geld. Der Schutz der Monarchie, inbegriffen der Bevölkerung, wird intensiviert mit U-Booten, Helikoptern, Flugzeugen und Panzern. Schiffe mit Lenkwaffen könnten feindliche Einheiten in Entfernungen von über zweihundert Kilometern beschiessen. Die lückenlose Überwachung des Internets benötigt viel geschultes Personal und modernste Technik.
Zitronen gibt es kaum genug zum Quetschen. Da hält man sich besser an die Leute. Saurer, sogar vitaminreicher Saft hilft wenig. Billionen Baht sind besser.
Eine Idee war, die Gebühren für Abfälle um das Elffache zu erhöhen. Ich befürchte leider, dass dann der Kehricht wieder in Nachbars Garten, im Dschungel, in Flüssen und Seen landet oder mühsam von den Meeresstränden gesammelt wird. Jede Nacht beleuchten dann – wie einst – Millionen Feuerchen mit stinkendem Qualm Hütten, Palmen und Tempel.
Vor ungefähr zehn Jahren wurde der Kehricht, trotz bezahlter Gebühren, im Dorf plötzlich nicht mehr abgeholt. Die Lastkraftwagen reisten damals von Chiang Mai ins Gebiet von Lampang. Sie schmissen den stinkenden Müll in den Dschungel. Das funktionierte, bis sie von wütenden Einheimischen mit Schrotflinten begrüsst wurden.

Weiter denkt man an eine progressive Zuckersteuer in Getränken, mit dem richtigen Argument, Zucker sei ungesund. Suppen, Gemüse und andere Speisen dürfen weiter abgabefrei gezuckert werden. Warum nicht eine generelle Zuckersteuer erheben? Sie wäre bei höheren Erträgen weit weniger personalintensiv.

Die Zeitungen, Bangkok Post und Khaosod, sehen die Aktionen aus ihren Blickwinkeln:
Die Konsumenten zahlen für die Sünden der Regierung (1)
Ist diese Regierung kaputt und schöpft einen neuen „Sündensteuer“-Plan, damit angeblich sündige Konsumenten mehr bezahlen? Ich besprach diese Spekulation mit einem Freund. Am Samstag werden neue Verbrauchsteuersätze wirksam und Preiserhöhungen auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee stehen bevor. Die Verbraucher sind gezwungen, die Last von immer teurerem Bier, Wein, Schnaps und Zigaretten zu tragen.
Laut Forbes Thailand Magazin gibt es erhebliche Erhöhungen der Lizenzgebühren. Beispielsweise wird die Alkohol-Herstellungsgebühr von 5.000 Baht auf 300.000 Baht pro Jahr angehoben.
Ein Produzent, der 30 Millionen Flaschen im Jahr abfüllt, zahlt umgerechnet auf die Flasche 0.01 Baht. Ganz anders trifft es die Detailhändler. Für den Einzelhandel wird die Lizenzgebühr von 2.000 Baht auf 50.000 Baht erhöht. Wenn der Umsatz bloss 10‘000 Flaschen beträgt, ergibt das pro Flasche fünf Baht, die vom Gewinn verlorengehen … oder der Kunde bezahlt.

Nach kurzem Schnuppern in den Preislisten bemerkte ich, dass wiederum beim echten Wein am kräftigsten abgesahnt wird. Daraus ergibt sich, dass nicht hochprozentige destillierte und gebrannte Wasser, sondern natürlich fermentierte Traubensäfte die aggressivsten Feinde von Hirn und Leber der hochsensiblen Bevölkerung Hinterindiens sind.
Billigst “Weine“, gepanscht im Grossraum Bangkok, aus importiertem Traubenkonzentrat, lokalem Ethanol und Wasser, gelten als einheimische Erzeugnisse.

Werte Geldbeschaffer: Sofern ihr wirklich unerschöpfliche Mengen Geld benötigt, verdoppelt endlich die Treibstoff-Preise. Vielleicht würden dann einige Dieselbesitzer ihre ungewarteten Stinker nicht nur währen der Nacht abstellen, sondern die Luftbelastung mit Schadstoffen könnte mindestens in Chiang Mai, eventuell sogar landesweit, verringert werden.

Die Staatsbahnen planen mit Unterstützung von Japan, 2023 die 193 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Strecke von Bangkok (Don Mueang, Suvarnabhumi, U-Tapao) nach Rayong in Betrieb zu nehmen. Der Grundpreis sollte zwanzig Baht plus 1.80 Baht pro Kilometer betragen. (2)
Die Japaner möchten ebenfalls eine schnelle Strecke von Bangkok nach Chiang Mai errichten.
Gleichzeitig wird in Zusammenarbeit mit China an der Strecke von Nong Khai nach Bangkok gearbeitet.

(2) http://www.bangkokpost.com/news/general/1317747/rapid-rail-link-to-rayong-set-for-2023
(1) http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1323951/consumers-made-to-pay-for-government-sins

Betrachtungsweisen

Sie bemerkten es, liebe Leserinnen und Leser, Hinterindien unterscheidet sich von anderen Reiseblogs. Es ist ein kleiner Unterschied, ob man ein Land während Tagen oder Wochen bereist, oder ob man hier, nicht unbedingt am Ort – ebenfalls im Land, sesshaft ist. Die ersten Blicke hinter die zauberhaften Kulissen, pornographischen Traumwelten und die zelebrierten Seifen-Opern zeigten mir eine neue, realistischere Welt. Es dauerte allerdings mindestens drei Monate, bis ich mich durch den schützenden, kulinarisch attraktiven Reisberg gefressen hatte und ich im Schlaraffenland endlich meine verklebten Augen öffnete. Thaiküchen boten einst absolute Höchstleistungen für Gaumen und Magen.

Die Umstände änderten sich während den Jahren. Amerikanische Schnellimbisse mit entsprechenden Süssgetränken eroberten das Land. Thais goutieren diese Küche samt gezuckerten Mikrowellen-Gerichten. Die Jungen mit ihren Smartphones als Dauerbrenner am Maul, identifizieren den abgekühlten Plunder nicht als minderwertiges Zeug. Von den Preisen her, musste es hochwertige, gesunde Kost sein.
Sollten wir Schweizer etwa auf Rösti mit Geschnetzeltem, reich garnierten Bernerplatten mit Würsten, Rippli, Bohnen und Sauerkraut – oder gar ein einfaches Fondue zu Gunsten dieser Hamburgerkulturen verzichten?
Seit Jahren weiss ich bei Einkäufen in Thailand, wir erwerben nicht – was wir benötigen, sondern — was uns angeboten wird. Dies gilt besonders während unseren Aufenthalten in Satun. Da helfen oft nur noch Bestellungen in Bangkok oder Chiang Mai.

Ein krasses Beispiel ist der Regen. Wenn es in Satun regnet, riechen wir aromatisch feuchte Erde. Sofern es im Dorf im Norden regnet, riecht es im Haus wie im Chemie Labor an der Uni. Braun-schwarzes, unbekanntes, griesiges Konglomerat fällt von den Dächern.

Seit drei Jahren wird das Land nicht mehr regiert. Die Generäle befehlen. Oft wird eine Anweisung innerhalb eines Tages ausgesetzt. In den drei Jahren der Militärregierung, erhöhten sich die Ausgaben für Verteidigung um einen Viertel, denn Thailand ist von äusserst aggressiven Nachbarn umgeben. Dafür wurde beim Bildungs- und Gesundheitswesen gespart.
Die Regierung Yingluk war drei Monate im Amt, als Überschwemmungen 2011 Zentralthailand und Bangkok heimsuchten. Schuld ist die Frau, weil sie als Regierungschef den Zorn der Götter erregte.
Die Generäle üben seit drei Jahren. Die gegenwärtigen Überschwemmungen sind reine, unvorhersehbare Naturkatastrophen. Dammbrüche durch wenig kompetente Schleusenwärter inbegriffen.

Ihre Excellenz Kobkarn Wattanavrangkul, Thailand Minister of Tourism and Sports, hatte die Eingebung, Touristen reisen nicht wegen des Sexgewerbes, sondern durch vielfältige kulturelle Angebote nach Pattaya. In Zusammenarbeit mit Armee und Polizei räumte man deshalb in den letzten Wochen Sündentempel, wie Massage-Salons, Bars und Klubs rigoros.

Dagegen boomt das Sexbusiness für chinesische Touristen unbekümmert weiter. Klammheimlich haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Grossveranstaltungsorte im Pattaya Markt etabliert. Diese Live-Sex-Shows sind ausschließlich Touristen aus der Volksrepublik China vorbehalten. Bis zu über 100 Busse karren die kulturell interessierten Gruppen zu den Etablissements, die von der Größe her Konzertarenen gleichen. Im Norden der Stadt gibt es vier Lokalitäten, in denen die schlüpfrigen Shows ohne Schlüpfer angeboten werden: BigEye, Bang Up, Number One und 69 Show. In direkter Nachbarschaft entsteht ein weiterer Komplex.

Wenn sie jetzt denken, der Mann wird alt und unglaubwürdig, haben sie recht. Ich selbst traue ebenfalls niemandem mehr in meiner Umgebung.

Wenn Geld nutzlos wird ….

Ich lag in Bern seit Monaten im Krankenhaus. In der Nachttischschublade waren wohlbehütete zwanzig Franken. Ich hatte unbändige Lust auf eine Essiggurke mit Rauchfleisch vom Rind (Pastrami). Das gab es in einem Geschäft, das bloss einige Minuten entfernt war. Aber ich musste liegen und hatte nur selten Besuch. Je länger der Krankenhausaufenthalt wurde, desto seltener die Gäste. Die Banknote selbst war für ein exquisites Sandwich völlig ungeeignet.

In Satun hilft sogar ein dickes Bankkonto nicht viel. Das Warenangebot ist äusserst bescheiden. Pastrami gibt es nicht. Auf all die italienischen Salami darf verzichtet werden. Alle paar Wochen erreichen als Strafe eines zornigen Gottes einige Würste von TGM aus Bangkok Satun. Sie werden ungestraft als Salami bezeichnet. Original Deutsches Rezept, erfunden unter den berühmten Salamipalmen in der Salamiallee zu Berlin. Das Kilogramm zu 750 Baht. Essiggurken sah ich hier noch nie.
Fette, dunkel eingekleidete, herumwatschelnde, dabei schwabbelnde Hinterschinken, die beim blossen Betrachten den Appetit hemmen, sind im Süden übliche Handelsware.
Deutsche, italienische oder gar spanische Schinkenarten wie sie in Chiang Mai angeboten werden, suchen deine Augen und ein wässriger Gaumen vergeblich.

Der Senf heisst French, „Französisch“, ist aber ein amerikanisches Produkt. Weitere Auswahl gibt es selten. Panzerspargel, Bleichspargel als Büchsenfutter, schafft den weiten Weg von China in den Süden nicht. Roggenmehl und Maisgriess sind unbekannt. Die Menschen sollen gefälligst Reisüberschüsse vertilgen.

Das meiste Obst stammt aus importierter genmanipulierter Produktion. Was die farbigen hübschen Kleber mit den Nummern auf den Früchten bedeuten, weiss niemand. Keine und keiner interessiert sich dafür. Die Hauptsache sind günstige Preise. Warum sind nicht mehr inländische Früchte in den Gestellen? Sofern Trauben angeboten werden, einheimische Beeren, Früchte aus Chile, China oder Indien, verschwindet erst die importierte Billigware. Die Qualität ist Nebensache.

Es gibt viele Delikatessen, von denen wir nur träumen können. Trotzdem bin ich zufrieden. Saubere Luft und gutes Wasser kann man im Norden höchstens in Flaschen beziehen. Meine Augen sind nicht mehr dauernd auffällig rot entzündet. Am Morgen entfallen Hustkonzerte und Spuckorgien im Badezimmer. Das gemässigte Klima, während des Jahres weder ungemütlich kalt noch extrem heiss, ist wie Balsam für einen kleingeistigen, alten Hetzer und Ketzer.

Vergiftete Düfte und Träume

Warum verbrennt Low Zigaretten anstatt Räucherstäbchen? Beide Duftspender erzeugen Feinstaub. Zigaretten enthalten vorwiegend Tabak. Preisgünstige Räucherstäbchen in Thailand haben einen gefärbten, brennbaren Träger. Das duftspendende Material enthält Holzpulver, synthetische oder natürliche Glimmstoffe, Öle und Kleber. Räuchern von losem Räucherwerk auf Holzkohle oder Sieben ist aufwendig. Stäbchen sind einfacher anzuwenden. rattanakosin
Indische Räucherstäbchen werden durch Auftragen einer Paste aus Holzpulver, Harzen, Kräutern, Ölen, Wasser und Räucherwerk auf dünne Holzstäbe hergestellt. Preiswerte Räucherstäbchen enthalten synthetische Geruchsstoffe wie Moschus-Ambrette-Verbindungen. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit ist nicht gesichert.

Die chinesischen Stäbchen werden oft „joss-sticks“ genannt. Es sind Glücks- und Schickssalsstäbchen. Sie dienen dazu, die Götter berechnenderweise gnädig zu stimmen.

Japanische Räucherstäbchen enthalten keine Trägerhölzchen. Die aus Wasser, Holzpulver und Duftstoffen hergestellte Paste, wird durch Düsen gepresst, geschnitten und getrocknet. Hochwertige Räucherstäbchen enthalten bis 20 Komponenten. Sie reifen mehrere Jahre lang.

Seit dem 7. Jahrhundert werden in Tibet Räucherstäbchen angefertigt. Sie enthalten Kräuter und werden von Hand gerollt. Die handgerollten Produkte ohne Trägerstäbchen sind sie wesentlich dicker und grobkörniger als die japanische Ware.

Der klassische Weihrauch ist das luftgetrocknete, teure Gummiharz, das in Muskat, Dhofar, Oman, aus dem Weihrauchbaum, Boswellia, gewonnen wird.

Das Abbrennen von Räucherstäbchen erhöht den Gehalt an Feinstaub. Krebserregende Stoffe wie Benzol und Formaldehyd werden freigesetzt. Der Rauch von Räucherstäbchen und anderem Räucherwerk kann mehr zellschädigende Substanzen enthalten als Tabakqualm. (2)
Ein im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist (Nr. 2302, S. 5) veröffentlichter Bericht erwähnte: in einem Tempel in Taiwan, in dem Räucherstäbchen abgebrannt werden, wurde eine 40fach höhere Konzentration krebserregender polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe als in Häusern von Rauchern gemessen. Eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung ist durch die Zusammensetzung des Rauches gegeben. Die gemessene Feinstaubbelastung in einer katholischen Kirche in Bayern entsprach der Belastung einer vielbefahrenen Straße oder einer verrauchten Kneipe. Ich will doch unsere Lan Na Hausgeister nicht vergiften!

Nach den Düften zu vergifteten Träumen.
Die Zahl der Crystal-Meth Abhängigen ist in der Stadt Neuenburg, Schweiz, am höchsten. Wie Untersuchungen der Universität Lausanne zeigten, wurden im Abwasser von Neuenburg 33.4 Milligramm gemessen. Zürich rangierte mit 21.8 Milligramm auf Platz zwei. Zürich weist dafür die höchsten Kokain Werte auf.
Ein Grund, warum die Droge im Welschland stark verbreitet ist, dürfte in den zahlreichen Thai Massagesalons zu suchen sein. Sie gelten als Umschlagplätze für die Thai-Pillen aus Metamphetamin. Einen ausführlichen Bericht brachte der Tagesanzeiger. (2)
Im Raum Chiang Mai oder Satun könnte der allgemeine Drogenmissbrauch schlecht nachgewiesen werden, weil es keine Abwassersammler gibt. Die ausgeschiedenen Stoffe gehen direkt in die Natur, sei es Boden oder Gewässer.

(1) http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raeucherduft_ist_Krebs_erregend1771015585251.html
(2) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Neuenburg-ist-die-Hauptstadt-der-CrystalMethSuechtigen/story/22425146

Naturwissenschaftliche Arbeiten vor 1800

Erlauben sie einige Gedanken über meine beiden Informationslieferanten. Beide lebten in einer für uns komplett fremden Welt.
Monsieur Poivre reiste monatelang in windgetriebenen Nussschalen der Küste Afrikas entlang, um das Kap der guten Hoffnung, entdeckt 1488 vom Portugiesen Bartolomeu Diaz, nach Indien, Hinterindien und weiter bis nach China. Die Ernährung, die Trinkwasserversorgung an Bord, waren meist äusserst bescheiden. Ärztliche Versorgung gab es kaum. Stellen sie sich nur eine Amputation um 1745 am Arm vor. Wie wurde narkotisiert? Hoffentlich hatten die Herren Chirurgen und Bader, ordentlich scharfe Messer und sterile Sägen!

Unterkünfte in den tropischen Gebieten hatten keine Klimaanlagen. Der Komfort von Kühlschränken fehlte. Tropische Fieber und Magen-Darm-Probleme erwarteten fremde Eindringlinge wie heute. Motorgetriebene Verkehrsmittel gab es weder in Europa noch in Übersee. Das Telefon schlummerte geduldig seiner Erfindung entgegen.
Ich denke nicht, dass Missionar Poivre einen Dolmetscher hatte. Folglich musste er die Sprachen der Eingeborenen der bereisten Länder erlernen. Was war sein Antrieb, die damalige Welt zu bereisen? War er ein Eiferer des Glaubens, der sich mit der Bibel in der Hand von Hostien ernährte – oder doch eher ein alles verzehrender Abenteurer?

Ein anderer Typ war wohl Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit in Göttingen. Christoph sass von Büchern, den Vermittlern des Wissens, umgeben in seiner Studierstube. An trüben Tagen benötigte er Kerzenlicht für seine Arbeit. Meiners übersetzte und zitierte eine dreissigjährige Schrift und war damit top aktuell. In unserer Zeit wäre er chancenlos. Bei heutigen Nachrichten und Publikationen geht es um Minuten und nicht um Jahrzehnte.
Würde ich eine wissenschaftliche Arbeit über Zellular-Telefonie vor dreissig Jahren veröffentlichen, würde das bedruckte Papier höchstens zum Verpacken von Wurstbrot für Familienausflüge Verwendung finden.

1978 beispielsweise wurde in der Schweiz das Natel, Nationale Autotelefon, eingeführt. 1983 wogen die modernsten Funk-Geräte in einem Koffer immer noch 12 Kilogramm. Bereits zehn Jahre später folgte die digitale Datenübermittlung. Wo stehen wir heute? Mit 150 Gramm Elektronik inklusive Stromversorgung, kommunizieren wir weltweit mit Bildern, Daten, Filmen und Sprache. In den klugen Maschinchen sind Fotoapparate und sogar GPS, globale Navigationssatellitensysteme zur Positionsbestimmung, eingebaut. Die meisten Benutzer sind durch die hochintelligenten Telefone geistig überfordert. Die Analphabeten Hinterindiens nutzen Smartphones bloss als Fotoalben und für Pornofilme – mittlerweile eine eigene Industrie. Für reine Telefonie genügen Geräte in der Grösse einer Armbanduhr.
Aber – sind unsere Geistes-Blitze so eminent wichtig, dass wir diese grossartige Technik unbedingt nutzen müssen, um unsere Freunde damit zu beglücken. Dick erhält täglich hundertzwanzig meist nutzlose Line-Nachrichten mit Bild. Mowgli wurden bereits vor Jahren innerhalb vierundzwanzig Stunden über dreihundert Mails zugestellt.
Unsere Körper sind dauernd technischen Frequenzen von fünfzig Hertz, Wechselstrom, bis in den Gigahertz-Bereich, Mikrowellen, ausgesetzt. Die Auswirkungen sind unbekannt. Wir wissen nur, Intelligenz vermittelt diese Strahlung leider nicht.

1798 durfte sich Meiners unbescheiden Professor der Weltweisheit nennen. Es war eine relativ schlichte, unerforschte Welt. Alle undenkbaren technischen Errungenschaften standen der Menschheit noch bevor: Elektrischer Strom, Glühlampen, Radio, Fernsehen, motorisierter Bahn-, Luft-, Schiff- und Strassenverkehr und vor allem weltweite Kommunikation.

Nur eines hat sich kaum verändert: für Mord- und Totschlag genügen immer noch Mentalität und Methoden der Steinzeit. Dabei vermodern wir Menschen, wie weggeworfenes Obst, mit der Zeit rein selbsttätig. Wozu also gedankenloser Aufwand an Kraft, Stahl, Pulver und Blei?