Können Bierflaschen Reliquien sein?

Der Schritt von der Weinflasche des heiligen Antonius zu profanen Bierflaschen ist kurz. Während dem ich zahlreiche Tempel in und rund um Chiang Mai besuchte, Bekanntschaften mit Mönchen und Äbten pflegte, hatten meine Kollegen aus Engelland wichtigere Anliegen. Sie trafen sich immer am Freitagabend in der Loi Kroh Strasse und studierten eingehend Bier-Bars und weit wesentlicher, die Bier-Schlepperinnen. Dabei war die Mehrzahl dieser Deppen mit einheimischen Frauen, die sie natürlich in Bars kennenlernten, verheiratet.
Einige besonders Fleissige trainierten während der ganze Woche intensiv für den Freitag. War es die Bierröhre, die Leber, die Nieren oder die Harnblase, welche besondere Aufmerksamkeit und Pflege erforderte?
Loi Kroh Besuche gingen bei mir ans Limit. Erstens mochte ich Bier als Getränk nur als lebens-rettende Flüssigkeit kurz vor dem Verdursten. Zweitens konnte ich im Rollstuhl nicht alle zwanzig Minuten Wasser abschlagen. Toiletten für Behinderte gab es nicht.
Alle paar Jahre liess die Regierung verlauten, dass sämtliche Bars in der Loi Kroh geschlossen würden. Das waren wichtige Signale für meine Bekannten, um noch gründlicher zu feiern. Die überbordenden Exzesse führten zu Verkehrsunfällen, Bein- und Schädelbrüchen, wohl weil gelegentlich etwas Blut im Alkoholkreislauf fehlte. Die Schwerverletzten scheuten sich nicht, mich im Bedarfsfall um einen Rollstuhl zu bitten.
Ich begegnete den Kampftrinkern an Geburtstagen oder zum Truthahn an Weihnachten. Ihre auf Bier fixierten Verdauungsorgane ertrugen keine Thaispeisen. Ihre Frauen arrangierten sich und kochten für sich landesübliches Essen. Ich schmuggelte Wein zu den Gastgebern und schluckte dazu Thai Spezialitäten. Die Häuser dieser Farangs hatten zwei Küchen. Im Innern war die Farang –Küche mit Kühlschränken, Mikrowellen und Toaster. Auf luxuriösen Geräten wurde Frühstück mit Eiern, Speck und Würsten gebraten. Eine bescheidene Aussenküche diente für Thai-Food.
Während sich die Engelländer vorwiegend um aufgetakelte Wesen mit extremer Kriegsbemalung aus Chromstahlstangenhaltung kümmerten, trank ich im Dorf unter dem Sternenhimmel Wein mit biologisch gackernden Landhühnern aus Bodenhaltung. Als asoziales Wesen wurde ich unter den Säufern als Womanizer verschrien.
Wenn ich selten genug in der Nähe der Loi Kroh Strasse war und meine Leber verzweifelte Durstsignale zum Hirn sandte, drehte ich den Rollstuhl. Dann rollte ich zum Imperial Mae Ping Hotel und dort in die Lobby Bar. Das ausgebildete, freundliche Personal mixte Cocktails nach Barbuch mit Messbechern. Der weitverbreitete Betrug mit verwässerten Spirituosen fand nicht statt. Danke für die angenehme Zeit! Reliquien könnten folglich ebenfalls Schnapsflaschen sein.
In unmittelbarer Nähe der Bar gab es nicht nur für Notfälle eine Toilette.

Erinnerungen an Kuah

Wir verbrachten interessante Tage auf Langkawi. Ich erwartete eigentlich mehr Dekorationen zum Frühlingsfest im Städtchen. Aber Kuah ist nicht Melaka oder Penang. Gefeiert wurde diskret öffentlich kulinarisch. Gleich nach der Ankunft erledigte ich meine Banküberweisung. Meine Situation war wesentlich kritischer, als ich sie beschrieb und verharmloste in: „Ganz kleine Probleme für medizinischen Nachschub.“ Sensemann und Sensefrau – gleichberechtigt – grinsten hämisch im Hintergrund: „Wir schaffen das!“
In der Nähe der Bank fand Dick in einem Laden eine Flasche Freixenet Cordon Negro. Wir verspiesen îm Rootian ein Won Ton Süppchen. Frisch gestärkt registrierte ich mich danach im Hotel, um die Cava zu kühlen.
Kaum hatten wir den kalten, prickelnden Schaumwein genossen, mussten wir in den Ausgang. Der letzte malaysische Feiertag verlangte Opferbereitschaft. Wieder fand Dick ein Schmankerl, einen siebenjährigen Syrah aus Barossa Land. Wir besetzten den letzten freien Tisch im Rootian und bestellten einige Schweinereien, beispielsweise süss-sauer, zu unserem überragenden Tropfen ohne Pfropfengeschmack.
Auf diese Weise verschwendeten wir unsere Lebenszeit. Einmal besuchten wir einen Gemischtwaren-Laden. „Die haben doch nichts,“ meinte Dick auf dem langen Weg von zwanzig Minuten. Nach dem Erwerb einer Handtasche, war sie anderer Meinung. Ich benötigte Pilzsauce von McCormick. Seitdem meine Hände beinahe gelähmt sind, kann ich Saucen nicht mehr nach meinem Empfinden zusammen stellen. Als Grundlage benutze ich nun Beutelmischungen und ergänze mit frischen oder getrockneten Pilzen und knackigen Kräutern. Zusätzlich zur Sauce fanden wir nach Jahren endlich Noilly Prat, der einzigen Grundlage von erstklassigem Martini Dry. Eine neu entdeckte Schokolade erfreute uns.
Wir verspiesen und tranken alles, was wir in Satun vermissen. Eine einzige Mahlzeit, erhielt die Note ungenügend. Es war ein „Western Establishment“, welches noch vor wenigen Jahren empfehlenswert war.
Mein lebenserhaltendes Paket erreichte uns am Samstag. Am Sonntag traten wir (leider) die Rückreise nach Satun an. Die Vorräte im Koffer hätten für drei weitere Tage Schlemmerleben gereicht. Leider war es im Hotel unmöglich, den Transfer vom WC in den Rollstuhl zu bewältigen.

(1) https://hinterindien.com/2018/02/16/ganz-kleine-probleme-fuer-medizinischen-nachschub
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Freixenet
(3) https://en.wikipedia.org/wiki/Wonton
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Noilly_Prat

Tamarinden

Die kleineren Früchte werden in Märkten und von Grossverteilern angeboten. Ein uralt ehrwürdiger Baum vor einem Haus lieferte die grösseren Schoten.
Das Bild erinnert an Eigenschaften der gesellschaftlichen Strukturen in Thailand. Als Feigling schreibe ich nur * * *. Ich freue mich auf ihren Kommentar!
Es gibt süsse und saure Tamarinden. Sie sind zwischen 5 bis 20 cm lang, zimtfarben bis braun. Der Querschnitt ist rundlich. In den Hülsen liegen Samen. Sie werden von einer bräunlichen bis schwarzroten Pulpa, dem Fruchtmark, eingehüllt.
Die Kerne der Tamarinde werden teilweise gekocht oder geröstet und zu Mus gestampft. Es ist als Tamarindenkonzentrat und Tamarindenmark erhältlich. Es verleiht Currys eine dunkle Färbung und den pikanten herbsauren Geschmack.
In gewissen Regionen von Thailand, wie Chiang Dao und Maeung Khong, werden die Hülsen in kleine Stücke gebrochen, mit Tabak vermengt. Zum Rauchen wickelt man das exotische Gemisch in geschnittene Bananenblätter. Der Zusatz der Tamarinde-Hülsen führt oft zu starkem Hustenreiz. In Chiang Mai genügt gegenwärtig die mit Feinstaub übersättigte Luft. In Satun ist die Luft noch sauber. Geraucht werden geschmuggelte, zollfreie Glimmstengel aus Langkawi. Ich freue mich jetzt schon auf das indonesische Lungenbrot mit Gewürznelken!

Leiden und Freuden eines teiggenössischen Teigessers

Schleckten sie in der Vorweihnachtszeit ebenfalls zahlreiche Teigschüsseln ihrer Mutter aus? In Satun gibt es ausgenommen von Butter, Mehl, Rosinen und Zucker wenig Ingredienzien zum Backen und Trölen.
Zusätzlich kann ich keine Handarbeiten verrichten. Als ich Dick die Herstellung von Weihnachtsgebäck mit Backformen wie Sterne, Monde und so weiter – zu erklären versuchte, kaufte sie eine unnötige italienische Keksmaschine. Meine Lust dagegen konzentrierte sich auf Lichtjahre entfernte Anis-Chräbeli bis zu den Zimtsternen in den Milchstrassen. (1)

Die schmerzenden Arme und zitternde Finger schränken mich ein. Nofretitte, die mir für wenige Monate Linderung verschaffte, leidet in Chiang Mai unter der Kälte. Sie wagt sich nicht zu husten, weil sie dann Ihre virtuelle Reizwäsche ernsthaft fäkalisieren könnte.

Schreiben war einige Tage unmöglich. Ich beschäftigte mich mit dem Berechnen von Rezepturen. In der Schweiz heisst es in der Anleitung zu „Schinken im Teig“: Man nehme einen Schinken von 1,5 Kilogramm. (2) In Satun kann ich diesen Schinken weder nehmen, bezahlen, noch stehlen. Es gibt ihn nicht.
Bei Makro wurden zwei Schinklein „Bücher Bangkok“ von 700 Gramm angeboten. Wenn in ihrer Schule die Relativitätstheorie erklärt wurde, wissen sie: ein kleinerer Schinken erfordert weniger Teig, als ein dicker Happen. Ich versuchte, mit den Lehrsätzen von Pythagoras und des spezifischen Gewichts, Schinken-Umfänge zu ermitteln und daraus erforderliche Teigmengen zu berechnen.
Sie überlegen zu Recht, der Vollpfosten hätte den Umfang einfach mit einer Schnur bestimmen können. Mir hätte aber immer noch der Umfang eines schweizerischen Qualitäts-Alpen-Schinkens gefehlt.

Aber zu Weihnachten gab es erfolgreich:
Satun-Halal Schinken im Teig!
(1) https://ww2.bettybossi.ch/de/Rezept/ShowRezept/BB_BKXX060801_0374A-40-de
(2) https://ww2.bettybossi.ch/de/Rezept/ShowRezept/BB_JBXX060101_0014A-40-de

Der Hamme stammte nicht von einem mit Alpenrosen und Edelweiss gefütterten Bergschwein. Besseres finden Suchende in Thailand unter glücklichen Umständen in Bangkok.

Jahreswechsel

Geschätzte Leserinnen und Leser,
bloggen ohne Leser wäre so sinnvoll, wie Wasser ins Meer giessen. Ich danke für die langjährige Aufmerksamkeit und die Kommentare.
In Zukunft werde ich wohl weniger tippen, denn meine Finger streiken häufiger, als mir angenehm ist. Die Finger treiben ihr Unwesen nicht nur an den Tastaturen. Sie dekorieren die ganze Küche mit Suppen. Dazu benötigen sie www nicht.

Ihnen übermittle ich die besten Wünsche zum Jahreswechsel!
Low, Satun, Thailand

Feiertags-Vorbereitungen

Für uns ist praktisch jeder Tag ein Feiertag. Wir stecken dauernd in Fest-Vorbereitungen. Dick flocht streng nach alter Emmentaler-Bauernfrau-Tradition am Samstag eine schöne Anken-Züpfe.* Das ganze Haus duftete nach Hefe- und Butter.
Ich dagegen war der Handwerker und werkelte an einem formschönen Kerzenständer. Nicht nur meine Hände, sogar der Mund wurden tatkräftig eingesetzt. Dick wünschte sich mehrere Ständer. Bereits nach dem getesteten Prototypen fehlten weitere Kapazitäten der Leber zwecks Flaschen-Aussaugen. Mein Kopf brannte wie eine alte Glühbirne – kein neuartiges, kaltes LED Zeug – beduselt wie vom billigen Glühwein von Europas Weihnachtsmärkten.
Die Kerzenständer können sie an Hand der Abbildung kopieren. Für den Zopf folgt das Rezept. Weil wir bloss zu zweit sind, genügt die 250 Gramm Version, sonst müssten wir mit gefrässigen Ameisen teilen. Ich bin zu alt, um rabiaten Tieren Zopf aus dem Rachen zu reissen.

Kleiner Berner Butter-Zopf (Satun Version)

Zutaten

250 g Weissmehl
150 g Milch
30 g ungesalzene Butter
10 g Trockenhefe
½ EL Salz
1 TL Zucker
1 Ei biologisch, vom Bauern aus Bodenhaltung. Hühner-Ei geht auch.

In die zimmerwarme Milch Zucker und Hefe geben. Später die restlichen Zutaten beifügen. Die Maschine während zwanzig Minuten langsam kneten lassen.
Die Teigschüssel mit feuchtem Tuch bedecken und eine Stunde warten. Die Hefe arbeitet. Danach den Teig halbieren. Zwei lange Würste rollen. Beide Würste übers Kreuz legen – zum Zopf flechten.

Das Eigelb separieren. Mit Flachpinsel – Modelle Gauguin oder Van Gogh – den Zopf künstlerisch bearbeiten. Mindestens zwanzig Minuten warten.
Danach in den kalten Ofen schieben. Ungefähr fünfunddreissig Minuten bei 180 °C, später 160 °C backen. Diese Werte gelten für unseren kleinen House Worth Backofen.

*Anken-Züpfe = Butter-Zopf
Flechten: https://www.youtube.com/watch?v=AOMrlBe-u3U

Frittierter Transformator

Hier im milden Süden Thailands können die Einwohner kaum genug Kalorien zu sich nehmen. Deshalb wird alles stark gezuckert. Die Speisen, Fleisch jeder Art, Gemüse aller Gattungen, verschiedene Meeresfrüchte, werden in Fett und Oel schwimmend zubereitet. Damit all das Zeug richtig trieft und kräftigen Palmöl-Geschmack verbreitet, wird es zusätzlich paniert.
Eine weitere bekannte Zubereitungsart, besteht in den als Benzpyren-Schleudern konzipierten einheimischen, mit Holzkohle befeuerten, Grillgeräten. Die Holzkohle wird verbotenerweise aus Mangrovenholz hergestellt, während die See die ungeschützten Küstenlandschaften zernagt.
In Sonderangeboten verkaufen Grossmärkte in China gefertigte Elektrogrillgeräte, Stromfresser der Hochleistungs-Sonderklasse. Der Hit des Tages war: Beim Erwerb von zwei Geräten wird ein Drittes geschenkt.

Ich erklärte Dick, dass sie ihr Bügeleisen mit 2400 Watt Leistung und den Staubsauger mit 1600 Watt nicht an dieselben Steckdosen anschliessen könne. Die Sicherung würde die Stromlieferung sogleich unterbrechen. In diesem Land kennt man vor allem Wat, gleich Tempel. Der Ingenieur James Watt dagegen ist unbekannt.
Unsere Waschmaschine arbeitet an einer zusätzlichen Kabeldose mit Sicherung. Sie schaltet Ströme über 10 Ampere aus. Weil die Spannung am Netz zwischen 220 und 240 Volt schwankt, ist es möglich, dass die Sicherung beim sechzig Grad Waschprogramm und hoher Spannung ausschaltet. Das ist unangenehm, aber eher preisgünstig. Ein kurzer Blick auf mein Messgerät zeigt, ob die Spannung eher zu hoch ist.
In PhonPhat schwankte die Spannung zwischen 180 bis 240 Volt, mit zwei bis drei Totalausfällen pro Woche.

Ich sass in Satun im Raum, wo der Bügeltisch steht und betrachtete die Pflanzen im Garten. Einzelne Blätter erreichten eine Höhe von zweieinhalb Metern. Zahlreiche Schachteln sind dort gelagert, um Garantieausfälle zu verpacken und zurück zu senden. Dann roch ich es: Nachbarn frittierten einen Transformator. Von meinem Arbeitsort in Bern, war mir der Geruch vertraut. Schnell schaltete ich meine eigenen Elektronik-Einheiten aus. Es war eindeutig, der Gestank war importiert.

Noch am selben Abend lieferte mir Dick die Geschichte. Nachbarn benutzten eine Batterie von Grillgeräten. Die Isolationen der Leitungen in der Decke brannten. Die ganze Strom-Verteilerbox fing Feuer. Da musste zuvor ein sogenannter Fachmann, ein tüchtiger Spezialist, die Sicherungen überlistet haben, ganz ähnlich, wie die ihre Mopeds und andere Motoren frisieren.
Einzig den Grillgeräten passierte nichts. Die wurden nicht einmal heiss genug, um das Grillgut zu garen. Da war der Herr Professor Paul Scherrer an der ETH in Zürich vor sechzig Jahren wesentlich erfolgreicher. Mit zwei Kabeln, Bananensteckern und Krokodilklemmen, erhitzte er erfolgreich Würste an der Steckdose.
1-1510039421-18 Technisch ausgereifte, familienfreundliche Lösung!

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Scherrer