Ein Tag im Leben des Genossen Low in der Abgeschiedenheit Nordthailands

Guten Morgen liebe Leser,
Wenn ich gegen 5 oder 6 Uhr erwache, muss ich mich drehen. Ich drehe mich während der Nacht mindestens alle zwei Stunden. Sonst entstehen neue Druckstellen.
Oft hilft mir Dick, andernfalls schaffe ich es selbst. Ich weiß, dass nach 8:30 Uhr meine Waschfrau kommt. Sie ist eine mittelalterliche Katze, alleinerziehende Mutter mit zwei Mädchen. Sie arbeitete als Englischlehrerin, ohne Talent und jegliche Sprachkenntnisse. Durch die Seuche verlor sie ihre Schüler. Sie bewegt sich wie eine anschmiegsame Mieze und ist sehr sanft. Erst lockert sie meine spastischen Beine etwas. Spätestens um 9:30 Uhr beginnt sie mit waschen. Das Gesicht und die Hände versuche ich zur Minimierung der Schmerzen selbst zu reinigen. Während der Nacht erzeugen die Augen eine Unmenge Kristalle. Ihnen gilt meine erste Aufmerksamkeit. Danach übernimmt sie die feucht-warmen Tücher. Während ich auf dem Rücken liege, betupft sie meine Brust und die Arme, danach den Bauchraum. Dann beginnt das erste Gefecht gegen die spastischen Beine. Fast täglich quetsche ich ihren zarten Körper mit den Knien und schüttle sie ausgiebig. Danach bearbeitet sie ernsthaft die empfindlichen Fortpflanzungsorgane. Gemäß des Zeitaufwandes berechnete ich, dass der Pimmel etwa einen Meter lang sein dürfte, oder ist es etwa die Nabelschnur. Da gibt es auch einen glockenförmigen Sack mit Kugel darin. Nicht zu selten kicke ich mit der Ferse voll hinein. Dann flimmern am hellichten Tag die Sterne, in der Ferne höre ich die Glocken im Elsass. Wenn ich dabei stöhne, massiert Kätzchen logischerweise die Ferse. Das ist ein Unfall-rückzieher. Sofern ich überlebe, drehe ich mich auf die linke Seite , damit der Rücken bearbeitet werden kann. Danach drehe ich auf die rechte Seite , um die andere Hälfte des Rückens zu waschen. Dann warten wir auf Dick. Sie ist für die Wundpflege verantwortlich.
Später werden die Transporteure angefordert. Sie drehen mich im Bett um 90°, von lang auf quer. Ich drehe mich auf den Rücken. Sie bringen mich in Sitzposition. Nachher hebt mich einer der Männer in den Rollstuhl. Ich brauche einige Minuten um mich zu erholen. Dann rolle ich ins Badezimmer. Dort wartet Frau Katze mit dem Katheter, um die Blase zu entleeren. Manchmal macht sie es gut, manchmal wäscht sie meine Beine mit Urin.
Ich prüfe im Spiegel, wie mein Gesicht die Nacht überlebte. Ein Problem sind die gespaltenen Lippen. Nachher rolle ich zurück ins Wohnzimmer an den Tisch, wo vielleicht mein Frühstück wartet. Ich sauge etwas warmen Tee. Danach gibt es Brot-Stücke mit Fleisch und Essiggurken. Als Fleisch dienen Aufschnitt, verschiedene Schinken, gekocht oder getrocknet, Pastrami, Salami, Wurst oder ähnliche Köstlichkeiten. Oft gibt es Salate oder Butterbrot mit Konfitüre. Das Brot muss in kleine Stücke geschnitten werden, weil meine Lippen das Abbeißen nicht zulassen, denn ich kann nicht einmal küssen. Mit Schutzmaske wäre es zur Zeit sowieso nicht sehr interessant. Die Brot-Stücke werden mir von Dick in den Mund geschoben. Ich selbst würde die Fleischstücke und die Gurken unfreiwillig durch Zittern auf den Boden schmeißen. Nach dem Essen habe ich genügend Kraft, um mich zu rasieren und die rissige Gesichtshaut zu pflegen.
Im Zimmer prüfe ich die seltenen Posteingänge und die Nachrichten des Internets. Bis um 14 Uhr habe ich Zeit, um kleinere Arbeiten zu erledigen. Danach darf ich wieder liegen und die Zeit bis 17:30 Uhr vertrödeln. Ich höre oft Radio SRF. Dank Corona gibt es keine Staumeldungen. Vielmehr könnten die Menschen nachempfinden, wie es ist, während Jahren unter Quarantäne zu Leben, ohne Ausgang oder (ausnahmsweise)l Besuch. Ich habe nur die Wahl zwischen Bett und Rollstuhl. Am späteren Nachmittag, meistens vor 18 Uhr, holen mich meine starken Männer wieder aus dem Bett in den Rollstuhl. Wenn Dick zugegen ist, bereitet sie mir mein tägliches Kokoswasser zu. Vor allem in der Hitze der Trockenzeit, mit Temperaturen über 40 Grad, bei einem Gehalt bis 600 Mikrogramm Feinstaub, ist es mir ein Bedürfnis, etwas Gutes in die Gurgel zu schlürfen. Wir besprechen vielleicht das künftige Abendessen oder ich gebe dem kleinen Goon Rechenaufgaben. Faulen Lehrern wie mir, hilft Treppenrechnen. Irgendeine Nummer wird mit 2 multipliziert. Resultate werden dann mit 3, 4 bis 9 multipliziert. Danach wird dividiert mit zwei, drei, bis neun. Bei Erfolg hat man nach den Operationen wieder die Ausgangsnummer. Schlitzohren betrügen indem sie von unten nach oben zwei drei Zeilen hochrechnen. Sie glauben nicht, dass ich den Fehler entdecke.
Nach dem Abendessen kommt vielleicht der Fernsehapparat zum Zuge, denn wir haben Internet oder gespeicherte Filme am Lager. Nach 22 Uhr geht es wieder ins Badezimmer zwecks Pinkeln, Zähneputzen und allgemeinen globalen Wasch-Zeremonien. Nach den Schlummer-Bechern ruft Dick die starken Männer, um mich ins Bett zu verfrachten. Danach wechselt sie ohne Assistentin die Verbände. Darauf besucht mich das Sandmännchen, ausgewählt durch die Gewerkschaft – und streut mir Sand in die Augen. Gute Nacht!

Vom tiefen Teich in den seichten Morast

Nach ein paar Tagen erfreuten wir uns an den Fortschritten, welche die Zwillinge machten. Schreien um etwas zu erreichen war nicht mehr üblich. Phoy tanzte zu Kinderliedern.
Dann kam der erste Stolperstein in Form des thailändischen Kindertages. Die Armee zeigt zu Gunsten des Nachwuchses jährlich ihre Waffen. Kinder dürfen auf Panzern klettern und an verschiedenen Geräten herum fummeln. Die Luftwaffe verlor in den letzten Jahren regelmäßig Kampf-Jets bei Flug-Demonstrationen am Kinderfest.
Mutter und Großmutter wollten an diesem Wochenende die Kinder betreuen. Wir waren naiv und stellten keine Fragen. Am Morgen besuchten die Kinder einen Anlass im Dorf. Sie erhielten chinesischen Plastik-Plunder. Die zwei absolut rücksichtslosen Weiber brachten danach die Zwillinge in einen preisgünstigen Baby-Care, um ungehindert ihren persönlichen Geschäften nachgehen zu können.
Sonntagabend brachte die Großmutter die geschockten, heulenden und schreienden Kinder kommentarlos zurück. Die Frau ließ die quengelndene Kinder mit ihren Spielsachen wie Lego, Autos und Puppe Fußball spielen. Aggressivitäten übersah sie geflissentlich und reagiert nicht.
Wir assen zu zweit. Die Reste würden ein schmackhaftes Frühstück ergeben. Die Zwillinge zeigten keinen Hunger. Die Großmutter war zu faul um zu erklären, dass sie bereits gegessen hätten. Im Badezimmer bereitete sie die Kinder für die kommende Nacht vor. Sie gab weisses Pulver in die Trinkflaschen und schüttete heißes Wasser dazu. Bevor sie die Flaschen an die schreienden Kleinen weitergeben konnte, prüfte ich die Temperatur in meine Armbeuge. Die Pulver-Milch war viel zu heiß. Sie war bereits als Mutter ein totaler Versager und lernte seitdem nichts dazu.
Großmutter machte es sich im Schlafzimmer bequem. Am Morgen brachte sie nach dem Frühstück die Kinder in den Hort. Gegen 17 Uhr holte Dick die Kleinen ab. Nach einer Zwischenverpflegung machten die Beiden die Straße mit ihren zwei Drei-Rädern unsicher. Während Phoy gemütlich herum radelte, riss ihr Bruder bei jedem Start nach Spezialisten-Manier das Vorderrad hoch. So schnell lernen Zweijährige Dummfug.
Ohne Heulen und Geschrei genossen wir das Abendessen. Die Zwillinge fanden die Cervelat-Wurst köstlich. Ich erinnerte mich an meine Kindheit und dachte an meinen Vater, zu dem ich sagte:
„Papi, wenn du eine weitere Wurst isst, verzehre ich gerne die Haut,“ denn Fleisch war in den Nachkriegs-Jahren rar und relativ teuer.
Als ich einmal im Schlafzimmer leicht hungrig ein für mich unbekanntes, gebrauchtes Kondom entdeckte, fragte ich mich: „Hat er die Wurst allein gefressen?“
Zurück zum Heiland, ich meinte nach Thailand.- Die Spracheingabe versteht mich öfters nicht!
Nach dem Abendessen zeigte uns Phet, was er übers Wochenende gesehen hatte. Er entriss seiner Schwester die Puppe, legte sie auf den Boden und wälzte sich eindeutig zweideutig darauf. Die Kinder durften sich ins Schlafgemach zurückziehen.
Wieder litt das Mädchen unter Angstträumen. Dick war beschäftigt.
Am Mittwoch besuchte mich meine Tochter aus der Schweiz für einige Tage. Die Zwillinge hatten sofort vertrauen.
Es störte sie, dass der Bengel sein Spielzeug herum kickte. Leider hatten wir keine leere, rostige Konservendose, wie in Entwicklungs-Ländern üblich. Es fehlten ebenfalls Stühle zum Essen. Sie waren bestellt, aber nicht lieferbar. Die Kinder saßen auf Hockern am Boden an kleinen Tischen. Wenn ihre Reisschalen leer waren, rannten sie zu Dick und holten neue Nahrung. Ein zweiter Besuch kam aus der Schweiz, ein lieber Freund und Wohltäter. Er brachte mir gegen die schlechte Luft in Chiang Mai kubanische Zigarren erster Güte und freundete sich sogleich mit den Kindern an.
( Meine schlechteste Luft-qualitäts Messung lag für PM 10 bei 600. Übliche Werte am Nachmittag lagen bei 350. Für PM 2,5 entspricht das etwa 250. Ein formschönes Gerät von Samsung reinigt die Luft im geschlossenen Haus in einigen Stunden auf einen Wert unter 20. )
Als eines Abends die Großmutter wieder erschien, heulten die Kinder gleich los und fielen in ihre hergebrachte Konversation zurück. Ihre Mutter verlor mittlerweile ihre Anstellung. Sie hing tagelang ohne jegliche Aktivitäten im Hause ihrer Schwiegermutter herum.
Wenn ich diese Weiber sehe, denke ich an Schillers Fritz. Er schrieb in seiner Jungfrau von Orleans: „Mit (der) Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“
Selbst die Ärzte in Phoys Spital empfanden die Eltern als hoffnungslosen Fall.

Wieder kam ein Wochenende, das die Kinder mit den Eltern verbringen mussten. Am späteren Abend besuchte Dick ihre Unterkunft. Es war verdächtig still im Haus. Die Kinder lagen im Bett. Jedes hatte ein Smartphone in der Hand. Die Eltern haben kein Geld für Miete, Möbel, Elektrizität, Windeln, Kinderhort und anständiges Essen. Aber für Alkohol, Zigaretten, Drogen und technisches Spielzeug sind immer ein paar Baht verfügbar. Am Sonntag Nachmittag, es war 27 Grad Celsius, machten die Zwillinge ihren Mittagsschlaf im Beauty Salon. Sie schwitzen, weil sie zu warm bekleidet waren. Die Mutter stellte einen Ventilator in die Nähe. Das Gerät blies unter Volllast.
Großmutter schlief mit den Kindern in unserem Haus. Nachts, gegen 11 Uhr meldete sie sich aufgeregt:
„Phet hat Fieber!“
„Wie viel?“ wollte ich wissen.
„27°,“ sagte sie.“
„Dann ist er tot,“ erwiderte ich und sagte Dick:
„Nimm das Fieber-Thermometer.“
Der Wärmeschub lag etwas über 38 Grad. Nach knapp einer Stunde mit Essigwickeln, war der Bub wieder gesund.
Am Montag in der Frühe stellte Dick Eltern und Großmutter ein Ultimatum. Sofern sie an Wochenenden weiterhin keine Sorgfalt und Vernunft anwenden würden, sei am 28. Februar Schluss mit unserer Betreuung.
Am Abend litt Phoy unter Verstopfung. Die überaus weise Großmutter sagte:
„Das ist wegen eurer Ovomaltine.“
Beim nächsten Verstopfungs-Unfall stellte sich heraus, dass die Mutter gekaufte, gegrillte Fleisch-Kugeln verfütterte.
Während der Woche geben wir uns Mühe, die Kinder zu erziehen. Am Wochenende gibt es jeweils für uns Prügel.
An einem Samstagabend inspizierte Deck die Wohnung erneut. Mutter lag betrunken, schlafend in einer Ecke des Hauses, nach dem Genuss einiger Flaschen Spy Win Cooler. Das ist eine überteuerte, sprudelnde Brause von Fruchtsäften, versetzt mit Alkohol. Davon werden pro Jahr über 180 Millionen Flaschen verkauft. Der Verkaufs-Hit ist das Aroma Wassermelone. Es wird in Champagner-Flaschen nachempfundenen Behältnissen an die Frau gebracht.
Phet setzte sich kühn ein Fläschchen an die Lippe. Ich hätte es kaum geglaubt, hätte ich nicht eine unscharfe Fotografie des Geschehens gesehen. Das ist das harte Gesetz des Dschungels: keine Gläser, sondern Flaschenzug. Weil die Großmutter unfähig war, an ihrem Smartphone den Blitz einzuschalten, war das Bild verwackelt.
Am nächsten Tag zogen die Zwillinge samt Mobiliar aus dem Haus, wo bisher Milch und Honig floss. Als KiNiao, Geizkragen, stehen keine Spy Flaschen in meinem Kühlschrank.
Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, wog Phoy bloß 9 Kilogramm. Gegen Ende Januar zeigte unsere Waage 12 Kilogramm. Brüderchen wog 13 Kilogramm.
Zehn Tage nach dem Auszug rief eine Pflegerin des Hortes Dick an und fragte, was geschehen sei. Beide Kinder hätten 1.5 Kilogramm an Gewicht verloren.

Vom Klebreis zur mediterranen Leichtigkeit

Nach bangen Wochen gelang es mir endlich, einen positiven Satz zu kreieren.  Eventuell ist der nur geklaut. Die gekünstelte Verunfallung des Mädchens traf mich tief. So etwas sollte in meiner Umgebung nicht wieder geschehen.
Ohne offenbar lange zu überlegen, entschlossen wir die Zwillinge bei uns aufzunehmen. Auf diese Weise waren die Kinder der Willkür der herz- und gedankenlosen Eltern entzogen. Als das Mädchen das Krankenhaus verlassen durfte, blieben Dick etwa 5 Stunden um Betten,  Matratzen, Windeln und Milch einzukaufen.

Üblicherweise lagen die meisten Menschen in Nordthailand auf dem Boden.  Matratzen gab es selten. Bettgestelle waren rar. Gegessen wurde auf dem Boden. Schmutzige und gewaschene Kleider lagen auf dem Boden.  Schränke gab es kaum. Quer im Raum eine Schnur zum Aufhängen der Wäsche war bereits Luxus. Alles war bodenständig. Nur der oder die Fernseher standen, wie in Seifen-Opern, auf Tischen.
Die  Kleinen wurden uns gebracht. Sie freuten sich an den Betten, bestiegen sie und kletterten während fünfzehn Minuten immer wieder heraus. Obschon der Knabe relativ gut sprechen konnte, benutzten sie ihre bisher übliche Kommunikation. Die Kinder legten sich demonsstrativ auf den Rücken, strampelten mit den Beinen und schrien so laut sie könnten. Wir straften sie durch Nichtbeachtung.
Plötzlich konnten sie sprechen: „Ich habe Durst. Ich möchte essen.“  Sie tranken aus Bechern  und versuchten mit gewölbten chinesischen Kunststoff-Löffeln italienische Macaroni in den Mund zu schieben. Mitleidend empfahl ich Dick europäische Suppen-Löffel aus rostfreiem Stahl zu benutzen.  Damit konnten die Kleinen sogar gemischten Salat genießen.
Gesättigt baute der durch Mikrowellen geschädigte Knabe aus Pseudo LEGO ein L-förmiges Gerät, eine Maschinenpistole, mit der er diverse Buddhas – Auyutthaya, Phitsanuloke, Rattanakosin und Sukothai, blutgierig umbrachte – peng, peng, peng.
Vor dem Schlafen genossen die Kleinen die FKK-Freuden der  Badewanne. Das Mädchen schrie von Angstträumen geplagt, einige Male. Sobald es Dicks gütige Hand spürte, schlief es weiter.
Nach einem gesunden Frühstück, brachte Dick die Kinder in den Hort, um nachher meine Wunden zu Pflegen. Als Dick gegen 18 Uhr die Kinder zurück brachte, warteten Getränke und frisch geschnittene Äpfel auf sie.  Geschenke wurden verteilt. Der Knabe Phet erhielt einen Lastwagen. Ein Kinderwagen für das Baby wartete auf Phoy.
Phet wollte immer dasselbe Spielzeug, welches das Mädchen in der Hand hielt. Lustlos schob er sein Fahrzeug am Boden. Neidisch blickte er auf den Kinderwagen. Phoy sah offenbar auf einem Bildschirm, dass Frauen mit Kinderwagen Taschen trugen. Sie hing sich einen Beutel an die Schulter und spazierte lächelnd mit dem Kinderwagen durchs Haus. Phet hob seinen Laster auf einen Barhocker. Er schrie: „Zerstören, zerstören!“ und schubste sein Fahrzeug mehrmals in den Abgrund. Danach kickte er den Wagen wie einen Fussball. Phet setzte sich auf den Wagen. Es dauerte keine Stunde bis die Zerstörung erfolgreich war. Ein Vorderrad brach.
Flugs beschlagnahmte er Phoys Kinderwagen. Augenblicklich heulte das Mädchen in voller Lautstärke auf. Phet rannte mit dem Kinderwagen in Wände und Möbel, mit der Absicht, das Gerät ebenfalls zu beschädigen.  Der Missetäter rechnete nicht mit dem alten,  halbblinden Gelähmten im Rollstuhl.  Ich auch nicht, aber es gelang mir, ihm die Beute zu entreißen. Phet legte sich auf den Rücken, strampelte mit den Beinen und begann zu zwängen und zu heulen, dass sich der Bildschirm wölbte. Nun besitzen wir ein zeitgemäßes Heimkino.
Zur Stärkung der Stimmbänder gab es für die Kinder und für uns zum Abendessen gebratene Polenta mit Tomatensoße, verfeinert mit Hackfleisch und gehackten Kräutern.
Die Anforderungen für Dick waren hoch. Sie sorgte ja nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich.
Fortsetzung folgt

Das Winter-Wetter in Nordthailand 2019/2020

Vor Weihnachten war es bitter kalt. Die Temperaturen sanken des Nachts bis auf 10 Grad. Einige Fische starben. Das Wasser war zu kalt. Sie hätten eventuell schneller schwimmen müssen. Das konnten sie nicht, weil Dick nur 500 Stück im kleinen Teich aussetzte.
Auf Doi Inthanon zeigte das Thermometer minus 4 Grad Celsius. Sofern die Temperatur-Erhöhung im gleichen Tempo weiter geht, werde ich dort demnächst einen Skilift bauen lassen.
Seit Weihnachten sind die Tage 4 Minuten länger geworden. Am kürzesten Tag dauerte die Dunkelheit ganze 13 Stunden.

Nachbar Kleptomanewitsch erschlug einen seiner Hunde unter lautem Singen von bösen Flüchen oder frommen Gebeten begleitet. Frass das hungrige Tierlein eines der Hühner, oder deponierte es seinen Kot in Kleptomanewitschs ausgetrampelten Latschen? Er opferte das Tier samt Fell am nächsten Tag unter viel Rauchentwicklung, offenbar für den Regengott, sowie die nächstgelegenen Messstationen für Feinstaub.
Darauf hatten wir eine regnerische Nacht. Er bemerkte es jedoch nicht und bewässerte seine Plantagen.
Gegen die hohe Luftverschmutzung, um Weihnachten übertrafen die Spitzenwerte von Feinstaub 150 Mikrogramm, haben wir im Krankenzimmer ein Reinigungsgerät. Bei meinen gelegentlichen Darmentleerungen zeigten die Dioden trotz des üblen Geruches die gesunde grüne Farbe.
Einer meiner Helfer frisst offenbar gerne frittierte Speisen. Seine Frau kocht nicht, sie fritiert nur, dafür gründlich. Die Kleider stinken manchmal stark nach verbranntem Öl, dass ich Brechreiz kriege und die Anzeige am Gerät auf warnendes Rot geht.
Sofern der Mann seine Massage-Frau mit seinem Öl ausstoßenden Moped mit sehenswerter Rauch-Fahne her bringt, leuchten die LED gelb.

Es wurde wesentlich wärmer. Nachts sinken die Temperaturen nur noch auf 18 Grad. Am Nachmittag steigen die Temperaturen gegen 30 Grad. Im großen Haus liegen die Messwerte gegenwärtig zwischen angenehmen 24 bis 28 Grad.
Trotzdem bringen mich, bloß in Windeln gewickelt, wie der Evangelist in der Bibel erwähnt, besonders stupide Menschen zum Siedepunkt, denn so viele Esel und Schafe gibt es in Chiang Mai gar nicht.

Unerwartete Besucher bereiten doppelte Freuden

Eines Morgens um 8 Uhr dreißig, sagte Dick: „Ich gehe mal kurz nach unten. Jemand besucht mich.“
Weil meine Morgenstunden ziemlich ausgebucht sind mit Arztbesuch, Frühstück und Physiotherapie, wollte ich genaueres wissen.
„Wohin gehst du denn ?“
„Zur Busstation, es dauert nur 30 Minuten.“
Einige Kilometer entfernt vom Krankenhaus liegt eine Busstation mit Verbindungen nach Chiang Rai, Pizza new look, so versteht mich mein Smartphone, Phitsanulok, Nakhon Sawan und Bangkok. Städtische Buslinien verkehren hier nicht. Fünf Viertelstunden später, das sind dreissig Lanna-Minuten, kam Dick zurück. Sie erzählte:
„Freunde sandten mir per Line eine Mitteilung. Sie fuhren letzte Nacht von Nakhon Sawan nach Chiang Mai. Sie wollten mich als Reiseführerin in Chiang Ma und mit mir Frühstücken. Sie dachten, ich könne sie verpflegen und ihnen Unterkunft bieten. Ich habe diese Leute 10 Jahre lang nicht mehr gesehen.“
Auf diese günstige Art, last minute booking ohne Kreditkarten, reist man in Thailand, möglichst ohne Voranmeldung.

Aber auch im Krankenzimmer haben wir öfters unerwünschten Besuch. Noch vor wenigen Wochen lagerten Heftpflaster und Verbände in einem Körbchen in Griffweite des Bettes. Dick bemerkte, dass Heftpflaster verschwanden. Seitdem bewahren wir die teuren Medikamente, etwa 25 € das Stück, in meiner Reisetasche auf.
Sofern Dick einkaufte und ich in die Physiotherapie rollte, liessen wir das Zimmer von einer Pflegerin abschließen. Vor einigen Tagen bemerkte Dick, dass eine ganze Packung mit vier Pflastern verschwand. Selbst nach buddhistischer Logik, wirft der Zugriff auf eine Packung einen höheren Brutto- oder Netto-Ertrag ab, als ein Einzelstück. Wenn wir sparen wollen, muss also immer jemand im Zimmer sein.

Einen Höhepunkt thailändischer Schlaumeierei erlebte ich, als eine Bekannte von Dick anrief und erklärte, sie würde uns im Spital besuchen. Sie schleppte einen Kerl mit Hemd im China Look mit sich. Er erzählte uns, er habe als Architekt gearbeitet. Im Ruhestand baue er nun biologisches Obst an. Sein Bruder liege mit Wasser in der Lunge im Spital. Er würde mich gerne wiedersehen und verschwand.
Zwei Wochen später erschien er alleine und sagte:
„Gegenüber meinem Haus ist ein Krematorium. Das Dach leckt. Die Sanitär-installationen sind in einem desolaten Zustand.“
Der Besucher zeigte mir farbige Illustrationen. Es waren nicht technische Grund- oder Seiten-Risse, sondern Bilder, wie man sie in Büchern für Kinder findet. Seine Ideen waren nicht besonders behindertenfreundlich. WC und Lavabo waren auf Sockeln montiert, 15 cm erhöht über dem Boden vorgesehen, für einen Rollstuhlfahrer unerreichbar.
Er wollte von mir 50’000 Baht, um die WCs instand zu stellen. ∆
Leck mich doch am Alzheimer!

Seltener, aber oft genug erlebe ich live TV soap operas. Es klopfte an der Türe, aber nicht wie Vogel Specht oder ein übermütiger Holzwurm, nein , das tönt nach Schauspielerinnen. Dann erscheinen sie, meist zu zweit und flöten:
„Savas di kaaaa.“
Sie sagen im Chor: „Du siehst besser aus als letztes mal“.
Als freundlicher Mensch biete ich den Damen Platz an. Synchron setzen sie sich. Dann nesteln sie in ihren Handtaschen. Beide ziehen gleichzeitig ein Smartphone aus ihrem Ballast-Beutel. Danach fingern sie eine halbe Stunde auf ihren Bildschirmen herum, versorgen ihre Handys und verabschieden sich mit besten Wünschen für gute Besserung.

Weitere Besuche sind Lebensmittel-Inspektoren und Inspektorinnen. An Küchenschränken sind sie kaum interessiert. Sie sind versessen auf Kühlschränke. Dort locken Aufschnitt, Parmaschinken und Schokolade. Das Verspeisen meiner Vorräte gibt ihnen genügend Kraft, um mir gute Besserung zu wünschen und möglichst schnell zu verschwinden.

Micropore Windows

Jetzt ist mir endlich ein Licht aufgegangen. Ich schrieb früher: „Low erzählt Geschichten aus Südostasien.“
Das ist wahr geworden. Ich tippe nicht mehr. Ich erzähle mühsam. Wenn über dem Zimmer die Bohrhämmer die Wände erzittern lassen, versteht mein Fingerphone chinesisch.
Sofern sie meine Berichte aus dem Krankenhaus gelesen haben, werden sie sich sicher Gedanken gemacht haben, der arme Kerl ist in einem drittklassigen Krankenhaus abgestiegen. Dies entspricht nicht den Tatsachen.

Das Krankenhaus wurde vor fünf Jahren eröffnet. Es ist vielleicht nicht das beste, aber wohl das teuerste Krankenhaus in Chiang Mai.
Die Katarakt-Operation kostete zweieinhalb mal so viel, wie in der eigentlich teuren Schweiz. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 80’000 Baht. Die eigentlichen Kosten übertrafen 160’000 Baht.
„Deine Sehschwäche ist die Ursache falscher Ernährung,“ erklärte ein aufgeklärter Mensch. „Anstelle von Wachteleiern solltest du Straußeneier fressen. Das erspart jegliche Seh-Prothesen.“

Mit der Ärztin und der Chirurgin bin ich außerordentlich zufrieden. Ein besonderer Glücksfall ist, dass sich Dick nicht vom sinkenden Dampfer schweigend verabschiedete, sondern sich um mich kümmert. Wer sonst würde Tee und Speisen zubereiten? Danach füttert sie gekonnt das Raubtier.
Dies sollten doch die Pflegerinnen übernehmen, denken sie. Nicht hierzulande. Diese Arbeiten übernimmt die Familie. Die uniformierten Pflegerinnen verpflegen sich und schlucken meine Ricola und Toblerone. Bei seltenem Hustenreiz ist die Dose leer.

Wenn die Herren immer noch mit Bohrmaschinen arbeiten, zeigt das nur, dass vor 5 Jahren zu viel Zement verarbeitet wurde. Die Patientenzimmer müssen alle paar Wochen renoviert werden. Ähnlich patiniert sehen nach kürzester Zeit auch Mietwohnungen aus. Die Farbschichten sind mittlerweile fast dicker, als die Wände selbst. Hoffentlich warten Thais ihre Flugzeuge nicht wie ihre Gebäude.

Eine Fensterscheibe hatte einen Riss in einer Ecke. Die Aussicht ist wenig spektakulär: etwas Kies, damit das Regenwasser abfließen kann. Weiter oben gedeiht Grünzeug, darüber ist je nach Wetter blauer bis grauer Himmel.
Der Riss wurde repariert. Fachgerecht, wie in einem kranken Haus üblich, benutzten die Spezialisten Micropore-tape von 3M (Scotch).
Negativ für ein Krankenzimmer würde ich die Fungus-spuren in der Ecke beurteilen. Fungus fanden wir auch im Badezimmer, in der Kochnische und nicht auszuschließen, in der Klimaanlage.
Gibt es eine App für die allgemeine Anwendung von Micropore, speziell für Fenster, Micropore Windows?
In mir schlummert eine geniale Idee, etwas für sparsame Schotten. Mit Hilfe von 3M Klebern ließen sich verschmutzte Pampers einfach umkehren und wiederverwenden. Auslöser meines Tatendranges war die Mitteilung der Versicherung, dass Pampers, Windeln, nicht bezahlt würden.

Menschen verschlingen nicht nur Ratten und Ungeziefer

Vorsicht bei Traumreisen in Thailand. Da saß ich in einem fünf Sterne Restaurant, nach Guide Low, und guckte gleichzeitig die Insektenschwärme an, welche um die Lampen schwirrten. Dabei lief mir der Speichel aus dem Mund, weil ich zusätzlich die Speisekarte studierte.

Langusten an Wildbienen Honig und Beluga Kaviar, siamesische Wachtel-Lebermousse auf Orchideen-Wurzel Toast. Die Preise waren nicht nur gewürzt, sondern gesalzen. Ich hatte den dringenden Wunsch, den Hauben-Chef zu sprechen.
„Guten Abend großer Meister, „sagte ich.
„Ich möchte Sie fragen, aus was die siamesische Wachtel-Leber besteht.
„Ihr Besuch ehrt mich, lieber Gast. Diese Mousse ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen des Hauses….. Ich mische eine Wachtel-Leber mit einer Lanna-Elefanten-Leber.“
„Sie haben ebenfalls Elefanten Steak mit Pilzrahmsauce im Angebot.“
„Bedaure geehrter Herr, die Pilze sind wegen großer Nachfrage ausgegangen.“
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Krankenhaus: Verpflegung aus dem Supermarkt. Zeitungsenten

Anlässlich eines Arztbesuches im August, lernte ich die Gourmetküche des Krankenhauses kennen. Wir schlemmten zu dritt. Mowgli und ich ertrugen die Speisen nicht. Mit Bauchgrimmen saß ich auf dem Rückweg im Wagen. Kalter Schweiss auf Stirn und Nacken, liess mich in die Hose kacken. Schwerer Gardenienduft lag in der Luft, als ich zum Hause rollte.
Die erste Mahlzeit im Januar war nicht übel. Suppe, Hauptspeise, gefolgt von Früchten: Weiße Drachenfrucht mit schwarzen Punkten, ohne jegliches Aroma, dazu grüne Melone, absolut geschmacklos. Die orangefarbene Papaya schloss sich den anderen Früchten an und war kein Gaumenkitzel. Die Früchte wurden so grobschlächtig geschnitten, dass selbst der Chindlifrässer in Bern den Plausch daran gehabt hätte. Zum Frühstück wählte der geniale Küchenchef Saison-gerecht dieselben Früchte.
Später wählte ich Spaghetti Carbonara. Die Carbonara-soße entpuppte sich als
grau-weißer Bauklotz, versteckt unter einem Häufchen kalter Spaghetti.
Wir hatten nur einen Mikrowellenherd im Spital-Zimmer.
Dick beschaffte einen Wasserkocher und als Ergänzung eine elektrische Heizplatte mit zwei oder drei Pfannen. Sie kocht mit meinen Anweisungen Reis, Pasta und Polenta, Dazu gibt es oft Schweinsfilet oder frischen Fisch aus unserem Teich in Hang Dong. Ein Höhepunkt aus der Küche war Entenbrust a l’orange.
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Ein neuer Küchenchef übernahm im Sommer den Löffel. Wir bestellten probeweise ein Menü mit Pad Thai und Früchten. Die Saison war unverändert: Wassermelone, Drachenfrucht und Papaya.

Dick  deckte unsere Bedürfnisse in zwei benachbarten Großverteilern. Eines der Geschäfte bot Brot ohne Mengen von Zucker an. Italienische Salami von Negroni, Schinken aus Parma, Ravioli mit Spinat, Käse oder Fleisch-Füllungen weckten Erinnerungen.
In einem Laden sah Dick Entenlebermousse mit Portwein und kaufte sie. Ohne lange zu fackeln, liess ich Brot mit der Delikatesse belegen. Mein Magen reagierte negativ. Darauf sah ich mir die Zusammensetzung genauer an. Es war nicht die berühmt berüchtigte Stopfgänse-leber, sondern eine Mischung von 18 % Entenleber mit 6% Entenfett, Fett- und Lebern von Hühnern. Weiteres Fleisch stammte vom Schwein. Der Fettgehalt der Mischung beträgt 59%. Auf 99 Kilogramm Fleisch wird eine Flasche gespriteter Portwein beigegeben. Eine Delikatesse für Anal-fabeten unter den Feinschmeckern.
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Extreme Natureinflüsse in schwierigen Lebenslagen

Vor unserer Abreise besuchte mich wahrscheinlich eine saugfreudige Tigermücke in Satun und stach ungeniert zu. Während der Fahrt litt ich nach einer Woche an Symptomen eines Tropenfiebers. Die Armmuskeln wurden zeitweise durch kräftige Faust- und Fuss-schläge eines unsichtbaren Thaiboxers zermürbt. Gleichzeitig erzitterte ich an kurzen, jedoch heftigen Fieberschüben. Mühsam verteidigte ich im Halb-Delirium den Sitzplatz gegen das finale Abrutschen.
Wir hatten ein angenehmes Hotel in Nakhon Pathom. Das Restaurant bot neben süffigem Prosecco, aromatische Sezuan Süppchen, das zarteste Rindfleisch Hong-Kong zwischen Malaysia und Laos an.
Der Herr Oberkellner, ein hirnloser Dressman mit tadelloser Haarpflege, liess den Korken in meiner Rückengegend knallen. Mein rechter Arm zitterte durch die unnötige Artillerieübung derart gereizt, dass ich den Sprudel kaum degustieren konnte. Für wenige Sekunden verzauberten italienische Träume mein Fortsein.
Glücklicherweise wurden die Speisen von in rote Cheongsam, 長衫, gekleideten Frauen dargereicht, so dass wir den Flaschenmisshandler, Korkenschänder und Weinbanausen vergessen durften.

Das Fieber-Thermometer bestätigte meine Vermutung. Das Blut im Urin flüsterte einen Namen, der mir geläufig war: Dengue.
Seit der Operation in Chunphon schluckte ich täglich Antibiotika gegen bakterielle Infekte. Tropenfieber werden durch Viren ausgelöst. Antibiotika hilft nicht. Dagegen wirkt Tylenol fiebersenkend und lindert Schmerzen.
Die Nacht bot mit Tylenol gute Erholung. Das nächste Ziel Nakhon Sawan, war nicht zu weit entfernt. Wir konnten über die Strassen 321, später die 340, die mit reichlich Verkehr verstopfte AH2 meiden. In der Gegend nördlich von Suphan Buri werden entlang der Strasse oft gute Trauben angeboten. Wir hatten Glück und gönnten uns ein Kilogramm Beeren.
Mein Auge hing an der Uhr. Ich zählte die Sekunden bis zum Ziel. Krank auf Langstrecke war kein Vergnügen, eher Folter. Ich litt wirklich. Als ich beinahe kraftlos ins Bett rollte, knallte es laut im rechten Bein. Irgend etwas brach. Geschwollene Schenkel und Fuss bestätigten die Vermutung am nächsten Morgen.
Was fehlte zum vollständigen Glück? Ein Rahmenbruch am Rollstuhl oder eine Dynamitstange in einem finsteren Stollen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cheongsam

Natureinflüsse in allen Lebenslagen, Fortsetzung

Nach drei Nächten im Hotel, ohne Traumfrühstück – warmes Spiegelei mit einem kleinen Stück Schinken, die an sich attraktiven Spiegeleier wurden im Kühlschrank gelagert – fand Dick kurz vor Mittag dank Garmin den direkten Weg zum Spital.
Sogar mit Navigationshilfen findet man das Ziel nur zufällig, sofern man sich nicht an die Anweisungen hält. Seit einigen Monaten und zwei Freundinnen in Satun hört die Frau weder auf Garmin, noch auf mich. Deshalb besuchten wir eines Morgens in Chumphon unter anderem unfreiwillig das bunte Gewimmel eines Markts. Die beschäftigten Marktweiber und Lastenschlepper unterschieden sich eindeutig vom Spitalpersonal.

Die zwei Chirurgen und sechs Pflegerinnen begutachteten die Wunde, wechselten den Verband und entliessen uns mit den besten Wünschen auf die Reise nach Prachuap Kiri Khan. Bevor wir Bang Saphan erreichten, hielt ich es nicht mehr im Wagen aus. Ich schlug vor, einen Halt für einen feinen Imbiss zu machen. Bang Saphan hat eines der bekannteren Krankenhäuser Thailands. Nicht wegen der qualifizierten Ärzte und Pflegerinnen, sondern weil es letztes Jahr in den Fluten brutal absoff.
Die Stadt selbst liegt nicht am Strand. Als ich später ein, zwei grössere Hotels sah, schrie ich als Mr. Garmin: „Stop!“ Die Fahrerin hörte nicht. Später stellte sie das Fahrzeug in der Nähe einer stinkenden, ungepflegten Fischküche ab. An Stelle eines süffigen trockenen Weissweins gab es ein Singah. Das Bier passte vielleicht zu Dicks Tintenfischen mit Chili, aber nur schlecht in meinen schmerzenden Körper. Meine Gemüse-, sprich Kohl-suppe war mit Unmengen Hackfleisch angereichert, enthielt Knorr Bouillon und reichlich Glutamat, wie mir eine Stunde später endlose Rülpser verrieten. Luxusgemüse wie Karotten, Kartoffeln oder Tomaten fanden meine Augen nicht.

Wir reisten in unser Hotel und besuchten darauf den nahen Strand. Als neue Attraktion am Stadtrand gab es dort einen sehenswerten Markt. Einigen Stücklein Durian konnte Dick nicht widerstehen, während ich weiter Kohlsuppe wiederkaute. Dick hatte Lust auf eine Massage am Markt. Ich wollte zurück ins Zimmer, weil dort ein Fläschchen Chardonnay ohne Eichenaroma wartete – zur klassischen Kohlsuppenaromabekämpfung.
Dick wurde nach langem Warten im Zimmer massiert. Im Restaurant versuchte ich währenddessen ein Clubsandwich samt Zubehör zu entsorgen. Ein unmögliches Werk ohne die emsigen Beisserchen von Frau Hungermagen.
Wir versuchten vergeblich einen Tag länger zu bleiben. Die Suite war leider bereits gebucht. Die letzte Etappe im Schlauch der Halbinsel nach Nakhon Pathom wartete.