Loi Krathong im Norden einst und jetzt

An einem Novemberabend 1998 flogen meine Tochter und ich von Bangkok nach Chiang Mai. Wir erlebten das schönste Fest Thailands in Hua Hin. Die junge Frau legte während Tagen fleissig Hand an beim Bau von Krathong.Wir sahen farbenfrohe Umzüge und gleissendes Feuerwerk.
Als wir im Taxi vom Flughafen zum Hotel fuhren, erlebten wir etwas komplett Neues. Himmels-Laternen, Heissluftballone mit Feuerwerk. Hunderte stiegen am Horizont auf. Der Eindruck war unvergesslich und überwältigend.
Später starteten wir im Dorf, in Tempeln und in der Stadt die Laternen selbst. Die Obrigkeit untersagte jedes Jahr das Starten der Ballone in der Nähe des Flughafens. In den letzten Jahren wurde dann der Flugbetrieb während einigen Stunden unterbrochen.
Der Generalissimo will seinen Landsleuten Freude schenken. Darum wurde der Gebrauch traditioneller Himmelslaternen dieses Jahr landesweit strikt verboten, Der Himmel im Raum Hang Dong blieb dunkel, denn Polizei und Armee griffen schon beim Anbieten der Ware hart durch.
Eine Ausnahme gab es, unser Nachbar, Polizeioffizier der Sonderklasse, erteilte seiner Frau und sich die Erlaubnis, je einen leuchtenden Flugkörper steigen zu lassen, allerdings ohne verräterisches Feuerwerk. Das hätte die Sünder entlarven können.
Himmelslaternen werden in Heimarbeit angefertigt. Der Verdienst ist gering. Dieses Jahr gingen die armen Leute leer aus. Keine Laternen – kein Einkommen – wie Auskommen? Wirtschaftliche Probleme kennen Generäle keine.
Die Knallerei mit Petarden, Reibkopfknallern, Kanonenschlägen, Knallfröschen und dergleichen ist seit Jahrzehnten verboten, wird aber von Ordnungshütern und Knallköpfen geflissentlich übersehen, denn sie sind berufsbedingt alle schwerhörig.
Neben Knallkonzerten blieb die Stimmung stark gedämpft. Entlang des Kanals an der Strasse 3035 wurden keine Krathong angeboten. Dick fuhr mit dem Moped vergeblich bis Nam Prae. Dutzende Passanten suchten Kratongverkäufer. Wegen fehlender Himmelslaternen konnte man sie offenbar nicht sehen.
Dick kehrte zurück, fällte im Garten eine Bananenstaude und bastelte vier Krathong. Die Kinder zeigten ihre helle Begeisterung. Dann reisten vier glückliche Personen zum Kanal zurück. LK2006

Wirtschaftliche Probleme kennen Generäle keine. Die Bevölkerung des Dorfes erlitt schwere Wasserschäden. Der Schönheitssalon stand im Hochwasser. Zwei Matratzen, ein Kühlschrank, drei Schränke, mehrere Gestelle und Regale wurden zerstört. Erstmalig will die Regierung Schäden, (verursacht durch unausgebildete Angestellte), teilweise vergüten.
Dick soll fünfzehntausend Baht erhalten. Das sind keine fünfhundert Franken. Wie sollen wir damit Ersatz beschaffen? Das Grösste: Das Geld wird, wenn überhaupt, irgendeinmal im nächsten Jahr ausbezahlt. Aber die Menschen brauchen Kühlschränke, Matratzen und Schränke jetzt. Schränke wären wichtig, um ungebrauchte Himmelslaternen zu lagern.

Die vier Bilder sind von 1998 bis 2008.
Glücklichere Festtage finden sie in:

https://hinterindien.com/2012/12/06/loi-krathong/
Ein Bild stammt von 1971

Wie der Farang eine einst angenehme Wohn-Gegend fand

Ab 2001 lebte ich im Winter wochenweise im Mae Ping Hotel. Es verfügte über Rampen am Eingang. Die Verpflegung in den verschiedenen Restaurants war überdurchschnittlich. Ein teurer Internetzugang war in der Hotellobby. Eine Cocktailbar mit charmanten Damen und Happy Hour zwischen 17 00 und 20 00 Uhr war zu verführerisch. Gleich über der Strasse war Mr. K’s. Schuppen. Mr K 2001

Dort waren Bier und Mekong eindeutig billiger, aber es gab keine Cocktails.  Mr. K’s Bäuchlein konnte nicht mit den Formen und dem Lächeln von Jintana Pokhada konkurrenzieren. Der grösste thailändische Bierfabrikant rettete mein Seelenheil, indem er die hübsche junge Frau zwecks Weiterbildung nach England einlud,
Mr. K’s Schuppen war wichtig für mich. Er erledigte die Wäsche für einen Viertel des Hotelpreises. Mr. K. verkaufte Filme, Getränke, Zigaretten, Kaugummi, Telefonkarten, Postkarten und konnte alles organisieren. Er verhökerte günstige Mahlzeitencoupons des Hotels. Viele SAGA Gäste des Mae Ping tranken ihr Bier bei Mr. K. Top Unterhaltung mit meist britischen Weltenbummlern war gewährleistet. Dort sass täglich ein blonder Engländer. Er lebte nicht im Hotel. Er war mit einer Thailänderin verheiratet und lebte als einziger Europäer in irgend einem namenlosen Dorf. Während seine Frau bei Thai Airways arbeitete, suchte er Gesellschaft bei Mr. K. und schlürfte fast täglich die berühmteste Nudelsuppe von Chiang Mai. Eines Nachmittags fragte mich Mike, ob ich zur Airport Plaza mitfahren möchte. Ich kannte die Plaza nicht und benutzte die Gelegenheit gerne. Mike schmiss den Rollstuhl in das Pickup. Dies war der Beginn einer unvergleichlichen Freundschaft.

Im Januar 2002 war ich mehrmals zum Essen im Dorf eingeladen. Dabei lernte ich Nachbarn und einige Kinder kennen. Sie spielten und lärmten auf der Strasse. Um acht Uhr wurde es schlagartig still. Die Kleinen mussten nach Hause.
Mir gefiel es in der ländlichen Umgebung mit den Reisfeldern – in der Nähe der Stadt. Ich fand eine kleine Wohnung mit Köchin und Reinigungsspezialistin mit Palmwedel. Spätestens alle zwei Wochen fand sich im Dorf irgend ein Grund zum Feiern. Die verbreitete Mia Noi Kultur mit all den vernachlässigten Frauen störte mich nicht, wirkte eher einladend.
Gegen Ostern sah ich ein leerstehendes Häuschen an einer wenig bewohnten Strasse. Meine gemietete Wohnung war nur fünf Minuten entfernt. Die abendliche Bierzeremonie mit Mike konnte auch nach einem allfälligen Umzug stattfinden.

Später erwarb ich ein weiteres Haus mit einem grossen Garten, das Gästehaus – oder wie es die Einheimischen nennen – Ban Isabella. Dort feierten wir mit zwei Sängerinnen aus der Schweiz einen unvergesslichen Abend, den Höhepunkt der Dorfparties.
Danach wurden die Anlässe nur noch lauter. Nach einigen Todesfällen und Wegzügen änderte sich die Bevölkerungsstruktur. Kinder bettelten die ganze Nacht nach Futter. Sie schliefen in ihren Schuluniformen auf Strassen und Plätzen. Sie sassen gähnend, mit roten Augen, vor riesigen Fernsehkisten und schauten Kriegs-, Gangster- und Porno-Filme von VCD, während sich die Eltern wenig sittlich vergnügten.
Seit sechs Jahren verpesten Sex- und Drogenmafia das einst fast harmonische Dorfleben, wo man Schulmädchen nur mit zugezogenen Vorhängen bei schummrigem Licht schwängerte. Von nun an wurde Methamphetamin aus Pseudo-Ephedrin und Alkohol, die Düfte verrieten es, praktisch täglich hergestellt. Konsumenten und Händler, wie Schulkinder, wurden gefasst und bestraft. Die Hersteller dagegen arbeiteten ungestört weiter. Seit der Überflutung herrschen Betriebsferien. Die Ethanol-Schwaden fehlen mir.
Gezwungenermassen lebte ich wochenlang in schäbigeren Dörfern in der Umgebung von Nakhon Thai. PhonPhat ist nicht die einzige asoziale Siedlung im schönen Thailand. Der Mut ehrlicher Berichterstattung fehlt vielen Zugewanderten. Das ergibt dann Schapsleichen. Am Ende brennen sie besser.

https://travel.saga.co.uk/

Psychoterror und physische Störungen wie Phobien

Unser Dorfobmann litt wahrscheinlich, als er zusehen musste, wie ein Grossteil der Bevölkerung in wenigen Stunden bescheidenen Hausrat durch eine mutwillig ausgelöste Überschwemmung verlor. Erstmalig halfen Soldaten beim Aufräumen. Die Gemeinde besass eine Art Versicherungskasse für Betroffene. Maximal wurden zweitausend Baht ohne grosse Abklärungen ausbezahlt. Wieviel Matratze oder qualitativ hochwertige Schränke können sie für 2‘000 Baht kaufen?
Im Schönheitssalon zerstörte die schlammige Brühe erstmals einen Kühlschrank, zwei Schränke, eine neue Matratze und ein Regal. Ein Nachbar, begeisterter Kunde von Index, verlor seinen ganzen, gut repräsentierenden billigst Krempel, für den er 50‘000 Baht hingelegt hatte.

Der ältere, übersensible Obmann, erhält täglich Anrufe übler Tagediebe, die vor weiteren Flutwellen warnen. Ohne die Anrufe zurück zu verfolgen, greift der Mann zum Mikrofon und warnt seine Gemeinde ohne weitere Überprüfungen. Die hirnlosen Weiber rennen dann planlos gackernd durch das Dorf, glauben und verbreiten den Unsinn.
Für mich ist das krimineller Psychoterror. Darunter versteht man andauernde und sich wiederholende zielgerichtete Angriffe, Provokationen, Belästigungen und Nötigungen zum Zweck der Verunsicherung oder Schädigung der seelischen und geistigen Gesundheit der Opfer. Bei den Betroffenen entwickeln sich Neurosen oder Psychosen, sofern sie nicht bereits Schizo-Vreni heissen. Diese Leiden werden ortsüblich mit Crystal Meth, Meth, Ice und Lao Khao bekämpft.

Dicks Angestellte im Salon hat Besuch. Zwei ihrer vier Grosskinder, vier und sechs Jahre alt, erlebten die Flut. Als der Pegel einen halben Meter erreichte, nahmen wir die Gäste auf. Dick trug das zerbrechlich kleine Mädchen auf dem Rücken Wie ein Äffchen klammerten sich die knapp acht Kilogramm ängstlich an Dick fest. Der ältere Knabe greinte und wollte unbedingt zurück zur Mutter.
Die Grossmutter brachte eine riesige Tüte mit, vornehmlich gefüllt mit industriell gefertigten Süssigkeiten. Das Mädchen lutschte an einer Babyflasche mit Schnuller einen gesüssten Tee.
Ich warnte die Frau vor allfälligen Zahnschäden durch die dauernde Zuckerzufuhr. Sie begriff gar nichts. Als die Kleine den Mund öffnete, fiel ich vor Schrecken beinahe aus den Rollstuhl. Alles schwarz im trauernden Thailand – Zahnfäule in Reinkultur. Einige Zähnchen fehlten.

Kinderspielzeug im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Puppen und Autos, Papier und Farbstifte fehlten. Die Kleinen fingerten dauernd an einem dudelnden Smartphone herum.
Grossmutter kocht kaum. Die Putzerei ermüdet sie. Dann gibt es Klebreis und Qualitätsei mit delikatem Fischgeschmack von CP, dreissig Stück für neunundsiebzig Baht. Reiskochen kann sie nicht. MiMi, die Hündin, weigerte sich, ihren Reis zu fressen

Nach der letzten unglaublichen Flut-Warnung gestern, wollte sie die Kinder raschmöglichst zurück zur Mutter senden. Aber die Leute stehen selbst im Hochwasser, fahren unmöglich. Zentral-Thailand ist überflutet. Das Mädchen möchte bei uns bleiben. Es hat Angst vor ihrem neuen Papa. Aha.

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoterror
https://de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung

Gerede, Vermutungen, wo liegt die Wahrheit

Aus meinem eingeschränkt bescheidenen Blickwinkel beschreibe ich wieder einmal schonungslos ein Mosaiksteinchen familiärer Lebensqualität in Nordthailand.

Alleinstehende Thai-Mütter finden nur selten Thai-Partner. Die Machos bevorzugen jungfräuliches Fleisch. Privilegierte der Regel schwelgen in unermesslichem Reichtum. Sie bieten schnelle italienische Flitzer, Lao Khao schottischen Ursprungs, Mia Noi und garantiertes Faulenzerleben mit Taschengeld. Da das seltene Ausnahmeerscheinungen sind, haben Farang und Moslems eine gewisse Chance, eine hübsche Gefährtin mit Anhang – ohne Gewähr vor allfälligen Verlusten – zu finden.

In Gegenden, wo Minarette und Moscheen wie Pilze gedeihen und von Lautsprechern Gebetsrufe vernehmbar sind, sehen wir nur wenige Hunde. Ist es die Geräuschkulisse, welche die Kläffer verscheucht? Nein, Hunde gelten als unrein. Sie sind nicht willkommen in dieser religiösen Gemeinschaft. Wahrscheinlich sind wir deshalb zur Hundehaltung degradiert worden.
Goons mehr oder weniger ausgesetztes Tier, war zum Tode verurteilt, wenn es Dick auf meine Empfehlung nicht aufgenommen hätte. Wir kennen die Durchtriebenheit von Dicks Tochter. Sie verkaufte skrupellos einen ihrer Söhne. Die einfachsten Regeln Buddhas kannte sie nie. Sie log, stahl und trieb sich mit uniformierten Strolchen herum. Noch vor wenigen Wochen begeisterte sie als blonde Tussi im durchscheinenden luftigen Kleidchen mein Auge. Ein Flittchen, eine Flöte, auf dem Präsentierteller. Ich kannte diese Frau nicht.
Im Mai versuchte sie, von Dicks Angestellter fünfzigtausend Baht zu erpressen. Vor wenigen Wochen veröffentlichte sie auf Facebook wenig schmeichelhafte Bemerkungen über ihre Mutter. Dicks Söhne ärgerten sich über die Frechheiten und Lügen. Eine herzlich warme Tochter-Mutter-Beziehung bemerkte ich nie. Die gratis Mietwohnung in Dicks Haus benötigte nach dem Rausschmiss Reparaturen für fast hunderttausend Baht.

Gegenwärtig ist sie ehrbare Lebensgefährtin mit Kopftuch und tiefschwarzem Ganzkörperkondom, denn ihr neuester Partner verehrt Allah. Es gibt keine Hunde, Schweinereien und Unreinheiten im Haus!
Goon sorgt für ein sauberes Badezimmer. Als Ausgleich darf er zum Freitagsgebet.
Bei uns isst er, nach dem Herumtollen mit seinem Hündchen, Pilzsauce mit Schweinsfilet und Nudeln. Von Onkel Google lernte der Kleine, bis zum Alter von fünfzehn Jahren dürfe er Schweinefleisch essen. Folglich fühle ich mich nicht als Verführer, nur als Verlierer.

Dick hatte ein ernsthaftes Gespräch mit dem ausserordentlich netten Herrn. Er scheint durchaus ehrbare Absichten zu haben. Er investierte beachtliche Summen in seine Zukunft. Er besorgte ein Geschäftslokal für seine neue Frau. Er kaufte für sie ein neues Motorrad und einen neuen Wagen, nachdem sie ihr Fahrzeug während Jahren ohne jegliche Wartung zu Schrott gefahren hatte. Service, Reifenwechsel und ähnlichen Luxus gab es nur nach Pannen. Genau dieses Spiel war das Strickmuster für ihre sämtliche Lebensbelange wie Arbeit, Beziehungen zu Partnern, zu ihrer Mutter oder zu mir.
Goon könnte nur profitieren, wenn seine Mutter mit einem zuverlässigen Gefährten endlich ihre Ruhe findet. Wir zweifeln beide, ob diese Frau nach jahrelangen, ruhelosen Eskapaden ihre Chance erkennt und wahrnimmt. Materielle Güter behagten ihr. Ratschläge lehnte sie immer kategorisch ab.

Eine treue Wächterin als nächtliche Kundin

In der Schule lasen wir von K. Tucholsky: „Der Hund ist ein von Flöhen bewohnter Organismus, der bellt (Leibniz)“. (1)
Mittlerweile weiss ich weit mehr von Hunden. In Hinterindien gibt es Scheisshunde und Sauhunde. Die Scheisshunde erledigen ihr grosses Geschäft ausnahmslos mitten auf der Strasse. Sauhunde dagegen verschmutzen absichtlich Klinken und Briefkästen.
Diese minderwertige Sorte gab es ebenfalls in Bern. Mit Freunden betrieben wir ein Ladenlokal an der einstigen Metzgergasse. Penisgesteuerte Kreaturen mit schnapsverseuchten Hirnwindungen pinkelten durch den Schlitz des Briefkastens in den Raum – unechtes, ekliges Geschäftsgebaren. Die Stadtregierung wertete durch Namensänderung in Rathausgasse die Mietpreise auf. Die Fäkalien selbst, beziehungsweise deren Gestank, veränderten sich nicht.

Daneben gibt es echte Zuchthunde – wie Chihuahua. (2)
Goon ist stolzer Besitzer solch eines edlen Tieres. Seine Mutter zog vom Dorf weg, in die Stadt. Kläfferchen fehlte die Natur, der Auslauf. Gedankenlose Unmenschen banden den Hund, wie ein Fahrrad, gelegentlich an zwei unbewohnten Häusern im Dorf fest. Das Tierlein weinte echte Tränen, als Dick es allein und verlassen im Versteck fand. Nachbarn versuchten bereits vor Monaten, den jungen Hund mit Giftspritzen ins Nibbana zu befördern. Wahrscheinlich biss das intelligente Tier, während der Injektion, den Missetäter in den Arm oder (besser) in den Arsch. Der junge Hund, eine Dame, überlebte mit ärztlicher Hilfe die Mordversuche.
Ein angehender Imam, gegenwärtiger Liebhaber von Dicks Tochter, erzog Goon erfolgreich – kein Schweinefleisch zu essen. Er versuchte vergeblich, trotz Halal Ernährung, dem unislamischen Kläffer würdige Rufe wie: „Allahu akbar“ beizubringen. Der original mexikanische Chihuahua antwortete nur: „Popocatepetl, Bell, Bell, bell“. (3)

Die stille Hündin bewacht uns fleissig. Sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Tagsüber begrüsst sie ruhig und zurückhaltend die Kundinnen am Salon. Während der Nacht liegt sie in der Nähe unserer Haustür und verteidigt ihr Territorium gegen sämtliche Eindringlinge.
Sie lag auf der Veranda und äugte eine unwillkommene Mieze. Ein kühner Sprung über Mäuerchen, die Besuchern als willkommene Sitzgelegenheiten dienen. Stühle und Stuhlgang besitzen bekanntlich alle. Kühle Backsteine in angenehmer Höhe sind eher selten.
Die Chihuahua-Dame landete nicht im Miezenbereich, sondern nahm ein erfrischendes Bad im Teich, den sie nicht sehen konnte. Mowgli rettete das Schosshündchen. Es gab eine nächtliche Sitzung im Salon mit Haarwäsche und Trocknen. Die aufmerksame Lady, sie kannte den Betrieb im Laden bestens,(üblicherweise Zutritt verboten) holte sich selbst ein Handtuch und legte sich darauf!

(1) http://www.textlog.de/tucholsky-traktat-scherz.html
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Chihuahua_(Hunderasse)
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Popocat%C3%A9petl

Die Abbildung vom Mai 2017 zeigt Goon mit Mi an der Treppe neben der Veranda.
Hündchen und Knabe legten seit dem einige Kilogramm zu.

Gewicht aus Hinterindien

Telefonbücher sind gewaltige Verzeichnisse. Sie waren es zumindest in Europa. Wir trennen uns in diesen Tagen vom letzten Telefonbuch in Thailand. Es ist acht Jahre alt. Wir gaben letzten Monat unseren Telefonanschluss auf. Seit Jahren bezahlten wir Gebühren. Leistungen wie Verzeichnisse, gab es keine mehr. Für Anrufe benutzen wir nur noch die drahtlosen Geräte.
Anfänglich benötigte ich den Telefon-Anschluss fürs Modem zum Internet. In Chiang Mai waren Telefon-Nummern absolute Mangelware. Weil ein Wahrsager einer Freundin der gehobenen Klasse verkündete, ihre Nummer sei schlecht für ihr Karma, durfte ich erben! Doch kurz darauf gehörten solche Verbindungen zur Vergangenheit. Modems waren out und wurden gegen schnellere Router getauscht.
Telefonbücher in Thailand lesen war speziell, weil die Nummern nach Vornamen, umgekehrt polnisch – kompliziert wie alte HP-Rechner, sortiert sind. Was helfen Vornamen, wenn nur die Rufnamen wie Moo, Nok, Lek oder Dick bekannt sind?

Mowgli leidet zur Zeit als alternder Teenager an Masern. Die hoch ansteckende Infektionskrankheit betrifft vor allem Kinder. Es können zusätzlich lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auftreten. Darum bat ich den Jungen regelmässig die Temperatur zu messen. Mowgli kümmerte sich nicht um Komplikationen. Er war zum Messen schlicht zu faul. Im zarten Kindesalter machte ich sehr schlechte Erfahrungen.

Ich war keine zehn Jahre alt, als wir unseren ersten Telefon-Wandapparat erhielten. Er war etwas hoch montiert. Mit einem Schemel unter den Füssen konnte ich 064 246 88 wählen. Das war der Anschluss meiner Grosseltern.
Ich erholte mich von den Masern. Als letztes Kind erwischte es meine Schwester. Unsere Eltern gingen trotzdem abends in den Ausgang. Ich wusste nicht, wohin. Möglicherweise in die Stadt Bern in eine Kneipe oder ein Kino.
Das kleine Mädchen fieberte, hatte grosse Schmerzen und begann zu schreien. Stundenlang. Ich sass hilflos an ihrem Bett. Wir hatten ein Kilogramm schweres Telefonverzeichnis. Kein Mensch zeigte mir, wie man es benutzt. Die Alten lasen täglich Zeitungen und illustrierte Hefte. Nur für das Telefonverzeichnis fehlte das Interesse. Die hätten weder Feuerwehr noch Polizei rasch aufbieten können. Mit den notwendigen Instruktionen hätte ich einen Arzt oder ein Spital anrufen können. So wartete ich ungeduldig auf die Rückkehr der Eltern.
Meine Schwester erwischte es gewaltig – Hirnentzündung. Gedächtnis und Erinnerungsvermögen sind gut, besser als das meiner Nachbarn im Dorf. Aber die Beherrschung der Sprache, von Armen und Beinen, wurde erheblich gestört. Sie erholte sich nie mehr und leidet noch heute an den Folgen. Ich bedaure es ausserordentlich. Mowglis stumpfsinniges Verhalten kickte mich erneut in den überempfindlichen Hintern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Masern

Süssholz

Als Kind mochte ich Reisen in die Stadt Bern. Sie fanden statt, wenn wir drei Sprösslinge Schuhe benötigten. Für diese Exkursionen benutzten wir erst das legendäre blaue Bähnli (1), nach einigen Wohnungswechseln das Tram.
Schuhgeschäfte waren interessant. Da gab es Maschinen, mit welchen man die in neuen Schuhen steckenden Füsse, betrachten konnte. Wenn man genau hinsah, konnte man mit den wissenschaftlich als gefährlich klassierten Strahlenschleudern, auf kleinen Bildschirmen sogar Knöchelchen ausmachen. Diese Maschinen waren offenbar spottbillig, denn kein Geschäft verzichtete darauf.
Mein Grossvater besass eine unvergessliche Anleitung, wie man sich mit leeren Zigarrenkisten Röntgengeräte bauen konnte. (2) Erst holten sich unsere Vorfahren beim Rauchen Lungenkrebs. Anschliessend betrachteten sie ihre Leiden mit selbstgebauten Aggregaten.

Der krönende Abschluss der Stadtbesuche waren jedoch nicht die neuen Schuhe, sondern die Ballone, welche an uns Kinder verteilt wurden. Mancher Flugkörper verabschiedete sich schnell Richtung Himmel. Andere platzten beim unvorsichtigen Kraulen der empfindlichen Gummihaut.
Noch heute, fern der alten Heimat im exotischen Thailand, fühle ich gerne sanfte, ballonförmige Rundungen, besonders in der Nacht. Sie erkennen sofort, wie an sich harmlose Schuhkäufe im zarten Kindesalter, meinen Charakter verdarben.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=Xqzlm4mr-uA
(2) http://cox-radiology.org/sites/cox-radiology.org/content/e1653/e1541/e2052/e2061/e2067/addon2068/roentgentechnik-studentenkurs_ger.pdf