Verborgene Schönheiten, peinliche Wahrheiten


Meine Muskelkneterin musste selbst ins Krankenhaus. Als sie nach drei Wochen wieder nach Hause durfte, war sie freundlich genug, mir eine Ersatzkraft zu präsentieren. Die leicht jüngere Dame war überdurchschnittlich gut, erreichte aber ihre Vorgängerin nicht. Ihr schönes Gesicht kam mir irgendwie bekannt vor. Vor 16 Jahren arbeitete sie als Hilfskraft einer Gärtnerei – in Lumpen gewickelt – in meinem Garten. Im Vergleich zu den anderen  Arbeiterinnen wirkte sie ziemlich zivilisiert. Ich suchte damals eine Haushälterin und sprach sie darauf an. Sie sagte, sie sei mit einem Gärtner verheiratet und suche keine andere Tätigkeit.

Ich fand eine Frau aus dem Dorf, welche die Hausarbeiten erledigen wollte. Einige Tage später kam eine junge Frau in einem duftigem Kleidchen und wollte die Stelle im Haushalt. Es war die Frau des Gärtners, die ihre Meinung änderte. „Die Stelle ist leider besetzt“, erwiderte ich. Vielleicht war es gut so.

Als ich sie kürzlich wieder sah, hatten einige Schönheits-Künstler in ihrem Gesicht herum gepfuscht. Das thailändische Näschen war zu einem europäischen Rüssel umgeformt. Die Augenbrauen waren operiert. Vielleicht wurde einige  Gesichts-Stellen mit Botox lahmgelegt. Ihre Massagen war waren gut. Meine Beine bewegen konnte sie nicht.
Die Vorgängerin erholte sich zusehends. Eines Tages fragte sie Dick per Smartphone, ob sie mich wieder massieren dürfte. Hocherfreut sagte ich ja und war mehr als zufrieden. Mich störte das unzimperliche Vorgehen der Schönheitsbesessenen, die ihrer Kollegin die Tätigkeit auf 2 Tage pro Woche reduzieren wollte. Einerseits begriff ich die junge Frau, welche die Existenz der Familie sichern wollte. Die Rezession in Chiang Mai forderte viele Arbeitslose. Gärtner konnten in der Regenzeit nicht einmal gießen, waren praktisch chancenlos, da viele vermögende Ausländer das Land verließen. In den Tropen kann es vorkommen, dass die Nachkommen zu früh kommen. Davon könnten eventuell arbeitslose Gärtner betroffen sein, wenn ein voller Samen-Sack den angelutschten Setz-Knebel reizt und die erregte Gießkanne eine spermatöse Erektion aushustet.

Andererseits war ihr Verhalten gegenüber der älteren Dame nicht gerade freundlich, weil die Frau ebenfalls für jeden Baht kämpfen muss. Weil ich nur noch auf einem Auge sehen kann, fiel mir die Entscheidung leicht.
Vor zwanzig Jahren begann ich, in Thailand zu malen. Erst kopierte ich Tänzerinnen im traditionellen Stil. Später sassen Frauen aus dem Dorf Modell. Nach zwei Porträts hatte ich genug von lackierten Gesichtern mit viel Wimperntusche. Darum gab ich danach natürlichen Rückenansichten ohne jegliche Schminke den Vorzug.

Oben: Gemalt von Tempel-Maler gemäss meiner Skizze.

Unten: Die Schönheit war über 2000 Wochen alt.

Rot blühende Akazie

Vor etwa 30 Jahren reiste ich im Auto nach Chiang Rai. Beidseits der Straße säumten teilweise rot blühende Bäume den Weg. Mir gefiel die rot-grüne Kombination sehr gut. Als ich ein paar Quadratmeter Land zur Verfügung hatte, pflanzte ich so ein Bäumchen. Jedes Jahr im Juli und August erfreute mich diese Farben-Pracht.
Vor ein paar Tagen sah ich eine stark rote Blume etwa einen Meter über dem Boden. Einige Tage später blühten darüber orange farbene Flammenzungen. Aus der Ferne konnte ich die gelb-roten, frischen Blüten nicht sehen. Sie wurden innerhalb von zwei Tagen feuerrot. Ich sandte Dick mit ihrem Smartphone, um die unbekannte Pflanze zu fotografieren. Ich stellte fest, dass es ein neuer Baum war. Deshalb war die Blüte nur knapp über dem Boden.
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Akazien sind attraktive feinblättrige Bäume. Sie gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler und sind in die Unterfamilie der Mimosengewächse eingeordnet.

Massagen Geflunker

Gehen Sie in einen Massagesalon in Thailand. Sie werden mit einem  vertrauten „Wai“ mit gefalteten Händen begrüßt. Ein Hauch von Jasmin hängt in der Luft. Weniger ansprechend ist der Geruch von Desinfektionsmittel und das Geräusch von Latexhandschuhen.
Die traditionelle thailändische Massage muss sich in der Covid-19-Ära neu erfinden, in der die menschliche Berührung Barrieren aufweist und Masken die Gesichter von Therapeuten in einem Land verbergen, das als Land des Lächelns bekannt ist. Dies hat Auswirkungen sowohl auf die Attraktivität als auch auf die Rolle als Arbeitgeber, während auch andere Branchen in Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft ins Stocken  geraten.
“ Dies ist die größte Krise, die wir jemals gesehen haben. Thailändische Massage verliert ihren Charme hinter Masken und sozialer Distanzierung“, sagte Wiboon Utsahajit, Präsident der Siam Wellness Group Pcl, die etwa 70 Massagegeschäfte und Spas in ganz Thailand besitzt. „Wir mussten unsere Arbeitsweise ändern. Wir haben in jedem Raum UV-Desinfektionsgeräte installiert und Gesundheits- und Reinigungsmittel bereitgestellt. Die Kosten sind höher und die Kunden weitaus geringer.“
Das Überleben dieser Branche ist in Thailand von Bedeutung, wo der Wellnesstourismus 2017 Ausgaben in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar einbrachte, mehr als die Gesamtbeträge in Indonesien und Malaysia, so ein Bericht des Global Wellness Institute. Laut der in Miami ansässigen Gruppe sind rund 530.000 Thailänder direkt in der Branche beschäftigt. Diese Summen entsprechen 1,4% der thailändischen Belegschaft und 2,6% des jährlichen BIP.
Massagen, Spa-Therapien und medizinische Behandlungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Wellness-Tourismusbranche. Allein auf Thailands 2.800 Luxus-Spas entfallen 1,3 Milliarden US-Dollar. Landesweit gibt es nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums etwa 10.000 Massagestellen.
„Massage ist ein sehr arbeitsintensiver Service mit Fähigkeiten für Masseurinnen, die sich nur schwer auf einen anderen Job übertragen lassen“, sagte Somprawin Manprasert, Chefökonom bei der Bank of Ayudhya Pcl. „Die Konkurrenz war aufgrund der vielen Geschäfte im ganzen Land bereits ziemlich hoch, so dass es für viele eine Herausforderung sein wird, zu überleben.“
Die thailändische Regierung wandte sich während der asiatischen Finanzkrise Ende der neunziger Jahre der Massage zu, indem sie die Berufsausbildung ausbaute, um Arbeitslosen unabhängig vom Bildungsniveau eine beschäftigungsfähige Fähigkeit zu vermitteln. Das erste Outlet von Siam Wellness entstand 1998 aus diesem Vorstoß.
Nur die ersten drei Sätze stammen von mir.
Quellen: Bloomberg,  WochenBlitz 14/07/20
Ich wurde mehrfach Opfer der beschäftigungsfähigen Unfähigkeiten. In HangDong gab es Massagekurse, in der bildungsniveaulose Menschen in drei Wochen ein buntes Diplom mit Porträt im Kreditkartenformat erwerben konnten.
Für Gefälligkeits-Massagen,  Feinmassagen zwecks Entsaftung, Body-Body-Übungen oder blosse Streicheleinheiten genügte diese Ausbildung durch Einbildung.
Echte Spezialistinnen finden Sie am oberen Ende der Preis Skala. Dies betrifft Hoden und Prostata Massagen.  Eine spaßige Ferkelei sind Nuru-Gel Massagen, weil die flutschige Flüssigkeit zu einer neuen Haut eintrocknet. Ähnlich wie eine Kartoffel wird gepellt. Die Höchsten der Gefühle sollen Tantramassagen vermitteln.
Mein ohnehin gebeutelter Körper verlangte nach mehr, nach Kenntnissen von Muskulatur, Nerven und Skelett. Neun von zehn Masseurinnen waren den Anforderungen nicht gewachsen.
Vor einigen Wochen noch, hatte ich eine gut ausgebildete Frau. Sie war selbst einige Zeit behindert und saß im Rollstuhl.  Sie hatte ein unglaubliches Einfühlungsvermögen. Ihr Gesicht strahlte Ruhe und Vertrauen aus. Sie überschätzte sich mit Garten-Arbeit und ist nun selbst im Krankenhaus. Wir suchen eine Nachfolgerin.
Die eine Frau quetschte meine Zehen grün und blau. Eine andere brachte mir innerhalb zwei Stunden einen Hautschaden am Unterschenkel bei. Dick testete die Damen vorgängig. Als ich sie fragte, wie die Behandlung verlief sagte sie:
„Nicht schlecht.“
Ich erzählte, dass ’nicht schlecht‘ kaum gut genug sei. Ich benötige eine sehr gute Frau. Ich wollte die ’nicht schlechte‘ Masseuse gar nicht treffen. Dick schleppte sie trotzdem ins Haus. Ich war gänzlich unzufrieden mit der Behandlung. Anstatt Linderung der Schmerzen fügte sie mir neue Leiden zu.
Ich litt auch heute wieder unter Oberflächlichkeit und grinsender Gedankenlosigkeit. Als sie weg rannte, vergaß sie, mir das Telefon ins Bett zu geben. Wie sollte ich Hilfe anfordern? Meine Geschrei hörte sie nicht. Bis um vier Uhr morgens hatte ich Krämpfe im linken Bein.

Das Rasenmäher Lied

Die Vielfalt der Musik ist unglaublich. Jeden Tag kommen neue Klänge auf den Markt.
Sämtliche Nationen haben ihre eigenen Hymnen. Sogar im Himmel werden angeblich Posaunen gezupft und Harfen geblasen.
Verschiedene Berufsgruppen interpretieren ihre eigenen Lieder. Die Getreide verarbeitende Industrie singt zum Beispiel:
„Das Wandern ist des Müllers Lust.“
Der Hymnos der Bartschneider, Friseure und Haarkünstler lautet:
„O Haupt voll Blut und Wunden,“
während bessergestellte Berufsleute den „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini vorziehen.
Genießer und Weinliebhaber hören oder singen:
„Im tiefen Keller sitz ich hier
bei einem Fass voll Reben
Bin frohen Muths und lasse mir
Vom Allerbesten geben
Der Küfer holt den Heber vor
Gehorsam meinem Winke
Füllt mir das Glas, Ich halt’s empor
Und trinke, trinke, trinke“
Für unheilbare Säufer und Alkoholiker passt eher:
„Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort.“
Sogar das Gras wurde geliebt und besungen, auf Englisch:
„Green, green grass of home“, und auf Deutsch:
„Hab‘ oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht…“
Die Version im schweizerischen Emmental heißt:
„Ramseiers wei go grase…“
Jetzt, nach Ostern wäre es langsam an der Zeit, den Rasenmäher zu schmieren. Für mein ausgewähltes Lied taugt nicht jeder Typ. Es gibt Walzenmäher, Mulchmäher, Luftkissen-Mäher, Elektro-Mäher und Benzin-Mäher. Ich setze auf den guten alten, klappernden, handbetriebenen Spindel-Mäher.
Die Gruppe Manhattan Transfer sang:
„Chanson d’amour (ra da da da da).“
An einem lieblichen Frühlingstag schleimte eine Schnecke durchs grüne Gras, eine feuchte Verehrerin des Titels. Kein Wunder bei diesem Wetter. Sie träumte vor sich hin und sang:
„Chanson d’amour!“
Da kam ein Spindel-Mäher und ratterte:
„Ra da da da daa“.

Lebenszweck

Leider ist es mir kaum möglich, einer schöpferischen Tätigkeit nachzugehen. Ich haderte nicht mit dem Schicksal in totaler Abhängigkeit, bis sich Krampfadern im Hirn entwickelten, sondern ich fragte mich einfach, welchen Lebenszweck ich noch erfülle.
Die Pharma Branche profitiert von mir. Lebensmittel geniesse ich täglich mehrmals, wobei ich darauf achte – Kostbarkeiten wie Termiten, gebratene Kakerlaken, vitaminreiche Bambuswürmer, Ratten vom Grill, gesottene Hühnerkrallen und Ähnliches den Einheimischen zu überlassen.
Wir leben im Zeitalter der Lungenkrankheiten. Tuberkulose ist relativ selten. Sofern die Patienten die Medikamente regelmäßig einnehmen würden, könnte das Übel ausgerottet werden. Lungenkrebs ist in Chiang Mai häufiger. Weltweit ist gegenwärtig Corona ein häufiger Killer.

Im Norden Thailands gibt es geistig Unterbelichtete, welche während der Trockenzeit Busch- und Wald-Brände entfachen. Der Feinstoffgehalt in der Luft betrug letzte Woche bis 600 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das Tageslicht wurde krankhaft fahl. In Europa gelten Werte über 30 Mikrogramm als Gefahr.
Wenn ich im Hause eine Zigarette anzünde und mich jemand verzeigt, bezahle ich 5000 Baht. Wenn ich einen ganzen Hügel in Brand setze, gehe ich straffrei aus.
Meine letzte Tätigkeit ist, ich bin ein lebender Luftreiniger. Das ist relativ anstrengend und verursacht Atemnot, Brustschmerzen und Hustenreiz. Das geht so weit, dass ich zwischendurch an einer kubanischen Zigarre saugen muss, um etwas Luft zu kriegen.

Vom tiefen Teich in den seichten Morast

Nach ein paar Tagen erfreuten wir uns an den Fortschritten, welche die Zwillinge machten. Schreien um etwas zu erreichen war nicht mehr üblich. Phoy tanzte zu Kinderliedern.
Dann kam der erste Stolperstein in Form des thailändischen Kindertages. Die Armee zeigt zu Gunsten des Nachwuchses jährlich ihre Waffen. Kinder dürfen auf Panzern klettern und an verschiedenen Geräten herum fummeln. Die Luftwaffe verlor in den letzten Jahren regelmäßig Kampf-Jets bei Flug-Demonstrationen am Kinderfest.
Mutter und Großmutter wollten an diesem Wochenende die Kinder betreuen. Wir waren naiv und stellten keine Fragen. Am Morgen besuchten die Kinder einen Anlass im Dorf. Sie erhielten chinesischen Plastik-Plunder. Die zwei absolut rücksichtslosen Weiber brachten danach die Zwillinge in einen preisgünstigen Baby-Care, um ungehindert ihren persönlichen Geschäften nachgehen zu können.
Sonntagabend brachte die Großmutter die geschockten, heulenden und schreienden Kinder kommentarlos zurück. Die Frau ließ die quengelndene Kinder mit ihren Spielsachen wie Lego, Autos und Puppe Fußball spielen. Aggressivitäten übersah sie geflissentlich und reagiert nicht.
Wir assen zu zweit. Die Reste würden ein schmackhaftes Frühstück ergeben. Die Zwillinge zeigten keinen Hunger. Die Großmutter war zu faul um zu erklären, dass sie bereits gegessen hätten. Im Badezimmer bereitete sie die Kinder für die kommende Nacht vor. Sie gab weisses Pulver in die Trinkflaschen und schüttete heißes Wasser dazu. Bevor sie die Flaschen an die schreienden Kleinen weitergeben konnte, prüfte ich die Temperatur in meine Armbeuge. Die Pulver-Milch war viel zu heiß. Sie war bereits als Mutter ein totaler Versager und lernte seitdem nichts dazu.
Großmutter machte es sich im Schlafzimmer bequem. Am Morgen brachte sie nach dem Frühstück die Kinder in den Hort. Gegen 17 Uhr holte Dick die Kleinen ab. Nach einer Zwischenverpflegung machten die Beiden die Straße mit ihren zwei Drei-Rädern unsicher. Während Phoy gemütlich herum radelte, riss ihr Bruder bei jedem Start nach Spezialisten-Manier das Vorderrad hoch. So schnell lernen Zweijährige Dummfug.
Ohne Heulen und Geschrei genossen wir das Abendessen. Die Zwillinge fanden die Cervelat-Wurst köstlich. Ich erinnerte mich an meine Kindheit und dachte an meinen Vater, zu dem ich sagte:
„Papi, wenn du eine weitere Wurst isst, verzehre ich gerne die Haut,“ denn Fleisch war in den Nachkriegs-Jahren rar und relativ teuer.
Als ich einmal im Schlafzimmer leicht hungrig ein für mich unbekanntes, gebrauchtes Kondom entdeckte, fragte ich mich: „Hat er die Wurst allein gefressen?“
Zurück zum Heiland, ich meinte nach Thailand.- Die Spracheingabe versteht mich öfters nicht!
Nach dem Abendessen zeigte uns Phet, was er übers Wochenende gesehen hatte. Er entriss seiner Schwester die Puppe, legte sie auf den Boden und wälzte sich eindeutig zweideutig darauf. Die Kinder durften sich ins Schlafgemach zurückziehen.
Wieder litt das Mädchen unter Angstträumen. Dick war beschäftigt.
Am Mittwoch besuchte mich meine Tochter aus der Schweiz für einige Tage. Die Zwillinge hatten sofort vertrauen.
Es störte sie, dass der Bengel sein Spielzeug herum kickte. Leider hatten wir keine leere, rostige Konservendose, wie in Entwicklungs-Ländern üblich. Es fehlten ebenfalls Stühle zum Essen. Sie waren bestellt, aber nicht lieferbar. Die Kinder saßen auf Hockern am Boden an kleinen Tischen. Wenn ihre Reisschalen leer waren, rannten sie zu Dick und holten neue Nahrung. Ein zweiter Besuch kam aus der Schweiz, ein lieber Freund und Wohltäter. Er brachte mir gegen die schlechte Luft in Chiang Mai kubanische Zigarren erster Güte und freundete sich sogleich mit den Kindern an.
( Meine schlechteste Luft-qualitäts Messung lag für PM 10 bei 600. Übliche Werte am Nachmittag lagen bei 350. Für PM 2,5 entspricht das etwa 250. Ein formschönes Gerät von Samsung reinigt die Luft im geschlossenen Haus in einigen Stunden auf einen Wert unter 20. )
Als eines Abends die Großmutter wieder erschien, heulten die Kinder gleich los und fielen in ihre hergebrachte Konversation zurück. Ihre Mutter verlor mittlerweile ihre Anstellung. Sie hing tagelang ohne jegliche Aktivitäten im Hause ihrer Schwiegermutter herum.
Wenn ich diese Weiber sehe, denke ich an Schillers Fritz. Er schrieb in seiner Jungfrau von Orleans: „Mit (der) Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“
Selbst die Ärzte in Phoys Spital empfanden die Eltern als hoffnungslosen Fall.

Wieder kam ein Wochenende, das die Kinder mit den Eltern verbringen mussten. Am späteren Abend besuchte Dick ihre Unterkunft. Es war verdächtig still im Haus. Die Kinder lagen im Bett. Jedes hatte ein Smartphone in der Hand. Die Eltern haben kein Geld für Miete, Möbel, Elektrizität, Windeln, Kinderhort und anständiges Essen. Aber für Alkohol, Zigaretten, Drogen und technisches Spielzeug sind immer ein paar Baht verfügbar. Am Sonntag Nachmittag, es war 27 Grad Celsius, machten die Zwillinge ihren Mittagsschlaf im Beauty Salon. Sie schwitzen, weil sie zu warm bekleidet waren. Die Mutter stellte einen Ventilator in die Nähe. Das Gerät blies unter Volllast.
Großmutter schlief mit den Kindern in unserem Haus. Nachts, gegen 11 Uhr meldete sie sich aufgeregt:
„Phet hat Fieber!“
„Wie viel?“ wollte ich wissen.
„27°,“ sagte sie.“
„Dann ist er tot,“ erwiderte ich und sagte Dick:
„Nimm das Fieber-Thermometer.“
Der Wärmeschub lag etwas über 38 Grad. Nach knapp einer Stunde mit Essigwickeln, war der Bub wieder gesund.
Am Montag in der Frühe stellte Dick Eltern und Großmutter ein Ultimatum. Sofern sie an Wochenenden weiterhin keine Sorgfalt und Vernunft anwenden würden, sei am 28. Februar Schluss mit unserer Betreuung.
Am Abend litt Phoy unter Verstopfung. Die überaus weise Großmutter sagte:
„Das ist wegen eurer Ovomaltine.“
Beim nächsten Verstopfungs-Unfall stellte sich heraus, dass die Mutter gekaufte, gegrillte Fleisch-Kugeln verfütterte.
Während der Woche geben wir uns Mühe, die Kinder zu erziehen. Am Wochenende gibt es jeweils für uns Prügel.
An einem Samstagabend inspizierte Deck die Wohnung erneut. Mutter lag betrunken, schlafend in einer Ecke des Hauses, nach dem Genuss einiger Flaschen Spy Win Cooler. Das ist eine überteuerte, sprudelnde Brause von Fruchtsäften, versetzt mit Alkohol. Davon werden pro Jahr über 180 Millionen Flaschen verkauft. Der Verkaufs-Hit ist das Aroma Wassermelone. Es wird in Champagner-Flaschen nachempfundenen Behältnissen an die Frau gebracht.
Phet setzte sich kühn ein Fläschchen an die Lippe. Ich hätte es kaum geglaubt, hätte ich nicht eine unscharfe Fotografie des Geschehens gesehen. Das ist das harte Gesetz des Dschungels: keine Gläser, sondern Flaschenzug. Weil die Großmutter unfähig war, an ihrem Smartphone den Blitz einzuschalten, war das Bild verwackelt.
Am nächsten Tag zogen die Zwillinge samt Mobiliar aus dem Haus, wo bisher Milch und Honig floss. Als KiNiao, Geizkragen, stehen keine Spy Flaschen in meinem Kühlschrank.
Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, wog Phoy bloß 9 Kilogramm. Gegen Ende Januar zeigte unsere Waage 12 Kilogramm. Brüderchen wog 13 Kilogramm.
Zehn Tage nach dem Auszug rief eine Pflegerin des Hortes Dick an und fragte, was geschehen sei. Beide Kinder hätten 1.5 Kilogramm an Gewicht verloren.

Das Winter-Wetter in Nordthailand 2019/2020

Vor Weihnachten war es bitter kalt. Die Temperaturen sanken des Nachts bis auf 10 Grad. Einige Fische starben. Das Wasser war zu kalt. Sie hätten eventuell schneller schwimmen müssen. Das konnten sie nicht, weil Dick nur 500 Stück im kleinen Teich aussetzte.
Auf Doi Inthanon zeigte das Thermometer minus 4 Grad Celsius. Sofern die Temperatur-Erhöhung im gleichen Tempo weiter geht, werde ich dort demnächst einen Skilift bauen lassen.
Seit Weihnachten sind die Tage 4 Minuten länger geworden. Am kürzesten Tag dauerte die Dunkelheit ganze 13 Stunden.

Nachbar Kleptomanewitsch erschlug einen seiner Hunde unter lautem Singen von bösen Flüchen oder frommen Gebeten begleitet. Frass das hungrige Tierlein eines der Hühner, oder deponierte es seinen Kot in Kleptomanewitschs ausgetrampelten Latschen? Er opferte das Tier samt Fell am nächsten Tag unter viel Rauchentwicklung, offenbar für den Regengott, sowie die nächstgelegenen Messstationen für Feinstaub.
Darauf hatten wir eine regnerische Nacht. Er bemerkte es jedoch nicht und bewässerte seine Plantagen.
Gegen die hohe Luftverschmutzung, um Weihnachten übertrafen die Spitzenwerte von Feinstaub 150 Mikrogramm, haben wir im Krankenzimmer ein Reinigungsgerät. Bei meinen gelegentlichen Darmentleerungen zeigten die Dioden trotz des üblen Geruches die gesunde grüne Farbe.
Einer meiner Helfer frisst offenbar gerne frittierte Speisen. Seine Frau kocht nicht, sie fritiert nur, dafür gründlich. Die Kleider stinken manchmal stark nach verbranntem Öl, dass ich Brechreiz kriege und die Anzeige am Gerät auf warnendes Rot geht.
Sofern der Mann seine Massage-Frau mit seinem Öl ausstoßenden Moped mit sehenswerter Rauch-Fahne her bringt, leuchten die LED gelb.

Es wurde wesentlich wärmer. Nachts sinken die Temperaturen nur noch auf 18 Grad. Am Nachmittag steigen die Temperaturen gegen 30 Grad. Im großen Haus liegen die Messwerte gegenwärtig zwischen angenehmen 24 bis 28 Grad.
Trotzdem bringen mich, bloß in Windeln gewickelt, wie der Evangelist in der Bibel erwähnt, besonders stupide Menschen zum Siedepunkt, denn so viele Esel und Schafe gibt es in Chiang Mai gar nicht.

Neujahr

Besonders den Nichtlesern und den hartnäckigen Abonnenten des Titten-Magazins schöner Körper, Playboy, hoffen wir für sie, – dass nicht nur der Nacken steif bleibt – und natürlich Ihnen persönlich wünschen wir das Beste im Neuen Jahr, inbegriffen all die folgenden Jahre.
Katastrophen und Kriege beginnen in kranken Köpfen. Ich erlebte unzählige Katastrophen, wie Ozonloch und Waldsterben, welche im Nachhinein gar nicht eintrafen. Doch Lämmer und Lemminge folgen gedankenlos unüberlegten Prophezeiungen. Solange sich solche Anliegen als Geldquellen erweisen, sind sie – bedingt durch monetäre Systeme, immer willkommen.
Trotzdem ich mit meinen Behinderungen kaum aus dem Haus kann, erlebe ich jeden Tag in der Nähe Untaten und Verbrechen. Öfters möchte ich, welch ein Schwachsinn, aus Verzweiflung Elefanten erwürgen. Aber mir fehlt sogar die Kraft um eine Ameise zu töten. Darum werde ich nicht ruhen, diese Untaten zu publizieren.
Lesestoff, brutale Geschichten aus Hinterindien, sind bereit zum Diktieren – bis die Stimme versagt.

Mit freundlichen Grüßen aus dem KZ, dem Krankenzimmer,
Low

Persönliche Einsichten 2019

Unbekannte neue Erlebnisse drängten sich nach dem 10. Januar in mein Leben. Irgendwie überlebte ich die Operationen. Als ich richtig ruhig und drogenfrei im Spital-Bett lag, bemerkte ich, dass an beiden Händen die Finger merkwürdig gestreckt waren. Es sauste, brauste und summte in den Armen. Wieso denn, dachte ich, die haben doch den Hintern operiert.
Nach einigen Tagen versuchte ich, die Finger zu bewegen, denn ich erinnerte mich, solche Hände bei Polio-Patienten in den 50er Jahren gesehen zu haben. Dazu plagten mich Schmerzen in Fingern, Haenden, Ober- und Unter-Armen. Manchmal fühlt es sich an, wie wenn ich Backsteine im Unterarm tragen würde. Zitter-Krämpfe machen mir am Smartphone oder am Tablett das Leben schwer. Schreiben ist unmöglich. Wenn ich mit dem Zeigefinger einen Buchstaben erwische, löscht der kleine Finger das Getippte.
In der Ohren läutet Herr Tinnitus.
Sehschwäche: Von Zeitungen konnte ich nur die Schlagzeilen entziffern. Im Fernseher sah ich farbiges, unidentifizierbares Gewimmel. Der Ton war, wie bei Karaoke-Darbietungen in der Gegend, hauptsächlich auf Bässe ausgerichtet.
Den Laptop bedienen konnte ich nicht. Ich war durch die Behinderungen gänzlich unbeschäftigt, bis auf meine Übungen mit Fingern und Armen. Während Monaten nahm meine Sehstärke zusehends ab. Ein Optiker konnte mir nicht helfen.
Nach einer Star Operation konnte ich ab August endlich wieder sehen. Mit Dicks Hilfe programmierten wir mein Smartphone, damit ich interessante Staumeldungen vom Gotthard mitverfolgen konnte.

Ich habe nicht mehr viel, aber wesentliches zu verlieren.
Noch funktioniert mein Hirn. Ich bitte die Herren Alzheimer und Parkinson von einem baldigen Besuch abzusehen.
Hören kann ich relativ gut, das Ohrenpfeifen ist erträglich. Riechen kann ich alles, vor allem das Unangenehme. Katzen Exkremente lassen sich nicht mit Thai-Curry vergleichen !
Der Geschmackssinn ist vorhanden. Noch unterscheide ich Essig oder gepanschten Wein von reinem vergorenen Traubensaft. Häufig werden im warmen, total verschmutzten, Land leider gefälschte Artikel verkauft. Das betrifft besonders Jungfrauen.

Mit verschmutzt, meine ich Wasser und Luft. Im Norden gibt es keine Kläranlagen. Die Luftbelastung beträgt gegenwärtig um Chiang Mai im Tag bis 150 Mikrogramm Feinstaub. Wie wird es erst in der Feuer-Saison ab Januar aussehen? 500 Mikrogramm sind angesagt.
Deshalb verbot die Regierung aus Friedens-Aposteln (NCPO)und Generälen das Rauchen von Glimmstengeln sogar in den eigenen vier Wänden. Wenn dich deine Frau, Kinder oder Lebenspartnerin anzeigt, wird es echt teuer.
Kehricht, tote Katzen, sowie weitere Leichen darf im Freien jedermann jederzeit unbestraft verbrennen.

6 Dorf Schicksale in Thailand

Zumindest aus dem Fernsehen kennt ihr diese schwimmenden Konservendosen, mit 4’000 Passagieren und 2’000 Angestellten als Besatzung, die fröhlich finanziell vereint, gemeinsam unsere Weltmeere belasten.
Eine der ehemaligen Dorfschönheiten in PhonPhat wäre gerne Miss Thailand oder Flugbegleiterin geworden. Aber sie futterte hemmungslos drauflos, schoss nicht in die Höhe, sondern eher in die Breite.
Dank ihrem Übergewicht fand sie keine Fluggesellschaft, welche sie angestellt hätte. Auf einem Kreuzfahrtschiff dagegen spielen ein paar zusätzliche Pfunde keine große Rolle. Standfestigkeit war eher gefragt. Sie fand eine Anstellung auf einem dieser Riesen-Pötte.
Was tut man in der Freizeit,wenn man kein Musik-Instrument beherrscht und nicht jodeln kann? Ein Besatzungsmitglied aus Indonesien stand vor dem selben Problem. Zum Masturbieren war er zu faul, denn er hatte bereits einen schmerzenden Tennisellbogen. Deshalb geigten die beiden zusammen den fruchtbaren Reigen. Sie trieben es auf einem Schiff, das auf dem Meer trieb, angetrieben durch riesige Schweröl-Motoren.

Im Sommer wurden wir zu einer Hochzeit nach Bali eingeladen. Genauso, wie im Schlager die rote Flotte vor Capri* versinkt, wurde Bali zur Müllablage. Ich brauchte keine Ausreden, ich war ja im Spital. Zur Förderung der indonesischen-thailändischen Freundschaften konnte ich nichts beitragen.

Die werdende Großmutter verlangte von ihrer hoffnungstraechtigen Tochter eine Geburt mit Kaiserschnitt, denn sie wollte nicht zu jeder Tageszeit aufstehen und in ein Spital eilen.
Wenige Wochen nach der Heirat lieferte der Frauenarzt in Chiang Mai der tonangebenden Familie einen gesunden Knaben ab.
Der Vater, bereits wieder auf hoher See, sandte dem Schwiegervater einige bitter benötigte Baht aufs Konto.
Bereits drei Monate nach der Geburt, war die junge, herzlose Mutter auf dem Weg nach Neuseeland, auf der Suche nach einer neuen Stelle. An Kreuzfahrtschiffen war sie nicht mehr interessiert.
Der Säugling blieb in Obhut der Großeltern. Sie hatten nichts besseres zu tun, als mit dem Kleinkind im Automobil in das 700 Kilometer entfernte Bangkok, an eine Beerdigung zu reisen.
In KrungThep angekommen, bemerkten sie, dass ihnen 30 Kilogramm Lebendgewicht fehlte. Sie riefen Dick an und befahlen, sie solle ihren Hund füttern und mit ihm Gassi gehen.
Diese Vollpfosten wissen genau, dass ich gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit brauche, als als ihr vergessener Köter. Dick lehnte ihr Ersuchen relativ unfreundlich ab.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass die möchtegern Flugbegleiterin in einigen Monaten einen Halbbruder oder eine Halbschwester aus Neuseeland nach Thailand zurückbringt. Vorausblickende Eltern geben ihren Kindern ABB Pillen** oder Lümmeltüten mit auf Reisen.

Ich kenne diese Frau, seit sie mit 6 Jahren auf dem Moped das Dorf unsicher machte. Als hoffnungslosen Fall abgestempelt habe ich sie, als sie mich vor wenigen Jahren besuchte und 180.000 Baht wollte, um Australien zu erkunden.
Als KiNiao blieb ich auf meiner Kohle sitzen. Ihre Eltern verkauften darauf ein Häuschen. Anfänglich versuchte sie, ihre Schulden zu bezahlen. Schlussendlich trugen die Eltern den Schuldenberg allein. Mussten sie diesmal wieder ein Haus verkaufen?

* Capri Fischer, Rudi Schuricke (1943)
**ABB Pillen: Im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat waren das Wunsch-
Kindpillen.
Bild: Aare-Faehre bei Muri, Bern – Schweiz