Gift in Lebensmitteln

Es gibt romantischere Gefühle im Leben, als sich mit Bauchkrämpfen und Durchfall zu verlustieren.
Vor fünfzig Jahren waren Kühlschränke noch nicht so verbreitet wie heute. Dennoch durfte man ohne Befürchtungen an den meisten Orten herzhaft futtern, sich den Magen vollschlagen.

Meine Grosseltern lebten ein ganzes Leben ohne Kühlschrank. Grossmutters Küche war so berühmt, wie Grossvaters Blauburgunder, auch wenn ihre Kinderlein nach genossenen Festessen darüber im Versteckten schnödeten.
Filet Wellington, ein Fleischgericht, das angeblich vom Schweizer Küchenchef Charles Senn anlässlich der Zürcher Internationalen Kochkunstausstellung 1930 kreiert wurde, kannte Grossmutter nicht. Hamburger, Hot Dogs und Hummer stellte sie nie auf den Tisch.

Vor einem halben Jahrhundert durfte man sich in Indonesien das warme Bintang Bier mit den wenigsten Schleiern und Fäden in der Flasche persönlich aussuchen. (1) Probleme mit dem fremdartigen exotischen Getränk kannte ich nicht. Heute ertrage ich die meisten Biere in Thailand nicht mehr. Chemische Hilfsmittel mag mein Magen nicht.

Im Norden verdaue ich die meisten Gemüse schlecht, weil zu viele Chemikalien zum Anbau verwendet werden. Dick geht es ähnlich. Im Süden ist es besser, sofern wir Grünzeug nicht in Grossmärkten erwerben.
Aus Profit-Gründen werden vielen Lebensmittel Schönmacher-Chemie beigefügt. Fisch, Fleisch und Gemüse werden mit hochgiftigem Formol bespritzt. Auf zahlreichen Fischkuttern gibt es nicht nur Eis und Kühltruhen. Trotz Kälte-Technik wird zu oft zur Formol Flasche gegriffen. Selbst in Australien erkrankten Menschen nach dem Genuss von Dosen-Thunfisch aus Thailand. (2)

Ich litt öfters nach Fisch-, oder Garnelen-genuss. Die Gemüse des Nordens lösen Blaskonzerte aus, letztmals teure japanische Gurke. Wir sahen zu, wie Chemie in verkäferte Reissäcke gespritzt wurde.
Nach dem Verzehr von Brot von RimPing, damals aus der Nim City, war mir mehrmals übel. Wahrscheinlich spritzten hirnlose Hilfskräfte Chemie in von Motten und Würmern verunreinigtes Mehl. RimPing schloss die betriebseigenen Bäckereien.

Als wir von Satun nach Chiang Mai kamen, durfte ich bei der Immigration in Promenada schnellstens meine Adressänderung melden. Da wir keine grösseren Vorräte im Haus hatten, benutzten wir die Gelegenheit zusätzlich für einige Einkäufe bei RimPing.
Ich erinnere mich an meinen ersten Thailand Aufenthalt. Jeder Tag brachte neue, teilweise duftende Erlebnisse. Ganz neu für mich war damals der Duftreis, Hom Mali, ein überwältigendes Erlebnis. In den letzten zehn Jahren fanden wir keinen guten Duftreis in Thailand, oder es war importierter Basmati Reis aus Indien.
Wir benötigten Reis. Die Auswahl war nicht besonders vielfältig. Eine Marke war, „Königlicher Schirm“ – Hom Mali. Die füllten nur Reis in den Sack und vergassen den Duft. Das Kochen erregte die Geschmacksknospen nicht. Einige Stunden nach dem Genuss wurde mir übel. War es das Fleisch, war es das Gemüse, der Salat oder gar der Wein?
Am Tag darauf verarbeiteten wir die Reste zu Bratreis. Wir gaben feingeschnittene Omelette-Julienne, angebratene Fleischstücklein, Gemüse und Kräuter in die Bratpfanne mit dem Reis. Wieder wurde mir schlecht danach. Dick zeigte ähnliche Symptome. Das Badezimmer hatte starken, vor allem schnellen Zulauf. Fortan ernährten wir uns von Kartoffeln, Mais und Pasta. Wir vergassen den Reis im Schrank. Wir konnten es kaum glauben, verseuchter Reis, eine grosse Marke, aus einem angesehenen Geschäft – vergiftet?

Anfangs Woche brachte Dick unsere Vorratsdose mit dem zweifelhaften Reis der Hilfskraft im Schönheitssalon. Gleichzeitig warnte sie die Empfängerin, der Reis könnte Bauchgrimmen auslösen, etwa im Tonfall, in welchem ich in der Schweiz jeweils Fliegen- oder Knollenblätterpilze verschenkte. (3,4) Innerhalb weniger Stunden erkrankte die Köchin. Sie erbrach und hatte Durchfall. Einerseits war mein Forschergeist befriedigt. Andererseits bedauerte ich die Erkrankte und spendete grosszügig Medizin. In der Schweiz dagegen hätte eine Probe beim Kantonschemiker einen Skandal ausgelöst.
Der Nicht-Duftreisfabrikant hätte mir einen Lamborghini oder Maserati vors Haus stellen müssen. Im LOS pfeife ich – nein – scheisse ich, auf oder in Lamborghini oder Maserati und fahre demonstrativ Mitsubishi.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Multi_Bintang_Indonesia
(2) https://www.news.at/a/thunfisch-dosen-soziales-elend
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Knollenbl%C3%A4tterpilz
(hinterindien) https://hinterindien.com/2016/04/14/qualitaet-der-lebensmittel/

ASEAN – Strassenverkehr, nette Verpackung ohne Inhalt

Was da schon alles diskutiert wurde ist phantastisch. Beispielsweise: ein einziges Visum für mehrere Länder. Die Realität zeigt das Gegenteil. Thailandbesuche wurden in den letzten Monaten härter reglementiert. Terrestrische Reisen werden gedämpft, ja bekämpft. Der Luftverkehr ist bevorzugt.
Im eigenen Fahrzeug nach Singapur zu reisen, ist kaum empfehlenswert. Das Fahrzeug spätestens in Johore Bahru stehen lassen!
Ich kannte die Strassen und Länder Europas während fünfzig Jahren. Die grüne Haftpflichtversicherung war in den meisten Ländern gültig. Nur einmal sassen wir am Ende der sechziger Jahre wartend an der Grenze zwischen Jugoslawien und Ungarn. Der Einreiseentscheid fiel in Budapest.

In Hinterindien sieht es anders aus. Grenzübertritte mit Fahrzeugen benötigen viel Zeit und Geld für Kleinigkeiten wie Versicherungen. Es gab, gibt, sogar Grenzübergänge, die kannten Nachtruhe und Mittagspause. Erst gestern verordnete die Regierung Thailands die Schliessung von sechs Grenzübergängen in Sungai Kolok nach Malaysia.
In Satun wohnen wir zwanzig Minuten von Malaysia entfernt. Wir querten die Grenze öfters für Einkäufe im Niemandsland. Darum bemühten wir uns für internationale Reisedokumente fürs Fahrzeug. Es gab sogar internationale Nummernschilder. Sie wurden uns nach Satun nachgesandt. In Malaysia werden schlechter vorbereiteten Thais bedruckte Kleber als Nummernschilder abgegeben.

Was wir nicht wussten war, es ist in Thailand nicht gestattet, mit einem internationalen Thaischild herum zu fahren. Ganz nach Schildbürgerart müssen die Nummernschilder nach jeder Rückkehr ins Land gewechselt werden. In Satun kümmerte sich niemand um Nummernschilder. Wir reisten problemlos über eintausendsiebenhundert Kilometer in den Norden. In Chiang Mai wurde Dick in der Nähe der Airport Plaza geblitzt. Sie erhielt einen eingeschriebenen Brief mit Bild. Sie wurde gebeten, die Schilder zu wechseln und für das anstössige Vergehen gegen die amtlichen Verkehrsregeln zweitausend Baht zu bezahlen. Das Schild konnte trotz aller Schwierigkeiten von instruierten Fachleuten gelesen werden und führte zur Ermittlung der Fahrzeughalterin. Aber es hätte ebenfalls zu einem schweren Verkehrsunfall führen können…..

Wir sandten die Hausschlüssel in den Süden und baten Freunde, uns die gebräuchlichen Thai-Schilder zuzustellen. Am Montag oder Dienstag werden sie montiert. Danach muss der Wagen von Beamten der Dienststelle neu begutachtet werden.

Als das Fahrzeug neu war, hatte es rote Nummernschilder des Verkäufers. Wir wollten nach Nong Khai reisen. Dafür durften wir eine offizielle Genehmigung des Amtes einholen! Grenzenlose Freiheiten für Schildbürger.

Gedanken über das Wohnen

Meine Eltern machten sich wenig Gedanken übers Wohnen. Der Vater freute sich vor dem nächsten Umzugstermin jeweilen auf die Eckbank in der Küche, seiner einzigen Bankverbindung. Das Kriterium war: Wohnungen mussten genügend Zimmer haben und preisgünstig sein. Aussicht, Lage, Nachbarn waren Nebensache.
In den Schulen wurde wohnen nicht diskutiert.
Deshalb fiel ich mit meiner ersten Wohnung voll auf die Nase. Das Gebäude hatte einen Lift. Er war eigentlich zu klein für einen Rollstuhl. Die Fussstützen mussten entfernt werden. Die Aussicht auf die Berner Altstadt war grossartig und unbeschreiblich. Dafür konnte ich mit dem Rollstuhl nicht ins Badezimmer. Da setzte ich mich erst auf einen Stuhl, dann aufs WC. Vom WC wieder auf den Stuhl, dann in die Badewanne. Während fast zehn Jahren machte ich mir keine Gedanken darüber.

Erst als ich selbst bauen liess, änderte ich den Entwurf des Architekten. Aus zwei kleinen Badezimmern schuf ich ein grösseres, befahrbares. Weil ich nicht durch Schnee und Eis im Garten rollen wollte, gab es von der Garage eine Türe direkt in die Küche. Die Dame reklamierte lautstark, weil sie deswegen einen Wand-Schrank verlor.

Seitdem ich in Thailand lebe, denke ich über Wohnungen und Raumgestaltung nach.
Die Häuser, die meisten gedankenlos kopiert, sind wenig freundlich für kranke, ältere oder gar behinderte Menschen. Die Duschräume mit WC sind mit Flächen von anderthalb Quadratmetern äusserst knapp bemessen. Bei Beschaffungen auf kleinformatige Zahnbürsten achten. Dabei ist die Besucherfrequenz dieser Kleinstabteile eher hoch.
Schlafzimmerchen von zwölf Quadratmetern mit Doppelbett und Kleiderschrank lassen ein Umrunden der Liege mit dem Rollstuhl nicht mehr zu. Darum sind die kleinen Thai Resorts für Rollstuhlbenutzer kaum geeignet. Das luxuriöseste Zimmer der Häuser ist als Repräsentationsstätte mit Elektronikschrott, Karaoke-Utensilien und Lautsprecherboxen derart zugemüllt, dass zusätzlich höchstens einige Eiswürfel und ein paar Flaschen Johnnie Walker Senior Platz finden. Für besonders prekäre Verhältnisse wurde von der Schnapsindustrie der Flachmann erfunden. Selbst Küchenschaben, Kakerlaken, müssen sich in solcher Umgebung anpassen und schlank machen.

Low unterwegs als fad-feuchter Pflaumenforscher

Geschätztes Publikum: Ich bedaure, dass ich mich wegen widrigen Umständen nicht melden konnte.
Wir waren eine Woche lang in den Norden unterwegs. Nach täglich mehreren Stunden schütteln auf überlasteten Landstrassen, versagten meine Finger abends den Dienst an der Tastatur. Wir durften regen Anteil nehmen an der schwierigen Situation des Gastgewerbes. In einem vier Sterne Haus war die Matratze im Mittelfeld ausgebumst und wies einen Krater aus, der mich die ganze Nacht lang magisch anzog und hineinrollen liess.
Am nächsten Tag waren die einst süffigen Cocktails einer Bar am Rande der Geniessbarkeit. Dafür wurden die Preise angepasst – mit reichlich dreissig Prozent Zuschlag. Anders berechnet sind es schlichte fünfzig Prozent. Ab Nakhon Pathom wurde die Atemluft stickig. Während des Fahrens hatte ich das Gefühl, ich hätte Wasser in den Lungen. Während wir vor einem Jahr zur selben Zeit durch eine staubige, durch Dürre gezeichnete Steppenlandschaft reisten, glänzte dieses Mal die Umgebung in sattem Grün. Sogar Reisfelder wurden bestellt.

Einen harten Dämpfer bescherte unser Internetanbieter in Chiang Mai. Der Herr am Schalter im Grossmarkt Hangdong wollte, unser Vertrag läuft noch bis Ende Jahr, bereits im Wonnemonat Mai ein neues, teureres Angebot abschliessen. Wir könnten gar nichts tun als von seinem Vorschlag profitieren. Die Zuleitungen zum Haus seien bereits entfernt. Unser zwei jähriger Router deshalb unbrauchbar.
Die „drei bösen Buben“ machten ihre Berechnungen, stiessen aber auf extremen Widerstand des Kunden. Die herbeigerufenen Servicetechniker stellten im Dorf fest, Kabel wurden wirklich gekappt. Ausser den monatlichen Rechnungen erhielten wir nie Berichte über die Tätigkeiten der Firma in unmittelbarer Umgebung unserer Grundstücke. Die Agentur im Chiang Mai Airport Plaza war der gegenteiligen Ansicht, wir hätten Router und einen Vertrag, die Dienstleistungen könnten problemlos weiter geführt werden. Den selbstherrlichen Bereicherer werde ich am Hauptsitz in Bangkok als faule, im Grenzfall als unreife, Pflaume entlarven.

Eher selten sind wir in japanischen Restaurants anzutreffen. Ich mag das zarte Wagyu Rindfleisch, begleitet von einem Fläschchen Sake. (1) Beim letzten Besuch in Chiang Mai war das Wagyu importierter zäher Wasserbüffel aus den flimmernd heissen Steppen des Isan. Der Sake war alle. Die Kellnerin empfahl ein ähnliches japanisches Erzeugnis. Das Getränk passte weder zu Wasserbüffel, noch zu Wagyu.   Es war abscheulich süsslicher Pflaumenschnaps, wie mir Gaumen und Herr Google verrieten.
Etwa auf halber Strecke nach Nordthailand, kannten wir eine Gaststätte. Die Verantwortlichen gestalteten in der bebilderten Speisekarte eine oder zwei Seiten mit ihrem Weinangebot. In sechs Monaten verminderte sich die Auswahl auf zwei Sorten Hauswein. Einen Chardonnay und einen Cabernet Sauvignon. (2)
Eine Hühnersuppe stand brodelnd in einem Topf auf dem Tisch. Süss-saures Schweinefleisch war bestellt. Der Cabernet-Sauvignon war unsere Wahl.
Die Kellnerin goss reichlich roten Saft in die Gläser und liess die Flasche schnell verschwinden. Ich nippte vorsichtig am Glas. Die Haare stellten sich auf. Der Magen grunzte erregt.
Das war kein Rebensaft. Das war wieder ein fermentierter Pflaumenfruchtsaft, wie sich beim Interpretieren der Angaben auf der Flasche bestätigte. Kein Tropfen Cabernet-Sauvignon verirrte sich in die Brühe. Solche „Food and Beverage Manager“, Betrüger der gehobenen Art, gehören hinter Gitter, bestimmt nicht in gepflegte Sessel von Grand Hotels. (3)

Das Internet funktioniert seit einem Tag sensationell mit Pocket WiFi von True. Es bietet Zugriff für sämtliche Laptops und Smartphones im Haus. (4)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Wagy%C5%AB
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabernet_Sauvignon
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/F%26B-Manager
(4) http://www3.truecorp.co.th/truemoveh/product/detail/3208/4G_pocket_WiFi?ln=en#promotion

Überraschungen und Herausforderungen

Unsere Lebensweise in Thailand fordert uns dauernd neu heraus. Es gibt kein Zurücklehnen und Ausruhen. Dick wird andauernd von Mutter und Kindern gerupft, wie ein geschlachtetes Huhn. Die Geschwister beteiligen sich nicht an der Pflege. Geldgierig warten sie auf ihr baldiges Erbe, das jedoch vor langer Zeit öffentlich verprasst wurde. Dicks eigene Bedürfnisse und Wünsche haben keine Priorität. Sofern die Alte plötzlich Lust auf Fisch hatte, fing Dick Fische. Eine halbe Stunde später verlangte die Tochter telefonisch, Dick sollte Goon von der Schule abholen. In Satun sind wir weit weg. Forderungen, beispielsweise für getrocknete Garnelen, erfolgen nur fernmündlich.
Die Regierung der Generäle erlässt regelmässig neue Verordnungen und Verfügungen, welche drei Tage später ersatzlos verschwinden. Das Weinangebot wird im Süden bewusst verknappt. Antibiotika, Dulcolax, Heftpflaster, sowie die meisten Produkte aus Apotheken sind kriegswichtige Erzeugnisse, welche nicht in die Hände von Bombenbauern fallen sollen. Das erschwert den Einkauf von wichtigen Hilfsmitteln bedeutend. In hartnäckigen Fällen bestellte ich die benötigte Ware in Chiang Mai.

Vor beinahe einem Jahr retteten wir Dicks Mutter vor dem bevorstehenden Tod. Später organisierte Dick Pflegerinnen. Sie brachte diesen Frauen die Zubereitung von Magenschondiät bei, ohne den Ausdruck auch nur zu erwähnen. Vor einigen Monaten ging es der Alten so gut, dass sie in ihre angestammte Heimat verreisen wollte, um dort zu leben und später dort zu sterben. Die Pflegerin, eine entfernte Verwandte aus der Region, hatte keine Einwände gegen die Reise. Dick freute sich bereits auf baldige unbeschwerte Tage in Nordthailand.
Vor Jahren verletzte sie sich an der Schulter. Aus der kleinen Verletzung entstand eine unschöne Geschwulst. Ärzte begutachteten den Schaden und meinten: Abwarten. Anscheinend leidet sie nun zeitweise unter Schmerzen. Sie möchte die Schwellung in Chiang Mai entfernen lassen. Eine alte Freundin sollte sie danach betreuen und gleichzeitig den Schönheitssalon wieder aktivieren. In der langfristigen Planung war ich nicht inbegriffen.

Ein unerwarteter Paukenschlag erfolgte letzte Woche, als Mutters Pflegerin im Nachbarhaus in der Provinz Phitsanulok, eine besser bezahlte Anstellung fand. Sie kündigte ihre Stelle auf Ende Monat. Eigentlich hätte sie gerne zwei alte Weiber mit zwei Gehältern betreut. Sie kochte bereits bei den Nachbarn und brachte das Essen über die Gasse. Ein Problem ist das Trink-Wasser. Die Nachbarn pumpen mit Fäkalien und Schmutz aus der eigenen Möbelproduktion verunreinigtes Wasser. Sie benutzen keine Filter. Väter und Mütter benötigten diesen neumodischen, teuren Plunder ebenfalls nicht. Aber ihre Vorfahren hatten weder WC, TV noch Smartphones. Doch so weit zurück denken heutige 4G+ Thais nicht.

Seit dem Dicks Mutter Speisen aus der Küche der Nachbarn verzehrt, zeigen sich wieder Blutgerinnsel in den Armen und angeblich neu in einer Schulter. Heute reist sie, sofern keine inneren Organe betroffen werden, zurück in den Norden. Demnächst unbeschwerte Tage in Chiang Mai dürfen wir vergessen. Dicks zukünftige Betreuung sorgt glücklicherweise demnächst für die Mutter. Dick wird, wie in der Vergangenheit, kaum zehn Stunden pro Tag, eher bei Nacht, bei mir anwesend sein.

Mir fehlen Lust und Vergnügen, die lange Reise in das Dorf mit Alkoholikern, Denunzianten, Dieben, Drogenabhängigen, Lügnern, Mördern, Nutten, Spitzeln und Verrätern zurück zu kehren. Anfänglich war das Dorf-Leben sehr angenehm. Einige liebe Einwohner verstarben. Andere Familien zogen weg. Die Neuankömmlinge machten die Situation zusehends unheimlicher. Alt eingesessene, aalglatte, praktisch unantastbare Funktionäre eigneten sich Besitz an. So vergrösserte ein Richter sein Grundstück, indem er kurzerhand eine Wendeschleife beschlagnahmte und überbaute. Unsere selten anwesenden Nachbarn im Süden demonstrieren, wie eine echte Dorfgemeinschaft funktioniert. Das gab es vor zwanzig Jahren auch im Norden.

2017 Satun International Kite Festival

Es gibt noch keine offizielle Ankündigungen an der Flugpiste oder im Internet. Trotzdem sollen am ersten Wochenende im Monat März 2017, vom 3. bis am 5. die Spiele mit Wind und Drachen stattfinden.
Bleibt nur zu hoffen, dass die unfähigen Organisatoren nicht vergessen, genügend Wind zu organisieren. Aber die Elite der Verwaltungsangestellten bügelt bereits ihre Uniformen und sucht ihre Orden! Die fliegen aber nicht.

Dicks Eindrücke von 2016:
(1) https://www.youtube.com/watch?v=YMSuEFOhScw
(2) https://www.youtube.com/watch?v=l6R5w7zAwRA
(3) https://www.youtube.com/watch?v=va8nf_Vm88w

Hilfreiche allergische Reaktion

Vor einigen Wochen entdeckte ich am linken Arm im Ellenbogengelenk eine kleine Rötung. Ich dachte sofort an eine allergische Reaktion.
Wir verreisten nach Langkawi. Innerhalb weniger Tage verschwand der verräterische Fleck. Nach unserer Rückkehr rötete sich die Stelle in der Armbeuge innerhalb einer Nacht erneut. Wir suchten die Ursache. Der Auslöser, der Erreger, musste sich in der Nähe des Bettes befinden.
Als wir von Chiang Mai in Satun ankamen, kauften wir einen zusätzlichen Stahlschrank für Kleider und Wäsche. Der Lieferant bot uns für zweitausend Baht einen zweiten Nachttisch an. Neben dem Bett stand bereits ein Exemplar. Anstelle eines Möbelstückes benutzte ich bisher einige leere Kartons für den Wecker, die Taschentücher und weiteres Zeug, das vom Bett aus bequem erreichbar sein sollte.
Das rot-weisse Möbel, in Bangkok aus Spanplatten gefertigt, ergänzte die bescheidene Einrichtung. nachttisch

Ich öffnete die Schubladen. Es stank nach Schimmel. Man sah eigentlich gar nichts. Wir reinigten das Möbel. Dick stellte die beiden Schubladen in den sengenden Sonnenschein zwecks Ultraviolett-Behandlung. Die Aktion war erfolgreich. Zwei Tage später war der rote Fleck verschwunden.

Seit dem Aufenthalt im total verschimmelten Mietshaus in Satun, bin ich überempfindlich auf Pilzbefall. (1) Die beiden Frauen, die Hauseigentümerin und Dick, verschmutzten gemeinsam gedankenlos sauberes Trinkwasser, indem sie die Flüssigkeit in bereits benutzte kleinere Flaschen umfüllten. Das Problem war, beim Ausgiessen füllten sich die Behälter automatisch mit Schadstoffen der Luft. Aber Mikroorganismen sieht man nicht. Der einzige Vorteil war, die kleineren Gebinde passten besser in die Kühlschränke.
Vom Dreckwasser kriegte ich eine schmerzhafte Blasenentzündung, weil ich “sauberes“ Wasser ans Stelle von Kochsalzloesung zum Pinkeln benutze. Die Liter-Beutel, wie sie in Spitälern verwendet werden, verschmutzten in Chiang Mai zu schnell, weil ich pro Tag bloss einen Deziliter entnahm.
Drei Deziliter Wasser-Fläschchen waren die Ersatzlösung, weil in Thailand seit den grossen Überschwemmungen keine kleinen Kochsalzgebinde mehr hergestellt werden.

Die Ärzte hier und auf Langkawi orderten keine bakterielle Untersuchungen, sondern verfütterten ungezielt Antibiotika.
Der einzige Chirurg im Spital, er wollte mir ein in seiner Freizeit selbst entworfenes Haus ohne Küche verkaufen, erklärte: „Für die Behandlung meiner meist verunfallten Patienten, bin ich auf ein funktionierendes bakteriologisches Laboratorium nicht angewiesen.“
Offenbar werden seine sterilisierten Instrumente nie geprüft! (Im Isan verloren vor wenigen Jahren mehrere unglückliche Patienten ihr Augenlicht, weil mit schmutzigen Gerätschaften gepfuscht wurde.)

Ich sah damals meine Chance nur in einer bakteriologischen Untersuchung in Chiang Mai. Deshalb flogen wir in den Norden. Die Spezialisten erkannten den Verursacher, Klebsiella pneumoniae. Sie verordneten erfolgreich das geeignete Medikament.

(1) https://hinterindien.com/2015/01/17/das-haus-bei-den-kuhreihern/
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Klebsiella_pneumoniae
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Schimmelpilz