Blumen, Gurken, Einbrecher und Spezial-Ermittler

Auf der letzten Etappe der Reise von Satun nach Chiang Mai erhielt Dick den Anruf einer Nachbarin aus der Gegend des Gästehauses. Die Frau berichtete, Einbrecher hätten in der Nacht die Wand über den Küchenfenstern zerstört und seien auf diesem Weg in das Haus eingedrungen. Ich lachte kurz und erklärte Dick:
„Die müssten ja total blöd oder besoffen sein, um über den Fenstern ins Haus einzusteigen, wenn sie mit einem einzigen Hammer-Schlag das gesamte Glas entfernen können!“
Nachforschungen ergaben, im Haus fehlte nichts. Die Decke war unversehrt. Die Fassade war eindeutig beschädigt.

Es gab eine ums Haus rankende Pflanze. Nach einem Jahr erfreute sie uns mit wunderschönen Blüten. Einige Jahre später gediehen aus den Blumen gurkenartige Früchte. Kein Mensch wusste, was es war. Während unserer Abwesenheit rankte sich das Pflänzchen über die Küchenfenster empor und fixierte sich an der Verkleidung darüber. Starke Sturmwinde rissen des Nachts die Pflanze samt Gemüse und Fassade hinunter. Eine Holzkonstruktion, sie hielt die Teile einst zusammen, war teils verfault, teils von Insekten gefressen. Dick war mit der Krankenpflege einer anspruchsvollen Patientin mehr als beschäftigt. Die zusätzliche Bauüberwachung war ein angenehmer Zeitvertrieb.

Die ungestümen Arbeiter, mit mehr Kraft als Hirn, mussten überwacht werden. Die hätten gleichzeitig mit dem schadhaften Holz zusätzlich problemlos das halbe Dach entfernt. Ein Stück Wasserleitung mit Ventil, dazu eine Gartenbeleuchtung wurden geopfert. Während vier Tagen wurde sorgfältig Holz entfernt. Danach schweissten die Spezialisten Stahlprofile an, ohne dass die Hütte Feuer fing!

Zufälle gibt es kaum. Am Tage, als unsere unzufriedene Kranke freiwillig verreiste, feierten die Arbeiter abends an den Steintischen im Garten des Gästehauses mit Lao Khao. Der Grund war nicht der Abgang der Alten, aber am folgenden Tag würde die Reparatur abgeschlossen. Nach unserem obligaten Kokoswasser-Cocktail sagte Dick:
„Ich gehe zum Gästehaus, schmeisse die Säufer hinaus und schliesse ab.“ Danach begann für mich eine endlose Wartezeit.

Dick war kaum bei den fröhlich Feiernden, als vier uniformierte Militärpolizisten eintraten. Sie grüssten und meldeten: „Drogenkontrolle!“
Dick wurde einmal mehr des Handels bezichtigt. Die Einsatztruppe kontrollierte Ausweise. Jeder pinkelte. Die Analysen waren negativ. Gründlich Spurensuchen im ganzen Haus verliefen ergebnislos. Die Beamten waren freundlich und schenkten den Feiernden zusätzliches Bier.
Dick fragte: „Wer machte die Anzeige?“
Der Leiter der Spezialisten aus Bangkok sagte grimmig ein Wort: „Familie.“

Der Kokosnusswasserstecher

Die nützlichste und preisgünstigste Erfindung meines Lebens ist der Kokosnusswasserstecher. Einst entwickelte ich erste elektronische Einheiten zur Datenerfassung und Steuerung analytischer Geräte.mass-spec Sie befreiten qualifizierte Wissenschaftler von stundenlanger, präziser, leider fast stupider Handarbeit. Meine Wunderkisten verminderten Bedienungsfehler und erhöhten gleichzeitig die Messgenauigkeit.mdac Es waren neue, faszinierende Anblicke heutiger Selbstverständlichkeiten. Sie bedeuteten die Ernte teurer Früchte jahrelanger, ruheloser, manchmal schlafloser Suche zur Verbesserung eigentlich simpler Abläufe. Die Resultate erzeugten eine innere Befriedigung. Aber das echte Vergnügen, das wahre Behagen von Seele und Sinnen, vermittelt beinahe täglich der äusserst bescheidene Kokosnusswasserstecher.

Kokosnusswasser sollte nicht mit der aromatischen Kokosnussmilch verwechselt werden. Kokosnusswasser ist die Flüssigkeit noch unreifer, grüner Kokosnüsse. Kokosnussmilch dagegen wird aus dem weißen Fleisch der reifen, braunen Kokosnuss gewonnen und sieht aus wie Milch. Diese Milch schützt in extrem scharfem Curry die Magenwände vor Auflösung. Kokosnussmilch wird im Handel flüssig oder als Pulver angeboten.

Kokosnusswasser ist mit 10 kcal auf 100 Milliliter kalorienarm. Kokosnusswasser enthält Mineralstoffe. Es hat einen sehr hohen Gehalt an Kalium. Im Zusammenspiel mit Natrium reguliert es den Wasserhaushalt des menschlichen Körpers. Kokosnusswasser ist isotonisch. Die Zusammensetzung des Wassers ähnelt der des menschlichen Blutes.
Der fast fade Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Beigaben von Limonen-Saft, weiteren Fruchtsäften oder Rum ergeben faszinierende Cocktails. Nuss1
Wie kommt man bequem an die Flüssigkeit, sofern man sie nicht in Tetrapacks, Dosen oder Flaschen im Laden erwirbt? Wir haben Palmen in den Gärten. Die Nüsse enthalten je nach Grösse und Reife einen halben bis einen Liter Flüssigkeit. Sie werden im Verkauf zwischen zehn und fünfzig Baht angeboten. Durstig entwickelte ich den Kokosnusswasserstecher, denn das Bohren oder Stechen waren keine sauberen Lösungen.
Zur einfachen, hygienischen Gewinnung des Saftes schnitt ich ein Chromstahlrohr von ungefähr einem Zentimeter Durchmesser und 15 Zentimetern Länge schräge wie eine Injektionsnadel an und schärfte die Schnittstelle. Zwei, drei Hammerschläge auf das flache Ende genügen, um den Stahl in die Nuss zu treiben. Danach wird mit einem Essstäbchen die Nussschale, sie ist über zwei Zentimeter dick, aus dem Rohr gestossen und der köstliche Trank fliesst durch das Rohr via Glas in die Kehle.
Dick mischt Kokoswasser mit braunem und weissem Rum. Als preisgünstige einheimische Alternativen genügen Sang Som oder Mekhong. Der Schnaps hält ungebetene Ameisen vom Mittrinken ab.

Anstelle eines Hammers könnten kleine Kniehebelpressen verwendet werden. (2) Der Höhepunkt wäre ein integrierter Schalen-Ausstosser. Ich fand in Chiang Mai noch keine geeigneten Pressen.
Irgendein schlauer, gewinnorientierter Geschäftsmann wird praktische Lösungen finden, patentiert das Ganze und verdient damit Millionen.

Die Anregung zur Geschichte verdanke ich einem Kommentar von Ulrike vom Bambooblog. (1)
(1) http://bamboobloghh.wordpress.com/
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kniehebelpresse