Lotterien

HäsliOstern, Bern, Kornhaus. Vor einem viertel Jahrhundert kämpfte ich mit meinen Kindern gegen fremde Osterpföteler, um gekochte, bunt gefärbte Ostereier zu gewinnen. Wir verloren nicht, wir gewannen nicht. Aber es war eine unvergessliche Erfahrung. Gibt es diesen Brauch (Eier tütsche) noch?

Nach drei Neujahrsfeiern, Farang, China und Songkran, sind in Thailand manche Budgets ruiniert. Zu den Kosten der Feierlichkeiten und den zahlreichen Vorbereitungssitzungen mit reichlich Karaoke und dem Stimmförderer Schnaps, addieren sich die Schulgelder. Die Schulen beginnen frühestens Ende Mai. Kassiert wurde wie üblich, bereits vorgestern vor Songkran.
Da hilft nur eines: Lotto – als Sozialversicherung. Die Ziehung war gestern. Es galt. rechtzeitig die Gewinnnummern zu kaufen. Für Weissagungen gibt es um die Tempel die Wahrsager. Würden diese gewissenlosen Absahner für hundert Baht die Gewinn-Nummern verkaufen, wenn sie damit Millionen schöpfen könnten?
In Tempeln stehen Lotterie-Nummern-Maschinen. Für zwanzig Baht spucken sie Hoffnung. Thais sind dauernd auf der Suche nach Nummern. Die finden sie selbstverständlich seitenweise im Internet.

Freundin Phet, Kasse klamm, hatte knapp vor der Ziehung einen Verkehrsunfall. Ach, die Fahrzeugnummer muss es sein, dachte sie beglückt.
„Sawas dee khaa – Khun Phet, sawas dee pi mai khaa … . Ihre Fahrzeug Nummer bitte, “
fragte sie lächelnd den Unfallverursacher. Ein Hauch von Sang Som, Lao Khao, oder doch eher Regency, bereicherte die Luft.
Der Befragte lächelte nicht. Eher griesgrämig antwortete er:
„Der Wagen ist neu. Keine Nummer.“
„ Ihre Telefonnummer, bitte“, wollte die nummernsüchtige Phet wissen.
„Mein Smartphone wurde diesen Morgen geklaut.“
„Haus Nummer, bitte.“
„Ich wohne vorübergehend bei Freunden.“
„Sollten wir nicht die Polizei rufen?“ fragte nun die allmählich besorgte Phet.
„Bitte nicht, ich borgte den Wagen und vergass, meinen Freund um Erlaubnis zu bitten.“

Dick fand die Nummer wesentlich einfacher. Sie träumte von zwei eifrig an der Wand kopulierenden Geckos. (*) Das Männchen hatte zwei Schwänze. Mit dem einen zeichnete es schwungvoll die Gewinn-Nummern an die Wand.
Die Zahl wurde sogleich telefonisch an eine Tante übermittelt. Beim letzten Tip gewann Tantchen tausend Baht. Waren es gestern die Millionen?

Einige bauen auf Jesus Christus, andere begnügen sich mit Millionen.

Frohe Ostern, Low

(*) http://wp.me/p2ljyL-EL

Ich schrieb eine Ostergeschichte. Nur Bilder von bunt gestalteten Eiern oder einem glücklichen Hasen fehlten. Der Postmann klingelte genau zur richtigen Zeit. Er übergab das Packet mit dem lustigen Hasen von Alicia Leana. Genauso sieht mein Ohr auch aus, nachdem Dick den Scheitel mit dem Nudelholz zog.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nudelholz

Happy Songkran

Es ist Thai-Neujahr, Stichwort: Wasser.
Rosenäpfel, die dritte Art Wassermelonen.
pi mai
Kapitalanlagen zu Neujahr
Mit Kreditkarten wurde viel Kapital vor den Feiertagen in vierzig prozentigem Schnaps
angelegt. Man munkelt immer wieder, das ganze Land könnte mit einem allgemeinen Verkaufsverbot belegt werden. Da empfiehlt sich eine gewisse Vorsicht.
Bannmeilen für Alkoholkonsum während Songkran gibt es bereits. Sollten hitzige Wasserschlachten Durst auslösen, sind Biere nur in einiger Entfernung des sich gegenseitigen Begiessens erhältlich.
Was aber tun kluge Frauen von Welt in der harten Zeit des nicht flüssigen Bargeldes,
sofern sie unwiderstehlichen Drang zum Färben ihrer Haare verspüren?
Sie verkaufen einige Einheiten aus dem sorgsam gehüteten Anlagefonds. Einstandspreis: 690 Baht, Verkaufspreis mit Songkranrabatt 500 Baht. Ab 3 x 40 = 120 Prozent reicht der Erlös, auf dem Lande – in der Nähe der Reisfelder, für eine Sitzung im Beautysalon.

Mit den besten Wünschen, Low

Ihr Text: 886 Zeichen, 127 Wörter
Bullshit-Index :0.11
Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch.

Erlöse uns von dem Übel

Im Laufe der Zeit siedelten sich Dicks Kinder im Dorf an. Sie hatten ihre Vorstellungen, wie man die Alten für klitzekleine Dienstleistungen ausnutzen könnte. Unsere regelmässigen und längeren Abwesenheiten liessen ihre kühnsten Träume platzen. Sie alle durften ihre Obliegenheiten mit ihren Partnern selbst verwirklichen.
Brenzlig wurde die Situation erst, als ein Bruder von Dick samt Familie im Dorf ansässig wurde. Dessen Frau, eine fette, ungepflegte, schmuddelige Erscheinung, als wandelnder Brechreiz eine Quelle für Magengeschwüre, versuchte anfänglich, sich alles und jedes aus der Küche des Schönheitssalons zu erschnorren. Wie viel sie erhielt und was sie als Diebesgut mitgehen liess, weiss ich nicht. Mowgli vermisst jedenfalls sein Schweizer Taschenmesser.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als das Weib mit lauter Stimme unhöflich mehrmals hinaus zu komplimentieren. Sie schloss keine Türen. Mückengitter kannte sie nicht. Für sämtliche Strassenköter öffnete sie Wege in Häuser und Gärten.
Sie betatschte mit ihren schmalzig schmierigen Fingern alles. Ihre Spuren verzierten Möbel, Glas, Stahl und Fliesen. Dazu hinterliess sie einen einzigartigen Duft, eine perfide Mischung aus Schweiss, ranzigem Fett und Knoblauch.
Trotzdem verdiente das Pärchen respektable fünfundzwanzigtausend Baht im Monat. Dennoch standen ihre Söhne fast täglich hungrig vor unseren Türen. Entweder kochte sie nicht, oder ihr Frass war ungeniessbar.

Sie lebten zwei Häuser entfernt vom Wurzel-Schnitzer. (*) Nach einigen Monaten bezahlten sie ihre Miete von zweitausendfünfhundert Baht nicht mehr. Als der Hausbesitzer die renitente Bande hinausschmiss, zogen sie hemmungslos und ohne lange zu bitten in die Wohnung des Nachbars, dem Holzbearbeiter und dessen Partnerin. Dem hochanständigen Mann fehlte die Entschlossenheit, seinen Onkel und dessen ordinäres Weib wegzuweisen.
Und sie breiteten sich aus! Kleider, schmutzig und gewaschen, lagen in buntem Durcheinander in sämtlichen Räumen. Die Wohnung wurde durch zweiunddreissig Paar Damenschuhe aufgewertet. Putzen und reinigen waren Fremdworte für die frechen Eindringlinge.
Langsam zeigte sich, wo der eigentlich gute Verdienst hinwanderte. Die Alte gurgelte täglich mindestens drei Flaschen Bier. Übriges Geld wurde gedankenlos verspielt.

Dreck und Gestank wurden für den Holzschnitzer samt Partnerin unzumutbar. Er bezahlte die Miete ohne zu murren weiter. Beide zogen in das Haus seiner Schwester.
Um zu sparen, hegte das bierselige Mütterlein die Absicht, den älteren Sohn bereits nach vier Jahren aus der Schule zu nehmen. Bargeld wurde rar, dafür existiert ein Schuldenberg in unbekannter Höhe.
Die Lösung dieser Probleme ist einfach. Die Frau flüchtet auf die Farm der alten und kranken, angeblich pflegebedürftigen Eltern. Dort wird sie nicht nur glücklich weiter saufen, sondern unbeaufsichtigt neue Spiel-Schulden anhäufen.

Agatha Christie lässt grüssen. Unter Umständen hat die Frau als Gastgeschenk für die Eltern im Reise-Gepäck eine Dose Rattengift. Vielleicht ersticken die Alten vorher am Gestank.

Oratio Dominica

Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς•
Ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου•
ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου•
γενηθήτω τὸ θέλημά σου,
ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς•
Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον•
καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν,
ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν•
καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν,
ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ.

Den griechischen Text gesprochen:
(t) http://www.youtube.com/watch?v=20VvPaD8nas
Im Gedenken: Byzantinische Musik
(m) http://www.youtube.com/watch?v=RwFYUJb03d0
(*) http://wp.me/p2ljyL-VP

Vordergründige Hinterlist

Zwei üble Ereignisse trafen mich hart.
PACIFIC HEALTHCARE THAILAND kassierte 25‘000 Baht, ohne die überlebenswichtige Ware zu liefern. Telefonverbindungen existierten nicht mehr. Mails wurden nicht beantwortet. Die Firma ist Generalvertreter von COLOPLAST in Thailand!
Ein Brandanschlag auf die zentrale Schalteinheit des Internet-Anbieters im Dorf verhinderte während Tagen meine verzweifelte Suche nach Ersatzlieferanten!

Nächste Woche ist Songkran, Thai-Neujahr. Da werden ausser Wasser werfen keine Geschäfte abgewickelt.
Nach erfolgreicher Intervention aus HONGKONG, danke Lynette, erhielt ich die Lieferung vor Songkran doch noch.

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Die Geschichte des Mädchens berührte mehrere Leser(innen). Ein guter Freund meinte:
das einleitende Zitat mag passender sein, wenn wieder von Mord und Totschlag die Rede ist.
Nein, die Grundübel dieser Gesellschaft sind Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt. Diese Lebensauffassungen sind weit verbreitet. Wir erleben sie täglich, in den Familien, auf Strassen, beim Betreten von Personenaufzügen, beim Drängeln an Kassen, bei gemeinen Diebstählen und idiotischen Verbrechen.

Dass im gleichen Haushalt zwei Frauen nicht kochen können, dürfte eher eine Ausnahme sein. Manche Mädchen können nach zehn Schuljahren kaum schreiben oder lesen. Die Möglichkeit, während der Schulzeit geschwängert zu werden, dürfte weit höher liegen als ein kühner Griff zum Griffel zwecks Kommunikation. Aber ein Süppchen oder Eier zu garen, dürfte den meisten Weiblein vertraut sein, wenn die Sauberkeit der Töpfe keine Rolle spielt. Wie man Reiskocher benutzt, weiss fast jedes Kind. Reis in einer üblichen Pfanne zu kochen, gilt als unmöglich.

Mowgli brodelt seit einigen Jahren selbst. Er hat sichere Gefühle für Masse und Gewichte und benutzt aus Faulheit keinerlei Messgeräte, weder für Mengen noch für Zeit. Das führt dann zu Speisen im Stil von Loriots Frühstücks Ei. (1) Fisch ist nach dreiviertel Stunden hart wie Backstein, dafür bleibt sein Schweinemagen pikant saignant. (2)

Mein Englisch-Unterricht war seit Jahren eine reine Alibi Funktion für das Mädchen, damit sie ihre Mutter inklusive Horden hormon- und trieb-gesteuerte Hausfreunde in Phitsanulok in den Ferien nicht besuchen muss. Die Schulferien dauern von Mitte März bis Anfangs Juni.
Mütterchen trickste ihre Tochter aus und simulierte einige Tage augenverdrehend röchelnd im Spital! Leibesfrüchtchen musste die Nibbana-Kandidatin besuchen. Mehrere Geschwister, keines vom gleichen Vater, hätten die leidende Mutter durch ihre Anwesenheit aufmuntern und erquicken können. Aber die lange Reise bewirkte den Unterschied. Noch am Tage des Besuchs vollbrachte Jesus persönlich ein neues Osterwunder und die Todgeweihte hüpfte, zumindest Red Bull verleiht Flügel, fröhlich nach Hause.

Ferien: Geldgierige Lehrkräfte veranstalten Sommerkurse gegen Entgelt. Die Kinder lassen sich jeden Tag in den Schulen volllabern, ohne das Geringste zu lernen. Weil sie tagelang für teures Geld herumsitzen, sind sie danach zum effektiven Lernen zu müde. Nutzbringenden Gratis-Unterricht wimmelt man erfahrungsgemäss trickreich ab.
Lehrreich wäre, wenn die Jugendlichen sich für einige Wochen mit sich selbst beschäftigen und anstelle von programmierter Elektronik ein Buch in die Hände nehmen würden. Es gibt sie, Welt-Literatur, für junge Menschen in Thai. Für Mowgli kaufte ich von Antoine de Saint-Exupéry ‘Der kleine Prinz’. Als Comic hätte er es an guten Tagen verstehen können. (3)

Vergleichend stelle ich fest: Während meiner Jugend waren Ferien wertvolles Freizeitvergnügen. Wir sassen nicht denkbefreit tagelang vor Fernsehern und Smartphones. Wir verschlangen Bücher und pflegten Steckenpferde. Ich staute versteckt an einem Rinnsal einen Teich von annähernd zweihundert Litern Inhalt. Darin lebten Fische, Frösche, Käfer, Krebse, Kröten und Molche. Es gab Eidechsen und Feuersalamander. An heissen Tagen kühlten Wanderer Bier im glasklaren Wasser. Ich kannte Flora und Fauna vom Aaretal bis in die Voralpen. Meine Schätze waren in Herbarien gesammelt. Nur nach Osterhasen suchten selbst Experten vergeblich.
Hier werden sämtliche Lebewesen kaltblütig und gedankenlos abgeschlachtet. Vierbeiner, ausgenommen Hunde und Elefanten, sind ausnahmslos Ratten.

Ich erwähnte die Schwierigkeiten, englische Texte zu verstehen. Weil die Kinder kaum lesen, verstehen sie Thai-Texte ebenfalls nicht. Das ändert sich bis an das Ende der obligatorischen Zeitverschwendung nicht. Die Dörfer benutzen deshalb als Informationssysteme Lautsprecher.
Chaplins Stummfilme haben in Thailand eine Tonspur. Da wird erklärt, was lustig ist und wann man lacht. Amerikanische Seifen-Opern, das Schulsystem für die schweigende Mehrheit ist ähnlich ungenügend wie in Thailand, haben eingeblendete Lach-Sequenzen.

Als Trost mailte einer aus der Ferne: Im Dorf können doch nicht nur schlechte und dumme Menschen wohnen! Darauf werde ich mit Freude antworten und zeigen, wie eigene Kinder und die restliche Familie ganz nebensächlich dem Götzen Egoismus geopfert werden.

(1) http://www.youtube.com/watch?v=bHR_aU1TKZ8
(2) http://www.lebensmittellexikon.de/s0002700.php
(3) http://kleineprinz.com/

Tränendes Mandel-Auge im Land des Lächelns

Es gibt realistisch-pessimistische Aussagen, welche über den Welt-Religionen stehen. Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski * schrieb 1899 seinem Freund Robert Cunninghame Graham:
„Der Mensch ist ein bösartiges Tier. Seine Bösartigkeit muss organisiert werden. Das Verbrechen ist eine notwendige Bedingung der organisierten Existenz. Die Gesellschaft ist ihrem Wesen nach kriminell, sonst würde sie nicht existieren. Der Egoismus rettet alles – absolut alles –, was wir hassen, was wir lieben.“

Solche und ähnliche bittere Erfahrungen waren im Dorf in den Reisfeldern plötzlich alltäglich. Vorher lebte ich glücklicherweise in einem Wahn streng begrenzten wissenschaftlichen Fortschritts, der meine Gedankenwelt – ähnlich wie Religionen und Opium, vernebelte und schützte.
Aber ich blieb meinen tief verwurzelten Ideologien treu und arbeitete in globaler gratis Wissensvermittlung: Algebra, Technologien und Fremdsprachen. Begrenzte Lernfreude und Fähigkeiten der Schüler bremsten meinen Enthusiasmus. Bald bemerkte ich, alles was kostenlos ist, ist in Lan Na Land nichts wert, seien es Geschenke wie Bücher, Kameras, Radios, Telefone, Uhren oder Unterricht. Je teurer, desto besser. Ich gab die hoffnungslose Zeitverschwendung auf und widmete mich weit sinnvolleren Tätigkeiten wie Steintischphilosophien, Foren! oder Blogs!! LOL

Gelegentlich liess ich mich überreden, wieder zu unterrichten: „Sie ist eine gute und fleissige Schülerin, aber müsste dringend Konversation üben. Sie würde auch regelmässig und pünktlich erscheinen.“ Mein Hirn registrierte: regelmässig unpünktlich – und hatte recht. Weil ich durch extraordinäre Erfahrungen vorsichtiger wurde, unterrichtete ich lernwillige Frauen nur mit Begleitung.

Wir lasen Zeitungen. Ich erklärte die gelesenen Sätze; den Sinn aneinander gehängter Worte. Obwohl sie fliessend lesen konnten, verstanden die Jungen meist nichts. Darauf durften die Schüler eigene, kurze Erlebnisse schildern. Das überforderte sie bereits. Ich machte es noch einfacher.
„Schreibe wie du eine Suppe kochst“, bat ich die fast fünfzehn Jahre junge Dame.
„Ich kann nicht kochen“, antwortete sie.
„Dann schreibe wie deine Mutter Suppe kochte!“ Mutter benutzte Ka-nor Würfel und Wasser.
ka nor Ein Problem der Schülerin ist, sie lebt bei ihrem Vater. Sie flüchtete wenige Jahre zuvor, als ein neuer Freund der Mutter sie als zweites Objekt seiner Begierden missbrauchen wollte.
Die gegenwärtige Partnerin des Vaters ist etwa zehn Jahre älter. Sie stammt aus einer reichen chinesischen Familie. Dort wirkten Scharen von Dienstboten fürs Kochen, Waschen, Bügeln, allgemeine Hausarbeiten und als Gärtner im Park.
Die junge Frau studiert standesgemäss an der Universität. Sie war zur Ausbildung in Amerika und spricht fliessend Englisch. Für Anliegen des Mädchens hat sie keine Zeit. Kochen kann sie nicht. Um nicht zu verhungern, benutzt sie ihr iPhone. Nummern von KFC, MacD‘s und Pizza Kurier sind gespeichert. Fürs Waschen und Bügeln telefoniert sie ebenfalls. Die Schülerin, wenig Taschengeld, Baht sind Mangelware, besorgt ihre Wäsche selbst. Sie lebt am Tropf, während die Herrin des Hauses Überfluss geniesst. (Siehe Gebrüder Grimm, Aschenputtel)
Anstatt ihrem Herrn Sohn die Rübe zu stutzen, fing Dick an, Aschenputtel mit Kopfkissen, Matratze und so weiter zu unterstützen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Weil selbständiges Denken und Schreiben die Jugendlichen überforderte, lasen wir und betrieben eifrig Konversation. Beim Lesen fiel mir auf, meine Schülerin benutzte Thai-Englisch. In Thai wird L als N ausgesprochen. ‘Beautiful school girl’ mutiert zu ‘buitifun scun gön’. In einem einzigen dreisten Satz waren drei Endungen mit L. Ich liess die Leserin anhalten, las die Worte langsam und bat sie, den Satz zu wiederholen.
Nach der dritten Unterbrechung, öffnete der Herr des Universums und der Schönen die Schleusen zwecks Sintflut. Ich gab mich geschlagen und beendete den Unterricht.

Am Abend, beim gemütlichen biologischen Kokosdrink aus der eigenen Plantage – mit Rum, erzählte ich Dick von abgebrochenen Koch- und Schulstunden und meinte:
„Sie kommt nicht wieder!“
Spät nachts, nach diversen Hausbesuchen, sagte mir Dick: „Sie möchte lernen und kommt morgen pünktlich.“

Um zwei Uhr wartete ich vergeblich auf Schüler. Gegen halb drei kam eine junge Frau. Die Haare waren wunderbar gepflegt, Aufwand mindestens zwei Stunden. Das Gesicht war mit ausgiebig Schminke künstlerisch zugekleistert. Wollte sie mich in die Peking Oper einladen?
Erst an der Stimme erkannte ich meine Besucherin – draussen vor der Tür. Sie stammelte: „Heute habe ich viel zu tun, Hausarbeiten, Wäsche waschen, danach bügeln. Leider kann ich nicht zum Unterricht kommen und danach erst nächstes Wochenende wieder. Aber ich würde gerne Hausaufgaben machen.“
„Dinge wie Konversation und Vorlesen sind als Hausarbeiten schlecht möglich“, erwiderte ein herzloser, alter Farang. „Der Unterricht ist für mich damit zu Ende. Dschogg dee khrap!“

* Joseph Conrad

Reisewege nach Singapur

An einem trüben, nasskalten Wintertag Ende 1949, stand Professor Parkinson mit Schirm, Koffer und Melone in Londons Nebel auf der Strasse. Er war unterwegs nach Singapur, in die berühmte Raffles Universität. Ob er als Marinehistoriker eine mehrwöchige Seereise durch den Sues-Kanal nach Britisch-Malaya unternehmen durfte, oder ob er sich die Seekrankheit in wenigen Tagen in der Luft holte, ist mir nicht bekannt.
Ich weiss nur, wie er nicht reiste: mit dem Fahrrad.
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Ein junger Angestellter der schweizerischen diplomatischen Vertretung in Singapur trat seine Stelle in den 1960er Jahren per Fahrrad an. Er reiste über die Türkei, Pakistan und Indien in sechs Monaten, teils pedalend, von Zürich nach Löwenstadt. Für angehende Diplomaten ist Radfahren eine inspirierende Quelle. Gut schmieren, nach oben buckeln, nach unten treten!
Derzeitige Radler von Europa nach Südostasien verfassten bereits mehrere Berichte. (1)

Im Gegensatz zu heute war der Flugverkehr in den frühen 1950 er Jahren nicht sehr populär. Flugzeuge wurden von Propellern angetrieben. Druckkabinen waren rar. Flugreisen waren laut und wetterbedingt holprig. Häufige Zwischenlandungen zwecks Tanken verlängerten die Reisen. Fliegen war teuer. Nicht jeder konnte sich das verlockende Vergnügen leisten.
Wer das nötige Kleingeld hatte, buchte einen Sitzplatz bei BOAC. (2) Der Flugplan vom August 1952 nach Australien mit BA 704 und einer Maschine des Typs Canadair Argonaut, zeigte: (3)

London 0930 Day 1
Zurich 1200/1300
Beirut 2130
….Nightstop
Beirut 0945 Day 2
Karachi 2030/2300
Calcutta 0530/0645 Day 3
Singapore 1545
….Nightstop
Singapore 0800 Day 4
Jakarta 1030/1130
Darwin 2000/2245
Sydney 0700 Day 5 BOAC_C-4_Argonaut_Heathrow_1954 Der Landeplatz war Singapur-Kallang. (4) Der 1937 eröffnete Flughafen war eine Augenweide. Er bot beides, lange Piste für rollende Maschinen und Ankerplätze für Flugboote. Ein einziges, geniales Abfertigungsgebäude diente dem gesamten Luftverkehr. Ab 1955 wurde Kallang durch den internationalen Flughafen Paya Lebar ersetzt.
Die Alternative: BA 780

London 2130 Tu
Rome 0150/0250 We
Cairo 0930/1030 We
Basra 1600/1700 We
Karachi 0035/0235 Th
Delhi 0650/0750 Th
Calcutta 1140/1240 Th
Rangoon 1645 Th
…. nightstop
Rangoon 0800 Fr
Bangkok 1025/1125 Fr
Singapore 1600 Fr

1953 führte BOAC am 3. April Verbindungen mit einem vielversprechenden Jet namens Comet nach Tokio ein. Die Reisezeit verkürzte sich damit von 86 auf 33 Stunden. Das Unternehmen blieb von schweren Rückschlägen nicht verschont. 1954 explodierten am 10. Januar und am 8. April zwei COMET Jets in der Luft. Minutiöse Untersuchungen zeigten Materialermüdung an den Tragflächen. Die Comet Flotte blieb nach den Unfällen am Boden.

1959 nahmen Queensland and Northern Territory Aerial Services, QANTAS, den neuen Boeing Jet 707 in Betrieb. Diese Maschine war schneller als alles, beförderte mehr Passagiere und flog über turbulentem Wetter. Qantas wurde bereits am 16. November 1920 in Winton, Queensland von Paul McGinness, Hudson Fysh, Fergus McMaster und Arthur Baird, gegründet. (5) 2013 feierte Qantas den Beginn der Flugbootverbindungen
mit Singapur vor 75 Jahren.

Seitdem wurde der Luftverkehr nur noch schneller, komfortabler und preisgünstiger. Es gibt selbst-kasteiende Reisende mit fast pseudoreligiösem Hintergrund. Anstelle eines komfortablen Nonstop-Fluges, oder arschaufreibenden Tretens auf einem Sattel, suchen die Herrschaften geistige Selbstverstümmelung. Ihre Warterei ist Heldentum. Sie sind ahnungslos, dass vor Jahrzenten eine Flugreise nach Singapur annähernd eine Woche dauerte.
Wir alle leiden natürlich mit den plattfüssigen Schreiberlingen und unterbelichteten Verfassern von Reiseblogs. Sie fliegen unter dem Motto, Geiz ist grausam, über die Emirate. Pro eingesparten Euro gibt es eine Stunde Aufenthalt. Diese Zeit wird dazu benutzt, exotisch arabische Speisen wie Hamburger und amerikanische Pizza zu verschlingen. Die unter Strapazen schmachtenden, von Verstopfungen geplagten Wesen werden danach in den diversen Metropolen Hinterindiens abgesetzt. Nach Erholungsphasen von einigen Wochen starten sie ihre ganz individuellen Abenteuer gemäss Standard-Reiseführer. Den Rest dürfen sie in hunderten sich ähnelnden Blogs nachlesen.
„Unsere Reise geht so schnell und dauert gleichzeitig so lang, daß ich gar nicht mehr weiß, worüber ich berichten soll.“ (t)

(1) http://www.trittumtritt.com/2013/03/schweiz-singapur-17509-km-per-velo-wir.html
(1) http://uni.de/redaktion/Mit+dem+Rad+nach+Singapur
(2) http://en.wikipedia.org/wiki/British_Overseas_Airways_Corporation
(2) http://www.britishairways.com/travel/history-1950-1959/public/en_gb#
(2) http://forum.keypublishing.com/showthread.php?107572-1950-s-Archive-Part-11-BOAC
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Canadair_North_Star
(4) http://en.wikipedia.org/wiki/Kallang_Airport
(5) http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Qantas
(5) http://www.qantas.com.au/travel/airlines/history-jet-age/global/en
(t) http://wp.me/p2ljyL-1jO
(flugrevue) http://www.flugrevue.de/zivilluftfahrt/airlines/qantas-feiert-den-beginn-der-flugbootverbindung-nach-singapur-vor-75-jahren/518740
Filme:
(f) http://www.youtube.com/watch?v=WHU6X29z-xw BOAC promo film
(f) http://www.youtube.com/watch?v=6H2ol6SY3Ts Flying boats document
(f) http://www.youtube.com/watch?v=lIcltyMwJRg Flugboot Sunderland

Vergebliches Warten: Illusion Gerechtigkeit

Gibt es exakte Medizin? Ich erlebte sie am Institut für Pathologie. Ärzte, Präparatoren und Studenten sezierten Leichen, bis unerkannte, ungewisse Todesursachen ans grelle Tageslicht gerieten. Für die Feinuntersuchungen an Gewebe und Zellen fertigten Scharen von Histologie- und Zytologie-Laborantinnen Gewebeschnitte an. (1, 2)
Als Techniker begrüsste ich auf meinem Weg zum Elektronenmikroskop die wartenden, stummen, von irdischen Leiden erlösten Körper, nachdem die charmante, französisch sprechende, blonde Laborantin meldete:
„Bonjour Monsieur Low, isch ‘abe Vakuum eingefüllt. Sie dürfen anfangen“.
In Kaffeepausen brachten mir freundliche Spezialisten Raucherlungen, Leberzirrhosen und andere kranke Organe zwecks moralischer Erbauung oder als Reaktionstest für Magennerven. Diese pathologischen Kostbarkeiten dufteten nicht immer nach holden Frühlingsdüften oder Veilchen.
Als Ausgleich begoss Blondie meinen Pausenapfel mit Tritium. Sie beichtete den Unfall mit dem radioaktiven Tracer, nachdem ich den Apfel verzehrt hatte. (3)

Vor ungefähr einer Woche ging Dick vor dem Abendessen zum Gästehaus, um Pflanzen zu giessen und Kokosnüsse als Aperitif-Getränk zu ernten. Weil ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte, bat ich sie, sich zu beeilen und nicht mit sämtlichen Leuten unterwegs zu quatschen.
Wieder dauerte es unglaublich lange, bis sie zurückkam. Vielleicht enthielten die Nüsse zu wenig Flüssigkeit und sie musste sich gedulden, bis die Palme auf Klopfzeichen den Saft eingetröpfelt hatte.
Unterwegs zur Arbeit sah sie an einem Steintisch zwei ältere Typen. Auf dem Tisch stand eine Pulle Schnaps, Sang Som.
Kürzlich wurden aus Gründen des Gesundheits-Schutzes die Preise für alkoholische Getränke erhöht. Wein wird mit gegen vierhundert Prozent Gebühren besteuert. Nur die wirklichen Grundübel, Fusel, blieben praktisch abgabefrei. Die Flasche Sang Som, vierzig prozentiger ‘Special Rum‘, gibt es für 260 Baht. Campari muss besonders schädlich sein. Er hat nur 25 Prozent Alkohol, wird üblicherweise mit Soda-Wasser verdünnt, kostet aber mittlerweile einen Tausender. (4) SangSom1 Dick goss schnell, pflückte Nüsse und spazierte zurück. Am Steintisch lagen die zwei alten Säufer am Boden. Sie verdrehten die Augäpfel seltsam. Ihre Finger verkrampften und verkrallten sich. Sie bissen sich in ihre Zungen. Dick wurde von hysterischen Weibern um Hilfe gebeten. Sie erinnerte sich an meine KAOS-Theorie: ‘Keep Aut Of Shit‘ und erklärte: “Ich bin kein Arzt, bringt die Männer ins Spital, aber jetzt und schnell.“
Dann wurde umständlich diskutiert und beraten, wer, wann, mit welchem Wagen, welches Spital, … . Dick griff ein und liess die Leute endlich aktiv werden. Die beiden Herren schafften den Weg ins Spital. Ein erfahrener Arzt kannte die Symptome: Vergiftung. Am nächsten Tag durften beide geretteten Patienten bereits wieder nach Hause.

Warum benachrichtigte der Arzt die Polizei nicht? Die Lieferantin des “Special Rum“ war bereits dreifache Witwe. Ihre Ehemänner starben an ähnlichen Erscheinungen. ‘Hinterindien‘ berichtete darüber.

Ich erinnerte mich an einen erfahrenen Präparator der Pathologie. Wenn ein zweifelhafter Befund, wie beispielsweise eine bekannte Verfärbung eines Magens vorlag, verständigte er unverzüglich die Polizei und sandte verdächtige Objekte an die Gerichtsmediziner. Giftmischer(innen) waren damals chancenlos.

Thailändisches Verhalten ist für westliche Empfindungen oft unverständlich.
In Thanyaburi, Pathum Thani, erschoss am 9. März ein habgieriger 19 Jähriger seine Angehörigen, Vater, Mutter und seinen Bruder. Gegen eine Kaution von 500‘000 Baht liess ihn das Gericht laufen!
Freund Pheneas schrieb dazu: (5)
„Ich glaube inzwischen eher an die Jungfräulichkeit eines Bar-Girls, als an die Gerechtigkeit der thailändischen Justiz!“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Histologie
(2) http://flexikon.doccheck.com/de/Zytologie
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Tritium
(4) https://www.youtube.com/watch?v=cl9DJNdteGo
(5) http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2014/03/19/vorsicht-freilaufende-morder/