Sternstunden

Es gibt schwere Sekunden im Leben. Sie zerstören sämtliche Glücksgefühle. Das ganze Wohlbefinden landet in einem stinkigen Abfalleimer. Der Kopf ist wirr. Der Magen weist jegliche Nahrung zurück. Man sucht verzweifelt einen Strick und einen starken Haken.
Wenige Stunden später spendet ein banales Email Balsam fürs Herz und Desinfektionslösung zur allgemeinen Wundbehandlung.

Vor einigen Jahren brachte ich einem Freund in Singapur zwei Bändchen der „Geschichten aus Hinterindien“. Das Taschenbuch behielt er. Die gebundene Ausgabe schenkte er als ehemaliger Mitarbeiter der Nationalbibliothek.
Heute erhielt ich eine Bestätigung:
We acknowledge receipt of the following publication(s), which were sent to us as gifts.
1 copy of Geschichten aus Hinterindien
They will be a useful addition to our collection.

Nach Singapur machte ich als ehemaliger Berner – Schüler, Mitarbeiter an der Universität und Steuerzahler einen Besuch in der Stadt- und Universitätsbibliothek an der Münstergasse.
Die waren mit einem Umbau beschäftigt. Ich erinnere mich, dass ich Mühe hatte, einen Eingang zu finden. Dennoch gelang es mir, die „Geschichten aus Hinterindien“ einer Bibliothekarin in die Hand zu legen.
Wenige Monate später erhielt ich den Bescheid, das Buch entspreche nicht den strengen Bedingungen, um in die Sammlung aufgenommen werden zu können. Seither versuchte ich vergeblich, die Qualität der Inhalte und der Schrift-Sprache zu verbessern.
Die Taschenbuchausgaben fanden ihren Weg hauptsächlich als Literatur in gehobenere Bedürfnisanstalten zwecks Förderung der Press-Freiheit. Seit Anbeginn hatte ich die Idee, den Text direkt auf Rollen zu drucken.

http://www.ub.unibe.ch/content/index_ger.html
http://www.nlb.gov.sg/

Heisse Eiszeit in PhonPhat

Keiner hätte erwartet, meine Ablehnung einer bescheidenen Spende von 150‘000 Baht für eine junge, reiselustige Frau, würde unser fast langweilig beschauliches Leben wesentlich beeinflussen.
Dick und ihre erwachsenen Kinder liefern Gesprächsstoff im Dorf. Sie arbeiten alle. Sie fahren nicht nur Mopeds. Jeder Haushalt hat zusätzlich einen anständigen Mittelklasse-Wagen. Woher stammt all das viele Geld? Nur die Mutter benutzt neuerdings wegen eines typisch ausländischen Geizhalses eine billige Karre mit einem zwölfhundert Kubikzentimeter Motörchen. Bei Bedarf funktionieren sogar die Scheibenwischer.

Einer der Bengel passt all den Tratsch-Tanten und geistlosen Dorf-Weibern nicht ins Lan Na Konzept. Der Kerl ist bleich und geht seit Monaten keiner regelmässigen Arbeit nach…. Der Holzschnitzer. Noch schlimmer, an eindeutigen sexuellen Angeboten zeigt er absolute Interesselosigkeit. Als Künstler schluckt er für Phantasien und neue Ideen offenbar Drogen. Sein Hirn ist benebelt. Die Banane unerregbar, ausgenommen fürs Pinkeln. Er ist total abhängig.
Sein schönes, armes Weib sorgt für ein regelmässiges Einkommen, während man ihn im Dorf kaum noch sieht. Er trinkt nicht einmal Bier oder Schnaps in geselligen Runden. Seit langem kaufte er kein Chang im Tante Emma Laden. Das ganze schöne Geld weg, nur für Drogen….
Verschiedentlich sprach man Dick besorgt an und forderte die unaufmerksame Frau und Mutter auf, die Untaten des Sohnes und seinen Drogenkonsum zu beenden. Neulich tuschelten die Tanten, Fahnder in Zivil würden Sohn und Tochter, sie fliegt zu oft, wegen Drogen-Handels und Konsum beobachten. Die Gesetzes-Hüter hätten sich wichtige, wesentliche Informationen der Dorf-Bewohner beschafft.

Der Mann hatte Pech. Er kam vor Jahren zur Behandlung eines Leistenbruchs nach Chiang Mai. Die Chirurgen untersuchten vorbildlich. Sie vollzogen den Eingriff und fixierten wie meist üblich, zusätzlich ein Netz. Die Ärzte rieten dem Patienten, trotz der erfolgreichen Operation zur Vorsicht. Wann immer er als junger, kräftiger Mann aufgefordert wurde, schwere Lasten anzuheben, gab er sein Leiden preis und hielt sich zurück.
Vor einigen Monaten packte er einmal zu. Es genügte. Entweder holte er sich einen neuen Bruch, oder der reparierte Teil wurde beschädigt. Diesmal blieb er länger im Krankenhaus. Die Heilung benötigte mehr Zeit. Er fand eine Tätigkeit, die er im Haus ausführen kann.
Als vor kurzem die ersten ergiebigen Regenschauer fielen, drohte der überfliessende Kanal, die Garten-Mauer ohne Fundament zu beschädigen. Er überlegte nicht lange, stieg ins strömende Dreckwasser und rettete das Bauwerk.
Einige Tage später hatte er Fieber und zusätzlich Blut im Urin. Er holte sich im Wasser Würmer oder Bakterien, die seine Nieren angriffen. Im Provinzspital verordnete ein freundlicher Arzt ohne bakteriologische Abklärung Antibiotika. Es half nicht. Gegenwärtig ist er in Behandlung in einem Privatspital mit den erforderlichen Laboratorien.

Es war bereits dunkel, als Dick für unseren Aperitif im Garten des Hauses am Kanal – mit Reisfeld – frische Kokosnüsse holen wollte. Am ehemaligen Kinderspielplatz, jetzt Kehrichtdeponie, sah sie mehrere Dienstfahrzeuge der Polizei aus Chiang Mai, nicht aus Hang Dong. Sie gelangte zum Haus, wo gegenwärtig der Sohn wohnt und wunderte sich, denn das Gebäude war von einem guten Dutzend grimmiger Beamter umstellt.
Dick fragte die Beamten, was sie wollten.
„Hausdurchsuchung.“
„Haben sie einen Durchsuchungsbefehl? Ohne Vollmacht gibt es keine Durchsuchung!“
Dick war einst Hilfskraft einer Anwältin und Freundin. Diese resolute Dame geniesst gegenwärtig unfreiwillig Unterkunft und Verpflegung der erlauchten Regierung.
Die Beamten gaben nach, verlangten jedoch vom Bewohner eine Urinprobe. Strahlend pinkelte der gerettete Sohn ins Fläschchen. Dick selbst brachte den Urin mit uniformierter Begleitung im Polizeiwagen mit Leuchtbalken ins Spital.
Der Patient und dessen Urin waren im Krankenhaus bekannt. Der Befund auf Drogen war negativ. Der Arzt erklärte, der Patient sei leider immer noch krank, die Leukozyten seien noch vorhanden.
Der Offizier stammelte zerknirscht: „Kathod khrap.“2003AussichtReisfeld
Zurück am Haus sammelten die wartenden Polizeibeamten im Garten fleissig Mango. Einer meinte anerkennend:
„Sie haben viele schöne Früchte.“
Dick kassierte innerlich wütend, doch lächelnd, pickelhart den Siegerpreis, ihre Früchte von den erfolglosen Polizisten ein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Leistenbruch
https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2015/08/24/warum-sind-thailands-gesellschaft-und-menschenrechte-inkompatibel

Unaufrichtige Menschen und falsche Ansichten

Zwei heisse Themen beschäftigen mich seit mehreren Wochen. Sie verlangen entsprechende Vorsicht. Darum benötige ich mehr Zeit als üblich.
In alten Geschichten wühlend, wählte ich eine der Erstbesten aus. Es ist nicht lange her – März 2012. Ich korrigierte wenig, vor allem den Titel.
Was veränderte sich in den dreieinhalb Jahren? Wurde die Welt oder Hinterindien besser? Nein, meine Arm- und Hand-Gelenke alterten, wurden schmerzhaft und zeitweise fast unbenutzbar.

Es gelang mir mathematisch und im realen Leben schlecht, die Sanukfaktoren -Triebhaftigkeit, Gier, Unfälle, Verbrechen – der einheimischem Bevölkerung und der lustbetont Zugereisten mit meinen primitiven Vorstellungen eines geruhsamen Lebensabends zu verknüpfen.
Warum stolpere nur ich immer wieder über nichtlineare Ereignisse? Ich hatte Bekannte, deren Leben war mit Skat, Golf, Kegeln, Kino und Bierabenden dermassen angereichert, dass sie weder buddhistische Feiertage kannten, noch bemerkten, wie ihre angetrauten Peinlichkeiten sich täglich anderweitig begatten liessen und sie die Schmarotzer gar mitfinanzierten.
Sie hatten scharenweise erfolgreiche Freunde, mit Villen für zig Millionen und zwanzig Badezimmern. Keine Bibliotheken. Die palmengesäumten Wege zu den Palästen waren mit Nobelkarossen aus Deutschland und England überstellt. Die studierenden Sprösslinge bevorzugten italienische Sportschlitten mit absolut unaussprechbaren Namen, wie Alko Romeo oder Bucatini alla matriciana. Wir brüskierten diese Menschen, wenn wir Einladungen zu Glamour-Parties und Fress-Orgien per Drahtesel, immerhin Tesco De Luxe, folge leisteten.
Ich lebe in einem bescheidenen Haus mit bloss zwei Türen in einem Armenviertel ohne uniformierte Bewacher. Draussen vor der Tür stehen ein alter Toyota und ein rost-roter Flitzer von Yamaha. Trotzdem wurden bei dringenden Verbindlichkeiten, das heisst tieffliegendem Pleitegeier über nähere Zu- und Unterkunft, nicht die Multimilliardäre, sondern ich angepumpt.

Andere Langnasen pedalten in frischer Morgenluft und sahen überall fröhliche Kinder. Fromme Mönche sammelten indessen reihenweise Essen und Geschenke. Die Radler fuhren auf sauberen, frisch geteerten Wegen. Wenn ich dieselben Strassen benutzte, wich ich Schlaglöchern aus. Abfälle garnierten Fahrbahn und Ränder. Fäkalien in verschiedenen Formen und Reifestadien zählte ich nicht. Für mich verblieben in frisch gebügelten Uniformen übermüdete, schläfrige, gähnende, auf einen Schulbus wartenden Knirpse.
Mönchen und Nonnen begegnete ich im Makro, wie sie sich anstelle stiller Meditation an den Regalen selbst bedienten. Die Novizen dagegen studierten an Ständen Hehlerware für ihre Bildschirme. Sie suchten kaum nach heiligen Pali Tripitaka Texten und verliessen dann die Händler höchst zufrieden mit mir unbekannten religiösen Titeln wie: Assassins creed, Final Fantasy, Inglourious Basterds und ‘The Cabin in the Woods’.

Eine werdende Mutter ist knapp 14. Es bestehen keine bürokratische Verfahren, noch irgendwelche Meldepflichten. (1) Als Regel gilt lediglich, sobald die Schwangerschaft einer Schülerin erkennbar ist, sollte sie den Unterricht nicht mehr besuchen. Es könnte ja etwas hängenbleiben. Schlimmer: Kolleginnen zum Nachahmen animieren. Teilweise dürfte die Unterscheidung junger Schwergewichte Rätsel aufgeben. Ich verwechselte in meiner Naivität fettleibige Schnellimbissposturen mit Fertilität!
Ausländische Tagträumer und Nachtbuben werden streng bestraft, wenn sie ahnungslos eine 16 jährige mehrfache Mutter als Minderjährige verführen!
Der feine Unterschied für Gäste besteht also nicht nur bei Eintrittspreisen in Museen und Nationalparks.

(1) http://www.taeglicher-wahnsinn-thailand.de/2015/08/gefahrdete-bestrafen.html

Die alten Säcke sind nicht auszurotten

In Indien starben vor einigen Jahren massenhaft heilige Kühe. Untersuchungen zeigten, die Tiere frassen nicht nur unbezahlte Blumen und klauten unbehelligt Gemüse von den Marktständen. Sie bedienten sich ebenfalls mit gefüllten Plastiksäcken. Diese führten zu Verstopfungen in den Mägen. Die Tiere verhungerten darauf elendiglich.

In den Kantonen des Appenzeller-Landes gab es ein Männersterben. Ein fröhliches Lied, sogar Japaner singen mit, schilderte den traurigen Vorgang:
„Mein Vater ist ein Appenzeller
Er frisst den Käse samt dem Teller!“ (1)
Die Regierungen beider Appenzell verboten darauf die Teller. Der Sollbestand der Schweizer Armee war gerettet.

Die Regierung Indiens lernte aus dem Vorfall. In Indien verbot man nicht die Teller, sondern die Plastiksäcke. Der Fortbestand der heiligen Kühe war gesichert. Fladenlose Strassen gab es fortan nicht mehr. Gleichzeitig war der gute alte Papiersack saniert!Spielplatz
Trotz Kehrichtabfuhr: Ehemaliger Kinderspielplatz im Dorf am Reisfeld

Im verschmutzten Thailand – inbegriffen Strassen, Plätze und Küsten – benutzen Bewohner, es sind meist ungebildete Ausländer, durchschnittlich acht Plastiksäcke pro Tag. Was bereits in einem Beutel steckt, kriegt spätestens an der Kasse einen zusätzlichen Schutzbehälter.
Am Schlimmsten sind für mich die Käseverpackungen. Käse ist teuer. Folglich wird zum Verpacken besonders dicke Folie benutzt. Sie wird anschliessend verschweisst. Zusätzlich halten auf hundert Gramm Käse drei Meter Klebeband die Verpackung luftdicht zusammen. Während ich die viereinhalb Meter Kleber von hundertfünfzig Gramm Gruyère mit 720 Kalorien zu entfernen versuche, tropft mir durch die Delikatesse ausgelöst, der Speichel aus dem Mund, mein Beinkleid verschmutzend. Ich kenne die Leiden heiliger Kühe. Käse ist auch Kuh.

Das Umweltschutzamt, Pollution Control Departement, berechnete: Täglich fallen 7’000 Tonnen oder 7 Millionen Kilogramm Kunststoffabfälle an. Davon seien achtzig Prozent, gleich 5‘300 Tonnen Qualitätsschrott, der zum Verrotten bloss 450 Jahre benötigt. Die systemüblichen, wahrscheinlich korruptionsbedingten Rechenfehler stammen nicht von mir.

Die Militärregierung beschloss für 15 Einzelhändler eine Kampagne zur Abfallverminderung. Am 15. eines jeden Monats sollten keine Kunststoffbeutel abgegeben werden. Dagegen dürfen die guten alten Tante Emma Läden wie bisher weiter Säcklein verteilen.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=ZjR012TK0yk
(CH) https://www.youtube.com/watch?v=6V9KSoOnIo8

Dhammapadam

Dhammapadam

Yammakavagga – Die Paare
Paare
Der Geist ist der Vorläufer aller Dinge,
Geist ist ihr Schöpfer und sie entstanden daraus.
Aussagen oder Handlungen aus schlechten Gedanken
bewirken Leid,
ähnlich wie das Rad dem Huf des Ochsen folgt
der den Wagen zieht.

Phra Inthapanyo sprach in den Zungen des Volkes. Dennoch wollten ihn nur wenige verstehen.
Dem Zeitgeschehen entsprechend, schuf ich eine Strophe für Generäle. Innerlich sind sie approximativ Buddhisten, zeigen also fast Orange-Farbe – mit einem kräftigen Gelbstich.

Der Geist ist der Vorläufer aller Dinge,
Geist ist ihr Schöpfer und sie entstanden daraus.
Aussagen oder Handlungen aus schlechten Gedanken
bewirken Leid,
ähnlich wie Geschütze den Spuren der Panzer folgen,
welche die schweren Waffen ziehen.

Buddhadasa heisst Diener des Buddha. Buddhadasa Bhikkhu, sein Geburtsname war Ngueam Phanit, * 27. Mai 1906 in Phumriang, Amphoe Chaiya, Südthailand; † 25. Mai 1993 in Chaiya, war einer der einflussreichsten Theravada-Mönche des 20. Jahrhunderts.
Auf Wunsch seiner Mutter wurde er 1926 im Wat Mai in Phumriang zum Mönch ordiniert. Er bekam den Namen „Inthapanyo“, der Weise.
1928 zog er nach Bangkok. Nur dort konnte er das Studium der Schriften vertiefen. Inthapanyo hielt Bangkok zunächst für das „Land der Erwachten“, das Zentrum der Schriften und Gurus, der Gelehrten. Er wurde desillusioniert durch den Lärm und Dreck der Stadt, die überfüllten Tempel, die Korruption und die eigentlich total desinteressierten Mönche. Er kehrte in sein Heimatdorf zurück.
Mit Hilfe seines Bruders und einiger befreundeter Mönche fand er einen seit 80 Jahren verlassenen Tempel im Dschungel. Er wurde Wat Trapangjik genannt.
Dort ließ er sich eine kleine Hütte bauen und zog im Mai 1932 ein. Er nannte diesen Tempel „Suan Mokkhabalarama“, Suan Mokkh. Das bedeutet: „Garten der Befreiung“.

http://hinterindien.com/2014/07/19/fragwurdiger-therawada-buddhismus/
https://minahasato.wordpress.com/tag/buddhismus/

ISBN 974-8122-06-9

Fehlinvestitionen

Die dreifaltige Fahne der Moral im Dorf heisst Party. Die Steigerung heisst Tempelfest.
Fromme Prozessionen mit Geldbäumen zum Wat in frühen Morgenstunden. Umrundung der Heiligtümer. Weihrauch-Schwanden. Gebete. Chanten der Mönche. Worte des Abtes. Tiefschlaf der Anwesenden. Brüskes Erwachen durch Spritzer der Weihwasserwedel. Mittagsverpflegung. Rauchopfer amerikanischer Art, Nikotinspargeln. Chaotischer Rückzug mit anschliessendem Besäufnis am Reisfeld. Zum Nachtisch gibt’s Drogen. (1)(2)

Gedanken einer süchtigen Mandeläugigen in knisternder Nachthitze:

Der Tanga String ist mein Banner
und wenn er nicht will, dann kann er…
Lieber länger als breit
und mehr als zu zweit.

Danach tröpfelte Feuchtigkeit.
Die Begleichung der Schulden war abgeschlossen.

Vor langer Zeit betrieb Dick mit Angestellten rund vierhundert Kilometer südlich von Chiang Mai einen florierenden Schönheitssalon. Wenn sämtliche Haartrockner heulten, während andere Frauen unter Hauben hockten und irgend jemand zusätzlich einen stromfressenden Staubsauger einschaltete, sank die Spannung an den Steckdosen gegen hundertfünfundsechzig Volt.
Weil die Elektrizitätslieferanten die Zähler nicht an den Häusern montieren, sondern im Freien an ihre Strommasten hängen, zahlen die Kunden nicht nur die Energie, welche die Geräte verheizen, sondern ebenfalls die Verluste auf den Zuleitungen. Mowgli und ich massen Spannungsabfälle und berechneten daraus, bei hoher Last kann der Energieverlust im Dorf pro Hausanschluss je nach Kabelqualität und Durchmesser fünfundzwanzig Prozent und mehr erreichen. Die Verluste sind proportional zur Stromstärke.Zähler Tel

Fachgerecht hängende Strom-, Internet-, und Telefonanschlüsse

Das kümmerte Dicks Kundinnen nicht. Solange die Geräte ihre Zwecke erfüllten, war ihre kleine Welt in Ordnung. Die Stromversorgung wurde erst kritisch, als ein Sohn im Nebengebäude einen Computer-Laden eröffnete. Die empfindlicheren Kisten entwickelten bei horrenden Spannungsschwankungen Grippe- und Virus-ähnliche Symptome.
Der junge Mann mit Freundin benötigte dringend 100‘000 Baht. Ich schrieb einen Wisch und erklärte, das Geld sei ausschliesslich für die Stromversorgung vorgesehen, Investitionen in Fahrzeuge oder andere Unternehmungen seien nicht gestattet.
Der Zähler war mindestens fünfzig Meter entfernt. Hundert Meter grosskalibrige, schwere Qualitätskabel bedingten Leitungsmasten. Teile der Hausinstallation sollten ebenfalls ersetzt werden. Eine einzige Sicherung von über dreissig Ampere schützte sämtliche Anschlüsse.

Der Kampf im ländlichen, kleinen Dorf um IT Kunden war hart. Die Polizei eröffnete wenige Meter entfernt einen Internet-Shop mit PC Verkaufsstelle. Der Junge warf das Handtuch, schloss sein Geschäft und benutzte das Geld für eine Hundezucht. Weil er auf dem Lande den Bauern keine Köter andrehen konnte, zog er zwecks erfolgreicheren Hundehandels in die Grossstadt Chiang Mai.
Beim näheren Betrachten der Wege und Strassen, hätte er an den Kegeln bereits etablierter Vierbeiner abschätzen können, dass dieser Markt, genauso wie die Wege, bereits gesättigt ist. Als hochqualifizierter Faulpelz wollte er sich zudem bloss auf den Hundehandel spezialisieren. Für die Drecksarbeiten, wie misten und füttern, benötigte er Angestellte. Das schmälerte den Geschäfts-Ertrag und führte schnell zur Aufgabe dieser Tätigkeit.

Damit er für vier Nächte als Gelbrock im Tempel aufgenommen werden konnte, musste er mich zwei Stunden vor der Prozession um Vergebung anflehen. Er versprach:
„Nach dem Tempelaufenthalt werde ich ein besserer Mensch.“
Mit zweihundert Gästen in seinem Gefolge war ich erpressbar. Buddha schenkte ihm die Gnade des Vergessens – inbegriffen eine Finanz-Demenz.

(1) Bild Geldstaude: http://hinterindien.com/2013/07/30/teures-nibbana/
(2) http://hinterindien.com/2013/07/18/programmiertes-chaos/

Schulden

Die Abkürzung LOS kann gleich mehrfach gedeutet werden:
Land of smile(s),
Land ohne Socken,
Loss of signal,
Linux Operating System,
Land ohne Schulden.

Schuldenfrei ist der Grossteil der Bevölkerung nicht. Jede Berufsgruppe stellt in ihrer Sparte jedes Jahr neue Rekorde auf. Leichtsinnig wird Bargeld verjubelt. Am liebsten geliehenes. Das wird nicht nur in unbedienbare Smartphones und hochprozentigen Schnaps, sondern ebenfalls in hochheiligen Tempeln investiert. Da gibt es die seelenlosen, buddhistischen Geldverleiher. Sie fordern bescheidene vierzig Prozent Zinsen pro Tag! (1)

Der für die Region zuständige Polizeigeneral Boonlert Jaipradit erklärte: Rund 13.000 Polizeibeamte im Nordosten schulden der Government Savings Bank (GSB) neun Milliarden Baht. GSB ist nur eine Bank von vielen. (2)

Premierminister General Prayuth Chan-ocha zeigte sich darüber alarmiert, dass mehr als 1,6 Millionen Farmer 400 Milliarden Baht Schulden haben. (3)

Im Dorf, sind die Menschen ebenfalls schwer verschuldet. Sie protzen mit mehrfachem Hausbesitz, heissen Nebenfrauen, potenten Liebhabern und mehreren Fahrzeugen. Das gesamte Blendwerk, ausgenommen Poussierstängel und Hofdamen, gehört Kreditinstituten.

Als ich vor einem Jahr überraschend das Dorf verliess, belästigte ein verheirateter staatlicher, uniformierter Beamter, – drei Personen, drei Häuser, fünf Fahrzeuge – mit nächtlichen Telefonanrufen Dick solange, bis sie ihm zehntausend Baht lieh.

Vor zwei Wochen hatte ich unvorbereitet abendlichen Damenbesuch. Die beiden aufgetakelten Fregatten – Gold und Schminke – brachten Wein, Schnaps und geschmortes Fleisch. Die hoch angesehene Familie prahlt mit vier Häusern und 6 Fahrzeugen.
Ihr Anliegen: Keine krepierende Herde von Wasserbüffeln, keine todkranken Familienmitglieder – der Gatte, beeindruckend gewichtiger Alkoholiker, wird nach dem Ableben dank seiner Schnapsimprägnierung nicht verwesen, eher explodieren. Hundertfünfzigtausend Baht für ein Reislein des Töchterchens nach Australien!
Genau diese Leute machten sich im Mai wichtig mit den Bemerkungen, wir hätten einen unterklassigen Wagen erworben. Das Fahrzeug ist bezahlt! Deshalb sind sämtliche Subventionen für Bildungsreisen ausgeschlossen, auch wenn dadurch der IQ der restlichen Bevölkerung ansteigen würde.

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/66475
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/66526
(3) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/66328