Das Kasten-Wesen Thailands

Wir sind hier nicht in Indien, bloss in Hinterindien. Das genügt zum vollständigen Schubladisieren verschiedener Bevölkerungsgruppen.
Laut den Menschen in und um Bangkok, sollte man den Bewohnern des Isan, auf Pali ईशान्य īsān oder Sanskrit ईशान्य īśān „Nordosten“, die Wahlberechtigung entziehen. Sie seien schlecht geschult und zu wenig gebildet für das moderne Leben und neuere Politik.
Möglicherweise sind Bürger des Isan bereits durch niveaulose Seifenopern zahlreicher Fernsehstationen total überfordert. Gestylte Grossstadtbewohnerinnen dagegen fühlen sich durch die Serien in ihrem Lebenswandel, hauptsächlich durch die Anwendung teurer Kosmetikartikel, bestätigt.
Dass sich die Bürger Bangkoks, die Gäste aus der Ferne eingeschlossen, auf eher derb-spassige, im Isan herkömmliche Art vergnügen und fortpflanzen, stand nie zur Diskussion. Drittklassige Töchter des Isan verrichten in Bars und Massagesalons der Hauptstadt gesuchte, gut besuchte Gefälligkeiten unter dem Motto: Isan erbringt Dienstleistungen, Bangkok kassiert!

In Dorf am Reisfeld wurden wir zurück gestuft. Der Grund war die Beschaffung eines neuen Fahrzeugs. Anstatt standesgemäss einen fahrbaren Untersatz für mindestens zwei Millionen zu erwerben, kaufte der geizige Farang eine Zweit-Klass Karre für lumpige 600‘000.00 Baht. Die durch mehrere teure Wagen überschuldeten Fahrzeughalter fühlen sich durch unser asoziales Verhalten gedemütigt. Je höher die Schulden, desto lauter waren die Proteste.
Solange Ackerland zur Herstellung von Treibstoffen, nicht für Nahrungsmittel genutzt wird, während auf dieser Welt Hunger herrscht, kann ich damit einen Beitrag zur Reduktion des Verbrauchs leisten. Der Motor des neuen Wagens benötigt bei ähnlichen Fahrleistungen fünfzig Prozent weniger Treibstoff. Das Fahrzeug weist einen Drittel weniger Gewicht auf, als der Vorgänger. Dementsprechend ist der Hubraum des Triebwerks reduziert. Unsere Reisen nach Satun werden preisgünstiger und belasten die Umwelt weniger.
Aber: Technik ist in Hinterindien kein Argument, um billiges Gerät zu kaufen. Für Armeen beispielsweise, ist nur das Allerteuerste gut genug.

Die niedrigste Kaste im Land ohne Socken sind die Behinderten. Behinderungen aller Art sind auf fehlendes oder schlechtes Karma zurück zu führen. Deshalb stehen sogenannte Behindertenparkplätze für die Allgemeinheit uneingeschränkt zur freien Verfügung, weil Behinderte ihre Gebrechen selbst verschuldeten und somit schlechte Wesen sind. Dies ist eine verbreitete Meinung auf Grundlagen der Thai-Gelbrock-Interpretation der Karma Lehre.

Die höchste Klasse ist die kastenlose Gesellschaft. Sie hat nicht nur Karma, sondern vorwiegend Kapital im Überfluss. Für diese höheren Wesen gelten überall Sonderregelungen.
Die „Siam Paragon Shopping Mall“ reagierte nach Klagen der Superreichen mit der Schaffung von Sonder-Parkplätzen für Wagen der Preisklasse ab acht Millionen Baht. Solche Edelkarossen können unmöglich neben einem unwürdigen Fahrzeug stehen.
Wie beim Umgang von Gentlemen mit billigen Strassenmädchen bösartige Krankheiten lauern, könnte sich ein Supercar neben einem ordinären Fahrzeug beispielsweise mit einer Zylinderkopfinfektion anstecken. Können sie sich die Auswirkungen auf Acht- oder Zwölf-Zylinder Maschinen vorstellen?
Kürzlich gab es einen Aufschrei in der Presse. Da stand in den heiligen Hallen der Siam Paragon Superclub Parkplätze ein unterklassiger Nissan Almera. Der Fahrer war jedoch ein Mitglied der Elite, der 19-jährige Student Thanapat Tantisaewaekul.
Khun Thanapat ersteigerte vor wenigen Wochen das Nummernschild 1 กก 1111 für schlappe 25 Millionen Baht. Herr Tantisaewaekul montierte das Kennzeichen ohne Hintergedanken am Nissan Almera. Fahrzeug-Nummer
Mittlerweile gibt es überall Parkplätze für die diskriminierte High-Society, sogar in Chiang Mai.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Karma
(2) http://bangkok.coconuts.co/2014/10/15/common-car-supercar-parking-beginning-downward-spiral

Langes Warten auf Millionen

Eigentlich erwartete die Alte mit ihren, meist durch Unvorsichtigkeit erworbenen Leiden, dass sämtliche Angehörige mit Kindern und Kindeskindern, Onkel, Tante, Anverwandte, in die Provinz Phitsanulok pilgern würden, um sie zu pflegen und vor allem – zu verehren.
Diese Nummer wurde zwei-, dreimal gegeben. Dann durchschauten selbst die Dümmsten – ohne sich zu äussern – das grausame Treiben, die Diktatur einer Dulderin.
Wenn sie als selbstverstümmelnde Patientin Pflege benötigte, durfte sie sich zu den Hilfe Anbietenden bemühen. Die Wohnungen in Chiang Mai haben weniger Insekten und mehr Komfort. Zahlreiche Krankenhäuser in der näheren Umgebung bieten bessere Möglichkeiten, als sie im Umkreis von hundertfünfzig Kilometern von ihrem Dorf erwarten konnte.

Wenn das alte, gebündelte Leiden jeweils röchelnd, auf dem letzten Loch pfeifend ankam, erschütterte sie die Herzen ihrer Töchter zutiefst. Aber sobald das Mundwerk angelaufen war, vergass sie das Röcheln. Die Atmung wurde so kräftig, sie hätte nicht nur als Engel gleich Posaune, Tuba oder andere Gegenstände blasen können.
Während den Genesungen wurde kräftig abgesahnt und ausgenommen. Sobald die Alte die eine Tochter mit ihren Forderungen an den Rand körperlicher und geistiger Gesundheit gebracht hatte, wechselte sie das Domizil. Wenn es ihr nach einigen Monaten in Lan Na Land langweilig wurde und es ihr nicht mehr gefiel, weil die Verehrung spürbar nachliess, verzog sie sich, beladen mit Lebensmitteln, Kleidern und vollgestopfter Börse wieder in den Süden, wo interessiertere Zuhörerinnen auf sie warteten.

Im Nachbarhaus hatte sich wieder einmal die begeistert phallusverehrende, phallusverzehrende Tochter für kurze Zeit einquartiert. Sie hatte nicht nur erfolgreich abgetrieben, sondern einen potenten Dauerverehrer aufgetrieben. Das sich innig liebende Paar besuchte zwischen zwei lautstarken intimen Vereinigungen die Mutter und konsumierte von ihrem mitgebrachten Lan Na Futter. Schmatzend lobten sie ihr gutes Aussehen, ihren schön bleichen Teint und meinten, sie könne nach der Kur in Lan Na Land problemlos hundert Jahre alt werden. Zur Bekräftigung dieser Aussage schloss das Pärchen einen Tag darauf eine Todesfallversicherung in Millionenhöhe zu seinen Gunsten ab. Die eigensinnige Alte war des Lesens praktisch unkundig. Sie setzte ihre Brille auf und unterschrieb den Wisch. Sie überlegte nicht, dass der hohe Betrag nicht für sie bestimmt sei.

Ihre Lendenwirbelsäule ist möglicherweise durch Unfälle und Haltungsschäden in zwei Richtungen, seitlich und vorwärts, deformiert. Noch vor zehn Jahren legte sie sich am Boden auf den Bauch und liess als (Ross-)Kur siebenjährige Enkel auf der empfindlich beschädigten Wirbelsäule hüpfen. Im Haus gab es weder günstige Liegeplätze, noch angenehme Sitzgelegenheiten, dafür uralte, halbblinde Fernseher. Wir kauften damals Bettgestelle, Matratzen und für das Wohnzimmer ein Sofa.

Ein Sturz in sinnloser Eile vor einem Jahr beschädigte die heiklen Stellen in der Lendengegend gefährlich. Erste Hilfe leisteten die Ärzte in Phitsanulok. Sie sandten die Verletzte zu den Spezialisten in Chiang Mai. Die ersten Monate lebte sie bei der Tochter in der Nähe des Universität-Spitals.
Als sie sich besser fühlte, wechselte sie den Haushalt. Sie kam nach Phonphat. Sie war stets ungeduldig. Ihre Eile, verbunden mit Unvorsichtigkeit, führte zu einem erneuten Sturz. Die ärztlichen Bemühungen der letzten Monate waren vergeblich! Erneut waren Aufenthalte in Krankenhäusern erforderlich. Als Mowgli von Satun zurückreisen musste, half er Grossmutter bei ihren ersten Schritten seit Monaten.

Die triebbesessene, hormongesteuerte Tochter und ihr derzeitiger Liebhaber vernahmen, Mutter gehe es besser. Sie könne wieder gehen. Ihre Hoffnung, den Versicherungsbetrag demnächst zu kassieren, schwand. Deshalb luden sie die hilfsbedürftige Behinderte in ihre neue Wohnung ein. Sie, die junge Frau, die in einer Dekade für ihre Mutter nie einen Finger krümmte, versprach sorgfältige, fachkundige Betreuung, erstklassiges Essen und Goldschmuck in Mengen.

Das einzige Problem war, das saubere Pärchen lebte in achthundertfünfzig Kilometern Entfernung. Die Beiden dachten nicht im Traum daran, die kranke Alte in Chiang Mai abzuholen. Die Tochter plante vielmehr – ihr vierzehnjähriger Lümmel ohne Führerschein, der Spezialist für Fahrzeuge und Treibstoffe – sollte Grossmutter in den Südosten des Landes befördern. Risiko bestand für die Einladenden keines. Sie hatten ja den Versicherungs-Vertrag.
Die Alte war mit den Plänen für die Reise nicht nur einverstanden, sondern hoch erfreut. Sie sah die Schwierigkeiten einer mindestens fünfzehnstündigen Fahrt auf schlechten Sitzen mit einem unerfahrenen Jugendlichen, ohne jegliche Ausweise nicht.
Zum Verrichten der Notdurft benötigte sie unter Umständen Hilfe. Die Toiletten an Tankstellen befanden sich meist ausserhalb ihres eingeschränkten Aktionsradius. Trotzdem setzte sie alles daran, Chiang Mai rasch möglichst zu verlassen. Feste Termine für Konsultationen und Therapie im Krankenhaus vergass sie.
Dick informierte von Satun aus die Verwandtschaft im Dorf und gab den eindringlichen Befehl: „Mutter reist nicht!“

Irgendwo in achthundertfünfzig Kilometern Entfernung wartete vielleicht vergeblich eine prächtig dekorierte Torte mit dem Schriftzug: “Herzlich willkommen liebe Mutter!“
In der Umgebung von BanWaen fanden als Zutaten öfters Arsen, Bariumcarbonat und Strychnin Verwendung.

Herz-, vor allem Schmerz-Polka

Meine neueren Beiträge widmeten sich biologischen, medizinischen und technischen Problemen.
Das Herz, das eigentlich fruchtbare Leben, das seelenlose Treiben in den Häusern des Dorfes, die starken thai-familiären Bindungen und Beziehungen, all die Unglücksfälle und Verbrechen, gerieten ohne übliche starke Schnäpse in den Hintergrund und allgemeine Vergessenheit.

Da war dieser vielversprechende Bursche im Nachbarhaus. Seine Schwester agierte als verführerische Amateur-Schauspielerin vor unserem Garten in einem vom cleveren Jungen selbst einstudierten Porno-Video. (1) Mit knapp siebzehn Jahren wurde er vor einem Jahr Vater.
Seit unserer Rückkehr von Satun atmet er gesiebte Luft. Zu fünft vergewaltigten gedankenbefreite Rüpel in der Schule ein Mädchen, Gang Bang, wie es die Fachsprache verharmlosend nennt. Die Vorgehensweisen zeigt jedes Smartphone. Nach buddhistischer Ethik müsste gesucht werden.

Als wäre nichts geschehen, roch ich von draussen, hart angebratenen Knoblauch. Der Wind drehte etwas. Ein Hauch Tom Yum, Duft von Zitronengras, Galanga, Ingwer und Chili lag in der Luft. (2) Plötzlich wurde der angenehme Eindruck durch eine Spur Dieselabgas verdorben.

Da war diese, von fehlender Intelligenz und exotischem Schicksal gebeutelte, ältere Frau, Mutter, Grossmutter und unbekannterweise durchaus mögliche Urgrossmutter. Die Leere des Gehirns, der fehlende Verstand wurde durch ein unermüdliches Mundwerk mehr als kompensiert. Obwohl ihre lebenslangen Ansprüche und Ausgaben Millionen verschlangen, blieb ihr nichts in Truhen und Schränken oder in ihren blossen Händen, als ihr unbeugsamer Wille, ihre Nachkommenschaft bis ins zwölfte Glied an ihren Irrungen und Verwirrungen teilhaben zu lassen.
Die Frau vergiftete sich in den letzten Jahren mehrmals mit verdorbenen Speisen oder sichtbar und riechbar schlechtem Wasser. Leber und Nieren überlebten. Unsichtbare Schäden entstanden höchstens im Schädel. Weil keine Substanz vorhanden war, bemerkte niemand nichts. Die taprige Vergesslichkeit prügelte sich um nichts mit streitbaren Nachbarinnen oder wurde verschiedentlich Opfer der Schwerkraft sämtlicher Fallgesetze, ich meine nicht Genitiv, Dativ, Akkusativ – sondern Newtons Apfel – ohne sich bei all diesen Krankheiten und Unfällen endlich endgültig zu verabschieden. Im Krankenhaus vierhundert Kilometer südlich von Chiang Mai retteten die Ärzte erfolgreich kostbares Leben und brachten die Reste jeweils mit Ambulanzen zu den Töchtern in den Norden – zwecks Rekonvaleszenz.

Eine der Töchter lebte zwar in unmittelbarer Nachbarschaft der Mutter. Die junge Frau kümmerte sich, ausser dass sie sich selbst gelegentlich gratis mit Lebensmitteln versorgte, nie um das Wohl der leicht Angegrauten.
Das muntere Töchterlein litt an chronischem Reissen zwischen ihren prallen Oberschenkeln. Deshalb war sie dauernd angespannt auf der Suche nach kräftigen Kerlen, von welchen sie Linderung und Wohlgefühle erhoffte. Weil dieses Reissen so intensiv war, konnte die Frau und Mutter sich nicht um die Belange ihrer drei Knäblein kümmern. Die drei haben komplett verschiedene Interessen, genauso wie ihre diversen Väter. Einer klaut Fahrzeuge und Treibstoffe. Ein Halbbruder ist Spezialist für Einbrüche. Der dritte handelt mit Drogen. Es verwunderte nicht, dass diese unerzogenen Bengel und Tagediebe, dank endloser Gaunereien, verschiedentlich Verpflegung und Unterkunft bei den Hütern des Gesetzes genossen.

Fortsetzung aus dem nördlichen Irrenhaus folgt.

(1) http://hinterindien.com/2012/08/01/verheisungsvoller-nachwuchs/
(2) http://www.eatingthaifood.com/2014/08/tom-yum-soup-recipe/

(Herz-Schmerz Polka) https://www.youtube.com/watch?v=CluYL5BSqdI

Fahrzeug-Navigation am Wurstzipfel

Seit Jahren benutzen wir in Europa, Malaysia und Thailand erfolgreich Navigationsgeräte. In unbekannten Großstädten sind sie für mich unentbehrlich. Sie sind wesentlich hilfreicher als veraltete Stadtpläne, sofern die Fahrzeuglenkerin für den Lautsprecher oder meine Empfehlungen ein offenes Ohr hat.
Wir sassen im nigelnagelneuen Wagen und fuhren trainingshalber Richtung Chiang Rai. Vor zwei Jahren assen wir bei den heissen Quellen unvergesslich gut gewürzte Würste und gegrilltes Schweinefleisch. Das Mahl rutschte von der Zunge ohne Zahnverluste schmerzlos in den Magen, während uns Düfte vom Grill und Schwefel von den heissen Quellen umwehten.

Die Vorgabe war, auf der Strasse 118, mit Ausnahme der Kurven, immer schön gerade aus bis zu den Quellen zu fahren, dann vor dem Springbrunnen gleich links abzubiegen.
Ich erklärte der hungrigen Lenkerin, wie ich mich auf die Wurst freue und dass wir in spätestens fünfzehn Minuten ankommen würden.
Unvermittelt, meine Hymnen auf Würste und Strassen missachtend, bog die Lenkerin von der Hauptstrasse nach rechts auf eine Nebenstrasse ab. Da war eine Hinweistafel: Heisse Quellen, zwei Kilometer.
Ich redete zwei Kilometer lang, sprach Klartext und überzeugte sie, dass wir diese Wurstqualität wahrscheinlich nur an der Hauptstrasse finden würden. Die Magensäfte stimulierten ihr Gehirn. Sie gab auf, wendete das Fahrzeug und folgte darauf gehorsam dem nördlichen Wurstkurs.

Die Expedition „Wurst des Nordens“ hatte ein Vorspiel. Das Fahrzeug verfügt über einen
Multifunktions-Bildschirm mit Menu. Auf Wunsch wird das Radio angezeigt oder der Equalizer. Er kann Filme abspielen oder Fotos darstellen. Fürs Smartphone existiert eine Bluetooth Funktion. Es gibt einen UBS Anschluss. Der Bildschirm dient ebenfalls zur Navigation.
Genau da lag unser Problem. Ich versuchte, in englischer Sprache Chiang Mai oder Chiang Rai einzugeben. Chiang ging gut. Nach der Leertaste schlug die super-intelligente Logik Dao vor und sperrte gleichzeitig die Tastatur. Laut der Navigationshilfe hätten wir nach Chiang Dao reisen müssen. Das wollte ich nicht. Folglich fuhren wir zum Verkäufer und klagten unser Leid.
Einer der jungen Angestellten setzte sich in den Wagen, lächelte und dachte offenbar:
„Ihr Vollblutidioten, das haben wir gleich! Geld für ein Fahrzeug haben diese Leute. Genügend Hirn um die moderne Elektronik zu bedienen – – – haben sie nicht.“
Er fummelte behende, aber hilflos an Tasten herum. Dann sagte er:
„Ich verstehe Englisch schlecht, darum wechsle ich auf Thai.“
Ich grinste hämisch, als ich sah, dass die Logik die Tastatur auch für Eingaben in Thai sperrte. Nach dreissig Minuten warf er das Handtuch und bat einen Kollegen, das Problem zu lösen.
Dieser Herr fingerte noch schneller, noch gedankenloser. Auch er musste sich nach einer weiteren halben Stunde von der Technik geschlagen geben, während ich ihm mein dreijähriges Gerätchen demonstrierte. Wir verliessen die erfolglosen Spezialisten.

Später hatte ich die Idee, das Gerät über Koordinaten und Favoriten wenigstens für den Heimweg zu programmieren. Danach überlistete ich die Technik mit den Vorgaben Robinson und Chiang Rai zu einem nördlichen Kurs.
Während wir schweinisch speisten, wir begnügten uns nicht mit Wurstzipfeln, meldeten die Herren telefonisch, am nächsten Tag würde ein Spezialist um zehn Uhr unser Problem lösen.
Die Programmierung des Navigationsgerätes ist für bescheidene Eingaben zu üppig ausgelegt. Nach vielen Tastendrücken des Fachmanns fand das Navi unser Dorf und dessen Koordinaten. Die genaue Position unseres Hauses konnte der Ingenieur leider nicht eingeben.
Das ausgeklügelte Gerät mit grossem Bildschirm lässt den Fahrer also Orte ansteuern, wo er dann im Tante Emma Laden für nähere Auskünfte anstehen darf.
Unser altbewährtes Nüvi hat noch lange nicht ausgedient, oder der Fahrzeughersteller lässt neue Software schreiben.
Eine der Todsünden dieser Geräte ist, dass Distanzen üblicherweise als Luftlinien angegeben werden. Die Fahrzeit wird dann aus irdischen Kilometern errechnet. In Satun wurde beispielsweise die Distanz nach Padang Besar mit 26 Kilometern angegeben, die berechnete Fahrzeit dagegen betrug annähernd drei Stunden. Die Zeit für den Grenzübertritt wurde nicht einkalkuliert.

Das Unkraut der Superlative, die Dickstielige Wasserhyazinthe

Wasserhyazinthen im Fischtrog Diese Wasserhyazinthen, Eichhornia, stammen ursprünglich aus dem Amazonasgebiet in Brasilien. Um 1880 kultivierten europäische „Experten“ das Unkraut als Zierpflanze! Sie siedelten ihr Produkt auf der Insel Java an. Der wissenschaftliche Gattungsname Eichhornia ehrt den ehemaligen preußischen Kultusminister Johann Albrecht Friedrich von Eichhorn (1779–1856).

Als König Rama V., Chulalongkorn, 1901 Java besuchte, erfreute ihn die blaue Blütenpracht. Er brachte Wasserhyazinthen, Eichhornia crassipes, unter dem Namen Phak Tob Chava nach Thailand. Zwecks schnellerer Verbreitung wurde sie wohl auch gestohlen.
Bereits nach wenigen Jahren entpuppten sich die Pflänzchen als rasch wachsende Wucherpflanze. Als invasiver Neophyt verdrängt sie einheimische Gewächse. Sie verstopft Klongs und weitere Gewässer. Die Hyazinthe entzieht anderen Wasserpflanzen das Licht. Sie sterben ab. Im Wasser fehlt der Sauerstoff. Fische, Schildkröten, sowie zahlreiche Lebewesen verenden als Folge des gestörten biologischen Gleichgewichts. Dafür vermehren sich Stechmücken um so erfolgreicher.

König Rama VI. erkannte die Gefahr. Schon 1913 erliess er eine Verordnung, Wasserhyazinthen seien Schädlinge, gemeines Unkraut und müssten bekämpft werden.
Zahlreiche Anweisungen und Gesetze, sogar die einfachsten Regeln des Buddhismus (1) werden kaum befolgt. Eine spezielle Lachnummer ist die Helmtragpflicht für Motorradfahrer. In den südlichen Unruheprovinzen sind Helme verboten.

Die königliche Verordnung von 1913 dürfte längst vergessen sein. In Satun wuchsen die dicksten Hyazinthen-Teppiche auf Gewässern neben staatlichen Gebäuden und Amtsstellen.
Pro Tag erzeugt diese Pflanze drei bis vier Ableger. Das ergibt im Monat hundertzwanzig Ableger. In zwei Wochen verdoppelt sich der Platzbedarf. Einzigartig positiv ist, dass Wasser-Hyazinthen angeblich metallische Schadstoffe und Ölfilme absorbieren können. Nur müssten nach fünf Monaten ältere Pflanzen entfernt werden. Sonst sterben sie ab und verunreinigen dadurch das Wasser erneut.

Viele Länder sind von der Plage betroffen. Dummheit ermöglichte sie. In Afrika ist der Viktoria See stark verkrautet. Die schwimmenden Pflanzen behindern die Schiffahrt im Hafen von Kisumu. Äthiopiens Gewässer leiden unter dem Unkraut.
In Asien verbreiteten sich Wasser-Hyazinthen in mehreren Ländern. Im Tonle Sap in Kambodscha gedeiht Eichhornia crassipes bestens.

Die Alarmglocken läuteten bei mir, als mir Dick in Satun gleich zwei verschiedene Sorten Eichhornia für den Fischtrog brachte. Aber nur die dickstielige Hyazinthe ist invasiv aggressiv.
Beim Abendessen Ende Februar am Mae Tha Chin strömten Hyazinthen faszinierend endlos Richtung Meer. Als Stunden später die Flut einsetzte, floss das versammelte, vergammelnde Unkraut stromaufwärts.

Die Kamera der Filmemacherin lag im Zimmer. Deshalb dokumentierte die zweite Garnitur die treibenden Hyazinthen mit drittklassigem Material, dem Zenfone, in der Dämmerung durch die Glasscheiben des Restaurants.
Die Qualität der Aufnahme ist entsprechend bescheiden, vermittelt dennoch einen Eindruck der Naturkatastrophe. Wie beständig der Pflanzenteppich war, zeigte ein von Wasser-Hyazinthen eingefangener, im grünen Gewimmel mitschwimmender, ausserordentlich stabil gebauter Kratong, denn Loy Krathong wurde am 6. November 2014 gefeiert.

(Video) https://www.youtube.com/watch?v=olcDwLrDw6c

(1) http://www.buddhanet.net/e-learning/budethics.htm
(t) http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserhyazinthen
(t) http://de.wikipedia.org/wiki/Dickstielige_Wasserhyazinthe
(t) http://www.onlinezeitung24.de/article/4999
Meine neueren Beiträge zur Wasserhyazinthe
(b) http://hinterindien.com/2015/05/08/wolkenbruche-wohnungsnot-und-gesang/
(b) http://hinterindien.com/2015/04/18/umzug-in-die-kaulquappen-lagune/
(b) http://hinterindien.com/2015/04/15/trojanische-pferde-im-fischtrog-ii/
(b) http://hinterindien.com/2015/04/12/trojanische-pferde-im-fischtrog/
(b) http://hinterindien.com/2015/03/03/wahrnehmungsunfahigkeiten/

Wolkenbrüche, Wohnungsnot und Gesang

Tropische Regenfälle sind spektakulär. In Nordthailand, im Dorf am letzten Reisfeld warnen stürmische Windstösse vor bevorstehenden Schauern. Alte, oft stark geschminkte Weiber versuchen dann, herumwirbelnde Wäschestücke zu retten, während bösartige Böen bunte Röcke schamlos anheben. Sogar wenig betagte Säufer bemerken nichts von allem und starren teilnahmslos in ihre Schnapsgläser oder auf die Glasfronten der Fernseher.
Plötzlich prasselt der Regen. Während Minuten weigern sich heisse Dächer und asphaltierte Flächen nass zu werden. Das zischt und dampft zusätzlich wie Wasser auf heissen Herdplatten. Doch dann siegen die Fluten. Es kommt vor, dass die Teiche überlaufen. Unsere Fische weiden wie Kühe im Garten unter Sträuchern und im Gras.

Aussergewöhnlich starke Regenfälle erlebten wir erst in Langkawi und im Haus in Satun. Die Gewalt des Wassers ist mächtig. Sie lässt jede Sprache verstummen. Die Blitze jagen sich, der Donner kracht. Es trommelt auf den Dächern. Die relative Luft-Feuchtigkeit im Haus steigt schnell auf achtzig Prozent. Zeitungen kleben an Armen und Händen. Falschgeld-Drucker wie ich, müssen pausieren. Das gesamte Wirtschaftsleben erlahmt. Keiner besucht Kneipen.
Nur die Fische wandern aus ihren überbevölkerten, mit Wasser-Hyazinthen verstopften Rinnsalen und Teichen. Die Tiere suchen neue Gewässer. Beim ersten grossen Regen trafen wir auf Strassen und in Gärten zahlreiche Kletterfische, Anabas testudineus. (1) Wasser-Hyazinthe
Nach der zweiten Sintflut besuchte Dick den Markt in Klong Khut. Sie kaufte Grünzeug und einen Fisch. Während des Rückmarsches von ungefähr hundertfünfzig Metern erfolgte ein weiterer Wolkenbruch. Sie sah im Wasser am Strassenrand einen Fisch von etwa einem Kilogramm. Er kämpfte um sein Leben. Motorradfahrer sahen das Tier in der Dämmerung nicht. Dick fing den Fisch von Hand und brachte ihn in einem Plastik-Beutel nach Hause. Die Beute einer Nachbarin waren vierzig Fische. Sie bot das Fleisch in ihrem Restaurant an.

Ums Haus quakten wie gewohnt die Frösche. Da setzte zusätzlich in der linken Ecke ein Bass einen Akzent. Nur Sekunden später erfolgte die Antwort eines gewaltigen Basses von rechts. Aus der Mitte, jenseits der Mauer, erschallte für drei Sekunden ein Kontra A. (2) Der erste Bass hatte Spass und wiederholte seinen Beitrag. Die Runde quakte wechselnd munter weiter. Jenseits der Mauer warteten hunderte von teilnehmenden Sängern. Die Lautstärke wurde überwältigend. Sie übertraf die Schlusstakte eines grossen Symphoniekonzerts. (3) Die meisten Frösche arbeiteten bis Sonnenaufgang. Dann wurde es ruhig, bis zur Nacht des nächsten Wolkenbruchs. Mit voller Lautstärke gab der Chor der Bassisten seine Anwesenheit bekannt.
Ich erwog den Ankauf von Ohrenpfropfen, um in Zukunft ruhig schlafen zu können. Nach einem weiteren kräftigen Regenguss blieb in der dritten Nacht der Chor stumm. Die Mitglieder waren inzwischen wohl alle verheiratet, mit häuslichen Pflichten beschäftigt und durften nicht in den Ausgang.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kletterfische_und_Buschfische
(2) https://www.youtube.com/watch?v=iNKSEctlLfs
(3) https://www.youtube.com/watch?v=GvyJZoqzw-8

(mp3)

Die Aufnahme mit einem Smartphone enttäuschte mich. Die Höhen sind überbewertet. Die Bässe fehlen. Zur Korrektur fehlte mir ein leistungsfähiger Equalizer.

Beeindruckende Aus- und Einsichten

Während zehn Jahren mit Dick durch dick und dünn geben Anlass zum Feiern, zusätzlich hat sie noch einen runden Geburtstag. Dabei besuchte sie mich damals, aus der fernen Provinz Phitsanulok, in Chiang Mai nur für einen Tag!
Seit Tagen sind wir auf der Flucht vor Satuns Mikroben und reisen in den Norden. Viel Zeit verbringen wir gegenwärtig, eingehüllt von dünnem Blech und Glas, in wenigen Kubikmetern heisser Luft. Die meisten Nächte teilen wir auf Flächen von knapp drei Quadratmetern. In Luxusherbergen mit doppelten Preisen, kann es ein Quadratmeter mehr sein. Frühstückstische sind noch kleiner. Das nennt sich dann innigliches, enges Zusammenleben.

Wir benutzen den AH2, den asiatischen Super-Highway Nummer zwei. Die freie Fahrt wird durch beeindruckend viele Rotlichter, Kreuzungen, trotz richtungsgetrennten Fahrbahnen entgegenkommende Fahrzeuge und unvermeidliche Wasserbüffel behindert. Während sie donnernde Lastwagen überholte, fragte die Lenkerin:
„Bist du noch glücklich mit mir?“
Friedlich grunzte ich:
„Wirklich sehr glücklich, danke. In drei Kilometern links abbiegen!“

Einen Augenblick später antwortete Dick:
„Da erleben wir aber einen echten Glücksfall. Wir könnten uns nicht einmal scheiden lassen! Wir sind nicht verheiratet.“
Amen.

Im Januar des letzten Jahres verlor ich über Nacht meine Selbständigkeit. Nun bin ich stark auf Dicks Hilfe angewiesen. Vorher war es äusserst angenehm, mit einem Schmetterling zusammen zu leben. Jeder Flügelschlag bedeutete Zärtlichkeit und frischen Wind.