La-Ngou, Pak Bara und Thale Ban

Wir erkundeten in den vergangenen Tagen unsere nähere Umgebung. Eine knappe Stunde nördlich liegt Langu. Unsere GPS Geräte fanden den Ort nicht. La-Ngou dagegen wurde akzeptiert. Das Dorf liegt in reizvoller Landschaft. Interessanter gestaltete sich der Ausflug, als wir vom Ort aus das Meer anpeilten. Der Hügel des Ko Petra Marine National Park lieferte perfekte Ansichtskarten. ko petra park Wir wählten danach die Strassen Richtung Pak Bara. Dort steht die Anlegestelle der Schiffe für Ausflüge auf die umgebenden Inseln, wie Ko Tarutao. Der Sandstrand von Pak Bara mit wundervoller Aussicht auf die Inseln ist durch Fressbuden fast total versaut. Gepflegte Gastronomie und gehobene Resorts sucht man in der näheren und weiteren Umgebung vergebens. Ich möchte Ferientage nicht unbedingt in engen Folterkammern verbringen und mich mit Hilfe eines Schuhlöffels in Kleinst-Badezimmer quetschen. Wir sahen Häuser, da versperrten geöffnete Türen den Zugang zum WC-Sitz. Ich hatte die Absicht, Stunden oder Tage in der Region zu verbringen. Nach einem kleinen Imbiss wählten wir den Toyota.
Auf der Rückreise stoppten wir am Wat Khao Nom Photiyan mit dem markanten Felsen und dem in den Himmel ragenden Kamin des Krematoriums. Wer am Strand von Pak Bara die ewige Ruhe vergeblich sucht, findet sie vielleicht hier. Wat Kao Nom
Sehr nahe liegt der Nationalpark Thale Ban. Vom Haus aus sehen wir die benachbarten Hügel. Die Grenze zu Malaysia lässt sich in einer halben Stunde erreichen. Vor der Grenze bei Wang Prachan erschweren beidseitig der Strasse kilometerlange Marktstände die Fahrt, wie wenn im Nachbarland weder Kleider noch Nahrungsmittel angeboten würden.
Wir schafften eine Schleife durch Menschengetümmel mit Verkehrssalat und fanden 1500 Meter danach einen Eingang zum Nationalpark.
Am 27. Oktober 1980 wurde Thale Ban als 20. Nationalpark Thailands eröffnet. Das Gebiet umfasst 196 km². 1906 wurde der Anbau von Kautschuk in Südthailand eingeführt. Es schien das Ende der Regenwälder. Reste ausgedehnter Monokulturen bestehen noch heute. Im Park sollen vielerlei Säugetiere gesehen worden sein: Asiatische Elefanten und eine Tiger-Art, Schabrackentapire, Malaienbären (Ursus malayanus), Makaken, Zibetkatzen und Stachelschweine. Durch das bergige Terrain lassen sich die Beobachtungen nur schwer überprüfen. Häufig zu sehen sind allerdings südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus), Weißhandgibbon (Hylobates lar) und Kleinkantschil (Tragulus javanicus). Einfach zu entdecken ist der Bellende Laubfrosch (Hyla gratiosa).
In Thale Ban wurden über 210 Vogelarten gesichtet. Der sehr seltene Rhinozerosvogel (Buceros rhinoceros), Wanderfalken (Falco peregrinus) und auch Binsenrallen (Heliopais personata). Greifvogelarten des Nationalparks sind: Dreifarbenweih (Aviceda leuphotes), Kiefernteesa (Butastur indicus) und Schopfwespenbussarde (Pernis ptilorhynchus).

Diese Tierarten sahen wir nicht. Dick hörte am See angeblich einen der bellenden Frösche. Ich entdeckte dagegen grössere Ansammlungen von Orang Basikal, Radfahrer, im Schutzgebiet des Parkes.
Sie, respektive deren Begleitfahrzeuge, fielen bereits auf dem Weg nach Wang Prachan unangenehm auf. Neben bunten Gruppen von vier bis fünf Fahrern auf schicken Rennrädern, schlichen Kleinlaster und blockierten die Strasse. Im Geleitzug befand sich sogar ein Ambulanzfahrzeug.
Nationalparking Thale Ban Radler

Getrübte Freuden

Jugendzeit. Sommerferien. Das bedeutete, während fünf oder sechs Wochen keine Schule. Meine Familie verreiste öfter in die Berge. Als ältester Sohn durfte ich im weit entfernten Dorf Lebensmittel, vor allem Brot besorgen. Schon bei Matthaeus 6:11 steht geschrieben: Unser täglich Brot gib uns heute. Diese Worte trafen damals speziell auf radfahrende Sekundarschüler zu.
Wesentlich angenehmer fand ich Ferien am Murten-See. Baden und angeln bereiteten mehr Spass, als wandern in dünner Alpenluft, verbunden mit Kuhfladen-Slalom in reich gesegneten Auen und Wiesen. Die Verpflegung am See wurde täglich frisch geliefert. Für seltene Einkäufe im Dorf ruderte ich mit dem Boot in See und Fluss, wo ich den morschen Kahn an der Brücke fest band.
Gerne besuchte ich meine Grosseltern. Grossvater verbrachte viel Zeit mit mir.
Wir suchten Pilze, sammelten Holz für den Winter an den Jura-Hängen und unternahmen täglich Ausflüge in die nähere Umgebung. Der alte Mann wusste Bescheid, wo er einen Römer mit köstlichem Blauburgunder bekam.

Mowgli hat wesentlich längere Ferien als ich sie erlebte. Das Schulsystem und dessen Exekutive lassen jedoch die Kinder die Ferienzeit nicht ungestört geniessen. Kurz nach Ferienbeginn wurden die Resultate der Prüfungen im Schulhaus mitgeteilt. Persönliche Anwesenheit war erforderlich.
Viele Eltern schicken ihre Sprösslinge während den Ferien in die Sommerschulen!

Mowgli genoss wenige Tage auf Langawi und in Satun. Er wäre zu gerne länger im Süden geblieben. Die Herren Pädagogen riefen ihn letztes Wochenende zwecks Materialausgabe, Uniformen und Lehrmaterial, auf Freitag zurück. Er versuchte, dieses Aufgebot zu verschieben. Der Oberlehrer beharrte unerbittlich auf seiner Aufforderung, obwohl die Ferien danach während Songkran, Thai-Neujahr, bis mindestens Ende April andauern. Das ist angewandte Erziehung zum gehorsamen Staatsbürger.

Für seine ersten Reise buchten wir einen Direktflug von Chiang Mai nach Hat Yai.
Asiens angeblich „günstigste“ Fluggesellschaft bietet wenig Service, verlangt für jede Leistung Zuschläge. Sie ist selten wirklich preisgünstig. Wer blind der Werbung vertraut und keine Preise vergleicht, bezahlt für bescheidene Angebote zu viel. Oft kassierten Fluggesellschaften mit hervorragenden Leistungen weniger als der Billigflieger.
Für Mowglis Rückflug buchten wir eine andere Airline. Der Preis war trotz Verpflegung günstiger. Der Junge lernte zudem einen weiteren Flugzeugtyp kennen. Er übte das Umsteigen im provinziellen Don Mueang. Über seine Erfahrungen sandte er ein Mail.
„When I come to Don Mueang I almost lost way. I go and ask the police. I don’t come out from the airport yet. Where can I check in Don Mueang to Chiang Mai?
This Guy smell out of mouth very bad. He say go to 2nd floor.
I say thank you.
I not sure I ask others one more now is the woman. She say go to 3nd floor.
Now is correct and same thing go check in Gate again.”

Am vergangenen Freitag erhielt ich unverhofft Staatskunde-Unterricht. Zu dritt sahen wir am Fernsehen auf Kanal 190 das “Thailand Philharmonic Orchestra“.
Der Deutsche Stefan Willich dirigierte die 6. Symphonie, komponiert von Ludwig van Beethoven.
Eine bezaubernde Flötistin bereicherte durch ihre blosse Anwesenheit das Konzert. Der erste Satz war gespielt, der zweite kaum begonnen, unterbrach das Signet des NCPO, National Council for Peace and Order, die Musik. Herr General Prayut Chan-ocha sollte seine wöchentliche Rede halten.
Während der Fussball-Weltmeisterschaft konnte der Termin der Ansprache des Generals wegen eines wichtigen Spiels verschoben werden. Für die Pastorale, Beethoven arbeitete 1804 zwei Jahre lang daran, gab es leider keine Ausnahme, auch nicht für Kanal 190.

Low als Glücksbringer

Nicht nur Glück, sondern vor allem Devisen, bringen zahllose Gäste aus dem riesigen Reich der Mitte in die Länder Hinterindiens. Wahrscheinlich durch Auswirkungen der Kulturrevolution sind diese Menschen noch nicht total auf zeitgemässe Formen der Darmentleerung getrimmt, obwohl im alten China die Hygienemassnahmen weitaus fortschrittlicher waren, als damals in Palästen und Siedlungen im europäischen Raum.
Privatsphäre beim Verrichten natürlicher Ausscheidungen gab es im aufstrebenden China trotz rotem Büchlein kaum. Kackenderweise unterhielt man sich während den Sitzungen ungeniert mit den Partei-Genossen über die Ratschläge des grossen Vorsitzenden. In den kahlen Räumlichkeiten fehlte jeglicher Komfort. Im alten Rom dienten Vorsitzende als Vorwärmer kalter Sitzgelegenheiten
Im modernen China verdient man plötzlich Geld. Es erlaubt, kurzzeitig aus dem Mief trister Wohnblöcke auszubrechen. Vielfach war es üblich, dass es pro Stockwerk bloss eine bescheidene Einrichtung zur Verrichtung der Notdurft gab. Daher fehlte die Kenntnis, wie man geflieste Toilettenanlagen mit komischen, keramischen Sitzgelegenheiten, viel Chrom, Papierrollen, Waschbecken aus Porzellan, an den Wänden glänzende Spiegel und glitzerndes Glas, benutzen sollte.
Auf einem Klo stehend, konnte man fernere Ziele anvisieren, als aus Bodenhaltung.
Die Ecken der Toiletten wurden von rechtwinkligen Architekten nicht als Deponien für Toblerone oder andere bräunliche Gegenstände gestaltet. Diese Ecken boten dennoch ungeahnte Privatsphären, denn in die geschlossenen Kabinen getraute man sich nicht.

Missbräuche von Hinterindiens Toiletten wurden zum Politikum. Im weissen Tempel von Chiang Rai sperrte man den Eintritt und die Benutzung der Sanitäranlagen kurzzeitig für Besucher aus China. (1) Nun sollen spezielle Entsorgungs-Einrichtungen für die willkommenen Devisenlieferanten erstellt werden.
Die Flughäfen Bangkoks und von Chiang Mai meldeten pikante Vorkommnisse. Barbusige Damen wuschen ihre Unterwäsche in den Waschräumen und trockneten die delikaten Bekleidungsstücke auf Sitzen der Aufenthaltshallen. Die Herren benahmen sich meist pflegefreundlicher. Sie wuschen bloss verschwitzte Füsse im Klo oder als gekonnte kunstturnerische Akrobatikeinlagen im Lavabo.

Neben den fiskalischen, ähh – den fäkalischen Problemen entstanden neue, technische Engpässe. Die chinesischen Freunde erwerben im Ausland in ihrer Heimat produzierte Smartphones. Es gibt nur ein Produkt für sie: Birne.
Mit dem vereinigten Birnenkomp(l)ott blockieren sie als imposante Menge sämtliche Internetzugänge. Drei Tage lang versuchte ich erfolglos, eine Verbindung zu erhaschen. Eine freundliche Dame an der Rezeption sagte anlässlich meiner Frage nach Zugangs-Schlüssel und Passwort unaufgefordert zu mir:
„Bringen sie ihren Laptop. Ich habe einen schnellen Kabelanschluss!“

In unserer favorisierten Bar auf Langkawi erhielten wir den Code des privaten Anschlusses. Wieso? Der Abteilungsleiter für Essen und Getränke (neudeutsch: F&B Manager) träumte von mir. Er kaufte ein Los mit unserer ehemaligen Zimmernummer und kassierte zweihundertfünfzig Ringgit.
Welche meiner intimen Daten in Chiang Mai verwendet wurden, weiss ich nicht. Aber unser Holzkunstwerker, der geniale Wurzelschnitzer mit polizeilich verordneter Bedenkzeit im Kerker, gewann nach einem Traum über mich, hoffentlich wurde er von Albträumen verschont, dreissigtausend Baht.
Man darf sich ruhig fragen, ob Glück gleichbedeutend mit Geld ist. Im Land der buddhistisch angehauchten, zur Zeit freilandgeräucherten Bathisten bestimmt. (a)

(1) http://hinterindien.com/2013/02/15/chiang-rai-schwarz-und-weiss-bunte-ansichten/
(a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61918
(a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61921

In fernes, unbekanntes Land

Mowgli verbrachte die ersten Lebensjahre bei verschiedenen Onkeln und Tanten in einer Art Dämmerzustand im wilden Osten der Provinz Phitsanulok. Unter Ausnahme von tristem Fernsehgeflimmer aus uralten, mit Spinnweben dekorierten Kästen und dem Bangen um die nächste Mahlzeit, gab es ausser dem weit entfernten Dorftempel, wenig Erbauliches.
Später trugen die Lehrer in der Schule stets wohlgefüllte Flachmänner in sämtlichen Taschen und Täschchen. Die Pädagogen stanken gegen den Wind nach Fusel. Sie kümmerten sich kaum um die Kinder. Die durften tagelang aus Heften und Büchern abschreiben. Die älteren Bengel verlustierten sich am Quälen der Kleinen. Sie stahlen ihre Mahlzeiten, oder dekorierten ihr Essen mit Ungeziefer und Schmutz. Die Autoritäten sahen stillschweigend zu, bis eines Tages bemerkbar Teller fehlten, weil damit missbräuchlich Frisbee gespielt wurde. Mowgli verpetzte die hirnlose Bande.

Es war die Chance seines Lebens, als der Knabe nach Chiang Mai kam. Die Tagesabläufe waren weniger chaotisch. Er hatte plötzlich Menschen um sich, die sich um ihn kümmerten und gleichzeitig zur Selbstverantwortung erzogen. Er ging in HangDong gerne zur Schule und lernte meistens zufriedenstellend.
Er entgleiste einige Male, teils selbst verschuldet, teils durch fiese Ratschläge bosärtig-dummer Mitmenschen. Er schaffte den steinigen, mit Hindernissen gespickten Weg, vom ausgebeuteten Dorftrottel am Rande des Niemandslandes, wo früher Kommunisten den Regierungstruppen Schlachten lieferten, zum Klassenersten. Ehrlich gesagt, Mowgli ist keine Leuchte am Firmament des Wissens. Aber er war weniger faul als alle seine Kameraden und löste sogar Hausaufgaben.

So viel Einsatz musste belohnt werden. Schon aus dem Grund, weil ich mit meinen angeschlagenen Gelenken von Prügelstrafen absehen musste. Von Nordthailand kommend, kaum in Satun angekommen, luden wir ihn zum Verbringen seiner Ferien ein. Bereits zwei Tage später sollte er den ersten Flug seines Lebens, von Chiang Mai nach Hat Yai, geniessen. Danach reiste er mit einem Minibus nach Satun. Am nächsten Tag lernte er weitere, bisher unbekannte Verkehrsmittel kennen, die Fähren von Satun nach Langkawi.
Offiziere von Polizei und Militär liessen aus Sicherheitsgründen die Passagiere warten. Im Maschinenraum des ersten Bootes aus Kuah fanden sie eine Pfütze mit Dieselöl oder Dieseltreibstoff. Das sei lebensgefährlich, entschieden die Herren mit den schneidigen Mützen und Reihen bunter Orden an der Brust. Die Reisenden müssten auf das nächste Schiff warten. Und sie warteten. Hafeneinfahrt Satun
Diese Fähre legte in Tammalong endlich an. Unzählige Passagiere, die meisten Einheimischen mit reichlich Schmuggelware eingedeckt, zwei junge Frauen schleppten über vierzig Gepäckstücke – Koffer, Schachteln, Ballen, Säcke – verliessen gemächlich das Boot.
Danach inspizierten die vereinigten thailändischen Offiziere das malaysische Schnellboot, aus einem eng befreundeten Nachbarland, ferner Mitglied der ASEAN. Die Experten entdeckten mehr Öllachen als im ersten Boot. Sie diskutierten lange über Sicherheitsfragen und die Explosions- und Brandgefahr von Dieselöl.
Die Herren entschieden, das erste Boot sei weniger gefährlich. Wir Passagiere durften
nach über zwei Stunden herumsitzen endlich an Bord. Diesel kann unter Umständen als Schmiermittel verwendet werden.
Eine Woche später bemerkten wir auf der Rückreise, dieses Diesel-Dussel-Spiel wird munter weiter betrieben. Fähren von Thai Eigentümern gelten als sicher und müssen nicht kontrolliert werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dieselkraftstoff

Tänze, Tempel, Tiere, Krempel

Wat Bua Kwan in Nonthaburi liegt nicht besonders malerisch an einem markanten Hügel oder an einem lächelnden See. Die Anlage ist mitten im Grossstadt Gewimmel. Dichter Verkehr braust pausenlos auf einer Hochautobahn mit Blick auf die Tempel Dächer. Unter der Hochautobahn drängeln und stauen sich ebenfalls Fahrzeuge. Diese stehen überall vor den zahlreichen Gebäuden der Anlage. Beim Abschreiten und Verehren der unzähligen Gottheiten werden Gläubige immer wieder durch rücksichtslos knatternde Motorräder in die hektische Gegenwart zurückgerufen.
Die versammelten Buddhas aller Stilrichtungen, von spindeldürren Giacometti Figuren (1) bis zu gewagt chinesischen Fettleibigkeiten, gibt es viel zu bestaunen. Die hübsche Kwan Yin fehlt nicht im Reigen. Hindugötter wie Brahma, Krishna, Shiwa, Ganesha (2) und weitere der zehntausenden Familienmitglieder säumen Hallen und Wege. Heilige Rinder, schöner als echte Wasserbüffel, grüssen stumm und ohne duftende Exkremente. Allfällige Tretminen stammen von Hunden, Hühnern und Katzen.
Neben all den heiligen, buntbemalten, teils vergoldeten Figuren, stehen wenig diskret Opferstöcke. Sie fordern zum Spenden auf. Hier wird man nicht nur die Sünden los, sondern ebenfalls Münzen und Papiergeld. Das ist doch der tiefere Sinn der Religionen. Nur der stetige Griff zum Geldbeutel bringt Segen.

Die Tempel-Anlage ist eine Grossabfertigungsstelle, die Endstation, das Tor zum Nibbana (Nirwana), Man fühlt sich dem Tod sehr nahe. Es gibt mehrere, nummerierte Abdankungshallen. Sie sind so ausgelegt, dass gleich mehrere Trauergemeinden Platz finden. Während die einen auf ihre Smartphones glotzend mit halbem Ohr einem Redner oder einem Grüppchen Mönchen zuhörten, strömten links oder rechts leise neue Besucher in ihre Sitzreihen.

Unsere Abdankungsfeiern im Wat Bua Kwan in Nonthaburi waren weniger hastig, von gehobener, gepflegter Art mit Zwischenverpflegung. Traditionelle Thaitänze, ausgeführt von Studenten der Rajamanga University of Technology, Thonburi, Bangkok – wo die Verstorbene lehrte, begleiteten während fünf Tagen das Chanten und die Gebete der Mönche. Dick, in feines Schwarz gehüllt, war mit Kamera und Stativ beschäftigt. Die eher bescheidenen Lichtverhältnisse im Tempel beschränkten leider die technische Qualität ihrer Dokumentation.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Giacometti
(1) http://www.fondationbeyeler.ch/sammlung/alberto-giacometti?gclid=CITk4IDXnsQCFQ4njgod_3oAiA
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Ganesha

Manohras Tanz
(m) https://www.youtube.com/watch?v=jiS0SYHyRQ0
Der Tanz “Manohra Buchayan“ besteht aus sechs Akten. Sie zeigen die mythische Liebesgeschichte zwischen Manohra, einem Fabelwesen – Kinnaree – halb Mensch halb Vogel, und dem Prinzen Suthon.
Ein eifersüchtiger Höfling verriet das Fabelwesen Manohra den Obrigkeiten. Diese Kinnaree, Manohra, sollte darauf verbrannt werden. Im letzten Tanz schwingt sich Manohra in ihrem Federkleid jedoch in die Lüfte und rettet sich in die Berge des Himaphan.

“Thai Dance in Wat Bua Kwan“.
(t) https://www.youtube.com/watch?v=9fohp9P4IiA

Aus Rücksicht auf die ausführenden Studenten, sie interessierten sich für die Aufnahmen, wählte ich für den Titel die englische Sprache.

Weitere LINKS
Die Geschichte zum Video:
(1) http://www.youtube.com/watch?v=jiS0SYHyRQ0
finden Sie in:
(2 http://hinterindien.com/2015/03/07/lieferungsverzug-trotz-adleraugen/
Zusätzliche Informationen:
(3) http://www.thailandtourismus.de/service/neuigkeiten/details/article/typisch-thailand-traditioneller-volkstanz.html
Mehr über Manohra
(4) http://www.thaipage.ch/autor/ertelt/thai.php
(5) http://www.manoravillage.com/german/56-manora-eine-thai-legende

Lieferungsverzug trotz Adleraugen

Leider geriet ich mit den Berichten in Rückstand. Bisher versuchte ich, jeden dritten Tag einen Beitrag zu publizieren. Dieser Vorsatz wurde durch unsere Reisen arg durcheinander geschüttelt. Die teils holprigen Strassen und meine Tätigkeit als Navigator liessen das Tippen im Auto nicht zu. Leider bleibt es so, denn nächste Woche besuchen wir erneut Langkawi.
Einen der Höhepunkte als Nüvi-Interpretierender erlebte ich in Chumphon. Ich sagte:
„Links abbiegen, links bitte, links,.. links, …“.
Dick erwiderte:
„Nicht hier!“ und bog auf ihre falsche Schnellstrasse ab. Sieben Minuten später rollten wir dennoch Richtung Surat Thani.

Die vergangenen Tage waren wir von Chiang Mai nach Nakhon Sawan, Nakhon Pathom und Chumphon unterwegs. Von Nakhon Pathom aus machten wir einige Abstecher in den Tempel Wat Bua Kwan in Nonthaburi. Die zurückgelegten Distanzen in der Stadt betrugen alle fünf Minuten hundertfünfzig Meter. Bitte Umrechnen auf einen Kilometer!Wat Bua Kwan Hindugott
Eine Verwandte von Dick wurde im Tempel kremiert. Die Abschiedsfeier dauerte fünf Tage, mit Chanten und Gebeten der Mönche und der Vorführung klassischer Tänze, denn die Verstorbene lehrte Tanz an einer Universität in Bangkok. Thai-Tempel-Tänzerinnen
Das Orchester alleine umfasste zwölf Musiker. Es spielten selten alle zusammen, denn zwischendurch wurden Stärkungen eingeworfen. Dick filme fleissig. Nun müsste ich die Aufnahmen bearbeiten, um sie später auszugsweise auf Youtube zu zeigen. Flotter Flöter0rchester
Nach zweitausend Kilometern trafen wir wieder in Satun ein. Die Luft hier ist rein und klar. Adler kreisen am Himmel. Es ist unglaublich, wie diese Vögel in grosser Höhe fliegend Fische erspähen, einen Sturzflug einleiten und mit der Beute ihre Jungvögel versorgen. In Nordthailand müssten diese Greifvögel verhungern. Wegen der eingeschränkten Sicht im Smog wurden sogar Flüge nach Mae Hong Son eingestellt.

Das Leitungs-Wasser in Satun entspricht mit den gemessenen elektrischen Leitwerten dem Trinkwasser aus Flaschen. Dick sieht es an der Wäsche. Weisse Wäsche ist blendend weiss. In Chiang Mai erzeugt derselbe Maschinen-Typ mit demselben Pulver höchstens ein mildes Grau. Der gemessene Widerstand des gepumpten Wassers ist in Phonphat fünfundzwanzig Mal schlechter als das gefilterte Wasser. Die Qualität des Leitungswassers ist unterschiedlich, aber meist noch schlechter als unser gepumptes Wasser.

Wahrnehmungsunfähigkeiten

Der Leser und Denker Illuminati weckte mich mit seinem Kommentar erneut aus Träumen und Tiefschlaf. Was kann er nur gemeint haben? Zweifelt er gar die verheerende Luftbelastung durch Feinstaub in Nordthailand an?
Zugegeben, mein zynischer Vorschlag, Särge mit Warnschildern zu versehen, grenzte an Leichenfledderei. Er war so sinnvoll, wie Aufforderungen, Dieselfahrzeuge regelmässig zu warten, oder Krematorien mit Filteranlagen auszustatten. Das ist bei Feuerbestattungs-Anlagen ohne Kamine, wie ich sie in LanNa Land antraf, unmöglich.

Dazu gesellt sich unsere subjektive Wahrnehmung, beziehungsweise die Wahrnehmungsfähigkeit. Einige tragen rosarote Brillen. Sie erkennen aus Selbstschutz nichts, was sie nicht mögen.
Für solche Mitmenschen gibt es keine schlechten Gerüche, weniger freundlich als Gestank bezeichnet. Sie sind gierige Allesfresser, die sogar neben stinkenden Abfalleimern oder auf schwelenden Müllhalden picknicken.

Unglücklicherweise habe ich einen empfindlichen Riechkolben. Er lässt mich jedoch die Feinheiten edler Weine erkennen, ohne sie zu trinken. Dieselbe Nase warnt mich vor verdorbenen Speisen. Auf deren Genuss verzichte ich gerne, weil ich die meisten Toiletten wegen baulicher Hindernisse, Treppen und zu schmale Türen, im Notfall nicht aufsuchen kann.
Dick kennt da weniger Skrupel. Sie isst, mit wenigen Ausnahmen fast alles, was aufgetischt wird. Danach generiert sie neue Welt-Bestzeiten im Schittathlon auf glitschigen Slaloms zu Toiletten, sofern sie sich nicht vorher übergibt. Sie tut dies mit beneidenswerter Leichtigkeit, während ich mich jeweils stark schwitzend, ergebnislos fast zu Tode würge.

In reiferen Jugendjahren konnte ich defekte Elektrogeräte dank der hohen Sensibilität der Geruchsempfindlichkeit ohne Messgeräte reparieren. Defekte Gleichrichter aus Selen, es gibt sie heute nicht mehr, rochen für mich ähnlich, wie Neugeborene mit vollen Windeln. Die „Déformation professionelle“ liess mich Jahrzehnte später bei meinen Kindern ausrufen: „Es riecht nach Selen!“ (1)

Es mag zwei Wochen her sein. Ich lag bereits im Bett und wartete auf Dick. Ihre Mutter beanspruchte ihre Anwesenheit grenzen- und zeitlos. Als Dick endlich kam, füllte sie das Haus mit stechend durchdringendem, scharfem Gestank. Sie selbst bemerkte nichts.
Die dicke Luft liess mich nicht einschlafen. Ich suchte nach einer Erklärung. Fuchs und Marder waren es nicht. Katze! Ich verliess das Bett und suchte.
Wahrhaftig – da pisste doch ein verliebter Kater in einen auf der Veranda wartenden, mittlerweile im Schlafzimmer anwesenden, flauschigen Pantoffel.

Bei Rauch differenziere ich. Gartenabfälle und Qualm toter Tiere miefen, sind jedoch in geringen Mengen unbedenklich. Gummi und Autopneus, die ich von Kleptomanewitschs Stahlwerk her kenne, hinterlassen schwerer verdauliche Spuren. Wolken von PVC, PolyVinylChlorid, gehören für mich zur Giftklasse. Weniger vorsichtige Menschen garen über diesen glimmenden Wohlgerüchen Würste und Fleisch. Die Gase riechen nach Chlorwasserstoff. Es entstehen gesundheitlich bedenkliche chlororganische Verbindungen. (2)

Bereits beim Landeanflug in Bangkok anfangs Februar tauchte die Maschine in bunte Farbkombinationen von Luft. In Bangkok ist die Luftqualität weitaus besser als im Norden des Landes.
Tags darauf besorgten wir in Hangdong Nahrungsmittel bei einem Grossverteiler. Als ich mich danach ins Auto setzte, bemerkte ich schwarz gefärbte Hände. Ich erinnerte mich nicht, dass ich dunkle Gegenstände, Apparate oder Isan-Frauen, angefasst hätte. Meine Handflächen blieben während drei Wochen in Chiang Mai mehr oder weniger dunkel. Waschen half nur kurzzeitig.
In Nakhon Sawan verminderte sich die Einfärbung. Drei Tage später, in der Gegend des Mae Tha Chin, Distrikt Sam Phran, Provinz Nakhon Pathom, verschwand die Verfärbung allmählich. Ich nehme an, es handelte sich um chemische Reaktionen, ausgelöst durch Luftverschmutzung, feuchte Hände und die metallenen Greifringe des Rollstuhls. Mae Tha Chin
Heute vernahm ich telefonisch aus Satun und las in Zeitungen, dass sogar Chiang Mais Gouverneur Suriya Prasanbanthit nach reiflichem Nachdenken (ca. 3 Wochen) über die Luftqualität im Norden besorgt sei. Vermutlich werden dieselben Massnahmen ergriffen wie üblich: Ausser leerem Gerede – gar nichts.
Seit fünfzehn Jahren liegt ein neuer Feinstaub-Rekord in der Luft, denn so etwas erlebte ich nie zuvor.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A9formation_professionnelle
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylchlorid
(3) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61359

Bild: Paddler kämpft gegen treibende Wasserhyazinthen am Mae Tha Chin.