Erwachen im Morgengrauen

Zikaden zirpen. Versteckt im welken, nass-feuchten Laub quaken vergrämt wenige Frösche. * Erste Vögel zwitschern. Tauben gurren. Aus der Ferne krähen Hähne. Kleptomanewitsch hustet sich vernehmbar Gummipartikel seiner Stahlproduktion aus der Lunge. (1) Grosse Wassertropfen aus Bambus und Bäumen platschen in den Teich.
Erstes Licht wird von Metallteilen gespenstisch reflektiert. In den Fenstern zeichnen sich
tausend zarte Grüntöne ab. Davor ruht der Schatten eines stehenden Buddhas, mit leichtem Strahlenschein über dem Haupt, Mystik pur.
Ich überlegte, nicht alle Menschen haben das Glück, so zu erwachen. Kranke quälen sich durch endlose, schlaflose Nächte. Weltweit herrscht Habgier, Gewalt, Mord und Totschlag. BambooBird Gestern begann in Bangkok das grosse Gratis-Strassen-Fest “Thailand Happiness“.
Ist Glück organisierter, bis zur Schmerzgrenze elektronisch verstärkter Lärm, produziert durch lässig oder möglichst schrill bekleidete junge Leute, auf mehreren Bühnen gleichzeitig?
Anstelle von Pop, Hip Hop und Rap würde ich einen Walzer, wie „Am duftig braunen Chao Phraya“ oder den „Original Krung Thep Maha Nakhon One Step“ vorziehen.
Das Thailändische Fremdenverkehrsamt TAT meldete lakonisch, es erwarte zu den Veranstaltungen 200‘000 Besucher. Wenn jeder Teilnehmer eintausend Baht ausgebe, würden 200 Millionen Baht generiert. Happiness lässt sich von gewieften Unternehmen auch in Mega-Baht beziffern!
Der TAT Gouverneur Tawatchai Aranyik erklärte, das Festival würde der thailändischen Gesellschaft das Glück wieder zurückbringen und gleichzeitig den Tourismus stimulieren. Glück muss ansteckend sein. Man stelle sich vor, zweihunderttausend Nasen sind vor Ort und hundert Millionen Augen werden glücklich. Ach ja, ich Depp vergass das Fernsehen.

Es wurde heller, ich erkannte Gegenstände. Mein stehender Buddha entpuppte sich als eine Flasche Körper-Creme, bestehend aus Wasser, Glyzerin, Petrolatum, Isohexadekan, Mineral-Öl, Synthetischem Bienenwachs … etc. Damit kann sich jeder selbst anschmieren.

*vergrämt ist Jägersprache. Die Fröschlein sind die Gejagten. Die behäbigen alten Schwergewichte, die wenig zu befürchten haben, meldeten sich nicht.

(1) http://hinterindien.com/2014/01/21/kleptomanewitsch-wird-reich/
(Carling Family Original Dixiland Onestep) http://www.youtube.com/watch?v=B8uFf7pKomc

Ideen zur Neuprogrammierung der Menschen

Bereits im Kindergarten fängt die Zukunft des Landes an. Wir begriffen dies, als Goon uniformiert gegen 18:00 zackig den Schönheitssalon betrat und erklärte:
„Ich muss die Nationalhymne hören.“
Pflichtbewusst schaltete Grossmutter das Radio oder den Fernseher ein. Der Kleine hörte salutierend zu und befahl: “Grossmutter, aufstehen!“

(A) In den Schulen soll das neue Fach “Bürgerpflichten” ab November landesweit besser aufklären.

(B) Die Vermittlung von zwölf Grundwerten, welche einen guten Thai ergeben, wird in den Lehrplan integriert. (1)
1. Jeder Thailänder soll die Nation, die Religion und den König lieben, welche heute die Hauptinstitutionen der Nation darstellen.
2. Jeder Thailänder soll ehrlich, aufopferungsvoll und unnachgiebig sein und das Ideal anstreben, Gutes im Interesse der Gemeinschaft zu tun.
3. Jeder Thailänder soll seinen Eltern, seinen Erziehungsberechtigten und seinen Lehrern dankbar sein.
4. Jeder Thailänder soll wissbegierig sein und sich direkt oder indirekt immer weiterbilden.
5. Jeder Thailänder soll die gute thailändische Kultur und Tradition pflegen.
6. Jeder Thailänder soll tugendhaft sein, die Ehrlichkeit ehren, anderen Menschen gut gesinnt sein und bereit sein, anderen Menschen zu helfen und mit ihnen zu teilen.
7. Jeder Thailänder soll richtig verstehen und lernen, was die Demokratie mit dem König als Staatsoberhaupt ausmacht.
8. Jeder Thailänder soll auf Ordnung achten, Gesetze einhalten. Ein Rangniedriger bzw. Jüngerer soll ranghöhere bzw. ältere Personen respektieren.
9. Jeder Thailänder soll besonnen sein. Er soll sich seines Denkens und seines Handelns bewusst sein, wie Seine Majestät der König es empfohlen hat.
10. Jeder Thailänder soll nach der von Seiner Majestät dem König propagierten Philosophie der Selbstgenügsamkeit leben. Jeder soll sparsam sein, damit er sich in der Not helfen kann. Jeder soll selbstgenügsam sein. Wenn er etwas übrig hat, soll er es mit anderen Menschen teilen bzw. es verkaufen und seine Geschäfte erst erweitern, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und seine Geschäfte sich gesund entwickeln.
11. Jeder Thailänder soll körperlich und geistig stark sein. Er soll sich nicht von niederen Mächten verführen lassen. Er soll gemäß der Lehre der Religion Angst vor bösen Taten haben.
12. Jeder Thailänder soll mehr an die Gemeinschaft und die Nation als an eigene Interessen denken” (2)

(C) Der Sekretär des Erziehungsministerium, Suthasri Wongsamarn, erklärte: Es soll ein Pass für gute Taten an die Schüler abgegeben werden. Die Schüler würden aufgefordert, täglich gute Taten im Pass zu vermerken. Die Schuldirektoren würden die Meldungen (ungeprüft) unterzeichnen. (3)

Massnahmen drängten sich auf, denn total harmonisch funktioniert das Land des Lächelns noch nicht. Schweizer ohne Migrationshintergrund zeigten vor meiner Abreise beispielsweise mehr Disziplin als Harmonie.

Eine einundzwanzig jährige Mutter beschwerte sich in Udon Thani bei der Polizei, dass ihr Sohn, 4 jährig, in einem staatlich geführten Kinderhort, mit einer Elektroschockpistole verletzt wurde. (4) Im Krankenhaus von Udon Thani stellte man Verbrennungen am Gesäss und an den Hüften fest.
Der Lehrer, Herr Thammanoon, erzählte dem Zeitungsmann, der Junge sei unglücklicherweise auf seine Selbstverteidigung, den Schocker, gefallen.

Im Distrikt Mae Sariang versuchte eine rabiate Lehrerin zur Strafe einem vierjährigen Bösewicht mit einem Lineal das Ohr abzuschlagen. (5) Es musste mit fünf Stichen genäht werden!

(1) http://www.prachatai.com/journal/2014/07/54539)
(2) http://passauwatchingthailand.com/2014/07/12/ncpo-der-ideale-thailander/#more-1842
(3) http://www.bangkokpost.com/most-recent/421749/education-project-to-foster-ethical-living
(4) http://en.khaosod.co.th/detail.php?newsid=1394179234&section=12
(5) http://en.khaosod.co.th/detail.php?newsid=1406110148

Sie tickt, die Uhr Zensur

ATMJede Sekunde im Leben ist ein kostbarer Schatz. Zeit ist messbar, dennoch unfassbar. Wir können Zeit nicht horten, zur Bank bringen und dafür noch Zins und Zinseszins beziehen. Das Vermögen Zeit zerrinnt unabwendbar. Geklaute Zeit ist unersetzlich.
Heute bezahlt Dick die Versicherung für das Motorfahrzeug, bringt den gewarteten Wagen mit polierten Scheinwerfern (1) zur Kontrolle und bezahlt die Steuern für ein Jahr. Damit ist für sie der Tag, wie jedes Jahr zuvor, gelaufen.

Ankündigungen der Militärs am Freitag mit der Bitte um „Kooperation“ und der Anordnung, die NCPO Operationen nicht weiter zu kritisieren, sorgt für eine erneute Beunruhigung der Medien. Der NCPO, ‘National Council for Peace and Order‘, droht bei Zuwiderhandlung mit rechtlichen Schritten und einer sofortigen Schließung der entsprechenden Medien.
Diese Anordnungen gelten für alle Medien und Plattformen, die Informationen verbreiten, unabhängig davon, ob sie von Gesellschaften oder von Privatpersonen betrieben werden.
Erneut wurde betont, dass Interviews von Wissenschaftlern, ehemaligen Beamten, ehemaligen Mitarbeitern der Gerichte oder Justizämter, sowie die Verbreitung von Meinungen unabhängiger Organisationen oder anderer Medien verboten sind.
Gleichzeitig legt der NCPO großen Wert darauf, dass alle von ihm erteilten Informationen und Anordnungen verbreitet werden. (t)

Meine Berichte könnten in diesem Zusammenhang unregelmässig erscheinen, nachdem ich feststellen durfte, dass meine alten Computer neuerdings Probleme machen. Den Router starten, dauerte am Sonntag 30 Minuten. Meine gesendeten Mails erschienen für kurze Zeit im Posteingang!
Jede URL musste mehrmals eingeben werden. Wenn die Seiten endlich erscheinen, waren sie oft verstümmelt. In den letzten Tagen gingen wichtige Mails verloren. Wohin in den Kabeln, Leitungen und Knotenpunkten des Internets?
Zeitungen lesen erforderte trotz Hochgeschwindigkeits-Netz mehr Geduld als mit antiquierten Dampf-Telefonmodems. (2)

Trotzdem werde ich versuchen, bis zu meiner noch nicht festgelegten Abreise, alle drei Tage ein Lebenszeichen zu publizieren. In der guten alten Zeit der Kurz- Lang- und Mittelwellen sendeten Radiostationen Pausenzeichen als Zeitfüller zwischen den Programmen. (3) Diese Signale dienten zudem zur Sendererkennung. Hier sind fast sämtliche Fernsehprogramme langweiliger und trostloser als Pausenzeichen und an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten, weil jegliche Botschaft fehlt – reine Zeitverschwendung!

(1) http://hinterindien.com/2014/07/10/kaufmannische-uberlegungen-in-lan-na-land/
(2) http://hinterindien.com/2014/07/04/zweifel-an-statistiken/
(3) http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7c/Swiss_Radio_International.ogg
Sauber übersetzt finden sie die Verhaltensregeln auf:
(t) http://passauwatchingthailand.com/2014/07/19/ncpo-deklaration-uber-kooperatives-verhalten-gegenuber-dem-ncpo-und-die-verbreitung-von-informationen-an-die-offentlichkeit/

Fragwürdiger Therawada Buddhismus?

Während Jahren beschrieb ich unverblümt den schleichenden Zerfall der grundlegenden Regeln des Buddhismus, des Tripitaka. Es gab Luxusmönche wie Wirapol, die mit hunderttausenden von Dollars im Designer-Gepäck (barfuss) unterwegs waren. Ein anderer Jünger Buddhas sammelten über sechzig Luxuslimousinen deutscher Fertigung. Kürzlich wurde eine Nonne am Steuer eines Porsche Cayman, Preis ab 6‘300‘000 Baht, mit einem Täschchen von Louis Vuitton kritisiert. (1) Vuitton scheint bei Klosterfrauen, ganz in Weiss und standesbewussten Gelbröcken ein unentbehrliches Accessoire zu werden.
Das Wissen, dass heilige Mönche Schulmädchen schwängerten, alkoholische Getränke konsumierten, in Lotterien Millionen gewannen und sich mit Pornofilmen auf ihre Meditation vorbereiteten, gehört fast zur Allgemeinbildung. Mindestens Farang wie ich, nahmen solche Ereignisse anfänglich verwundert zur Kenntnis. Dennoch scheint das Vertrauen der breiten Bevölkerung in Tempel und Klerus ungebrochen.

Suthep Thaugsuban, der selbsternannte Führer des ‘Komitees für Demokratische Volksreform‘, PDRC, sorgte während eines halben Jahres für Schlagzeilen. Er lähmte mit seinen Spiessgesellen ganz Thailand, die Stadt Bangkok, Industrien und Tourismus. Zu den beinahe täglich wandernden Reformern gehörte die gefürchtete Schlägertruppe des geldgierigen Protestmönchs Buddha Issara.
Suthep ermöglichte schlussendlich, mit seinen, durch mächtige Drahtzieher im zwielichtigen Hintergrund, streng geschützten Aktionen, das generalstabsmässig geplante Eingreifen der Armee in die Politik.

Suthep schaffte es immer wieder, in verschiedenen Regierungen aufzufallen. Von 1992 bis 1994 war er Mitglied des Kabinetts von Chuan Leekpai. Es gab einen Plan Sor Por Kor 4-01. Regierungseigenes Land sollte landlosen Bauern abgegeben werden. Das Land erhielten jedoch einflussreiche Familien aus Phuket. Suthep war in die Affäre verstrickt und musste zurücktreten. Die Episode bedeutete zugleich das Ende der Regierung Chuan.
Unter Abhisit Vejjajiva war Suthep im April und Mai 2010 Direktor des ’Centre for the Resolution of the Emergency Situation‘, CRES. Er sollte die öffentliche Ordnung wiederherstellen. Wegen der brachialen Gewalt Sutheps und seiner Leute, forderte die UDD Sutheps Entlassung als Vizepremier, sowie die strafrechtliche Verfolgung.
Er stellte sich zu Befragungen beim ‘Department of Special Investigation‘, DSI, betonte aber, er könne nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil zu diesem Zeitpunkt der Ausnahmezustand gegolten habe.
Weitere rechtliche Verfahren verliefen, wie wir sie in Thailand kennen. Gegen eine bescheidene Kaution blieb er frei. Weitere Gerichts-Termine wurden bis zum Putsch endlos verschoben.

Zukünftige Mönche, noch grün, später gelb bis orange-gelb.

Zukünftige Mönche, noch grün, später gelb bis orange-gelb.

Suthep wurde am 15. Juli im Wat Tha Sai, Surat Thani, ordiniert. Wir fragten uns, wie das möglich war. In Lan Na Land braucht zum Tempeleintritt jeder einen Persil-Schein, eine amtliche Bescheinigung, dass keine Straftaten vorliegen.
Wat Tha Sai liegt in Tha Tong Mai im Distrikt Kanchanadit. Suthep erhielt den Ordensnamen “Prapakaro“, der Lichtmacher. Er wird als Mönch im Tempel Suan Mokkh leben. (4) Wat Suan MokkhWapalaram, ‘Garten der Befreiung‘ ist ein Waldtempel im Chaiya Distrikt.
Dieser Tempel wurde 1932 vom hochverehrten Buddhadhasa Bhikkhu gegründet. Vor seinem Ableben 1993 errichtete Buddhadhasa das ‘International Dhamma Hermitage Center‘ in der Nähe des Tempels. Damit gab er Interessenten eine Möglichkeit, die Lehren Buddhas und die Vipassana-Meditation zu studieren.
80 Jahre zuvor trug der Ort den Namen Wat Tharnnamlai oder Wat Trapangjik. (Was ist richtig?)

Möge Phra Suthep als Lichtmacher im Dunkel durch hinreichend Helligkeit den schmalen Pfad der Tugend des Tripitaka erkennen.
Nicht der Therawada Buddhismus ist fragwürdig. Es sind seine Repräsentanten.

(1) http://www.bangkokpost.com/most-recent/417525/warning-to-porsche-driving-nun
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Persilschein
(3) http://www.bangkokpost.com/news/local/420689/suthep-takes-up-a-monk-life
(4) http://www.suanmokkh-idh.org/idh-wat.html
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhadasa

Trügerisches Eis

Das ist kein Bericht darüber, wie wir als Kinder in Tümpeln und Teichen in der Nähe der Aare mit Schlittschuhen auf dünnem, brechendem Eis beinahe absoffen. Die verdienten Prügel der Eltern, sie kannten die Vorteile antiautoritärer Erziehung noch nicht, auf nasskalte Hintern wirkten aufwärmend.

Mit zwei Jahreszeiten in Chiang Mai sind die Menschen, wie mit Smartphones, geistig-technisch überfordert. In der kühlen Jahreszeit, November bis Februar, schliessen wir abends Türe und Fenster, damit die Wärme im Haus bleibt. Während der restlichen acht Monate öffnen wir während den Nächten Türe und Fenster, um das Haus zu kühlen. Weil kalte Luft schwerer ist als warme, plante ich zwei der Fenster bis in Bodennähe. Sie bieten nicht nur eine spektakuläre Sicht in den Garten, sondern Vorteile beim Luftaustausch.
Das Verständnis der Bevölkerung für diese ausserordentlich komplizierten Vorgänge und Überlegungen fehlt vollständig. Die Dorfbewohner drücken jederzeit gedankenbefreit die Fernbedienungen ihrer stromfressenden Klimaanlagen, während ich durchs Haus schleichend, mehrere Thermometer ablesend, je nach Jahreszeit laut verschiedene Befehle erteile. Würde ich ein Fenster ohne Kommando öffnen, würde es Dick Sekunden später wieder schliessen. Morgens um acht sollte gegenwärtig auf der Sonnseite des Hauses die Türe, nicht die Gartentüre, geschlossen werden.

Ähnlich anspruchsvoll müsste man sich den Umgang mit Lebensmitteln wie Eis vorstellen. Als frühe Eismaschinen in Thailand werkelten, beachtete niemand die Wasserqualität. Jeder Eisproduzent scheffelte möglichst schnell Vermögen.
Erste Erfahrungen in Bangkok bestätigten, Eis diente für die Farangs zum Kühlen von Flaschen. Eis in Getränken führte zu Bauchgrimmen. Auslöser war selten die Kälte, sondern üblicherweise stark verunreinigtes Wasser. Der Maenam Ping bei Chiang Mai und der Maenam Chao Phraya in Bangkok sind keine glasklar sprudelnden Gebirgsbäche.
Das einzige empfehlenswerte Trinkwasser war um 1960 Polaris Wasser in Flaschen. Die Herstellerin, Maxine North, hatte während fast dreissig Jahren keine Konkurrenz für erstklassiges Trinkwasser. (1,2,3)

Frau North war die Gattin eines CIA Agenten. Das Ehepaar reiste 1950 nach Thailand. Robert G. North leitete die ‘Far East Film Co‘. Diese Firma vertrieb Filme. Nach dem Tod des Herrn North 1954, zweckdienliche Agenten wurden selten alt, katapultierte sich Maxine in die Rolle einer ausserordentlich erfolgreichen Geschäftsfrau. Neben der Herstellung von Polaris Trinkwasser, gründete sie in Sankamphaeng, Chiang Mai, Siam Celadon und stellte mit traditionellen Thai Mustern dekoriertes Geschirr her. Bereits Mitte der 60er Jahre gehörte ihr das Nipa Lodge Hotel im ehemaligen Fischerdorf Pattaya. Sie gründete die ’American Chamber of Commerce’ und den ‘Foreign Correspondents Club’. Maxine North verstarb mit 83 Jahren im Oktober 2003 in Pattaya.
Ich trank nicht nur ihr Wasser, ich war einer der frühen Gäste in ihrem Hotel. Der legendäre Kurt Wachtveitl war ihr Manager – danach leitete er das Oriental Bangkok. Ich investierte in ihr Geschirr. Eis traute ich, anders als die Eingeborenen, bis heute nicht.

Siam Celadon, Teller und Deckel

Siam Celadon, Teller und Deckel


Freund Dong trinkt täglich ein Fläschchen Scotch mit viel Eis und wenig Wasser. Blicke in seinen fast leeren Eisbehälter zeigten, entweder war der Behälter schmutzig oder das Eis enthielt Fremdstoffe.
Ich kaufte Eiswürfel verschiedener Anbieter und liess die Würfel schmelzen. Einige Wasserproben schienen sauber. Andere zeigten ohne Vergrösserungsglas oder Mikroskop Schmutzspuren im Glas: tote Insekten, Papier, Gras und Stoffe, die eindeutig schwerer als Wasser waren.
Gegenwärtig gibt es zwei Eiswürfelverkaufsstellen im Dorf. Khun Poo in ihrem ‘Tante Emma Laden‘ füllt ihr frisch gekauftes Eis in Säcke zu einem Kilogramm ab und lagert sie im Tiefkühler. Sie verkauft die Säcke zu fünf Baht.
Die zweite Verkaufsstelle lagert das Eis in einer grossen Kühlbox. Darin suhlen sich Bierflaschen, Getränke aller Art und vielleicht einige verpackte Fische, Tintenfische oder Frösche. Das verschmutzte, wesentlich wärmere Eis, der Schmelzpunkt nagt dauernd, kostet nur drei Baht. Geiz ist geil, erspare dir mit natürlich aromatisiertem Eis den Erwerb von teuren Abführmitteln.
Wir erzeugen unser Eis selbst, aus Wasseraufbereitung mit Umkehrosmose. Ich überwache die Wasserqualität und wechsle regelmässig die Filter.
Einst installierte ich in einem Haus ein drei Filter System in Kunststoff-Behältern mit Schraubbefestigung. Während 18 Monaten floss Wasser. Zahlreiche Nachbarn bedienten sich täglich gratis. Kein Mensch las die Bedienungsanleitung oder pflegte die einfache Anlage! Solange Flüssigkeit aus dem Hahn tröpfelte, gab es buntes Gammel-Eis.

(1) http://articles.latimes.com/2003/oct/16/local/me-passings16.2
(2) http://www.fr-ray.org/northstarlibrary/history.html
(3) https://groups.google.com/forum/#!msg/alt.obituaries/VBZPrgXg2Bc/ATnUJBr_G9MJ

Dazu eine Dokumentation: “El Ultimo Hielero”, der letzte Eismann. Er hackt Eis am Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors, 6268 m.
(d) http://vimeo.com/66703353
(Englische Untertitel) http://vimeo.com/66507747

Kühle Getränke in den Tropen

Ohne น้ำแข็ง, Nahm Kaeng, Ayer Batu, Es, Eis, kann man sich ein Leben in den Tropen nur schlecht vorstellen.
Im Artikel ‘Hamburg – Singapore 1857′ (1) berichtete Fedor Jagor über seine Ankunft am Sonntag, den 27. September 1857 in Singapur:
Alles war so fremdartig, nicht eine europäische Kleidung war zu sehen, bevor wir das Gasthaus erreichten, wo wir den Abend mit Champagner, Chesterkäse und englischen Zeitungen beschlossen.“
Lange fragte ich mich, tranken die Reisenden den Champagner warm? Eine erste Kältemaschine war bereits 1851 patentiert worden. Leider war sie unbrauchbar.Bourbon11
Der Geschäftsmann Frederic Tudor begann 1806 in Neu England, USA, einen Eishandel. (2,3) Im Winter wurden Natureisblöcke aus Seen und Flüssen geschnitten und in riesigen Eishäusern gelagert. Seine Lieferungen im ersten Jahr betrugen nur 130 Tonnen. Am Höhepunkt des Handels um 1850 wurden von Tudors Firma jährlich über 140‘000 Tonnen Eis aus Massachusetts exportiert. Tudor verschiffte Eis von Boston in entfernte Häfen wie New Orleans, Charleston, Savannah, Calcutta, Singapore, Rio de Janeiro und in die ganze Karibik. Die Verluste auf dem Weg nach Kalkutta betrugen fünfzig Prozent. Von den anfänglichen Mengen konnten etwa ein Viertel verkauft werden. 1833 gelangten 90 Tonnen nach Kalkutta. Der Verkaufspreis betrug ungefähr 60 Baht für ein halbes Kilogramm Eis und ergab einen Profit von 253‘000 $.Bourbon12

Das Ende der Natureisexporte begann leise und unbemerkt 1851. Der Arzt und Erfinder John Gorrie aus Apalachicola in Florida, beantragte sein Patent für „die künstliche Herstellung von Eis.“
Seine unpraktische Kältemaschine konnte sich auf dem Markt jedoch nicht durchsetzen. Ein Franzose, Ferdinand Carré, entwickelte 1859 eine Ammoniak Kompressions-Kältemaschine. Sie produzierte pro Stunde 200 Kilogramm Eis.
Ab 1877 baute und vertrieb der Genfer Physiker Raoul Pictet Kältemaschinen. Pictet nahm als Sekretär des Schweizer Gesandten an der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 teil. (4)
Dampfmaschinen trieben ab 1870 Apparate an, die zur Kompression der Gase von Kohlensäure, Schwefliger Säure oder Ammoniak benutzt wurden. Auf diese Weise erzeugte man Eis mit Kältemaschinen.
Hauptentwickler und Hersteller solcher Maschinen war die von Professor Carl von Linde geleitete Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen AG. (5) Von Linde studierte ab 1861 in Zürich am 1855 gegründeten Polytechnikum, heute Eidgenössisch Technische Hochschule, ETH. Dort lehrte damals Rudolf Clausius, der Schöpfer des zweiten Hauptsatzes der Wärmelehre: ‘Wärme geht niemals von selbst von einem Körper niederer Temperatur zu einem Körper höherer Temperatur über‘.
Das merken alle, die lange vor einem kalten Getränk sitzen – man muss selbst Hand anlegen.
Das erste Eis in Bangkok produzierte um 1894 Lert Sreshthaputa, Nai Lert, alias Phraya Bhakdi Noraset. (6)
Durch die Eismaschinen entwickelten sich weltweit eigene Eis-Industrien. (7) Bis in die 1970er Jahre wurden Europas Kaschemmen noch teilweise mit Stangeneis beliefert. Gleichzeitig erfolgte endgültig die breite Einführung von Klein-Kühlgeräten. Erst sie ermöglichten ein komfortables Leben in den Tropen.

(1) http://wp.me/p2ljyL-1kL
(2) http://en.wikipedia.org/wiki/Ice_trade
(3) http://www.accountingin.com/accounting-historians-journal/volume-11-number-1/planning-and-control-in-the-19th-century-ice-trade/
(4) http://wp.me/p2ljyL-1lm
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Linde
(6) http://en.wikipedia.org/wiki/Nai_Lert
(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Eisfabrik

Kaufmännische Überlegungen in Lan Na Land

Gegen Hitze helfen Klimaanlagen oder wesentlich preisgünstiger, Ventilatoren. Ventilatoren sind elektromotorisch angetriebene Propeller-Gebläse. Sie verteilen Luft, Bakterien, Dreck und Staub ungleichmässig im ganzen Wohnraum.
Trotz einfacher Konstruktion, Ständer mit Sockel, eingebautem mechanischem Schalter als Geschwindigkeitsregler, Motor, Propeller im Schutzkorb, streiken diese fragwürdigen Haushaltsgeräte öfters.
Werden die heiklen Maschinen von Drogenkonsumenten oder alkoholisierten Gästen angerempelt, brechen Ständer von Sockeln. Zum Nachtisch gibt es zusätzlich Propeller-Flügel-Salat. Gebrochene Ständer lassen sich weder mit Kleber, noch mit Viagra reparieren. Bei etwa dreissig Propeller Variationen, wie Aussen-Durchmesser, Flügelzahl und Antriebswellengrössen, findet kein พัดลม-, PadLom-Besitzer auf Anhieb das richtige Modell. Bei der geringsten Störung werden die Geräte ersetzt. Wir fanden eigentlich funktionierende Lüfter mit defekten Verbindungskabeln, meistens ausgerissenen Steckkontakten. Denn es ist bequemer, an Kabeln zu reissen, als Stecker zu ziehen. Das erspart mindestens drei Schritte und schont deshalb Schuhsolen. Für Luxus-Schlappen zu hundert Baht ergibt dies – hochgerechnet über tausend Jahre, ein Vermögen.

Preisgünstige Dreckschleudern werden ab sechshundert Baht angeboten. Wir haben ein durch einen Mikroprozessor gesteuertes Gebläse mit zweiundzwanzig Programmen, inbegriffen biologisch dynamisch kontrollierte Steuerung und umweltschonender Energiespargang. Diese Maschine bewegt ebenfalls nur warme Luft, ist aber im Aufbau wesentlich komplizierter und deshalb teurer. Der Wechselstrom muss für Prozessor und Elektronik in Gleichstrom umgewandelt werden. Es gibt zusätzlich einen Empfänger für die Befehle der Fernsteuerung. Unser Gerät funktionierte nicht mehr, keine einzige dutzender roter Leuchtdioden blinkte. Der Propeller wurde zum Antipeller.
Dieses delikate Gerät könnte nur von erfahrenen Fachleuten repariert werden. Spezialisten auf diesem Gebiet gibt es nicht. Sie studieren Schaltungen von Fernsehgeräten ab Baujahr 1980 und älter.
Trotzdem bat ich den Fernsehgeräteschaltplanstudenten Mowgli, für mich die Konstruktion aufzuschrauben. Ich vermutete den Fehler im Spannungsteiler für die Gleichstromerzeugung. Der Defekt war wesentlich einfacher: Eine durchgebrannte Feinsicherung. Im Normalfall lassen sich Sicherungen in zehn Sekunden austauschen.
Der Normalfall existierte hier nicht. Nach zwei Stunden Lötarbeiten und schrauben, war die Sicherung ersetzt.
Darauf fragte ich den Gehilfen: „Was würdest du von einem Kunden für die Reparatur verlangen?“
Ohne jegliche Überlegung antwortete Mowgli:
„Fünfhundert Baht!“ (Siehe Abschnitt zwei.) Service
Unser zuverlässiges japanisches Fahrzeug thailändischer Fertigung wurde gewartet. Ölwechsel, Bremsbeläge und was so alles im Büchlein steht. Zudem waren die Scheinwerferabdeckungen trübe und vergilbt. Angestellte der Fahrzeugkontrolle würden diese Schäden nur gegen entsprechendes Tee- oder Schnapsgeld übersehen.
Ich bat Dick zu fragen, was neue Scheinwerfer kosten oder ob eine Reparaturmöglichkeit bestehe. Ein komplettes Paar Scheinwerfer wurde für 50‘000 Baht angeboten. Für den Gegenwert von zehn Paaren gibt es neue Fahrzeuge inklusive Beleuchtung, fünf Rädern und Motor.
Dick sagte: „Das ist trotzdem günstig. Beim Prius kostet der Ersatz 60‘000 Baht!“
„Was kostet die Reparatur der Teile?“
Dick antwortete: „Die Reinigung kostet 10‘000 Baht. Die Garantie beträgt nur ein Jahr. Der Chefmechaniker riet mir davon ab. Die polierten Abdeckungen würden brüchig, besonders bei Zusammenstössen.“ Das hätte ich wirklich nicht erwartet.

Dick fand einen kleinen Betrieb. Ein Mann putzt zusammen mit seiner Frau Scheinwerferabdeckungen. Er verlangt für die Arbeit 4‘000 Baht und gewährt zwei Jahre Garantie. Pro Tag bearbeiten die beiden Leute durchschnittlich zwei Paare. Zuverlässige Mitarbeiter fanden sie keine. Landesüblich interesselose Hilfskräfte beschädigten öfters Teile. Dadurch schrumpfte der mögliche Profit oder es drohten Verluste.
Alle Garagen der weiteren Umgebung senden trübe Leuchten in diese Werkstatt. In unserem Falle hätte die Marken-Vertretung an unserer Dummheit 6‘000 Baht verdient.

In meiner Umgebung finden sich einige trübe Leuchten. Ihnen würde ich gerne die Fressen polieren lassen.