Geschäftsmodelle trotz fantastischer Bierideen ausgebremst

Ich entwickelte auf dem Papier neuartige Bauklötze, mit welchen Kleinkinder kreativ spielen könnten. Häuser, Tiere, und Fahrzeuge hätten sich leicht und einfach zusammenstecken lassen.
Der Raum Ban Tawai war lange Zeit für seine holzverarbeitenden Betriebe bekannt. In Hangdong und Umgebung gab es eine Anzahl stattlicher Anbieter. Sie verkauften Holz-Halbfabrikate wie Bretter, Stangen, Rundholz und Profile aller Abmessungen und Arten. Wir versuchten neulich mehrmals vergeblich, die gewünschten, kleinformatigen Stangen zu beschaffen. Die meisten Geschäfte wurden durch das staatliche Reformgremium eliminiert. Holz wurde National-Heiligtum und ist fast nur noch über die Schattenwirtschaft (Schwarzhandel) erhältlich. Eine Frau verkaufte früher Teak. Wir hofften, dort kleinere Rundhölzer zu erwerben. Sie sagte traurig:
„Holzdübel werden nicht mehr gebraucht. Die Industrie nagelt und leimt.“ Dübel, nicht Nieten

Einer der dominierenden Betriebe für künstlerische Holzbearbeitung im Raum Chiang Mai erhielt von den Herren Generälen eine schriftliche Aufforderung, den Laden zu schliessen. (1) Dutzende Arbeiter verlieren dann ihre Beschäftigung und ihr Einkommen. Die seit Generationen überlieferte traditionelle Schnitzkunst dürfte in Vergessenheit geraten. Der Eigentümer des Ladens lieferte jährlich Millionen Steuergelder an die Staatskasse ab. Wieviel Schmiergelder zusätzlich für Exporte erpresst wurden, weiss ich nicht.

Eines der hochbesteuerten Produkte des Detailhandels sind alkoholische Getränke. Anstatt diese Geschäfte so anzukurbeln, dass die klingenden Kassen überhitzen und der Staat unter Platzmangel für Banknoten leidet, drosselt man den Absatz mit noch restriktiveren Verkaufszeiten. Angeblich verbessert man dadurch die Volksgesundheit. Mit den geregelten Verkaufszeiten werden aber lediglich Tante Emma Läden gefördert. Diese kümmern sich nicht, wie Grossmärkte um Verkaufszeiten, sondern verschleudern ihre Vorräte jederzeit auf Pump (Anschreiben).
Als ich vor einiger Zeit Alkohol (Ethanol) für Reinigungszwecke kaufen wollte, erklärte mir die aufgeklärte Geschäftsfrau:
„Ah, das ist die Flüssigkeit, aus der Bier gemacht wird. Die verkaufe ich auf Geheiss der Regierung nicht.“ Das angebotene Chang wollte ich nicht.

Rein wirtschaftlich erlebte Thailand früher bessere Zeiten. Der Baht ist so schwach, wie seit vierzehn Jahren nicht mehr.
Die Exporte fielen im Juni auf den niedrigsten Wert seit dreieinhalb Jahren.
Der Absatz der Vehikel der Automobilindestrie stagniert. Eigentlich plante Toyota, 2015 im Land 330‘000 Fahrzeuge zu vermarkten. Die Verkaufszahlen mussten bereits jetzt auf 280‘000 korrigiert werden.

Wegen Wassermangels müssen Bauern ihren Anbau einschränken. In Thailand gibt es 280 Golfplätze. Davon gehören siebzig Prozent zur Weltklasse. Löcher zu zertifizieren ist offenbar einfacher als Abläufe bei Airlines. Haben sie irgendwo im Land einen ungepflegten, dürren Golfplatz entdeckt? In nicht allzu ferner Zukunft werden sich die Menschen Hinterindiens von Golfbällen ernähren.
Die Armee unterhält eigene Golfplätze. Die Armee hat eigene Radiostationen, Fernsehkanäle und eine Bank mit vielen Filialen. Warum braut die Armee nicht eigenes Bier (TAB) und destilliert zwecks Einsparung wertvoller Devisen eigenen Whiskey (TAW) mit dem Label: Still striking slow?

Die Mönche könnten nach altem bayerischem Brauch Bier herstellen, alkoholfrei natürlich. Dem klösterlichen Gerstensaft würden Mönchspfeffer (vitex-agnus-castus) und Soda zur Dämpfung des Geschlechtstriebes beigemischt. (2) Der Umsatz von unversteuertem Lao Khao und Sexualstraftaten unter Alkoholeinfluss würden gleichzeitig deutlich gesenkt. Dem Umweltschutz zuliebe, könnten gläubige Gelbröcke für fünfzig leere, zurückgebrachte Flaschen, geweihte heilige Amulette gegen Drogenkonsum abgeben.

Mit diesen neuen industriellen Betrieben, zusätzlich könnten Thai Army Knives (TAK) und Golfausrüstungen (TAG) produziert werden, würden lukrative Posten für verdienstvolle Offiziere geschaffen. Die gescheffelten Milliarden würden für die schlagkräftigste U-Boot Flotte der Welt mehr als genügen. Dübel, siehe oben, würden in einer modernen Marine nicht mehr verwendet. Nieten müssten ausreichen.

(1) http://hinterindien.com/2014/08/27/auf-dem-holzweg-holz-weg/
(2) http://www.tremmener-archiv.de/archiv/naturheilkunde/arzneimittel-der-naturheilkunde/moenchspfeffer-vitex-agnus-castus.html

Betreten auf eigene Gefahr!

Als ich im letzten Jahrhundert in der Schweiz Besitzer eines neuen Hauses war, wurde mir dringend empfohlen, für mein Grundstück Haftpflichtversicherungen abzuschliessen. Salzstreuer Sollte die attraktive Blaufichte, ein Flachwurzler, bei einem schlimmen Sturm auf Nachbars Dach krachen, müsste ich für den Schaden aufkommen.
Sofern der Weg zur Haustüre im Winter vereist sei, Besucher oder Postboten ausrutschen würden, deren Knochen bersten und brechen, wäre ich schuld, weil ich das Eis nicht entfernt hätte oder kein Warnschild aufgestellt habe. So schloss ich denn eine Haftpflichtversicherung ab. Die Versicherung kassierte. Innerhalb von fünfundzwanzig Jahren traten keine Schadenfälle ein.
Während des Entfernens von Schnee und Eis schwitzten wir jeden Winter. Zwecks zusätzlicher Sicherheit streuten wir so viel Salz, dass während der Vegetationszeit die Rosenstöcke abserbelten.
Im Nachhinein fragte ich mich, wäre ich, wenn sich ein Einbrecher, ein frecher Dieb, beim Einschlagen des Glases der Haustüre geschnitten hätte, schadenersatzpflichtig geworden? Bei Profis aus Balkanesien sicher, denn jemand hätte schlussendlich nach der Verarztung, Gerichts- und Rückreisekosten bezahlen müssen.

Als das Häuschen im Lan Na Dorf am letzten Reisfeld stand, schloss ich, wie ich es gewohnt war, Versicherungen für sämtliche Schadenfälle wie Einbruch/Diebstahl, Feuer, Termiten, Wasser, ab. Als mich später Dick über die erbärmlichen Leistungen der Versicherung aufklärte, kündigte ich die Verträge termingerecht.
Für meine Bildersammlung, von erstklassigen thailändischen Künstlern mit viel Sorgfalt gepinselt, hätte der Versicherer beispielsweise die Kosten für Farbe, Leinwand und Rahmen vergütet.
Die Entschädigung für ein Gemälde im Wert von 249‘386.75 Baht hätten wir ohne Aufwand in Alkohol verwandelt und zu zweit innerhalb einer halben Stunde geschluckt! Für ein bescheidenes dörfliches Karaoke-Besäufnis hätte die Summe nicht gereicht.

Für Dicks Grundstücke existieren keine Haftpflichtversicherungen. Deshalb gilt für allfällige Besucher die Regel: Betreten auf eigene Gefahr!
Wegen der benachbarten Drogenhersteller und der damit verbundenen Explosionsgefahr, bestehen wir auf: Rauchen verboten!
Um die Gift-Konzentration zu senken, müssen Gäste die Treppen benutzen und tief einatmen.

Lüfte und Düfte

Ludwig Uhland:
26.4. 1787 Tübingen – 13.11. 1862 Tübingen
Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Nach Satun mit viel frischem Wind, erzeugt durch mächtige Adlerschwingen, ist die Luft in Chiang Mai schwer. In Satun gibt es mehr Adler als Sperlinge in Chiang Mai. Die Verschmutzung ist auch ohne das Abfackeln von Feldern und Hügeln hoch. In Spitzenmonaten können die Schadstoffkonzentrationen dreihundert Mikrogramm erreichen. Fünfzig Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft sind üblich. In der Schweiz gilt dieser Wert länger als fünfunddreissig Tage pro Jahr als unzulässig und extrem gesundheitsschädigend. (1) Thais vertragen offenbar mehr. Gelbe Gardenie
Es gibt erfreulichere Düfte, wenn die goldgelben Gardenien oder der Jasmin blühen. Die Aromen sind süss und schwer. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wirken diese Blüten noch intensiver. Ich mag die erdigen Gerüche, wenn im Lan Na Dorf die ersten Regen einsetzen. Wir riechen den Regen, bevor er fällt. Frisch geschnittenes Gras gibt ein besonderes Bukett ab.
Ich erinnere mich an die Wohlgerüche von besonntem Heu in den Voralpen. Als Kind roch ich die eisenhaltige Luft in Bahnhöfen. Besonders eindrücklich war der abgestandene kalte Rauch in den Wartsälen der dritten Klasse. In den Wintermonaten mischten Heizungen den Mief feuchter Mäntel und Kleider dazu. Ein echter Höhepunkt war der Geruch nach Mottenkugeln im Gewimmel. Motten sind sehr genügsame und umweltfreundliche Tiere, denn sie fressen nur Löcher.

Den Grund dieses Beitrages lieferte unser Nachbar Kleptomanewitsch. Er besitzt eine neue Grasschneidemaschine. Ob er sie kaufte oder bloss mietete, ist uns nicht bekannt. Vielleicht fand er sie verlassen und einsam, ganz ohne Besitzer an einem Strassenrand.
Jeden Sonntag frühmorgens schnallt er sich Benzinkanister und Motor auf den Rücken. Dann hören wir den ganzen Tag die Symphonie für zweitaktgetriebene Propellermesser, vom scheppernden Leerlauf bis zum röhrenden Vollgas. Synkopen setzen geschleuderte Steine. Als Kesselpauken dienen getroffene Fensterscheiben. Die Duftentfaltung ist kolossal. Die solide Grundlage liefert der katalysatorfreie Auspuff. Dazu kommen Schwaden von unverbranntem Benzin. Das geschnittene Gras riecht fantastisch. Neuerdings benutzt der Gärtner sein Werkzeug zum Entlauben von Bäumen und Sträuchern mit mir unbekannten Duftnoten, wie Bambus und Mango. Aber – ohne Rizinusöl schafft der Kerl die Olympia-Qualifikation nie.
Gegen den Gestank des Treibstoffes setze ich im Haus erfolgreich Surya ein. Das sind indonesische Zigaretten des Hauses Gudang Garam, verfeinert mit Zucker und Gewürznelken. Wenn es nicht zu feucht ist, knattern und prasseln die Glimm-Stengel (Batang rokok) mit dezentem Feuerwerk.

Ebenfalls des Nachts im Bett, ohne Freundin Jasmin oder andere Blüten im Garten, werden wir von exotischen Düften überrascht. Die Nachbarin röstet jederzeit Knoblauch in Palmöl. Je später die Stunde, desto verbrannter der Knoblauch. In der abendlichen Stille hören wir die fliegenden Fische, wenn sie aus den Pfannen an die Decke knallen.
Letzte Nacht gegen drei Uhr dachte Dick, Mowgli verkohle seine Pasta und damit das ganze Haus. Ich konnte sie beruhigen, das sei nicht Pasta mit Pesto, die ich abends lieferte. Das müsse der hustende Koch von Sizzler sein, der seine Nudeln à l’américaine flambiere. Vom Strässchen her wehen, gefiltert durch das Badezimmer, zahlreiche stinkende Grüsse ungewarteter Dieselmotoren.

Zwei Stunden später wachte ich beduselt auf. Ein unbekannter Anrainer verwandelt Hustensaft mit Pseudoephedrin in Methamphemine. (2) Es stank, wie zur Zeit fast jede Nacht, nach Ethanol. Die durchschnittliche Geruchsschwelle liegt bei Konzentrationen von 93 ppm, das sind Teile pro Million. Explosionsgefahr besteht erst ab 35‘000 ppm, das sind 3.5 Prozent.(3) Ab welchem Grenzwert Leber und Lunge geschädigt werden, weiss ich nicht. Wir desensibilisieren vorsichtigerweise unsere Körper mit Destillaten aus der Karibik, gemischt mit veganem Kokoswasser.
Nun muß sich alles, alles wenden.
Kaum. – An den Frühling glauben ohnehin nur einige Heimweh-Europäer. Hustensaft feiert im LOS ungebrochen Hochkonjunktur!

(1) http://www.bafu.admin.ch/luft/00575/00578/index.html?lang=de
(2) http://hinterindien.com/2015/07/11/gefahren-in-schlafzimmern-2/
(3) http://www.swisseduc.ch/chemie/schwerpunkte/ethanol/docs/ethanol.pdf

Von Thailands inaktiven Posten und reagierenden Schalterbeamtinnen

Wir schliefen. Der Regen plätscherte. Die Fische im Teich frassen emsig Termiten. Diese nutzten die willkommene Feuchtigkeit zum Jungfernflug. Ohne pausenlosen Regen hätte ich das Plätschern aus dem Badezimmer vernommen.
Um zwei Uhr früh erhob ich mich aus dem Bett, schaute eine Weile den Fischen im beleuchteten Teich zu, hörte genau hin und vernahm das Brummen der Quetschpumpe des Umkehrosmose-Wasserfilters. (1) Da stimmt etwas nicht, sagte mein neuronaler Bordcomputer und bewegte mich ins Badezimmer.
Wirklich, die Filter-Behälter der Trinkwasseraufbereitung waren aussen nass. Ohne Brille konnte ich wenig erkennen. Mit einem Hilfeschrei weckte ich Dick. Sie sah sofort, das Wasser kam nicht von oben, sondern spritze aus der Vorratsflasche, welche unter Druck stand. Nach Anleitung waren es 80 psi oder 5.5 kg pro Quadratzentimeter.
Dann erkannten wir die Ursache der Bescherung. Das Absperrventil war geborsten. Die Teile lagen verstreut im ganzen Badezimmer auf 15 Quadratmetern. Das gefilterte Wasser floss rund ums WC in den Abfluss. Weitere Schäden entstanden keine.

Sechsunddreissig Stunden später montierte ich zufrieden das Ersatzventil auf den Tank. Das Beschaffen von Ersatzteilen ist in Thailand regelmässig ein Problem. Im dritten Laden, bei AMORN, in der Nähe des Chiang Mai RAM Spitals, wurden wir fündig.
Dick steckte das Stromkabel ein. Das Gerät schnurrte friedlich, bunte LED Lämpchen leuchteten. Dick war hungrig. Sie wollte beim Sohn Som Tam essen.
Als ich dachte, der Tank müsste voll sein und die Pumpe weiter werkelte, wurde ich misstrauisch, öffnete draussen das Geräteschränklein und unterbrach die Stromzufuhr.

Nach einer Stunde telefonierte ich Dick. Sie kam zurück von ihrer Mahlzeit. Ich bat sie, leere Wasserflaschen zu füllen. Der fünf Liter Tank lieferte fast sieben Liter.
Wir starteten das Gerät erneut. Die Verbindung vom Ventil zum Vorratsbehälter leckte leicht. Wir stellten das Gerät ab und sicherten erneut das Trinkwasser.
Im Werkzeugschrank fand ich ein neues Manometer. Anstelle des Vorratstanks montierte ich mit viel Dichtungsband das Druckmessgerät.
Dick war vollziehende Strom-Schalterbeamtin. Bei 80 psi schrie ich:
„Strom weg!“
Dick reagierte fast augenblicklich. Das Manometer stand bereits auf 120 psi! Clarte1
Die Diagnose war relativ einfach: Der Hochdrucksensor arbeitet nicht.
Die nächste Frage war: Ist es nur der Sensor oder gab der Mikroprozessor den Geist auf?
Das Gerät erkannte zusätzlich nicht, ob die Wasserversorgung offen oder gesperrt war.
Ich nahm an, dass in der vergangenen Regennacht eine Spannungsspitze, gratis geliefert von EGAT, den Prozessor fristlos in den inaktiven Dienst versetzte.
Inaktive Posten sind Ruhestandsfunktionen für korrupte oder unfähige Beamte in Thailand. Bei voller Entlohnung geniessen diese abgestellten Angestellten ihr Dasein bei schweisstreibendem Nichtstun!

Der Prozessor setzte offenbar die Pumpe in Betrieb. Das Ventil wirkte glücklicherweise als Sicherungselement gegen den Überdruck. Die herum fliegenden Teile hätten Personen im Badezimmer verletzen können.

Eine tiefsinnige Frage beschäftigte uns:
„Sollen wir einen Sanitärinstallateur mit Kenntnis von Mikroprozessoren für die Reparatur oder besser einen Programmierer mit Fähigkeitsausweis zur Installation bleifreier Badewannen anstellen?“
Diese Fachleute würden eine Woche lang reparieren, Nieder- und Hochdrucksensoren austauschen, sämtliche Filter ersetzen, einige Fliesen beschädigen und zusätzlich mit einem fallenden Schraubstock den WC Sitz aus Keramik demolieren. Haftpflichtversicherungen kennen hiesige Handwerker nicht!

In Helvetien würde ein ausgebildeter Handwerker in zwei Stunden plus Arbeitsweg mindestens so viel kosten, wie ein neues Gerät in Thailand.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Umkehrosmose

Vom wenig sachgemässen Schrauben und anderem Pfusch im Paradies

Was wir nicht selbst reparieren können – ausgenommen Fahrzeuge – wird diskussionslos ersetzt. Das spart Ärger, Geld und Zeit. Unsere Liste durch unfähige ‘Fachleute’ zerstörter Gegenstände ist endlos. Eigene Reparaturen scheitern oft an fehlenden Ersatzteilen. Einen Gummi-O-Ring kann man nicht kaufen, man müsste ihn stehlen!

Mowgli brachte sein Moped in die Marken-Vertretung zum Service. Danach entdeckte Dick, dass Öl aus der Maschine tropfte. Sie nahm die Quittung und brachte das Fahrzeug zurück. Der Chef des Unternehmens reagierte auf ihre Reklamation mit Unverständnis und Kopfschütteln:
„Nein! Das war ein anderer Betrieb. Wir arbeiten sorgfältig!“
Sie zeigte ihm die Quittung.
Zähneknirschend musste er eingestehen, dass Fehler gemacht wurden. Der Mechaniker vergass schlicht, den Dichtungsring einzusetzen. Dick dankte und meldete:
„Mein Moped tropft ebenfalls. Ich hole es gleich.“
Der betreffende Arbeiter schmiss damals die Verschlussschraube auf den schmutzigen Boden. Das Gewinde war voller Sand, Politur für Kolbenringe. Zusätzlich füllte ein ahnungsloser Fachmann das falsche Öl ein.

Auf der Rückreise von Bangkok wurden gegen Mitternacht mehrere Wagen in der Nähe von Ayutthaya mit Steinen beworfen. Zwei Wind-Schutzscheiben überlebten nicht. Eine junge Frau wurde durch Splitter leicht verletzt. Die Gruppe übernachtete darauf in Nakhon Sawan und meldete die Schäden der Versicherung.
Ein hirnloser Schreibtischtäter, (war es in Verkehrsunfall?) genannt Kundenbetreuer, wollte die beschädigten Fahrzeuge nur in Chiang Mai reparieren lassen. Welch ein gefährlicher Irrsinn, mindestens fünf Stunden Fahrt ohne Schutzscheiben!
Die Frontscheiben wurden in einer Markenvertretung, kein Hinterhofbetrieb, ersetzt. Darauf reiste die Gruppe weiter nach Pai. Die Arbeiten wurden äusserst mangelhaft ausgeführt. Beide Wagen verloren die neuen Gläser während der Reise ohne jegliche Fremdeinwirkung.

Die Öl-Ablass-Schrauben an Fahrzeugen überfordern die lächelnden Mechaniker im LOS (Land of Smile). Es wäre höchste Zeit, speziell für Thailand, endlich Motoren ohne Öl und Schrauben zu entwickeln.
Vor zehn Jahren wollte Dick in der Stadt einige kleine Einkäufe erledigen und gleichzeitig das Öl des neuen Mopeds wechseln lassen. Ich dachte, nach spätesten zwei, drei Stunden ist sie zurück. Ich erhielt die erste Lektion in angewandter Geduld.
Auf dem Rückweg verlor das Moped die berühmt-berüchtigte Schraube und sämtliches Öl. Dick musste das Moped einige Kilometer zurück in die Werkstatt schieben. Freunde oder Familie konnten damals nicht aufgeboten werden. Die Dorfweiber hassten die Zuzüglerin und boykottierten sie wegen des geklauten Party-Boys.

Der Motor des neuen Mopeds blieb nach dem Kauf alle paar Minuten stehen. Bei der (flüchtigen?) Montage wurde die Tankbelüftung vergessen! Eine feine Bohrung im Tankdeckel löste das Problem.
Löcher aller Grössen sind in meinem Ersatzteillager vorhanden.

Im Dorf liess vor wenigen Wochen die jüngere Eigentümerin eines neuen Fahrzeuges, ihr Traum, das lang ersehnte, das einzige Glück und Lebensziel, dessen Öl wechseln. Wenige Stunden später verliess sie das Haus. Sie wollte mit ihrem kostbarsten Besitz, dem Wagen wegfahren. Dabei trat ihr zartes Füsschen mit elegant teurem Schuh, obwohl es nicht geregnet hatte, in eine Pfütze. Ein malerischer See lag unter dem Fahrzeug. Sie roch es – reines Öl, ohne Sardinen.
Die Frau telefonierte mit dem einzigen Fachmann, dem ausgebildeten Spezialisten in der Werkstatt.
„Hören Sie bitte: Khaaa… . Mein Wagen verlor sämtliches Öl. Der arme Motor ist staubtrocken. Der Messstab zeigt gar nichts mehr an. Senden sie bitte möglichst schnell Hilfe mit Schraube und Öl! Khaaa….“
Der Vollpfosten liess sich nicht beirren und sprach in sein sehr intelligentes Smartphone:
„Fahren sie zu uns in die Werkstatt. Wenn wir unseren Kleinlaster benutzen, müssen wir ihnen für die zusätzliche Dienstleistung dreihundert Baht verrechnen!“

http://www.mas-fahrzeugtechnik.de/technik/motorenoel.html

Die International Civil Aviation Organization, ICAO, und die US Federal Aviation Administration, FAA, beschwerten sich: Auf Thailands Flughäfen und an Fluggeräten wird wenig professionell gearbeitet.
https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2015/07/19/usa-und-eu-sind-sich-einmal-einig-thailand-ist-ein-hoffnungsloser-fall-teil-i/

Spielsachen für Goon

Goon hat eine Menge langweilige, wenig brauchbare farbige Plastikteile. Ein Sandkasten für Strassenbau, mit Dörfern und Tunneln, wäre ein ideales Spielzeug, scheiterte leider an der Realität in Lan Na Land. Es wäre ein Klo für die annähernd tausend Katzen des Dorfes. Dazu ist die eine Hälfte dauernd trächtig. Stirbt eine, Ursachen: Bambusstangen oder Python, sind am Tag darauf acht neue da. Puzzeln kann er nur mit Hilfe der Grossmutter.
Seine Mutter ist fast dauernd abwesend, Inland, Ausland. Bei eventueller Anwesenheit hat sie keine Zeit für ihr Kind, weil sie ständig an mehreren Apparaten telefoniert. Verzweifelt, in Notwehr, nahm der Bösewicht ein Smartphone und schmiss es ins Wasser, damit seine Mutter endlich mit ihm spricht.
Sie kaufte ihm etwas Teures. Sie dachte, es sei ein Spielzeug. Nach meiner, kaum massgebenden Meinung, ist ein Tablett – eingeschlossen Hersteller-Firmen wie Boskop oder Granny Smith – (1) kein Spielzeug für Vierjährige. Er kann mit seinen Patschhändchen die Wiedergabe von Bildern und Filmen auslösen.
“Oh, wie clever, welch eine veritable Geistesgrösse der Kleine bereits ist“. Für die Geschichten der Bilder und Filme hat er, ohne zusätzliche Erklärungen Erwachsener, kaum Verständnis.

Mowgli, bald einmal zwanzig, fehlt jegliches Gespür oder Gefühl für Charlie Chaplins witzige Stummfilme. Thai-Versionen der stummen Chaplin Filme benötigen Erzähler. Die lustigen Szenen werden vorsichtig mit Gelächter untermalt. Dann merken die dümmsten Zuseher: Es darf nicht nur, es muss gelacht werden! Korken-Ameise
Goon, ohne herausforderndes Spielzeug, tat mir leid. Aus Weinkorken, Streichhölzern und Zahnstochern, baute ich Tiere. Die Geräusche der Kreationen schnalzte ich ihm vor. Er war begeistert. Erst spielte er, schob das Viehzeug auf dem Boden herum und lärmte nach meinen Vorgaben.
Er nahm die Dinger auseinander und steckte sie kreativ erneut zusammen. Goon riss Streichholz-Schwänze aus. An deren Stelle befestigte er Gesichter, die er mit reichlich Lippenstift umfärbte. Als ein Nachbar fragte, was tust du da, antwortete er:
„Ich spiele mit Ameisen!“ Proseccoameise
Gegenwärtig entwickle ich einen solideren Bausatz, mit dem Kinder beliebige Dinge wie Tiere, Fahrzeuge, Häuser, ganz einfach und ungefährlich zusammen stecken könnten. Die Gesichter werde ich vorsichtigerweise lippenstiftsicher mit Lötkolben ins Holz einbrennen. Um gerötete Arschgesichter kümmere ich mich danach nicht mehr. Um gelbe noch weniger.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ner_aus_Boskoop
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/Chaplin_(film)https://en.wikipedia.org/wiki/Chaplin_(film)

Spielsachen

Wiederholt hatte ich die angenehme Aufgabe, Spielsachen für Kinder im Vorschulalter zu finden. Das ist nicht ganz einfach in Hinterindien, wenn man sich mit Puppen oder anderem Kunststoff-Schrott aus China nicht zufrieden gibt. Mit Plastik-Kriegsspielzeug, beginnend mit Samurai-Schwertern, Faustfeuerwaffen, Gewehren, über Panzer bis zu Atomraketen, könnte man ganze Kindergarten-Armeen ausrüsten. Uniformen stellt die Militär-Regierung, wir sahen es vor einem Jahr, gratis und franko zur Verfügung. Die Beschaffung wird schwieriger, sofern man Gegenstände sucht, welche kreatives Denken, des Zusammenspiels von Händen und Hirn, fördern. Bei batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Fernsteuerungen scheint das Thema erschöpft. Kästen mit einfachen Holzbausteinen haben Seltenheitswert. Hochtechnisierte Bausätze, mit Motoren und komplizierten Steuerungen in bunten Plastikteilen findet man leichter. Diese Sachen sind besser für technikbegabte Väter, als für Kleinkinder geeignet.
Rar sind grosse Zusammensetzspiele, im Fachjargon Puzzle genannt. Die Thai-Kinder des Dorfes sind damit überfordert. Sie versuchen, die Teile vielmehr mit Muskel-Kraft als mit Hirn, zusammen zu fügen. Ein dreijähriges Mädchen aus der Schweiz schafft spielend, was für sechsjährige Thai-Kinder unmöglich ist. Sie übten nie, Menschen, Speisen, Gegenstände oder Landschaften genau zu betrachten und auf diesen Grundlagen Entscheidungen zu treffen.
Mowgli stolpert noch heute wiederholt über Pflanzen und Eimer, ohne dass er sie sieht, denkt – und aus dem Weg räumt. Während Jahren ging er täglich mehrmals achtlos an einem Transformator in Kleiderschrankgrösse vorüber und bemerkte ihn nicht.
Fehlt ein Gen oder benötigen diese Leute Sehprothesen? Keines von beiden. Sie sind für einfachste Wahrnehmungen, zum Gebrauch ihrer Sinnesorgane, wie fühlen, hören, sehen, riechen, denken, zu faul. Die einzigen bewussten Empfindungen erfolgen von Bildschirmen, Lautsprechern und Smartphones. Nahrungsmittel können von den Ureinwohnern nur bei gleichzeitiger Ablenkung durch Mattscheiben und Karaoke eingeworfen werden.

Als ich noch durch Windeln geschützt auf dem Boden herumrutschte, war ich Landwirt. Ich hatte eine Herde handgeschnitzter Holz-Kühe. Manche Tiere waren einfache kleine Holzstücke mit rotbraunen Flecken, die Fell signalisierten.
Als ich grösser wurde, holte ich mit Grossvater eine Ladung Sand von der Aare. Der gütige Schneidermeister spendierte ein defektes Bügeleisen als Dampfwalze für den Strassenbau. Autobahnen gab es in der Schweiz noch nicht. Mein Bruder und ich erstellten sie mit dem Bügeleisen für unsere Blechautos. Oft waren unsere Fahrzeuge schön gefärbte, gut geformte Steine oder Schneckenhäuser.
Wenn es regnete, bauten wir in der Wohnung Türme und Dörfer mit Klötzchen aus dem Holzbaukasten und geeigneten Scheiten vom Feuerholz.

Fortsetzung folgt….