Erfindungen und gerissene Gauner

Was war die hervorragendste Erfindung des letzten Jahrhunderts? Ein ungesunder Brotaufstrich? War es die Entwicklung nuklearer Waffensysteme und Träger-Raketen? Für die Damenwelt waren es wohl Nylon-Strümpfe, Bikini-Badegarnituren und mit Teflon beschichtete Pfannen. Grossmutter besass emaillierte Pfannen. Sie waren teuer, schwer und zerbrechlich, aber erfüllten sämtliche Anforderungen der Spitzenköchin. Waren es Grossraumflugzeuge für globale Rucksacktouristen.
Für mich persönlich war es die Arbeit des Schotten Alexander Fleming. Er entdeckte 1928 das Penicillin. Ab 1942 wurde es erfolgreich als Antibiotika gegen Infektionskrankheiten eingesetzt. Ohne diese grossartige Entdeckung und verschiedene daraus weiterentwickelte Medikamente hätte ich meinen Unfall mit Querschnittlähmung, Paraplegie, nie überlebt.
Nach einigem Überlegen fand ich einen anderen Sieger. Der Brite Tim Berners-Lee entwickelte aus älteren, komplizierten instabilen Kommunikations-Versuchen im CERN 1989 das Internet. Ab 30. April 1993 bot CERN die geniale Software lizenzfrei an.
Bald verkabelte ich die Maschinen im Laboratorium entsprechend. Von meiner Wohnung aus hatte ich den Zugriff auf die meisten Geräte an meinen Arbeitsplätzen. Mein privater Provider (pop.agri.ch) arbeitete vorbildlich. Updates und Systemwartung wurden angekündigt. Das Netz der Universität nutzte ich kaum.

In Thailand änderten sich die Zustände dramatisch. Kontakt zu den Providern gab es nur auf finanzieller Ebene. Das Internet war und ist eine Einbahnstrasse. Die Elektronikindustrie entwickelte für geistige Neandertaler Fingerfones. Die Datenflut stieg. Unser Pflegesohn erhielt täglich dreihundert Mails. Noch schlimmer wurde es durch die Einführung der schnellen Datenübermittlungen G2, G3, G4 und GXY. Die Preise stiegen monatlich auf das Zehnfache. Die Anbieter in Chiang Mai sandten Sabotage-Trupps mit Seitenschneidern aus, um Kunden der Konkurrenz den Zugang zu vermiesen.
Aus Fingerfones wurden Smartphones. Dazu gab es leicht bedienbare Programme wie Line. Sprachübermittlung, Text mit Bild wurden für intellektuell Unterprivilegierte möglich. Dick erhält täglich hundertachtzig Nachrichten mit Line. Die meist sinnlose Datenflut, Kopien von Kopien, wächst. Darum muss die Geschwindigkeit der Netze stetig erhöht werden. Wenn die handlichen hochtechnischen Telekommunikationsgeräte mit Daten zugemüllt sind, ist es im Dorf üblich, dass anstatt den Schrott zu löschen, ein neueres Gerät her muss.

Die Spitze der Zerstörungswut war erreicht, als mein Provider unter Vertragsbruch, eine Horde Dilettanten mit Seitenschneidern aussandte, um den erneuerten Anschluss nach knapp einem Jahr zu kappen. Hätte ich geahnt, was geschehen würde, hätte ich die Kerle am Haus weder nageln noch bohren lassen.
Das Internet bereitete der Regierung sorgen. Sogenannte Kriegsräume wurden installiert, um die Datenflut zu überwachen. Zwei Müsterchen erwähne ich. Ich hatte über das Netz Kontakt mit einer grösseren Weinfirma. Plötzlich blieben die wöchentlichen Informationen aus. Aber Microsoft fragte mich trotzdem mehrmals, ob ich, diese für mich unlesbaren Mails als Spam markieren möchte!
Es gab also jemanden, der meinen Briefkasten pflegte. Ich änderte und verlängerte mein Kennwort von 11 auf 24 Zeichen. Das Resultat war eindeutig, ich erhalte diese Mails wieder.
Noch interessanter war die Erfahrung mit unseren „Smart TV“. Das Gerät erlaubt Zugriff auf das Internet. Dort benutzten wir hauptsächlich YouTube. Vor etwa einer Woche war der Zugriff auf YouTube möglich, das Laden der Programme funktionierte am Fernseher nicht. Die Computer dagegen hatten Zugriff. Muss ich als Sehprothesenträger Spielfilme im Postkartenformat ansehen, während ein Grossgerät nutzlos herumsteht?
Dick telefonierte mit einer Angestellten des Netz-Anbieters. Die Intelligenzbestie löschte sogar das Passwort des Routers erfolglos. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob andere Kunden gleiche Erfahrungen meldeten. Das lügende Spatzenhirn behauptete frech, unser Smart-TV sei defekt.
Ein Nachbar, Polizist, ebenfalls Besitzer eines schlauen Fernsehers, machte dieselben Erfahrungen mit YouTube. Wahrscheinlich kroch eine Schnecke über die Hochgeschwindigkeitsleitung, denn nach einigen Tagen funktionierten unsere Guckkästen wieder vollumfänglich. War nur der tiefe Süden betroffen –
oder hatten andere Landesteile ähnliche Probleme?

https://de.wikipedia.org/wiki/CERN

Hinterindiens Nachtwandler und Tagträumer

Man möchte eigentlich informiert sein über Ereignisse und Geschehen im Gastland. Ein einstiger Soldat und General, ohne jegliche Re-in-karnation – jetziger Ministerpräsident, Prayut Chan-o.cha, wollte ein wöchentliches Fernsehprogramm, um Fremden seine Regierungsrichtlinien verständlich zu machen. Dazu wurde „The Insider“ entwickelt. Danke dafür, dass als erstes Ausländer durch eine neue, pseudo-intellektuellere Sendung von Seifenopern und bescheidenster (bescheuerter) Unterhaltung entlastet wurden.

Ich hatte das Vergnügen, „The Insider, Ep. 3“ zu betrachten. Herr Maj. Gen. Werachon Sukondhapatipak interviewte Doktor Porametee Vimolsiri. Entweder trug der Doktor eine Maske oder liess sein Gesicht mit Botox auf ein schmerzhaft seriöses Dauerlächeln fixieren. Das Thema war der Übergang von fünf-Jahresplänen auf ein zwanzig Jahre Diktat. Ich hätte die Aussagen von fünfzehn Minuten auf drei Minuten verkürzen können. Möglicherweise hätte leider meine Geschwindigkeit der extremen Wichtigkeit der Botschaft nicht entsprochen.
Die Mindest-Einkommen sollen von 6‘000 $US auf 13‘000 $US erhöht werden. Das Problem ist jedoch nicht die Erhöhung der Bezüge, sondern vielmehr die Erhaltung der Kaufkraft. Wenn in den USA die Notenpresse weiter läuft wie bis anhin, verdienen Thais in wenigen Monaten 13‘000 $, ohne dass sie sich schuldenfrei mehr leisten können.

Ich arbeitete einst in mittleren Westen der USA. Ein Dollar wurde damals zu ungefähr 4.50 Fr. berechnet. Die amerikanische Währung verlor über 80 Prozent an Wert, oder der Franken wurde entsprechend stärker. Ein Dollar galt seinerzeit zwanzig Baht!

Langfristige Prognosen bergen Risiken. Vor zwanzig Jahren, 1996 brachte NOKIA den Communicator 9000 auf den Markt. Das erste Smartphone der Welt! Die Geschwindigkeit war mit 9.6 kBit/sek äusserst bescheiden. Ständige schnelle Datenverbindungen, wie UMTS oder LTE, gab es nicht. Verbindungen waren unbezahlbar teuer, weil die Zeit – nicht das Datenvolumen berechnet wurde. Wer hätte damals gedacht, dass es NOKIA in zwanzig Jahren nicht mehr gibt.

Wir kehrten im Mai von Satun in den Norden zurück. Die Preise der Lebensmittel waren hoch. Jedoch waren die Qualitäten von Fleisch und Gemüsen am unteren Ende unserer Empfindungen. Die Provinz Satun mit bloss etwa 100‘000 Einwohnern bietet dagegen vergleichsweise meist hochwertige Frischprodukte an.

Übel spielten um Chiang Mai die Apotheken mit: „Diese Antibiotika haben wir erst morgen wieder. Ihre Bakterien müssen sich gedulden!“
Mittlere Heftpflastergrössen gab es nicht mehr. Antiseptica wie Betadine verteuerte sich extrem. Ich benötige täglich ungefähr einen Milliliter. Früher bezahlten wir für ein Fläschchen von dreissig Millilitern vierzig Baht. Halbliterflaschen gab es um zweihundert Baht.
Dreissig Milliliter Gebinde gibt es gegenwärtig nicht mehr. Sie wurden durch fünfzehn Milliliter Fläschchen ersetzt. Der Preis: Stolze dreissig Baht mit dem Ziel: wachsende Abfallhalden, nachdem Exporte und Importe extrem zurückgingen!
Macro bietet importierte Povidon-Iod Lösung aus den USA an. Fünfzehn Milliliter kosten beim Bezug von zwölf Einheiten nur zwölfeinhalb Baht. Offizieller Verkaufspreis: Fünfundzwanzig Baht. Einheimische benutzen mit Vorteil Lao Khao, äusserlich wie innerlich!

Heisse Eiszeit in PhonPhat

Keiner hätte erwartet, meine Ablehnung einer bescheidenen Spende von 150‘000 Baht für eine junge, reiselustige Frau, würde unser fast langweilig beschauliches Leben wesentlich beeinflussen.
Dick und ihre erwachsenen Kinder liefern Gesprächsstoff im Dorf. Sie arbeiten alle. Sie fahren nicht nur Mopeds. Jeder Haushalt hat zusätzlich einen anständigen Mittelklasse-Wagen. Woher stammt all das viele Geld? Nur die Mutter benutzt neuerdings wegen eines typisch ausländischen Geizhalses eine billige Karre mit einem zwölfhundert Kubikzentimeter Motörchen. Bei Bedarf funktionieren sogar die Scheibenwischer.

Einer der Bengel passt all den Tratsch-Tanten und geistlosen Dorf-Weibern nicht ins Lan Na Konzept. Der Kerl ist bleich und geht seit Monaten keiner regelmässigen Arbeit nach…. Der Holzschnitzer. Noch schlimmer, an eindeutigen sexuellen Angeboten zeigt er absolute Interesselosigkeit. Als Künstler schluckt er für Phantasien und neue Ideen offenbar Drogen. Sein Hirn ist benebelt. Die Banane unerregbar, ausgenommen fürs Pinkeln. Er ist total abhängig.
Sein schönes, armes Weib sorgt für ein regelmässiges Einkommen, während man ihn im Dorf kaum noch sieht. Er trinkt nicht einmal Bier oder Schnaps in geselligen Runden. Seit langem kaufte er kein Chang im Tante Emma Laden. Das ganze schöne Geld weg, nur für Drogen….
Verschiedentlich sprach man Dick besorgt an und forderte die unaufmerksame Frau und Mutter auf, die Untaten des Sohnes und seinen Drogenkonsum zu beenden. Neulich tuschelten die Tanten, Fahnder in Zivil würden Sohn und Tochter, sie fliegt zu oft, wegen Drogen-Handels und Konsum beobachten. Die Gesetzes-Hüter hätten sich wichtige, wesentliche Informationen der Dorf-Bewohner beschafft.

Der Mann hatte Pech. Er kam vor Jahren zur Behandlung eines Leistenbruchs nach Chiang Mai. Die Chirurgen untersuchten vorbildlich. Sie vollzogen den Eingriff und fixierten wie meist üblich, zusätzlich ein Netz. Die Ärzte rieten dem Patienten, trotz der erfolgreichen Operation zur Vorsicht. Wann immer er als junger, kräftiger Mann aufgefordert wurde, schwere Lasten anzuheben, gab er sein Leiden preis und hielt sich zurück.
Vor einigen Monaten packte er einmal zu. Es genügte. Entweder holte er sich einen neuen Bruch, oder der reparierte Teil wurde beschädigt. Diesmal blieb er länger im Krankenhaus. Die Heilung benötigte mehr Zeit. Er fand eine Tätigkeit, die er im Haus ausführen kann.
Als vor kurzem die ersten ergiebigen Regenschauer fielen, drohte der überfliessende Kanal, die Garten-Mauer ohne Fundament zu beschädigen. Er überlegte nicht lange, stieg ins strömende Dreckwasser und rettete das Bauwerk.
Einige Tage später hatte er Fieber und zusätzlich Blut im Urin. Er holte sich im Wasser Würmer oder Bakterien, die seine Nieren angriffen. Im Provinzspital verordnete ein freundlicher Arzt ohne bakteriologische Abklärung Antibiotika. Es half nicht. Gegenwärtig ist er in Behandlung in einem Privatspital mit den erforderlichen Laboratorien.

Es war bereits dunkel, als Dick für unseren Aperitif im Garten des Hauses am Kanal – mit Reisfeld – frische Kokosnüsse holen wollte. Am ehemaligen Kinderspielplatz, jetzt Kehrichtdeponie, sah sie mehrere Dienstfahrzeuge der Polizei aus Chiang Mai, nicht aus Hang Dong. Sie gelangte zum Haus, wo gegenwärtig der Sohn wohnt und wunderte sich, denn das Gebäude war von einem guten Dutzend grimmiger Beamter umstellt.
Dick fragte die Beamten, was sie wollten.
„Hausdurchsuchung.“
„Haben sie einen Durchsuchungsbefehl? Ohne Vollmacht gibt es keine Durchsuchung!“
Dick war einst Hilfskraft einer Anwältin und Freundin. Diese resolute Dame geniesst gegenwärtig unfreiwillig Unterkunft und Verpflegung der erlauchten Regierung.
Die Beamten gaben nach, verlangten jedoch vom Bewohner eine Urinprobe. Strahlend pinkelte der gerettete Sohn ins Fläschchen. Dick selbst brachte den Urin mit uniformierter Begleitung im Polizeiwagen mit Leuchtbalken ins Spital.
Der Patient und dessen Urin waren im Krankenhaus bekannt. Der Befund auf Drogen war negativ. Der Arzt erklärte, der Patient sei leider immer noch krank, die Leukozyten seien noch vorhanden.
Der Offizier stammelte zerknirscht: „Kathod khrap.“2003AussichtReisfeld
Zurück am Haus sammelten die wartenden Polizeibeamten im Garten fleissig Mango. Einer meinte anerkennend:
„Sie haben viele schöne Früchte.“
Dick kassierte innerlich wütend, doch lächelnd, pickelhart den Siegerpreis, ihre Früchte von den erfolglosen Polizisten ein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Leistenbruch
https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2015/08/24/warum-sind-thailands-gesellschaft-und-menschenrechte-inkompatibel

Sodom und Gonorrhoe

Drei Grossverteilergruppen für Lebensmittel und Haushaltgegenstände in Thailand sind seit kurzer Zeit alle in derselben Hand. Aber denken sie nicht, dass innerhalb der Firmen keine Preisunterschiede bestehen. Dieselben Artikel fanden wir im einen Geschäft bis dreissig Prozent günstiger! Andere Erzeugnisse, sie werden in Chiang Mai als selbstverständlich angeboten, suchten wir in Satun vergeblich.
Einer der Grossmärkte bietet in der Nähe chinesischer Bohrmaschinen, elektrischen Sägen (Zahnmedizin und Amputationen für Heimwerker?), neben Autopolitur – günstige Medikamente wie Paracetamol, Tylenol und Kopfwehtabletten in Grosspackungen an.
Familienpackungen von Potenzmitteln und Antibiotika fand ich nicht. Diese Spezialitäten verkaufen diverse Apotheken. Zu drei Packungen Viagra gibt es für Schnorrer prophylaktisch als Zugabe eine Dosis Bakterienkiller. Eine Kurpackung davon kostet weniger als ein Zehntel einer einzigen Bockpille.

Zu Beginn des Jahrtausends fielen mir in Thailand die vielen Telefonanbieter und die zahlreichen Apotheken auf. Um alle diese medizinischen Fachgeschäfte am Leben zu erhalten, müssen die Thais Weltmeister im Pillen-Schlucken sein. Sie sind es.
Bereits im März 2012 erklärte Dr. Praphon Tangsrikiatkul vom Gesundheits-Ministerium, Thais hätten im Vorjahr täglich 128 Millionen Pillen geschluckt. Ungefähr zwanzig Prozent davon waren Antibiotika, weniger als die Hälfte von medizinisch angelerntem Personal verordnet!

Ein Grundübel verschiedener Klein-Praxen sind die Gefälligkeitsdiagnosen.
Die Diskretion endet am Bildschirm im Warteraum. Da steht für jeden gut sichtbar: Patient in Behandlung “Low“. Die Live-Diskussion mit dem Arzt wird dem interessierten Publikum noch nicht vermittelt.
Der Mediziner, dekorative Diplome an der Wand hinter beeindruckendem Schreibtisch, fragt nach freundlicher Begrüssung: „Wo liegt ihr Problem?“
Patient: „Er hängt und tropft wie Joghurt. Er schmerzt und steht nicht mehr. Ich habe möglicherweise eine Infektion.
Herr Doktor – ehm … wird diese Krankheit durch Mücken übertragen?“
Der Arzt lächelnd: „Das haben wir gleich. Wir machen einen Schnelltest“.
Da wird keine Bakteriologie betrieben. Seuche und Erreger bleiben namenlos.
Die Resultate nach drei Minuten sind: „Leukozyten – viele, Blut – positiv.“
Dann wird hurtig ein Antibiotikum gegen einen unbekannten Erreger verordnet. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Bei ungefähr fünf Prozent der Erkrankungen treten keine Symptome auf.

Gegen Gonorrhoe, umgangssprachlich bekannt als Tripper, eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit, wirkt gegen die Bakterie Neisseria-Gonorrhoeae das einst erfolgreiche Cephalosporin nicht mehr! Alles andere ist Husten-Medizin. Die WHO warnt, in absehbarer Zeit gebe es für Millionen Infizierte keine Heilung mehr.
Eine weitere bittere Erkenntnis ist: Wenn ich als definierter Haus- und Herd-Triebtäter ohne externe Salon- oder Mia Noi-Besuche erkranke, müsste mich meine langjährige Bettgenossin angesteckt haben. Dieser Nachweis wäre allerdings nur mit bakteriologischen Befunden möglich.
Allfällige letzte Hilfsmittel sind: Schnaps, Hanfstrick oder Faustfeuerwaffe, in Pattaya mit Balkonsturz.

Aus Gründen des Personenschutzes nannte ich keine Namen, sondern stellte mich als Hauptdarsteller gleich selbst zur Verfügung.

Weitere Informationen über Antibiotika, Bett- und Pillen-Akrobatik: https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2012/06/25/hurlaub-am-kliff-von-gonorrhoea-vorbei-am-antibiotikum/

Jagdinstinkt und Wissenschaft

In Satun, am Ta Li Klai Fluss, gibt es mehrere Affenfelsen. Einen weiteren fanden wir im Khao to Phaya Wang Park. Im Gegensatz zum Gebiet westlich – an der Satun-Thani 5 Allee – betteln die Affen. Sie sind dennoch freundlich und nicht aufdringlich, wie die beinahe unerträglichen Bestien in Lopburi. Dort beherrschen die Viecher die ganze Stadt. Sie sind aggressiv, schnappen sich Handtaschen und alles was ihre Begierde erweckt.
Auf den Inseln um Langkawi sind die Tiere ebenfalls durch Touristen
geschädigt. Einem Bekannten stahl ein Säufer-Affe seine geöffnete Bierdose. Als der durstige Australier nach der Reserve hinter sich greifen wollte, war diese bereits verschwunden.
Aeffin mit Kleinem
Im Park in Satun warten die Tiere geduldig am Eingang auf Mitbringsel der Besucher. Ein Bananenverkäufer macht gute Geschäfte, ohne dass sich die Äffchen die Ware in Selbstbedienung abholen.

Die Landschaft mit Pflanzen, Bäumen, Lianen ist grossartig. Die Felsen zeigen Spuren der Erdgeschichte, wie sie durch ungeheure Kräfte offenbar schräg aus dem Wasser gehoben wurden. Ein trauriges Kapitel unserer Wegwerfgesellschaft offenbart der Fluss, der beinahe am Abfall zu ersticken droht. Durch den Einfluss von Ebbe und Flut fliesst der Abfall nicht weg, sondern wird nur hin und her geschoben.
Die besondere Attraktivität für uns war dennoch das Gewässer. Wir brachten unsere kleinen Netze mit. Ich dachte, eventuell finden wir neue, unbekannte Fadenfische, denn die Händlerin aus Songkhla verkaufte uns kranke Guppys. Als wir zum Einsetzen der Fische den Beutel öffneten, roch ich Tetracycline oder ähnliche Antibiotika. (X) Mein Verdacht bestätigte sich, als wir täglich neue Rückenschwimmer fanden.
Nicht nur zur preisgünstigen Gewinnung von Garnelen, sondern ebenfalls in der Fischzucht wird Chemie durch Laien im grossen Stil eingesetzt. An entstehende Schäden durch den Verzehr gedopter Speisen oder durch die unvermeidbaren Rückstände in der Landschaft denkt in Hinterindien – ausser Buddha im Nirwana – keiner. Bäume im Park
Dick brachte mir nach kurzer Zeit eine Flasche mit sieben kleinen kaulquappenartigen Tieren. Sie bewegten sich in der bräunlichen Brühe zu rasch und hatten keine verräterischen Schwänze.
Zu Hause gossen wir behutsam frisch gepumptes Wasser nach. Ich staunte. Die Lebewesen ähnelten nun Miniaturausgaben von Diskusfischen.
Teilweise war die Streifenzeichnung deutlich sichtbar, andere Muster waren eher punktförmig. Wir hatten keine Wahl, als den Fang in den Trog zu geben. Wir befürchteten, in wenigen Augenblicken sämtliche Tiere zu verlieren. Die Kleinen schwammen in Formation und zeigten teilweise sofort Farbe. Der Kopfteil einiger Fische war gelb, ob dunkle Vertikal-Streifen oder bloss Punkte die Körper zieren, wissen wir bis heute nicht eindeutig. Es ist möglich, dass einige Tiere Streifen, andere Punkte haben. Für einwandfreie Fotos waren die Schwimmer zu schnell, zu klein und unsere Ausrüstung eher ungenügend. Befürchteten Angriffen der grösseren Fische entkamen die Kleinen durch ihre Geschwindigkeit.

Wie Wikipedia zeigt, stammen die Diskusfische, ebenfalls als Diskusbuntbarsche bekannt, ursprünglich aus dem Amazonasgebiet. (Y) Im November 1833 fing der österreichische Forschungsreisende Johann Natterer am Rio Negro im Stadt-Bereich von Manaus, Brasilien, ein Exemplar der von Johann Jakob Heckel 1840 als Symphysodon beschriebenen Buntbarschgattung. Diese Cichliden haben einen hochrückigen Korper. Die gerundeten Rücken- und Afterflossen unserer Fische sind noch kaum erkennbar.
Möglicherweise handelt es sich um eine Art thailändischer Buntbarsche. Wenn nicht, wie gelangten die Amazonasbewohner in den Ta Li Klai?
Vielleicht wissen wir in einer Woche dank aufmerksamer Leser mehr. Dicks Jagdinstinkt und mein wissenschaftliches Interesse jedenfalls sind geweckt.

(X) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0025326X0200320X
(Y) http://de.wikipedia.org/wiki/Diskusfische

Das Haus bei den Kuhreihern

Die Klimaanlagen von Schlaf- und Wohnzimmer wurden scheinbar vom Schänder des frostig kalten Kühlschranks – sogar der Salat gefror in der Gemüseablage – bearbeitet. Auf zwanzig Grad eingestellt, blasen die Geräte genauso eisig, wie bei gewählten dreissig Grad. Der Spezialist für unsachgemässe Billigstreparaturen, überbrückte einfach die Sensorregelungen. Solche Kälte ertragen weder Gemüse noch ich selbst.
Sämtliche Diskussionen mit Hausbesitzern erübrigen sich. Als Dick eine tropfende Dusche bemängelte, meinte unsere Lady charmant aber bestimmt: „Lass es tropfen“. Sie bezahlt weder Wasser noch Strom. Nach dem Entfernen von sinnlosen Teflon-Bändern aus Kunststoffgewinden war alles dicht. Die Unterschiede zwischen verschiedenem Material und dessen Verhalten, sind bis auf Lao Khao und Scotch, weitgehend unbekannt. Nun gehöre ich wieder zu den erfolgreichen Denkern und Dichtern!Kuhreiher
Das grösste Problem ist die Mikrobiologie. Könnten Sonnenstrahlen die Zimmer ausleuchten, würden viele Bakterien und Sporen durch die ultraviolette Strahlung eliminiert. Nach über fünf Jahren Ruhe, erlitt ich wieder einen Harnwegsinfekt. Schüttelfrost und Bauchschmerzen peinigten mich.
Die dunkelblauen Toiletten verhinderten die Beobachtung einer allfälligen Trübung des Urins im Frühstadium. In unser Spital wollte ich nicht. Der erste Eindruck anfangs November und entsprechend fragwürdige Aussagen des Pflegepersonals, liessen Zweifel spriessen.

Ich sagte mir, dass ich wohl keinen superresistenten, sämtliche Medikamente verhöhnenden Bakterienstamm gezüchtet hätte. Ich sei ein Opfer der lokalen Flora und Fauna des Hauses, einer Strassenköter-Mischung relativ harmloser Bakterien.
Gleichzeitig beschimpfte ich mich selbst, weil ich im ungünstigen Klima nicht genug Vorsicht walten liess.
Ich notierte zwei verschiedene Antibiotika und sandte Dick mit zweitausend Baht in die nächste Apotheke. Das Medikament kostete vierzig Baht für fünf Tage Behandlung. Meine Überlegungen erwiesen sich als richtig. Nun träume ich von perlendem Prosecco auf Langkawi. Der schluckt sich angenehmer, als Apfelessig in den Morgenstunden. BakterienPilze2
Der einzige Aufbewahrungsort benutzter Gläser ist der Kühlschrank. In Chiang Mai hielt ein Schluck Feuerwasser Insekten vom Genuss süsser Getränke ab. Hier schlürfen Säufer-Ameisen sogar den stark gezuckerten, vierzig prozentigen Hong Thong. Das Angebot in den Tante Emma Läden ist darauf beschränkt. Anderen Schnaps kaufen die Südstaatler des Ortes offenkundig nicht.

Geschirr abtrocknen erübrigt sich, denn die Geschirr-Tücher sind nach kurzer Zeit überbevölkerte Quartiere für Bakterien und Pilze. Ich kann diese Mikroorganismen – respektive deren Orgasmen – riechen, aber nicht sehen.
Seit Dienstag, dem Dreizehnten, haben wir eine wirksame Waffe gegen den Mief. Eine Maschine, die von lauwarm bis heiss wäscht. Sogar Kochwäsche würde die Maschine verarbeiten, doch ist das nicht zu empfehlen. Das heisse Wasser würde die Abwasserleitung zerstören.

Goon als Selbstversorger für Frischfleisch

Dieser Bericht dürfte Veganer, Vegetarier und Amphibienfreunde wenig freuen. Im Futter für Lieblingshaustiere, seien es Hunde oder Katzen, sind tierische Eiweisse gebräuchlich. Selbst verwöhnte Stubentiger vegetarischer Tierhalter des Dorfes, holten sich ihre Proteine während des Ausgangs in freier Wildbahn in unserem Garten, egal ob Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische oder Vögel.

Warum soll ein vierjähriges Kind nicht für seine Lieblingsernährung sorgen, wenn es bei Vierbeinern üblich ist? Seit ich im August das Dorf verliess, gab es keine Cervelats für hungrige Kinder mehr. Weder wie rote Krebse gebraten, noch fein geschnitten als knackige Salate, mit Kräutern, Knoblauch, Zwiebeln, Essig und Öl gemischt.
Schweinsfilet wurde ebenfalls zur Rarität. Vom Preis her wäre dieses Fleisch erschwinglich. Nur zubereiten können es die mandeläugigen Ureinwohnerinnen nicht. Nach einer halben Stunde in rauchig heissen Bratpfannen, erfreuen angebrannte Fleischfasern keine Gaumen. Sie dienen bloss zur Stärkung der Kaukraft und der Festigung des Zahnfleisches.

Sie kennen die 1,5 Liter fassenden Wasserflaschen aus Kunststoff. Solch leere Flaschen dienen Goon als Froschbehausungen. Einige zusätzliche Löcher versorgten die Quartiere der Tiere mit Frischluft.
In jeder Flasche wohnte anfänglich eine Kaulquappe. Täglich wechselte Goon Wasser und spülte sorgfältig die Exkremente heraus. Er fütterte die Tiere liebevoll, sprach zu ihnen und beobachtete deren Wachstum. Nach ungefähr fünf Wochen füllten die Frösche fast die Abmessungen der Flaschenböden und wurden damit schlachtreif.
Weniger gewissenhaft, dafür unter Einsatz von Antibiotika gezüchtete Frösche, werden auf dem Markt in Hangdong als Massenware für hundertzwanzig Baht pro Kilogramm verschleudert. Frosch
Thais zerhacken die kompletten Frösche und mischen Fleisch und Knochenteile im Kochtopf mit Fischsauce, Kräutern und Gemüse.
Goon als Feinschmecker verzehrt nur gebratene oder gedünstete Schenkel. Das kann er sich als Selbstversorger leisten. Das Schlachten der Tiere und die Zubereitung besorgen immer noch die Eltern.